|Liam Mitchell

Musikproduktion 101: So startest du mit dem Produzieren

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Music production 101: How to start producing music

Was ist Musikproduktion? Heutzutage versteht man darunter meist den gesamten Prozess der Entstehung eines fertigen Musikstücks: vom ersten Funken Inspiration über das Songwriting, die Aufnahme, das Formen von Sounds und den Einsatz von Effekten bis hin zum finalen Mixing und Mastering eines veröffentlichungsreifen Tracks.

Das ist natürlich noch keine wirklich befriedigende Antwort – spulen wir also ein wenig zurück. Traditionell war „Musikproduzent*in“ fast immer eine ganz eigene Rolle, die von einem Profi ausgefüllt wurde – im Unterschied zu Rollen wie „Songwriter*in“, „Künstler*in“ oder „Engineer“. Die Grenzen der Produzentenrolle waren meist fließend, aber im Grunde übernahm diese Person die kreative Leitung im Studio: Sie half den Künstler*innen dabei, die bestmögliche Version ihres Tracks zu entwickeln und im Studio festzuhalten. Zudem stand sie dem technischen Studiopersonal zur Seite – von Recording- bis zu Mixing-Engineers.

Bis zum Aufkommen erschwinglicher, computerbasierter Produktions-Workflows waren an der Entstehung eines einzelnen Tracks typischerweise all diese und noch viele weitere Rollen beteiligt. Oft schrieben Künstler*innen ihre Songs selbst, und manche Produzent*innen übernahmen auch das Engineering – üblich war es jedoch, all diese Aufgaben und viele weitere Schlüsselfunktionen auf ein großes Team zu verteilen. In der Spitzenliga der Musikindustrie läuft es mitunter (wenn auch nicht immer!) heute noch so.

Homestudio-Setup für Musikproduktion mit Computer, Monitorboxen und MIDI-Controller

Heute, da erschwingliche (oder sogar kostenlose) Software-Tools für die Musikproduktion überall verfügbar sind, ist es völlig normal geworden, dass eine einzige Person als Producer*in für einen kompletten Track verantwortlich ist – vom Songwriting und Einspielen über das Arrangement und die Aufnahme bis hin zum Mixing und sogar Mastering. Diese Einzelkämpfer*innen – oft als „Bedroom-Producer*innen“ bezeichnet – haben der Musikkultur innerhalb weniger Jahre ihren Stempel aufgedrückt: „In the box“-Produktionen (also Musik, die komplett im Rechner entsteht) sind in vielen Genres zum Standard geworden, die HipHop-Welt wurde von unentdeckten jungen Talenten auf den Kopf gestellt, die online unglaubliche Beats verkaufen, und mit Platin ausgezeichnete Pop-Alben entstanden buchstäblich im heimischen Schlafzimmer.

Und genau um diese Art von Producer*innen geht es hier. Klingt nach dir? Dann lies weiter: Hier kommt dein Crashkurs in Sachen Musikproduktion – weniger eine starre Schritt-für-Schritt-Anleitung, sondern vielmehr ein Wegweiser durch dieses vielseitige Thema. Ohne uns in einzelnen Bereichen zu verlieren, liefern wir dir alles Wichtige und jede Menge Links, mit denen du tiefer in die Materie einsteigen und dein Handwerk perfektionieren (oder einfach dein Wissen auffrischen) kannst. Wir beginnen mit den Grundlagen des Einstiegs in die Musikproduktion, widmen uns dann den Recording-Basics, zeigen dir, wie du deinen Sound findest und formst, und schließen mit Mixing und Mastering ab. Und lies unbedingt bis zum Schluss: Dort findest du weitere Tipps, wie du dich kontinuierlich weiterentwickelst.

Bevor du loslegst, solltest du dir aber unbedingt KOMPLETE START ansehen – ein kostenloses Paket mit Synths, gesampelten Instrumenten, Effekten, Loops und Samples in Studioqualität für deinen perfekten Einstieg (keine Sorge: Was das alles genau ist, erklären wir dir später!).

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Inhalt

Schritt 1: Der Einstieg in die Musikproduktion

Moderne Musikproduktion nutzt alle Möglichkeiten digitaler Tools und erlaubt es dir, ein leistungsstarkes, individuelles Tonstudio direkt auf deinem Computer einzurichten. Musikproduktions-Software ist längst nicht nur für elektronische Musik da – auch traditionelle Live-Instrumente und orchestrale Partituren werden heute immer häufiger digital komponiert, aufgenommen und bearbeitet.

Wähle eine DAW

Eine Digital Audio Workstation (DAW) ist die Schaltzentrale deiner gesamten Produktion – eine Plattform zum Aufnehmen von Spuren, Erstellen von Arrangements, Einbinden von Effekten und Abmischen von Pegeln. Sie ist deine wichtigste Software. Am Markt gibt es verschiedene DAWs, die als Industriestandard gelten – jede mit einem eigenen Ansatz für denselben grundlegenden Workflow: Spuren in einem Raster arrangieren, Effekte auf einzelne Kanäle anwenden und die Pegel im Mixer einstellen.

Egal, ob du Live-Sounds aufnimmst oder virtuelle Instrumente spielst: In der DAW läuft alles zusammen.

Sounds und Samples

Als Nächstes brauchst du ein Instrument oder eine Klangquelle. Das kann eine echte Live-Aufnahme sein, die du mit einem Mikrofon als Audiodatei aufnimmst, oder ein Software-Instrument, das du direkt in der DAW spielst. Software-Klangquellen lassen sich meist in zwei Kategorien einteilen: gesampelt und synthetisiert. Gesampelte Instrumente basieren auf hochwertigen Audioaufnahmen echter Sounds, die über eine Klaviatur gemappt und wie ein Software-Instrument gespielt werden können. Unser Flaggschiff-Sampler KONTAKT hostet viele unserer beliebtesten Instrumente und enthält bereits eine vielseitige Auswahl für den Einstieg. Es gibt sogar eine kostenlose Version.

Ein Synthesizer hingegen erzeugt ein Audiosignal von Grund auf, ausgehend von simplen elektronischen Wellenformen. Synths gibt es in den unterschiedlichsten Varianten – von subtraktiven Synthesizern im analogen Stil wie MONARK über komplexere digitale Workstations wie FM8 bis hin zu vielseitigen Wavetable-Kraftpaketen wie MASSIVE X.

Die meisten DAWs enthalten bereits eine Reihe von Instrumenten- und Effekt-Plug-ins. Dieses Setup kannst du nach Belieben erweitern und deinen Sound mit einer Fülle genrespezifischer Expansions verfeinern. Eine kostenlose Auswahl an Loops und Samples aus unseren Expansions sowie mehrere gesampelte Instrumente und Synthesizer in Studioqualität findest du in KOMPLETE START.

Audioausgabe

Um Musik zu produzieren, brauchst du natürlich ordentliche Lautsprecher oder Kopfhörer. Das Ziel dabei ist ein möglichst linearer Frequenzgang für eine saubere, präzise Wiedergabe deiner Arbeit – es geht nicht um den wuchtigsten oder am schönsten gefärbten Klang, sondern um ein möglichst exaktes und objektives Klangbild. Wenn dein Computer über einen integrierten Audioausgang verfügt, kannst du dich direkt einstöpseln. Für maximale Klangqualität lohnt sich jedoch die Investition in ein echtes Audio-Interface. Diese Geräte bieten vielseitige Eingänge für Instrumente oder Mikrofone sowie Ausgänge für verschiedene Lautsprecher-Setups.

KOMPLETE AUDIO-Interfaces entdecken

Native Instruments Komplete Audio-Interface auf einem Studiotisch

Schritt 1: Setup für die Aufnahme deiner (echten oder virtuellen) Instrumente und Sounds

In der Recording-Phase fängst du die Essenz deines Projekts ein und hältst Elemente und Ideen auf den Spuren deiner DAW fest. Hier entsteht der eigentliche Flow – und es ist vielleicht der zugänglichste Teil beim Erlernen der Musikproduktion. Für welches Genre oder welche Musikform du dich auch interessierst: Für die Aufnahme gibt es im Wesentlichen zwei Wege – entweder nimmst du echte, externe Instrumente auf oder du arbeitest direkt im Computer mit Software-Plug-ins.

Live-Sounds aufnehmen

Das Arbeiten mit Audiodateien ist der traditionelle Weg der Musikproduktion – und war lange Zeit der einzige, bis digitale Technologien die Szene von Grund auf verändert haben. Um E-Gitarren, Synths oder Keyboards aufzunehmen, schließt du sie über ein Audio-Interface an deine DAW an. Für akustische Instrumente und Vocals verbindest du einfach ein Mikrofon.

Von hier an bietet dir die DAW unendliche Möglichkeiten zum Arrangieren, Editieren und Bearbeiten mit Effekten. Wenn du nach weiteren Tipps für gelungene Aufnahmen suchst, wirf einen Blick in unsere praktischen Recording-Tipps. Und denk daran: Recording muss nicht auf die vertraute Umgebung deines Studios beschränkt sein (oder auf Schlafzimmer, Wohnzimmer oder wo auch immer dein Rechner steht). Für etwas Field-Recording-Inspiration solltest du dir ansehen, wie YouTube-Phänomen Andrew Huang mit dem Mikrofon loszieht – und dir direkt hier im Blog seine eigenen Tipps zur Musikproduktion durchlesen.

Einen MIDI-Controller nutzen

Riesige Fortschritte in der Computertechnologie und Musiksoftware haben in den letzten Jahrzehnten eine völlig neue Art geschaffen, Musik „in the box“ zu produzieren. Anstatt externes Audio aufzunehmen, nutzen Producer*innen die MIDI-Notation (Musical Instrument Digital Interface), um Software-Instrumente einzuspielen und mit ihnen zu komponieren. MIDI steht für „Musical Instrument Digital Interface“ und ist das weltweite Standardprotokoll für musikalische Notendaten. Praktisch alle Keyboards und elektronischen Musik-Hardwaregeräte verfügen über Ein- und Ausgänge für MIDI-Kompatibilität.

Über MIDI-Noten kannst du virtuelle Instrumente ansteuern, um Melodien und Akkord-Pattern abzuspielen, die du im Piano-Roll-Editor deiner DAW einzeichnest. Oder du schließt ein Keyboard an, um MIDI-Pattern live mit organischem, menschlichem Feeling einzuspielen. MIDI-Keyboards und -Controller bieten dir einen direkten Hardware-Workflow mit allen klanglichen Möglichkeiten und der Flexibilität von Software-Plug-ins.

MIDI-Regionen speichern zudem Anschlagstärkewerte (Velocity) und können hunderte weitere Parameter steuern. Falls das alles etwas technisch – oder gar unkreativ – klingt: keine Sorge. In der Praxis richtest du einen MIDI-Controller einmal ein und spielst ihn danach wie jedes andere Instrument.

Unsere eigenen NKS-fähigen Controller – die Keyboards der KOMPLETE KONTROL-Reihe und die MASCHINE-Grooveboxen – gehen noch einen Schritt weiter: Sie unterstützen deinen Workflow, indem sie im Hintergrund alles intuitiv zuweisen. Je nach Modell behältst du dank beleuchteter Tasten, Farbdisplays und weiterer Features stets den Überblick darüber, welcher Regler was steuert.

KOMPLETE KONTROL-Keyboards entdecken

MASCHINE entdecken

Audioeffekte hinzufügen

Nachdem du erste Elemente aufgenommen hast, kannst du das trockene Audiosignal mit Bearbeitungstools und Audioeffekten weiter formen und verfremden.

Deine DAW ist wahrscheinlich schon mit verschiedenen Effekt-Plug-ins ausgestattet, und du kannst dein Arsenal mit professionellen Lösungen von Drittanbietern gezielt erweitern. Effekte lassen sich für dezente Anpassungen im Mix einsetzen – etwa für mehr Dynamik und Räumlichkeit – oder extrem aufdrehen, um dramatische Ergebnisse zu erzielen.

Effekte kommen in jeder Phase der Produktion zum Einsatz, um einzelne Spuren sowie das Gesamtbild zu formen und auszubalancieren. Die Möglichkeiten für kreatives Sound-Design sind praktisch grenzenlos – von warmer Vintage-Sättigung bis hin zu spacigen Echos und pulsierenden Delays.

Reverb-Effekte bilden die akustischen Reflexionen realer Räume nach – von intimer Zimmerakustik über gewaltigen Kathedralhall bis hin zu surrealen Klanglandschaften. Reverb spielt auch beim Mixing eine entscheidende Rolle: Er entschärft trockene Signale, lässt Sounds nahtlos miteinander verschmelzen und verleiht dem Mix mehr Tiefe.

Unsere Effekte entdecken

Bedienelemente eines Audioeffekt-Plug-ins in einer Digital Audio Workstation

Schritt 3: Finde deinen Ausdruck

Musikmachen ist keine exakte Wissenschaft, und das technische Setup ist nur die halbe Miete. Der Rest dreht sich um Ausdruck – darum, deine eigene Geschichte zu erzählen und einen ganz persönlichen Produktions-Workflow aufzubauen. Wenn du nach einem kurzen Leitfaden zur Kunst des eigentlichen Schreibens von Musik suchst – im Unterschied zum technischen Prozess des Aufnehmens oder Produzierens –, schau dir diesen Artikel zum Thema Musik machen an.

So findest du deinen Sound

Viele erfolgreiche Künstler*innen haben eine formale Ausbildung genossen, noch viel mehr sind Autodidakt*innen. Beides sind absolut legitime Wege – bring also das ein, was du bereits weißt, und setze auf deine individuellen Stärken. Es spricht viel dafür, Musiktheorie zu lernen, aber mindestens genauso viele Meisterwerke sind entstanden, indem alle Regeln über Bord geworfen wurden.

Alles kann ein Ausgangspunkt sein, ein Sprungbrett für Inspiration und deinen kreativen Flow – ein Riff, das dir plötzlich in den Kopf schießt, ein bestimmtes Instrument oder Plug-in oder ein kurzer aufgenommener Audio-Schnipsel.

Beim Musikhören kannst du dein „Gehör schulen“ (deine akustische Wahrnehmung verbessern), indem du dich ganz gezielt auf einzelne Elemente und Sound-Kombinationen konzentrierst, aus denen ein Track besteht. Durch diese Dekonstruktion wirst du allmählich die Mechanismen der Musikproduktion verstehen, die am Ende die Magie ausmachen.

Video-Demos (wie auf unserem YouTube-Kanal) sind eine großartige Hilfe beim Einstieg in die Musikproduktion: Sie vermitteln unterschiedlichste Studiotechniken und Lifehacks in leicht verständlichen Tutorials. Auch Online-Foren lohnen sich, um konkrete Fragen zu klären oder Probleme zu lösen. Das neu aufgelegte Native Instruments Community-Forum ist die ideale Anlaufstelle für Tipps und Diskussionen rund um unsere Produkte – oder für den allgemeinen Austausch übers Produzieren.

Eine der nützlichsten Communities für angehende Producer*innen ist zweifellos metapop. Es ist nicht nur einer der sympathischsten Orte im Web, um über die Kunst und das Handwerk des Musikmachens zu diskutieren, sondern auch perfekt, um an Remix-Wettbewerben teilzunehmen, tolle Preise zu gewinnen und Tracks einzureichen, um Feedback von Profi-Mentor*innen und der Community zu bekommen. Bücher lesen, Videos schauen und Blogs durchstöbern ist ein super Anfang – aber deine Skills heben erst so richtig ab, wenn du Tracks fertigstellst und sie mit Gleichgesinnten teilst.

Die Rolle als Musikproduzent*in war noch nie so wandelbar wie heute – und der Hunger nach neuen Sounds, Genres und technologischen Durchbrüchen noch nie so groß. Jetzt ist also der perfekte Moment, um mit dem Musikproduzieren loszulegen und dich als Künstler*in zu entdecken.

Elemente eines Tracks

Es gibt viele Arten, ein Projekt zu betrachten – meistens zoomt man nah an einzelne Spuren und Sounds heran, aus denen Beats, Akkorde und Atmosphären entstehen.

Zoomt man jedoch heraus, besitzt die gesamte Produktion einen ganz eigenen Charakter – mit Instrumenten, Tempi und Arrangements, die jeweils typisch für bestimmte Genres sind.

Ganz gleich, in welchem Genre du dich bewegst: Ein solides Rhythmusfundament aus Beats und Bass ist essenziell. Ein Großteil der Dance-Music basiert auf dem Zusammenspiel markanter Kick- und Bass-Elemente. Wenn du wissen willst, wie du druckvolle Kick-Sounds baust, die viele moderne Stile elektronischer Musik prägen, schau dir unser Feature mit dem Produzenten-Duo FJAAK an.

Darauf aufbauend kannst du beliebig viele Spuren mit Melodien, Vocals und Pads layern. Achte jedoch darauf, den Mix nicht zu überladen – nach dem Prinzip „Weniger ist mehr“ wirken musikalische Ideen oft klarer und präziser.

Sound-Design

Vielleicht fragst du dich: Wie fange ich an, Musik zu machen, die wirklich originell klingt? Das ist die Gretchenfrage. Es ist eine Sache, den Stil deiner Lieblings-Acts nachzuahmen – einen eigenen, frischen Sound zu entwickeln, ist das nächste Level.

Vieles davon hängt vom Sound-Design ab. Bestimmte Artists erkennt man sofort – ganz egal, ob es an der Klangfarbe, am Mixing oder an der Spiel- bzw. Gesangsweise liegt: Sie alle nutzen charakteristische Klangpaletten, um eine unverwechselbare klangliche Handschrift zu schaffen.

Gleichzeitig baut jede Musik und Kunst auf Bestehendem auf. Die Entwicklung des eigenen Sounds ist ein fließender Übergang zwischen konventionellen, „korrekten“ Methoden und innovativen Kniffen.

Beginne damit, mit Preset-Sounds zu experimentieren, sie nach deinem Geschmack zu kombinieren und zu layern. Probiere aus, Parameter anzupassen und Automationen hinzuzufügen, um deinem Track mehr Bewegung zu verleihen.

Spiel ruhig mit Fehlern, nutze glückliche Zufälle („Happy Accidents“) und entwickle spontane Ideen weiter. Gleichzeitig solltest du nicht zögern, unausgegorene Ideen wieder zu verwerfen und Elemente auszutauschen – du wirst spüren, wann es richtig klingt.

Und falls dir mal die Inspiration ausgeht, schau dir unsere Features mit renommierten Sound-Designer*innen wie Robert Dudzic, Richard Devine und Sam Bird an.

Zum Crashkurs für Sound-Design

Musikproduzent*in beim Bearbeiten von Sound-Design-Presets an einem Software-Synthesizer

Schritt 4: Mixing und Mastering

Mit den Mixing- und Mastering-Phasen fängt die Arbeit gewissermaßen erst richtig an: Hier räumst du dein Projekt auf und führst alle rohen Ideen zu einer vollendeten Komposition zusammen. Um eigene Tracks auf professionellem Niveau zu produzieren, ist ein grundlegendes Verständnis der Postproduktion unerlässlich. Zwar mischen und mastern viele Producer*innen und Artists ihre Tracks heute selbst, doch es gibt nach wie vor viele Spezialist*innen, die genau davon leben. Falls du dir eine solche Karriere vorstellen kannst, lies nach, was einige der besten Mixing- und Mastering-Engineers über diese feine Kunst und ihre Rolle im Musikbusiness erzählen.

Mixing

Beim Mixing geht es darum, einzelne Sounds zu formen, sie gegeneinander abzustimmen und sicherzustellen, dass dein Track an jeder Stelle die gewünschte Wirkung entfaltet. In modernen Workflows verschwimmen die Grenzen zwischen Produktion und Mixing oft – manchmal so sehr, dass es gar keine separate „Mixing-Session“ mehr gibt. Typischerweise umfasst Mixing jedoch:

  • Balancing: Die Pegel der Spuren zueinander abmischen – etwa dafür sorgen, dass eine Lead-Vocal klar über einer Rhythmusgitarre zu hören ist.
  • EQ-Tools nutzen: Mit dem Equalizer bestimmte Frequenzen anheben oder (häufiger) absenken, um gewünschte Soundanteile zu betonen und störende Spitzen oder Frequenzüberlagerungen zwischen Instrumenten zu glätten.
  • Sounds komprimieren: Lautstärkespitzen ausgleichen oder dem Sound gezielt Charakter verleihen – zum Beispiel den Attack eines E-Basses betonen oder den „Körper“ einer Snare hervorheben. Kompression wird auch oft auf Spurgruppen oder dem Master-Kanal eingesetzt, um die Gesamtdynamik zu kontrollieren oder Elemente miteinander zu verschmelzen („Glue-Kompression“).
  • Subtiler Einsatz von Kreativeffekten wie Reverb, Delay oder Sättigung/Verzerrung. Schickt man beispielsweise Anteile mehrerer Spuren durch dasselbe Raum-Reverb, entsteht der Eindruck, dass alle im selben Raum aufgenommen wurden. Das ist besonders praktisch, wenn du komplett „in the box“ mit virtuellen Instrumenten oder Synthesizern arbeitest.
  • Automationen nutzen: Veränderungen dieser Parameter passend zu den jeweiligen Songabschnitten automatisieren. Vielleicht möchtest du im Refrain lautere Gitarren oder in ruhigeren Passagen mehr Reverb auf den Vocals.
  • Panning: Spuren im Stereofeld nach links und rechts verteilen. Ein gezielter Umgang mit dem Stereomix verleiht dem Track Tiefe und Räumlichkeit. Zudem lässt sich so verhindern, dass sich Sounds gegenseitig in die Quere kommen – indem man etwa die Lead-Vocal in die Mitte legt und ein konkurrierendes Synth-Riff zu einer Seite pannt.

Einen hervorragenden Leitfaden rund ums Mixing findest du bei unseren Freund*innen von iZotope:

Grundlagen des Mixings

Mastering

Mastering ist die letzte Produktionsphase, in der die finale Fassung deines Werks entsteht. Früher galt Mastering als eine Art Geheimwissenschaft – eine Mischung aus technischer Zauberei und klanglicher Geheimrezeptur, die aus einem Mix einen radiotauglichen Hit macht. Heute gibt es jedoch Tools, mit denen du einen Track auch ohne „goldene Ohren“ selbst mastern kannst. Die Mastering-Suite Ozone von iZotope bietet intelligente Features, die deinen Mix analysieren und basierend auf Genre und gewünschter Lautheit einen perfekten Ausgangspunkt vorschlagen.

Auch hier gilt: In modernen Workflows gehen Produktion, Mixing und Mastering oft nahtlos ineinander über. Dennoch empfiehlt es sich meist, den Mix auf eine einzelne Stereospur zu bouncen und sich diesem letzten Schritt separat zu widmen. Eine typische Mastering-Session umfasst meist folgende Schritte, von denen manche vielleicht schon auf Spur- oder Bus-Ebene (bzw. Gruppenebene, je nach DAW) angewendet wurden:

  • Den Mix per EQ bearbeiten: etwa um wichtige Frequenzen herauszuarbeiten, einen matschigen Bassbereich aufzuräumen oder gängigen Genre-Konventionen zu entsprechen (Ozone hilft dir mit Preset-Vorschlägen oder durch die Analyse ausgewählter Referenz-Tracks).
  • Kompression: um die Gesamtdynamik über den gesamten Track hinweg zu kontrollieren oder für gezielten Klangcharakter zu sorgen (Druck bzw. „Punch“ wird etwa oft mit bestimmten Kompressor-Einstellungen assoziiert). Im Mastering eingesetzte Kompressoren sind oft komplexer und arbeiten häufig separat auf mehreren Frequenzbändern (Multiband-Kompression).
  • Kreativwerkzeuge wie Stereoverbreiterung oder Sättigung: Normalerweise gehören solche Bearbeitungen eher ins Mixing, doch im Mastering bieten sie eine letzte Möglichkeit, dem Track zusätzlichen Glanz zu verleihen.
  • Am Ende der Signalkette ein Limiter: Im Grunde ein sehr zupackender Kompressor, der Pegelspitzen ab einem bestimmten Schwellenwert rigide abfängt. Mitunter dient er lediglich als Schutz vor unschönem Clipping (Übersteuern). Fährt man das Audiosignal jedoch heißer in den Limiter, lässt sich ein lauter, druckvoller Sound erzielen, der in bestimmten Genres gefragt ist.
  • Klassischerweise gehört zum Mastering auch die Vorbereitung für den Release: die finalen Dateien in den richtigen Formaten exportieren, Tracks anordnen, Metadaten einbetten und Dithering.

Wenn du tiefer in die Welt des Masterings eintauchen willst, empfehlen wir dir den hervorragenden Einsteiger-Guide unserer Freund*innen von iZotope:

Grundlagen des Masterings

Schritt 5: Wie es weitergeht – Ressourcen rund um die Musikproduktion

Musikproduzieren zu lernen ist ein Prozess aus Kreieren, Performen, Wachsen, Verändern, Zusammenarbeiten und Teilen. Es gibt immer Neues zu lernen und zu entdecken, wenn du die Grundlagen verschiedener Genres erforschst und die Musik der Zukunft produzierst.

Warum fängst du nicht gleich hier auf dem Blog von Native Instruments an? In unseren Interviews voller Praxis-Tipps steckt jede Menge Know-how – genau wie in den Tipps und Tricks und den vielen Freebies, mit denen du deinen Sound-Vorrat kostenlos aufstocken kannst. Und sobald deine Tracks Gestalt annehmen, findest du bei unseren Freund*innen von iZotope alles, was du über Mixing und Mastering wissen musst, um sie startklar für die Welt zu machen.

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