Acid House ist ein innovatives Subgenre der Dance-Musik, das Mitte der 1980er-Jahre in Chicago entstand und sich durch treibende House-Beats und einen elektronischen Ansatz bei der Instrumentierung auszeichnet. Die meisten Acid-House-Tracks basieren auf hypnotischen, sich modulierenden Synth-Lines, die überwiegend mit dem legendären Roland TB-303 Bass-Synthesizer erzeugt werden.
In diesem Einsteiger-Guide zur Produktion von Acid House zeigen wir dir, wie du einen von der TB-303 inspirierten Synth-Sound kreierst, einen groovenden House-Beat baust und ein facettenreiches Arrangement mit genretypischen Synth-Texturen zusammenstellst – für einen authentischen Acid-House-Sound, der genau so klingt:
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Produziere direkt mit: Die Expansion LIQUID ENERGY von Native Instruments liefert dir die pulsierenden, treibenden und kompromisslosen Sounds des Acid House.
Was ist Acid-House-Musik?
Der Track, dem das Genre seinen Namen verdankt, ist „Acid Tracks“ von Phuture – eine House-Platte aus dem Jahr 1987, auf der die Roland TB-303 für eine psychedelische, modulierende und resonante Synth-Bassline sorgte, wie man sie zuvor noch nie gehört hatte.
Die Platte wurde im Underground der Dance-Musik extrem einflussreich und begründete im Grunde ein eigenes Subgenre, das sich weltweit verbreitete – vor allem in Großbritannien, wo der neue Acid-Sound 1988 die britische Rave-Szene und den sogenannten „Second Summer of Love“ auslöste.
Zwar war die TB-303 zweifellos der wichtigste Synthesizer der neuen Acid-House-Welle, die im Fahrwasser von „Acid Tracks“ entstand (wie etwa „Voodoo Ray“ von A Guy Called Gerald), doch nicht jeder Acid-House-Track nutzte genau dieses Instrument.
Nach der Acid-House-Explosion der späten 80er-Jahre entwickelte sich der 303-Sound zum prägenden Markenzeichen weiterer „Acid“-Genres wie Hard Trance.
Manche Kritiker*innen bezeichnen das 1982 erschienene, stark auf der TB-303 basierende Album „Ten Ragas to a Disco Beat“ von Charanjit Singh als das früheste Beispiel für Acid House. Auch wenn Singh zweifellos zu den ersten Musikern gehörte, die die TB-303 intensiv einsetzten, wäre es übertrieben, seine Fusion aus klassischen indischen Ragas und Disco-Beats als „House“ zu bezeichnen – und „Ten Ragas to a Disco Beat“ bietet auch nicht diesen sich modulierenden 303-Sound, den „Acid Tracks“ etablierte. Dennoch ist es ein großartiges Werk und eine faszinierende Hörerfahrung für alle Fans von Acid House und elektronischer Musik im Allgemeinen.
So produzierst du einen Acid-House-Track
In diesem Walkthrough nutzen wir MASSIVE, BATTERY 4, KOMPLETE KONTROL, DRIVER und die Expansion LIQUID ENERGY von Native Instruments zusammen mit iZotope Ozone 10, um einen Acid-House-Track von Grund auf aufzubauen. So legst du los:
1. Erstelle einen Synth-Patch im 303-Stil
Bauen wir mit MASSIVE einen Patch im Stil der Roland TB-303, der als Herzstück unseres Tracks dient. Lade das Instrument auf eine MIDI-Spur in deiner DAW und wähle File > New Sound, um den Patch zu initialisieren.

Das liefert uns einen rohen Sound auf Sägezahn-Basis. Komponieren wir einen eintaktigen Acid-Loop auf Sechzehntelnoten-Basis, damit wir beim Sound-Design direkt etwas zum Vorhören haben. Für alle MIDI-Sequenzen verwenden wir Velocity-Werte von 100, sofern nicht anders angegeben.

So klingt das mit unserem initialisierten Patch:
Die Roland TB-303 ist ein relativ unkomplizierter Synth mit einem einzigen Oszillator, der sich entweder auf eine Rechteck- oder eine Sägezahn-Wellenform einstellen lässt. Unser initialisierter MASSIVE-Patch nutzt das Wavetable „Square – Saw I“, das wir durch Drehen auf das Minimum bzw. Maximum als reines Rechteck oder reinen Sägezahn einstellen können.
Die zweite Kernkomponente des 303-Sounds ist das 18-dB-Lowpass-Filter. MASSIVE hat bereits ein von der 303 inspiriertes Lowpass-Filter an Bord – treffenderweise mit dem Namen „Acid“. Stellen wir Filter 1 des Synths nun auf den Filtertyp Acid ein. Klicke dazu im Bereich von Filter 1 auf „None“ und wähle „Acid“ aus dem Dropdown-Menü.

Dadurch wird der Sound dumpfer.
Bei der 303 moduliert eine Hüllkurve die Cutoff-Frequenz des Filters. Das bilden wir nach, indem wir den Modulations-Handle „1Env“ auf den ersten Slot unter dem Cutoff-Drehregler von Filter 1 ziehen. Damit weisen wir MASSIVE an, die Cutoff-Frequenz mit der ersten Hüllkurve zu modulieren.

Drehe den Regler ganz nach unten und ziehe dann im Slot mit der 1Env-Zuweisung nach oben, sodass der blaue Ring den Drehregler komplett umschließt. Dadurch moduliert die erste Hüllkurve die Filter-Cutoff-Frequenz mit maximaler Intensität.

Langsam nähert sich das Ganze einem echten Acid-Sound an.
Über die Macro-Sektion von MASSIVE verschaffen wir uns schnellen Zugriff auf die wichtigsten Parameter des Sounds. Ziehe den Modulations-Handle neben Macro 2 in den zweiten Slot unter dem Cutoff-Regler und stelle auch hier die Modulationsstärke auf das Maximum ein.

Durch einen Klick auf das Textfeld darunter können wir das Macro benennen. Nennen wir dieses Macro „Cutoff“.

Resonanz ist ein elementarer Bestandteil des 303-Sounds. Drehe den Resonance-Regler in Filter 1 ganz herunter, weise ihm Macro 3 zu und drehe auch hier die Modulationsstärke voll auf.

Wir benennen Macro 3 als „Resonance“.

Die 303 bietet einen Regler für Modulation Amount. Das bilden wir mit einem Macro nach. Klicke auf den Reiter „1Env“, um die erweiterten Einstellungen der Hüllkurve zu öffnen. Weise Macro 4 dem Regler „Attack Level“ zu, drehe auch diesen Regler ganz herunter und ziehe die Modulationsstärke voll auf.

Benenne dieses Macro als „Mod Amount“.

Ein weiterer wichtiger Parameter der 303 ist das Hüllkurven-Decay. Drehe den Decay-Regler der Hüllkurve ganz herunter, weise ihm Macro 5 zu und drehe die Modulationsstärke voll auf. Drehe auch den Regler „Decay Level“ ganz herunter.

Benenne Macro 5 als „Decay“.

Weisen wir Macro 6 der Oszillator-Wellenform zu. Ziehe es auf den ersten Slot unter dem Drehregler „Wt-position“ von Oscillator 1, drehe den Regler ganz herunter und setze die Modulationsstärke auf das Maximum.

Benenne Macro 6 als „Shape“.

Die 303 besitzt einen Pitch-Regler zur Tonhöhensteuerung. Um das nachzubauen, weise Macro 7 dem ersten Slot unter dem Pitch-Parameter von Oscillator 1 zu und stelle die Modulationsstärke rechts daneben auf 12,00 Halbtöne ein.

Stelle den Pitch-Parameter auf -12,00, damit die Basslines bei Bedarf schön tief hinabreichen können.

Benenne Macro 7 als „Tuning“.

Mit unserem letzten Macro steuern wir die Glide-Zeit des Patches. Zuvor sollten wir den Patch jedoch monophon schalten. Klicke auf den Voicing-Reiter und stelle den Voice-Modus auf „Monophon“.

Klicke nun auf den Osc-Reiter und drehe den Time-Regler im Glide-Bereich ganz herunter.

Weise Macro 8 dem Time-Regler zu und stelle die Modulationsstärke auf etwa 11 bis 12 Uhr ein.

Benenne Macro 8 als „Glide“.

Standardmäßig sind alle unsere Macros ganz heruntergedreht – bei der Wiedergabe wirst du also noch nicht viel hören. Drehe die Macros Cutoff, Resonance, Mod Amount und Decay auf die 12-Uhr-Position, um eine solide Ausgangsbasis für einen Acid-Sound zu schaffen.

Jetzt kannst du dir diesen vertrauten Acid-Sound holen, indem du die Macros Cutoff und Resonance anpasst, und den Klang mit Mod Amount und Decay noch weiter verfeinern.
Probiere eine hohe Resonance-Einstellung mit voll aufgedrehtem Shape-Regler aus, um einen klassischen, resonanten Acid-Sägezahn zu erzeugen.

Verpassen wir dem Mix noch etwas Verzerrung für einen raueren Acid-Sound im Stil der 90er-Jahre. Lade den Effekt Native Instruments Driver auf den Track und drehe den Res-Regler auf 0,8, um dem Sound mehr Biss zu verleihen.

2. Einen Beat im 909-Stil bauen
Jetzt bauen wir mit BATTERY 4 einen Drum-Beat im Stil der Roland TR-909. Lade das Instrument auf einen neuen Track und öffne das Preset 909 Detailed Kit.

Beginne damit, auf jedem Beat des Takts C1-Kick-Drums zu sequenzieren.

Füge als Nächstes zwischen jedem Beat C#5-Rides mit einer Velocity von 85 hinzu.

Setze nun auf den ersten beiden Sechzehntelnoten jedes Beats E5-Closed-Hats mit einer Velocity von 88.

Füge auf dem zweiten und vierten Beat des Takts D#5-Claps hinzu.

Füge D5-Rimshots auf der dritten und vierten Sechzehntelnote des ersten und dritten Beats sowie auf der zweiten Achtelnote des zweiten und vierten Beats hinzu.

Jetzt müssen wir die 303- und 909-Elemente abstimmen, da der Synth derzeit viel lauter ist als der Drum-Beat. Stelle den 303-Track auf -11 dB und den 909-Track auf +6 dB ein.

3. Weitere Synths hinzufügen
Nachdem die Hauptelemente unseres Tracks stehen, bringen wir mit weiteren Synth-Parts noch mehr Fülle hinein.
Loope die 303- und 909-MIDI-Parts so, dass sie eine viertaktige Sequenz spielen.

Erstelle nun einen neuen MIDI-Track und lade KOMPLETE KONTROL darauf. Navigiere im File-Browser des Instruments dorthin, wo sich die LIQUID ENERGY-Expansion befindet.

Wenn du nicht sicher bist, wo LIQUID ENERGY installiert ist, öffne Native Access, klicke auf Liquid Energy und wähle rechts den Reiter „Installation Path“ aus, um den Speicherort der Dateien zu sehen.

Öffne den Ordner „Sounds > Massive Sounds“ und doppelklicke auf das Preset Warm Toes, um es zu laden.

Stelle diesen Track auf -11,5 dB ein.

Sequenziere eine viertaktige Lead-Line wie folgt.

Dieser Sound klingt noch etwas dumpf – drehe daher im Interface von KOMPLETE KONTROL das Cutoff-Macro auf etwa 12 bis 1 Uhr auf.

Verpassen wir auch diesem Sound noch einen Hauch Reverb.

Füge einen weiteren KOMPLETE KONTROL-Track hinzu und lade das Preset Tripping Thing.

Stelle diesen Track auf -1 dB ein.

Sequenziere eine einzelne, gehaltene Note, und zwar so:

Fügen wir noch ein weiteres Instrument hinzu. Erstelle einen neuen KOMPLETE KONTROL-Track und lade diesmal das Preset Kwelit Soft.

Stelle diesen Track auf -10 dB ein.

Sequenziere zu Beginn jedes Takts eine kurze C4-Note.

4. Sound-FX hinzufügen
Fügen wir ein einfaches Sound-FX-Patch hinzu, das uns beim Arrangieren unterstützt. Lade KOMPLETE KONTROL auf einen neuen Track und öffne diesmal das Preset Acid Noize.

Stelle diesen Track auf -20,5 dB ein.

Sequenziere diesen Sound so, dass er im letzten Takt der viertaktigen Sequenz durchgehend C1 spielt.

5. Arrangiere deinen Track
Ein wesentliches Element vieler Acid House-Tracks ist die Art und Weise, wie sich der 303-Sound im Laufe der Zeit entwickelt. Beginnen wir mit einem einfachen Arrangement.

Dieses Arrangement ist sehr geradlinig aufgebaut: Bei Takt 17 gibt es einen Breakdown, in dem die Drums aussetzen und der Acid-Lead eingeführt wird. Bei Takt 25 folgt der Drop des Tracks – verschiedene zusätzliche Synth-Elemente setzen abwechselnd ein und aus, um für Abwechslung zu sorgen.
Würden wir die Parameter des Acid-Leads statisch lassen, klänge das zwar ganz gut, aber nicht sonderlich spannend. Wenn wir jedoch einige der eingerichteten Macros automatisieren, verleihen wir dem Track viel mehr Dynamik.
Hier ist eine Möglichkeit, wie du diesen Track automatisieren kannst: Macro 2 steuert den Filter-Cutoff, Macro 3 die Filter-Resonanz, Macro 4 den Mod-Amount der Filterhüllkurve, Macro 5 das Decay der Filterhüllkurve und Macro 8 die Glide-Zeit. Hör dir das Audiobeispiel an und achte darauf, wie sich der Acid-Lead im Laufe des Tracks entwickelt.

Mit Automationen wie diesen schaffen wir ein dynamisches Musikstück mit Höhen und Tiefen, das das Maximum aus einer vergleichsweise überschaubaren Soundauswahl herausholt.
6. Mastere deinen Acid-House-Track
Veredeln wir den Sound unseres Tracks mit etwas simplem Mastering. Mit dem Master Assistant von iZotope Ozone 10 erreichst du schnell ein professionell klingendes Master. Ich habe den Ozone 10 Maximizer auf die Master-Spur gelegt und den Threshold-Regler auf -10 dB heruntergezogen. Das sorgt für einen deutlich lauteren Sound, ohne die Dynamik des Tracks negativ zu beeinflussen.

So klingt unser fertiger, gemasterter Acid-House-Track:
Leg los mit Acid House
Hier haben wir gesehen, wie du von Grund auf deinen eigenen Acid-House-Track produzierst. Wenn du mehr erfahren möchtest, sieh dir unsere Guides zur Produktion elektronischer Musik sowie weitere Genre-Tutorials zu Deep House, Slap House und House Music 101 an.
Wenn du nach passenden Instrumenten, Effekten und Expansions suchst, schau dir unbedingt die Expansion LIQUID ENERGY sowie KOMPLETE START, BATTERY 4, MASSIVE, DRIVER und iZotope Ozone 10 an.