Sampling ist das Herzstück moderner Musikproduktion. Produzent*innen nutzen regelmäßig Sample-Packs und gesampelte Instrumente, und Sampler bilden den Kern der meisten Produktions-Workflows. Sampling ist so allgegenwärtig, dass wir selten genauer darüber nachdenken. Was genau bedeutet Sampling in der Musik also eigentlich?
In diesem Artikel schauen wir uns an, was Sampling in der Musik bedeutet – von den Grundlagen bis hin zu konkreten Techniken. Wir werfen einen Blick auf die Geschichte des Samplings und beleuchten moderne Ansätze. Außerdem zeigen wir dir, wie du Sampling in deinen eigenen Tracks einsetzt, um aus ein paar Alltagsgeräuschen einen überzeugenden Song zu machen.
Direkt zum Abschnitt:
- Was ist Sampling in der Musik?
- Die Geschichte des Samplings
- Verschiedene Sampling-Ansätze
- So nutzt du Sampling in deiner Musik
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Was ist Sampling in der Musik?
Beim Sampling wird ein Teil einer bestehenden Audioaufnahme in einer neuen Aufnahme verwendet. Dieses Audiostück kann alles sein – vom winzigen Soundschnipsel bis zur ausgedehnten musikalischen Passage. Beim Samplen lässt es sich auf vielfältigste Weise bearbeiten: beschleunigen oder verlangsamen, kürzen oder mit Effekten verfremden. Es kann im neuen Song als Endlosschleife geloopt, in wiederkehrende Pattern programmiert oder nur ein einziges Mal eingesetzt werden.
Wenn wir an Sampling denken, fallen uns meist die Klassiker ein – etwa wie im HipHop Breakbeats von alten Soul- und Funk-Platten gesampelt wurden. Doch heutzutage begegnet uns Sampling überall: Wenn wir den Snare-Sound aus einem Sample-Pack nutzen, eine Sprachnotiz vom Smartphone bearbeiten oder über ein Kontakt-Instrument einen realistischen Piano-Sound einspielen, basiert das alles auf Sampling. Sampling ist ein grundlegender Baustein moderner Musikproduktion.
Die Geschichte des Samplings
Sampling gibt es mindestens seit den 1940er-Jahren. Damals nahm der französische Komponist Pierre Schaeffer Alltagsgeräusche auf Tonband auf und schnitt sie zusammen, um „Musique concrète“ zu erschaffen. In den 60er-Jahren fand die Technik ihren Weg in die Popmusik – vor allem durch Instrumente wie das Mellotron, mit dem sich Tonbandschleifen über eine Klaviatur in verschiedenen Tonhöhen abspielen ließen. Verwendet wurde es unter anderem von den Beatles.
Das Wort „Sampling“ nutzte für diese Technik allerdings bis in die späten 70er-Jahre niemand. Erst die Entwickler des Fairlight CMI prägten den Begriff für ihren bahnbrechenden Digitalsynthesizer, der wenige Sekunden aufgenommener Audiosignale in verschiedenen Tonhöhen wiedergeben konnte. Obwohl er teuer und kompliziert zu bedienen war, nutzten Pop-Pioniere der 80er-Jahre wie Trevor Horn und Kate Bush den CMI intensiv – und sein Lo-Fi-Sound wurde zu einem Markenzeichen der Ära.
In den 80er-Jahren entstand auch das Genre, das wie kein zweites mit Sampling verknüpft ist: HipHop. Frühe HipHop-DJs wie Kool Herc praktizierten eine Art Live-Sampling, indem sie zwischen den Breakbeats von Soul- und Funk-Platten hin- und herwechselten. Als die Sampling-Technologie ausgereifter und erschwinglicher wurde, machten sich HipHop-Produzent*innen die Technik vollends zu eigen. In dieser Zeit entstanden viele legendäre Sampler wie die Akai MPC (erstmals 1988 veröffentlicht) mit ihren anschlagdynamischen Pads oder der E-MU SP 1200 (1987), dessen unverkennbar rauer Sound den klassischen HipHop maßgeblich prägte.


In den frühen 90er-Jahren machten mehrere Urteile des US Supreme Court zu Urheberrechtsverletzungen das Samplen deutlich riskanter – und potenziell teuer. Die goldene Ära des Samplings war damit vorbei, doch Musiker*innen hörten keineswegs auf zu samplen. Viele wurden kreativ und umgingen rechtliche Hürden, indem sie eigene Sounds statt fremder Aufnahmen sampleten. Zudem erweiterten technologische Fortschritte – allen voran das Aufkommen computergestützter Musikproduktion – die Möglichkeiten des Samplings massiv. Pioniere wie Matmos und Matthew Herbert nutzten beispielsweise ungewöhnliche Klangquellen und komplexes Processing, um dem Sampling völlig neue Facetten abzugewinnen.
Verschiedene Sampling-Ansätze
Im Zeitalter der computerbasierten Musikproduktion ist Sampling allgegenwärtig. Wir bauen Tracks aus Sample-Packs und Sample-Instrumenten und nutzen fortschrittliche Sampler wie MASCHINE von Native Instruments. Diese vielfältigen Sampling-Praktiken lassen sich in einige grundlegende Ansätze unterteilen. Schauen wir sie uns genauer an.
Ein bestehendes Recording samplen
Das ist der klassische Sampling-Ansatz, wie man ihn aus dem HipHop kennt: Du nimmst einen bereits aufgenommenen Sound – meist von jemand anderem – und bindest ihn in deine eigene Produktion ein. Das kann bedeuten, dass du einen Breakbeat von einer alten Soul-Platte loopst, um einen Groove für deinen Track zu bauen, oder aus einer im Internet gefundenen Pop-A-cappella eine Hook bastelst.
Ohne die Genehmigung der Rechteinhaber*innen ist diese Art des Samplings illegal. Zum Glück ist es heute einfacher denn je, lizenzfreie Samples zu finden – also Sounds, die speziell dafür produziert wurden, legal in eigenen Tracks verwendet zu werden. Sampler wie MASCHINE und BATTERY 4 von Native Instruments liefern bereits eine riesige Schatzkiste an sofort einsatzbereiten Samples mit. Heute ist diese Methode des Samplings also keineswegs ausgestorben – sie hat nur eine neue Form angenommen.
Eigene Samples erstellen
Vielleicht suchst du nach einem ganz bestimmten Sound, den es in bestehenden Sample-Libraries nicht gibt. Oder du möchtest deiner Musik einen ganz eigenen Charakter verleihen. Warum erstellst du deine Samples also nicht einfach selbst?
Dafür brauchst du ein paar Recording-Tools: ein Mikrofon und ein Audio-Interface für hochauflösende Aufnahmen zu Hause oder einen mobilen Recorder für Field-Recordings unterwegs. Für den extra Lo-Fi-Touch reicht oft schon das Mikrofon deines Smartphones oder Laptops. Sobald du ein paar vielversprechende Sounds gesammelt hast, schneidest du die besten Passagen heraus und baust dir deine eigene Sample-Library auf – allzeit bereit, wenn die Inspiration zuschlägt.
Dieser Ansatz erfordert zwar mehr Arbeit als die Nutzung fertiger Samples, verleiht deiner Musik aber eine unverwechselbare Note. Viele Größen der Sampling-Kultur arbeiten genau so. Wie uns Multi-Platin-Produzent DJ Khalil erzählte, war diese Methode der Schlüssel bei der Entwicklung seines Artist Expansion-Packs: „Die meiste Zeit [bei der Arbeit am Sample-Pack] floss in Jam-Sessions“, sagte er. „Ich hatte mein gesamtes Keyboard-Setup aufgebaut, und wir jammten stundenlang. Danach ging ich buchstäblich alles durch, arrangierte es, passte den EQ an und schraubte am Sound.“
Gesampelte Instrumente nutzen
Ein Teil der Faszination des Samplings liegt darin, reale Sounds direkt auf deinen Tasten verfügbar zu machen. Eines der ersten großen Einsatzgebiete war die möglichst authentische Nachbildung akustischer Instrumente. Es stellte sich schnell heraus, dass ein einzelner gesampelter Klavierton, der in verschiedenen Tonhöhen abgespielt wird, deutlich überzeugender klang als die Synthesizer-Kopie eines Pianos. Dennoch klang es damals noch nicht wirklich perfekt.
Im Laufe der Jahrzehnte haben Entwickler*innen immer ausgefeiltere Methoden entwickelt, um reale Klänge per Sampling nachzubilden. Heute sind gesampelte Instrumente – also spielbare Sample-Sammlungen, meist zur Simulation akustischer Instrumente – ein riesiger Markt. Über moderne Sampler wie KONTAKT 7 bilden solche Instrumente das Fundament der Film- und TV-Vertonung: Sie bieten Komponist*innen ein ganzes Orchester auf Knopfdruck – zu einem Bruchteil der Kosten eines echten Ensembles.
Von Orchesterinstrumenten über folkloristische Percussion bis hin zu brillanten Chören und experimentellen Raritäten: Die Welt der gesampelten Instrumente ist riesig. Mit etwas Geduld und Sorgfalt kannst du sogar deine eigenen gesampelten Instrumente bauen. Sieh dir an, wie Nils Frahm seinen Konzertflügel für NOIRE aufgenommen hat – ein gesampeltes Instrument mit ganz besonderem Charakter.
So nutzt du Sampling in deiner Musik
Nachdem du die Grundlagen kennst, schauen wir uns an, wie du Sampling in deiner eigenen Musik einsetzt. In einem Video für Native Instruments zeigt Top-Produzent Khrysis, wie er Beats aus Samples mit MASCHINE+ von Native Instruments baut. Ausgehend von Sample-Packs und knisterndem Vinyl veranschaulicht das Video die wichtigsten Schritte, um aus ein paar gefundenen Sounds einen packenden Track zu machen. Gehen wir die einzelnen Schritte durch.
1. Hol dir einen Sampler
Bevor du loslegen kannst, brauchst du einen Sampler. Es gibt unzählige Soft- und Hardware-Sampler, und die meisten DAWs bringen bereits einen integrierten Sampler mit. Khrysis nutzt seit vielen Jahren MASCHINE – ein Software-Hardware-Hybrid mit anschlagdynamischen Pads, die an die klassische Akai MPC erinnern. Ein Software-Sampler wie das auf Percussion spezialisierte BATTERY 4 funktioniert jedoch genauso gut.
2. Finde deine Soundquelle
Du kannst Samples aus bestehenden Aufnahmen beziehen, auf lizenzfreie Sample-Packs oder Libraries zurückgreifen oder Sounds selbst aufnehmen. Deine Klangquelle bestimmt maßgeblich, welche Sounds du erhältst. Dabei gibt es kein Richtig oder Falsch – entscheidend ist, wie kreativ du damit umgehst.
In seiner Demonstration nutzt Khrysis Sounds aus einem Sample-Pack und nimmt für einen authentischen Boom-Bap-Sound einen Breakbeat von einer alten, knisternden Vinylplatte auf.
3. Forme dein Sample
Sobald du Audio von deiner Soundquelle aufgenommen hast, lädst du das Material in deinen Sampler und beginnst mit der Bearbeitung. Es gibt unzählige Techniken, mit denen du aus reinem Rohmaterial ein wirkungsvolles Sample formst.

Finde die richtige Sample-Position. Passe Start- und Endpunkte an deinem Sampler an, um nur einen Ausschnitt des aufgenommenen Audiosignals abzuspielen. So kannst du interessante Sounds isolieren – etwa eine bestimmte Note oder einen Drum-Hit. Khrysis nutzt diese Technik, um Kick und Snare in seinem gesampelten Breakbeat zu isolieren. Wenn dein Sample im Loop laufen soll, anstatt nur einmal getriggert zu werden, musst du Start- und Endpunkte so wählen, dass es nahtlos und synchron zu deinem Track loopt.

Passe den Pitch deines Samples an. Damit kannst du eine Note oder einen Akkord an die Tonart deines Tracks anpassen. Bei Drums sorgt ein höherer Pitch oft für einen knackigeren Sound, während ein tieferer Pitch ein schwereres, trägeres Feeling erzeugt. Khrysis nutzt diesen Kniff, um aus gesampelten Noten das melodische Fundament seines Tracks zu bauen.

Passe die Hüllkurve an. Regle die Lautstärke-Hüllkurve an deinem Sampler nach, um den zeitlichen Verlauf deines Samples zu verändern. Verwandle einen Akkord mit einer langen Attack-Zeit in ein verträumtes Pad oder verpasse einem Drum-Sound ein kurzes Decay, um ihn knackiger zu machen.

Bearbeite dein Sample. Wenn du mit Position, Pitch und Hüllkurve deines Samples zufrieden bist, verleihst du ihm mit Effekten den letzten Schliff. Deiner Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. Fast jedes Sample profitiert von einfachem EQing, um unerwünschte Frequenzen (wie etwa störendes Rumpeln im Bassbereich) zu entfernen – genau wie Khrysis es mit iZotope Ozone vormacht.
Weitere kreative Effekte – von Saturation und Kompression über Delay und Reverb bis hin zu Modulation – können dein Sample völlig verfremden. In seiner Demo legt Khrysis einen pulsierenden Delay-Effekt auf einen Sample-Layer, um seinem Beat mehr Tiefe zu verleihen.
4. Programmiere dein Sample
Sobald dein Sample einsatzbereit ist, kannst du es in deinen Track einbauen. Das ist der Moment, in dem aus deinem aufgenommenen Sound eine neue musikalische Idee entsteht. Die MASCHINE+ bietet anschlagsdynamische Pads, mit denen du deine Pattern direkt live einspielen kannst. Wenn du mit einem Software-Sampler arbeitest, zeichnest du die Noten vielleicht in die Piano-Roll ein. In jedem Fall geht es darum, etwas Musikalisches zu schaffen, das deinen Track ergänzt und nach vorne bringt. Es muss dabei nicht kompliziert sein: Wie Khrysis zeigt, kann schon aus wenigen, gezielt ausgewählten Samples ein ganzer Track entstehen.
Jetzt mit Sampling loslegen
In diesem Artikel haben wir uns intensiv mit dem Thema Sampling in der Musik beschäftigt. Wir haben die Ideen und Techniken dahinter beleuchtet, einen Blick auf seine Geschichte geworfen und gezeigt, wie du Sampling in deinen eigenen Produktionen einsetzen kannst.
Jetzt bist du dran: Starte deine ganz eigene Sampling-Reise. Schau dir MASCHINE+ an – ein hybrides Sampling-Instrument, mit dem du samplebasierte Tracks von Grund auf bauen kannst, ganz ohne Computer.