Das rhythmische Feeling eines Musikstücks wird maßgeblich von seiner Taktart bestimmt. Der 4/4-Takt ist so allgegenwärtig, dass man schnell glauben könnte, es gäbe gar keine anderen. Wenn du aber einen Song hörst und nicht genau erklären kannst, warum er sich so anders anfühlt, liegt das oft an einer ungewohnten Taktart.
Der 6/8-Takt bietet ein ganz anderes rhythmisches Gerüst als der 4/4-Takt. Schauen wir uns die Besonderheiten des 6/8-Takts genauer an: wie man ihn zählt und wie er in verschiedenen Musikbeispielen zum Einsatz kommt. Wenn du als Komponist*in oder Beatmaker*in nach frischen Ideen suchst, lohnt es sich, Musik im 6/8-Takt zu verstehen.
Direkt zum Abschnitt:
- Den 6/8-Takt verstehen
- Im 6/8-Takt zählen und spielen
- Typische Einsatzbereiche für den 6/8-Takt
- Jetzt Musik im 6/8-Takt komponieren
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Den 6/8-Takt verstehen
Bevor wir uns ganz auf den 6/8-Takt konzentrieren, machen wir einen Schritt zurück und schauen uns an, was eine Taktart überhaupt ist.
Was ist eine Taktart?
Eine Taktart bestimmt, wie Schläge (Beats) innerhalb eines Musikstücks gegliedert und gezählt werden. Die Taktangabe liefert dir zwei grundlegende Informationen:
- Welcher Notenwert als Zählzeit dient.
- Wie viele dieser Notenwerte in einen Takt passen.
In Notenform sieht eine Taktangabe wie ein Bruch aus:

Die untere Zahl (der Nenner) gibt den Notenwert an, die obere (der Zähler), wie viele davon in einem Takt stehen.
Das Grundverständnis von Taktarten ist entscheidend für den 6/8-Takt. Wenn du tiefer einsteigen willst, lies am besten unseren Leitfaden zu Taktarten in der Musik.
6/8-Takt im Vergleich zu anderen Taktarten
Die Gruppierung der Zählzeiten unterscheidet den 6/8-Takt deutlich von anderen Taktarten wie dem 3/4- oder 4/4-Takt.
Der 6/8-Takt ist eine „zusammengesetzte Taktart“ (Compound Meter) – das bedeutet, dass die Hauptschläge in Dreiergruppen unterteilt sind. Die „6“ gibt an, dass sechs Schläge pro Takt gezählt werden, während die „8“ für den Notenwert Achtel steht. Genau das verleiht dem Takt sein wiegendes, rollendes Gefühl.
Manche verwechseln 6/8 und 3/4 oder fragen sich, ob es sich um dieselbe Taktart handelt. Falls es dir auch so geht: Keine Sorge, das passiert vielen. Der Unterschied ist aber gar nicht so kompliziert.
Die Verwirrung rührt meist daher, dass drei Viertelnoten und sechs Achtelnoten rein mathematisch dieselbe Dauer haben. Der Unterschied liegt jedoch darin, wie sie gruppiert und betont werden.
Ein 3/4-Takt ist in drei Viertelnoten pro Takt unterteilt, was den typischen „Eins-Zwei-Drei“-Walzer-Charakter erzeugt. Ein 6/8-Takt hingegen besteht aus zwei Gruppen von jeweils drei Achtelnoten (oder zwei punktierten Viertelnoten) pro Takt. Daher spricht man von einer zusammengesetzten Taktart. Diese unterschiedliche Betonung macht den klanglichen Unterschied aus.
Wenn du den Unterschied noch genauer verstehen möchtest, schau dir dieses Video an:
Bei langsameren Tempi fühlt sich ein 6/8-Takt sanft und nachdenklich an – perfekt für Balladen und emotionale Stücke. Bei schnelleren Tempi wirkt er dagegen energetisch und treibend. Eine vielseitige Taktart, die Komponist*innen und Beatmaker*innen für verschiedenste Stimmungen, Genres und Grooves nutzen können.
Im 6/8-Takt zählen und spielen
Um im 6/8-Takt zu zählen, muss man seine Unterteilung im Takt verstehen. Jeder Takt enthält sechs Achtelnoten, doch wie bereits erwähnt, sind diese in zwei Hauptschläge unterteilt. Das ergibt zwei übergeordnete Beats:
„1-und-die, 2-und-die“.
So schlüsselt sich das auf:
- „1“ und „2“: Die Hauptschläge werden üblicherweise betont.
- „und-die“: Die Unterteilungen jedes Hauptschlags, die den rhythmischen Fluss tragen.
- „1-und-die“ steht für die Zählzeiten eins, zwei und drei.
- „2-und-die“ steht für die Zählzeiten vier, fünf und sechs.
Es hilft, sich auf den zugrunde liegenden Puls zu konzentrieren: zwei kräftige Schläge pro Takt, jeweils mit einem triolischen Feeling.
So spielst du im 6/8-Takt:
Fühle zuerst die beiden Hauptschläge (1 und 2).
Füge dann das „und-die“ zwischen den beiden Zählzeiten ein.
Dieser typische 6/8-Drum-Beat betont Kick und Snare auf den Zählzeiten eins und zwei und nutzt die Hi-Hat für die Schläge dazwischen.
6/8 in einer DAW
Wenn du eine neue Session in deiner DAW startest, ist standardmäßig meist ein 4/4-Takt voreingestellt. Wenn du Musik im 6/8-Takt machen möchtest, musst du als Erstes die Taktart ändern. Diesen Parameter findest du in der Regel oben in der Menüleiste oder bei den Transport- und Aufnahme-Bedienelementen.

Bestimmte Sample-Libraries wie Mallet Flux bieten außerdem die Möglichkeit, Presets nach Taktarten zu filtern. So kannst du nach ungeraden Taktarten sortieren, wozu in diesem Fall auch 6/8 gehört:

Typische Einsatzbereiche für den 6/8-Takt
Schauen wir uns einige zentrale Anwendungsbereiche an, in denen der 6/8-Takt besonders gern eingesetzt wird:
1. Bewegung und Flow erzeugen
Wie schon erwähnt, zeichnet sich der 6/8-Takt vor allem durch seinen rollenden Rhythmus aus, der durch die Aufteilung von sechs Achtelnoten in zwei Dreiergruppen entsteht. Diese Bewegung treibt kontinuierlich nach vorne und macht die Taktart ideal für Songs, die Dynamik und Schwung transportieren sollen. Dieses fließende Rollen hörst du beispielsweise in „Pink + White“ von Frank Ocean:
2. Kraftvolle, emotionale Musik
Der 6/8-Takt eignet sich hervorragend, um eine epische, hochemotionale Atmosphäre zu schaffen. Das natürliche Auf und Ab, erzeugt durch die Akzente auf den Hauptschlägen, wirkt erhaben und cineastisch. Vielleicht verbinden wir diese Taktart auch deshalb damit, weil sie in einigen legendären Hymnen steckt. Fest steht jedenfalls: Im 6/8-Takt lässt sich genau diese Wirkung perfekt entfalten. Hör dir etwa das weltberühmte „We Are The Champions“ von Queen an, um das zu erleben.
3. Lyrics optimal unterstützen
Der 6/8-Takt kann dafür sorgen, dass Gesangsmelodien besonders fließend oder wie gesprochen wirken. Die Unterteilung der Zählzeiten ermöglicht eine ganz eigene Prosodie (also den natürlichen Sprachrhythmus in Lyrik und Songwriting). Textzeilen lassen sich dadurch völlig anders dehnen und phrasieren als im 4/4-Takt. Nicht ohne Grund ist der 6/8-Takt im vokalbetonten R&B so beliebt. Hör dir dazu „Dangerous Woman“ von Ariana Grande an:
4. Tanzmusik
Der 6/8-Takt ist eng mit traditioneller Tanzmusik verknüpft, da sein Rhythmus ein klares, gleichmäßiges Tempo für Choreografien vorgibt. Traditionelle Tänze wie der irische Jig werden häufig zu Musik im 6/8-Takt getanzt. Ein Beispiel dafür hörst du in diesem irischen Tanz-Medley:
5. Filmmusik und Game-Soundtracks
Der 6/8-Takt ist wie gemacht für Soundtracks, wenn du dem allgegenwärtigen 4/4-Takt entkommen willst. Sein rollender Rhythmus erzeugt Bewegung, und die Struktur aus zwei Dreiergruppen verleiht der Musik eine fließende Note, die sich perfekt zum Erzählen von Geschichten eignet.
Hör dir dazu Borislav Slavovs ikonischen Track „Who Are You“ aus dem Baldur’s Gate 3 Original Soundtrack an:
Jetzt Musik im 6/8-Takt komponieren
Man gerät schnell in die Routine, ausschließlich im 4/4-Takt zu produzieren. Natürlich hat 4/4 seine Berechtigung. Wenn du deinen Horizont jedoch um neue Taktarten erweiterst, wächst du als Komponist*in oder Beatmaker*in enorm. Der 6/8-Takt hat einen einzigartigen Charakter – und wenn du ihn verstehst, kannst du Tracks mit seinen unverwechselbar rollenden Rhythmen bauen. Starte noch heute kostenlos mit Komplete Start und experimentiere mit dem 6/8-Takt.