Kaum zu glauben, dass es NI schon seit 25 Jahren gibt. In dieser Zeit haben wir eine Menge erlebt und uns auch selbst stark verändert – doch es waren vor allem die großen Entwicklungen in der Musikkultur, die uns bis heute inspirieren. Zur Feier unseres Jubiläums werfen wir daher einen Blick zurück: Jahrzehnt für Jahrzehnt auf einige der Sounds, an die wir uns besonders gern erinnern – und wie du sie selbst nachbauen kannst.
Los geht es natürlich mit dem ersten Jahrzehnt, das NI miterlebt hat: den 1990er-Jahren. Angesichts des rasanten technologischen Wandels und der Demokratisierung von Musikproduktionstools überrascht es kaum, dass diese Dekade so viele Innovationen hervorbrachte – und das aus unterschiedlichsten Ecken der Welt. Die Auswahl fiel uns nicht leicht, aber hier ist unser subjektiver Überblick über die besten Bässe, härtesten Drums und ikonischsten Synth-Sounds des Jahrzehnts.
Die typische House-Orgel
In den frühen 90ern war Vocal-House allgegenwärtig. Einer der prägendsten Sounds dieser Ära (neben dem allgegenwärtigen M1-Piano-Patch) war ein ganz spezieller perkussiver Orgel-Sound, den man heute vor allem mit Robin S’ Hit „Show Me Love“ aus dem Jahr 1992 verbindet. Interessanterweise erschien der Track erstmals 1990 in einer ganz anderen Version – komplett ohne diese Orgel.
Suchst du nach einer modernen Inkarnation dieses Sounds, wirst du direkt im MASSIVE X-Preset Bingo fündig: Es liefert genau den Punch, den du brauchst, um den Vibe der frühen 90er einzufangen. Für einen zeitgemäßeren Twist lässt sich Bingo perfekt mit Akkorden aus dem Preset Satallite kombinieren, das ebenfalls in MASSIVE X enthalten ist.
Sanfte Keys voller Wärme
Portisheads Debütalbum Dummy markierte einen Meilenstein für das damals aufkeimende Trip-Hop-Genre. Seit seiner Veröffentlichung im Jahr 1994 diente es unzähligen Künstler*innen weit über das Genre und die Heimatstadt Bristol hinaus als Inspirationsquelle – selbst Kanye West outete sich als großer Fan.
Ein Highlight der Platte ist für viele der Track „Roads“: ein ruhigeres Stück, das mit einem der wärmsten, sanftesten E-Piano-Sounds beginnt, die man sich vorstellen kann. Um mit KONTAKT nah an diesen Sound heranzukommen, reicht ein kleiner Eingriff im Preset „Good Vibrato“ von SCARBEE VINTAGE KEYS: Klicke im Hauptfenster auf den Insert-Button und stelle die Tremolo-Geschwindigkeit nach deinem Geschmack ein. Klicke dann auf das Schraubenschlüssel-Symbol, füge im Tab „Main Effects“ einen Pro 53-Filter hinzu und senke die Höhen ab, bis der Vibe exakt stimmt.
Die Rückkehr des Funky Worm
Nur wenige Monate nach Dummy feierte in den USA ein völlig anderer Act sein Debüt: Snoop Doggs von Dr. Dre produziertes Album Doggystyle sollte einen noch größeren Einfluss ausüben und den Sound des West-Coast-HipHop für eine ganze Generation prägen. Und wenn es einen bestimmten Sound gibt, der diesen Style auf den Punkt bringt, dann ist es der Lead-Sound in „Gin & Juice“.
Der als „Funky Worm“ bekannte Sound stammte allerdings weder von Snoop noch von Dre. Seinen Namen verdankt er einem Track der Ohio Players von 1973, in dem ein gleitender Sägezahn-Patch auf einem ARP Pro Soloist gespielt wurde. Dre samplete diesen Track zunächst für „Dope Man“ von NWA, bevor er sich einen Moog-Synthesizer zulegte, um den Sound in späteren Produktionen neu einzuspielen. Wenn du deinen eigenen Tracks eine Portion G-Funk-Flavor verpassen willst, lade dir einfach das Preset WTFunk in MONARK und dosiere etwas Reverb und Delay nach Geschmack hinzu (wir haben hier RAUM und REPLIKA XT genutzt).
Treibende Basslines
Noch so ein Klassiker von einem bahnbrechenden 90er-Debüt: Homework von Daft Punk. Der zeitloseste Track auf dem 1997er-Album des französischen Duos ist ohne Frage „Around the World“ – ein House-Klassiker, der die Disco-Einflüsse der 70er-Jahre einer neuen Generation von Produzent*innen elektronischer Musik näherbrachte.
Neben den Talkbox-Vocals mit ultimativem Ohrwurm-Charakter (sie wiederholen sich im Track sage und schreibe 144-mal) bleibt vor allem die federnde Bassline im Stile von Bernard Edwards im Gedächtnis. Das passende Einspielen oder Sequencing liegt natürlich bei dir – doch mit etwas Schmutz aus DRIVER ist unser SCARBEE MM BASS klanglich mehr als bereit, um diesen legendären Groove wiederaufleben zu lassen.
Synths vs. Streicher
Bristol mag auf den ersten Blick klein wirken, um gleich zweimal auf dieser Liste zu landen, doch die Stadt war damals das Epizentrum einer echten Explosion innovativer elektronischer Musik. Da dürfen natürlich Portisheads Trip-Hop-Weggefährten Massive Attack nicht fehlen: Die 1991er-Hitsingle „Unfinished Sympathy“ des Trios gilt weltweit als einer der prägendsten Sounds der 90er.
Während auf der offiziellen Veröffentlichung ein echtes Streicher-Ensemble zu hören war, wurde das Arrangement in der ursprünglichen Demoversion auf einem Synthesizer eingespielt. Für unsere Hommage an diese unveröffentlichte Version haben wir MASSIVE (erschienen 2007) herangezogen – falls du nach purem Realismus suchst, findest du für KONTAKT natürlich jede Menge gesampelte Streicher. Der Sound in unserem Beispiel basiert ganz unkompliziert auf dem Preset Life is a Game: zwei Oszillatoren, etwas Filterbewegung und eine feine Dosis Drive, Feedback und Reverb, damit die Akkorde so richtig aufblühen.
Boom-Bap-Drums
Wir haben bereits über das West-Coast-Erbe von Snoop und Dre gesprochen – zum Abschluss richten wir den Blick auf Queens, New York. „Award Tour“, die zweite Single aus Midnight Marauders von A Tribe Called Quest, markiert bis heute einen kommerziellen wie künstlerischen Höhepunkt der legendären Karriere dieser Formation.
Auf der Suche nach Drums, die „smack that shit out the park“, samplete Q-Tip den 1969er-Song „You Can Fly“ der San-Francisco-Rockband The Sons of Champlin. Für lizenzfreie Drums mit ähnlich wuchtigem Einschlag checke das Comeon-Kit aus unserer Basement Era-Expansion aus – und gib nach Belieben noch eine Extraportion dreckige Sättigung dazu. Denk aber daran: Erst das reduzierte Arrangement sorgt dafür, dass jedes Element genau den Raum bekommt, den es braucht.
Rund um unser 25. Jubiläum gibt es noch viel mehr zu entdecken: Klicke hier, um TWENTY FIVE KOSTENLOS herunterzuladen, und wirf unbedingt einen Blick auf die 25th Anniversary Collection – eine streng limitierte Serie von KOMPLETE-, MASCHINE- und TRAKTOR-Hardware wahlweise in Ultraviolet oder Vapor Gray.
Sound-Design: Konstantin Grismann