In den 1990er-Jahren entwickelte sich House von einem reinen Underground-Phänomen zum populärsten und zugänglichsten Stil elektronischer Musik überhaupt. In diesem Jahrzehnt entstand nicht nur der ikonische, von Soul und Disco geprägte Sound von House – es bildeten sich auch zahlreiche Subgenres wie Progressive House, Funky House, Handbag House und Garage heraus.
In diesem Tutorial zeigen wir dir Schritt für Schritt, wie du deinen eigenen klassischen House-Track von Grund auf produzierst: vom Entwerfen eines funkigen 4×4-Rhythmus über Percussion-Layering und Bassline-Arrangements bis hin zu Lead-Melodien und Vocals, die so klingen können wie hier.
Direkt zu den Abschnitten:
- Was ist 90er-Jahre-House?
- 10 unverzichtbare House-Hymnen der 90er
- So produzierst du einen 90s-House-Track
Mach direkt mit: In diesem Tutorial nutzen wir das neue Play Series-Instrument FEEL IT von Native Instruments und die neue Expansion HIGHER PLACE.
Hol dir FEEL IT und HIGHER PLACE
Was ist 90er-Jahre-House?
House entstand in den 1980er-Jahren in Chicago, doch in den 90ern entwickelte sich New York zur ultimativen Hochburg der House-Musikproduktion: Labels wie Strictly Rhythm, Nervous Records und Nu Groove Records machten den Chicago-Sound noch druckvoller und funkiger.
Der Sound des New Yorker House der 90er-Jahre lebte von pumpenden Four-on-the-Floor-Kick-Drums, prägnanten, synkopierten Open-Hi-Hats und grooviger, geshuffelter Percussion. Musikalisch ließ sich das Genre von Funk, Disco und Gospel inspirieren und verband diese souligen Elemente mit fetten Beats und Bässen zu einem unaufhaltsamen Dancefloor-Phänomen.
Weltweit entwickelte sich House in aufregende neue Richtungen. Vor allem in Europa trieb man den Sound rasant voran: Es entstanden verschiedenste Subgenres – von eingängigem Handbag House bis hin zu deeperem Progressive House und zahllosen Spielarten dazwischen.
Ist House von Disco inspiriert?
House ist stark von Disco beeinflusst, aber auch von Genres wie Funk, Soul und Synth-Pop. Den Disco-Einfluss hörst du vor allem an den Four-on-the-Floor-Beats, den energiegeladenen Basslines und den markanten Diva-Vocals. „Disco House“ ist ein besonders disco-fokussiertes Subgenre – DJ Sneak gehört hier zu den wichtigsten Pionieren.
Aus welcher Ära stammt House?
House entstand in der Post-Disco-Ära Anfang bis Mitte der 1980er-Jahre – der legendäre Club „Warehouse“ in Chicago gab dem Genre seinen Namen. In den 90ern explodierte die Popularität förmlich, und bis heute entstehen kontinuierlich neue Subgenres.
Zu den House-Pionieren der 80er- und 90er-Jahre zählen unter anderem Frankie Knuckles, Steve „Silk“ Hurley, Farley „Jackmaster“ Funk, Marshall Jefferson, Todd Terry, Masters at Work, Armand Van Helden und Tony Humphries.
10 unverzichtbare House-Hymnen der 90er
1. Hardrive – „Deep Inside“
Einer der einflussreichsten House-Tracks aller Zeiten: „Deep Inside“ reduziert House mit treibenden Beats, wuchtigem Bass und hymnischen Vocals auf seine funkige Essenz.
2. Nightcrawlers – „Push The Feeling On (The Dub of Doom)“
House-Legende MK verwandelte das jazzige Original „Push The Feeling On“ in einen Dance-Klassiker voller Hooks, der düster und euphorisch zugleich ist.
3. Todd Terry – „Jumpin’ (Original)“
Ein früher Disco-House-Klassiker mit zerschnittenem Musique-Sample: „Jumpin’“ führt Disco in ungeahnte, tiefe und düstere Gefilde.
4. River Ocean feat. India – „Love & Happiness (Yemeya Y Ochun)“
Die allgegenwärtigen Masters at Work lieferten mit dieser zeitlosen Latin-House-Perle einen unvergesslichen Vocal-Klassiker ab.
5. Kristine W – „Feel What You Want (Our Tribe Vocal)“
„Feel What You Want“ beweist mit herzzerreißenden Vocals und einer düsteren, hypnotischen Orgelmelodie, dass House-Musik weit über reine Partymusik hinausgeht.
6. The Bucketheads – „The Bomb (These Sound Fall Into My Mind)“
Mit einer Spieldauer von fast 15 Minuten verwandelt dieser Track „Street Player“ von Chicago in ein ausgedehntes House-Workout und ein echtes Meisterwerk des Arrangements.
7. Joe T. Vannelli Project – „Sweetest Day Of May (Greed Vocal)“
Gospel-inspirierter Italo-House in Perfektion: vom britischen Produzenten-Duo Greed zum ultimativen Handbag-House-Floorfiller geremixt.
8. De’Lacy – „Hideaway (Deep Dish Remix)“
„Hideaway“ wurde zum weltweiten Megahit – dank eingängiger Vocals im Kontrast zu einem düsteren, treibenden Backing-Track voller wuchtiger Bässe und packender Synths.
9. St Germain – „Alabama Blues (Todd Edwards Vocal Mix)“
Garage-Ikone Todd Edwards stellt mit dieser euphorischen Klangcollage sein unvergleichliches Sampling-Können unter Beweis – meilenweit entfernt von der dubbigen Originalversion.
10. Daft Punk – „Around The World“
Die French-House-Pioniere Daft Punk setzen bei dieser funkigen, Synth-geladenen Produktion voll auf die Talkbox.
So produzierst du einen 90s-House-Track
In diesem Tutorial nutzen wir KONTAKT 7, BATTERY 4 und KOMPLETE KONTROL von Native Instruments sowie die Expansions FEEL IT und TIMELESS GLOW zusammen mit iZotope Neutron 4 und Ozone 10, um einen 90s-House-Track von Grund auf zu produzieren.
Falls du sie noch nicht kennst: Das Play Series-Instrument FEEL IT und die neue Expansion HIGHER PLACE fangen den Late-Night-Sound und den ungebrochenen weltweiten Einfluss von klassischem House perfekt ein.
1. Einen Drum-Beat bauen
Als Erstes heben wir das Projekttempo ein wenig an: Stelle es auf 125 BPM ein.

Lade jetzt KOMPLETE KONTROL auf eine neue MIDI-Spur und navigiere im Datei-Browser zu dem Ordner, in dem die Expansion TIMELESS GLOW gespeichert ist.

Falls du nicht sicher bist, wo TIMELESS GLOW liegt: Öffne Native Access, wähle Timeless Glow in der Liste der installierten Produkte aus und klicke rechts auf den Reiter „Installation Path“. Dort wird dir der Pfad zur Expansion angezeigt.

Öffne den Ordner Sounds > Battery Kits und lade das Cook Kit per Doppelklick.

Wir beginnen mit einem eintaktigen Drum-Pattern. Setze auf jeden Beat des Takts eine C1-Kick. Sofern nicht anders angegeben, nutzen wir in diesem Tutorial für alle Noten einen Velocity-Wert von 100.

Setze nun D#1-Claps auf den zweiten und vierten Beat.

Platziere A#1-Open-Hats zwischen den Beats.

Setze jetzt auf jeden Beat eine G#1-Closed-Hat mit einem Velocity-Wert von 64.

Jetzt haben wir einen einfachen, eintaktigen House-Beat – aber es fehlt noch der typische 90er-Jahre-House-Swing. Bevor wir den einbauen, duplizieren wir den Beat erst einmal auf zwei Takte.

Füge nun eine weitere Closed-Hat hinzu – diesmal mit einer Velocity von 82, direkt nach der letzten Sechzehntelnote des dritten Beats im ersten Takt.

Füge jetzt noch eine Closed-Hat mit derselben Velocity hinzu, direkt nach der letzten Sechzehntelnote des zweiten Takts.

Jetzt haben wir einen funkigen, zweitaktigen Groove. Mit ein wenig subtiler Bearbeitung verpassen wir ihm den authentischen 90er-House-Sound. Hebe zuerst mit einem EQ 1,5 kHz um 2 dB an.

Komprimiere den Track nun, damit er satter pumpt. Wir haben hier mittlere Attack- und Release-Zeiten gewählt, den Threshold abgesenkt und den Makeup Gain aufgedreht.

Bringen wir jetzt mit Percussion etwas mehr Schwung rein. Geh in KOMPLETE KONTROL zurück zum Hauptordner von TIMELESS GLOW und öffne diesmal Samples > Loops > Percussion. Ziehe Shakers[125] Avenue auf eine Audiospur in deiner DAW.

Stelle diese Spur auf -25 dB ein, um sie mit der bestehenden Drum-Spur abzustimmen.

Kürze den Loop so, dass er zwei Takte lang läuft.

Gehe zurück zu KOMPLETE KONTROL und ziehe nun Percussions[126] Buzy auf eine weitere Audiospur.

Nutze die Timestretching- oder „Warp“-Funktion deiner Audiosoftware, um den Loop vom ursprünglichen Tempo von 126 BPM auf die 125 BPM des Projekts anzupassen.

Stelle diese Spur auf -11 dB ein.

Machen wir den Raumanteil dieses Loops etwas kompakter, damit er im Mix aufgeräumter klingt. Lade eine Instanz des iZotope Neutron 4 Transient Shaper auf die Audiospur. Setze die Low-Band-Crossover-Frequenz auf 200 Hz und die High-Band-Crossover-Frequenz auf 6 kHz.

Drehe nun das Sustain des Mittenbands auf -10 herunter. Dadurch wirkt der Percussion-Loop weniger räumlich und die Drums des Cook Kits können sich im Mix besser durchsetzen.

Unser Drum-Beat steht – widmen wir uns also den musikalischen Elementen des Tracks.
2. Eine Lead-Melodie komponieren
Füge KONTAKT 7 zu einer neuen MIDI-Spur hinzu. Lade das Instrument FEEL IT über den Browser.

Klicke auf den Pfeil nach unten neben dem Patch-Namen, um die Liste der verfügbaren Patches zu öffnen. Wähle Organ > Sunday Sermon aus.

Stelle diese Spur auf -4 dB ein.

Übernimm die einfache, zweitaktige Lead-Melodie, die wir hier verwendet haben.

Dieser Lead ist zwar simpel, liefert aber das musikalische Fundament für den restlichen Track. Als Nächstes bauen wir eine Bassline ein.
3. Eine Bassline schreiben
Wir bauen eine viertaktige Bassline – dupliziere daher das bestehende zweitaktige Arrangement.

Erstelle eine neue MIDI-Spur und lade eine Instanz von KONTAKT 7. Öffne wieder das Instrument FEEL IT und wähle diesmal das Preset Bass > Praise the Bass.

Stelle diese Spur auf -2,5 dB ein.

Übernimm die Bassline, die wir hier verwendet haben. Beide zweitaktigen Phrasen sind identisch – bis auf die höhere Note auf Beat 2 in Takt 4.

4. Weitere Synths hinzufügen
Bauen wir den Track mit weiteren Synth-Sounds aus. Erstelle zuerst eine weitere MIDI-Spur mit einem KONTAKT 7-Instrument und lade diesmal Organ > Left Lights in FEEL IT.

Stelle diese Spur auf -1 dB ein.

Übernimm diesen einfachen Part, um eine Rhythmuslinie zu erzeugen, die den Track nach vorne treibt. Beachte die höhere Note am Ende des vierten Takts.

Bauen wir jetzt eine Gegenmelodie ein. Füge eine weitere Instanz von KONTAKT 7 hinzu und lade diesmal im Instrument FEEL IT das Preset Synth Lead > Blip Finger.

Stelle diese Spur auf -1 dB ein.

Übernimm das Pattern für die Gegenmelodie, das wir hier verwendet haben.

5. Vocal-Sample und Sound-FX hinzufügen
Fügen wir nun ein Vocal aus der Expansion TIMELESS GLOW hinzu. Navigiere in KOMPLETE KONTROL zum Ordner Samples > One Shots > Vocal und ziehe Vocal Frog.wav auf eine neue Audiospur.

Platziere das Vocal auf dem vorletzten Beat der Sequenz.

Stelle die Vocal-Spur auf -6 dB ein.

Das Vocal klingt noch etwas trocken – verpassen wir dem Wort „right“ also etwas Delay. Ziehe diesen Teil des Samples auf eine eigene Audiospur und stelle die Spur auf -6 dB ein, damit sie genauso laut ist wie die Originalspur.

Füge der neuen Spur ein Viertelnoten-Delay hinzu.

Jetzt fügen wir noch einen Soundeffekt hinzu. Navigiere in KOMPLETE KONTROL zum Ordner Samples > One Shots > Analog FX von TIMELESS GLOW und ziehe FX Jibarito.wav auf eine neue Audiospur.

Platziere das Sample auf dem letzten Beat der Sequenz.

Regle den Track auf -11 dB herunter.

Füge dem Track jetzt noch einen Viertelnoten-Delay-Effekt hinzu.

Jetzt haben wir alle Elemente unseres Tracks beisammen – machen wir uns an das Arrangement.
6. Arrangiere deinen House-Track
Hier ist unser Arrangement. Es ist denkbar unkompliziert: Alles wurde einfach aus dem ursprünglichen Loop kopiert und eingefügt. Beachte jedoch, dass die Drum-Parts zwischen Takt 45–49 und 89–97 auf die reine Kick reduziert sind.

7. Mastere deinen House-Track
Sorgen wir mit etwas einfachem Mastering dafür, dass unser Track druckvoll und laut klingt. Der Master Assistant von iZotope Ozone 10 ist der einfachste Weg zu einem großartig klingenden Master – er kombiniert unterstützende Technologie mit deinen persönlichen Vorlieben, um den perfekten Sound einzustellen.

So klingt unser fertiger House-Track nach dem Mastering mit Ozone 10.
Und fertig ist ein authentischer, souliger 90er-House-Groove!
Jetzt 90er-House-Musik produzieren
Hier haben wir gesehen, wie du deinen eigenen 90er-House-Track von Grund auf aufbaust. Erfahre mehr über Musikproduktion in unseren Guides zum Thema House-Musik produzieren und elektronische Musik produzieren. Wenn du noch mehr über die Subgenres der House-Musik erfahren möchtest, schau dir unsere Guides dazu an, wie man einen Slap-House-Track produziert und wie man einen Deep-House-Track produziert.
Und falls du es noch nicht getan hast: Schau dir das in diesem Tutorial verwendete Play Series-Instrument FEEL IT sowie die Expansion HIGHER PLACE an, um ab sofort authentische House-Sounds in deine Produktionen zu holen.