Als völlig überdrehter Mashup moderner Musikeinflüsse treibt Hyperpop bekannte Tropen der Popmusikproduktion mit extremer Klangbearbeitung, maximalistischen Mixes und einer abgedrehten Ästhetik bis an die Belastungsgrenze. Überlebensgroß und voller unbändiger Energie: Hyperpop ist das ideale Genre für alle Produzent*innen, die gern bis ans Äußerste gehen.
In diesem Einsteiger-Guide zeigen wir dir, wie du einen Hyperpop-Beat baust, Vocals im typischen Hyperpop-Stil bearbeitest und fette Bässe sowie durchdringende Synths hinzufügst.
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Was ist Hyperpop?
Maximalistisch, manisch und voller Schabernack: Hyperpop bedient sich an den unterschiedlichsten Einflüssen, greift deren extremste Auswüchse auf und filtert sie durch eine verzerrte Ästhetik zu einer intensiven musikalischen Melange.
Zu den Genres, die Hyperpop inspirieren, gehört eine facettenreiche Palette musikalischer Stile wie Trap, House, Trance, Donk, Chiptune und Emo. Die Wurzeln des Hyperpop lassen sich bis in die 2010er-Jahre auf Veröffentlichungen des britischen Labels PC Music zurückführen, zu dessen Umfeld Ikonen wie Charli XCX, GFOTY und die unvergessene SOPHIE zählen.
In den letzten Jahren haben Acts außerhalb Großbritanniens wie 100 Gecs das Genre in immer extravagantere musikalische Gefilde geführt.
Hyperpop ist ein breit gefächertes Genre, das sogar zur musikalischen Rehabilitation des Meme-Stars Rebecca Black beitrug, auf deren „Friday (Remix)“ ein buntes Aufgebot an Gästen wie Dorian Electra, Big Freedia und 3OH!3 zu hören ist.
In diesem Walkthrough nutzen wir BATTERY 4, FM8, MASSIVE X und DIRT von Native Instruments sowie Ozone Imager, Nectar 3 und Ozone 10 von iZotope, um einen kurzen Hyperpop-Track zu bauen, der so klingt:
Erfahre, wie du einen Hyperpop-Track produzierst, und hol dir die kostenlose Demo von Nectar 3 für den unverwechselbaren Hyperpop-Vocal-Sound.
Hyperpop produzieren
1. Mit den Drums starten
Bauen wir zuerst einen Hyperpop-Beat. Stelle das Projekttempo in deiner DAW auf flotte 205 BPM ein.

Lade BATTERY 4 auf eine Instrumentenspur und öffne das 808 Multiple Kit.

Erstelle einen zweitaktigen MIDI-Clip und setze jeweils auf den dritten Beat jedes Takts eine D3-Snare. Für alle Noten in diesem Tutorial verwenden wir einen Velocity-Wert von 100.

Platziere nun C3-Kicks auf den ersten und vierten Beat des ersten Takts sowie auf die letzten beiden Achtelnoten des zweiten Takts.

Machen wir diese Drums etwas dreckiger: Lade DIRT auf die BATTERY 4-Spur und wähle das Preset „Major Fuzz“.

Stelle den Drehregler Drive A auf 58 % und Drive B auf 67 %.

Fügen wir eine weitere Instanz von BATTERY 4 auf einer neuen virtuellen Instrumentenspur hinzu, um Hi-Hats einzubauen, die nicht denselben Verzerrungseffekt abbekommen. Wähle erneut das 808 Multiple Kit und setze diesmal G#2-Hats auf Achtelnoten. Füge zusätzliche Noten auf 1.4.2 und 2.2.2 hinzu, um Hi-Hat-Rolls zu erzeugen.

Stelle die Kick-Snare-Spur auf -2,9 dB und die Hat-Spur auf +1,2 dB, um sie sauber abzustimmen.

Loope diese Clips über 16 Takte. Erstelle eine weitere Instrumentenspur – wieder mit einer Instanz von BATTERY 4 und dem 808 Multiple Kit – und stelle diese Spur auf +3,1 dB.

Kürze am Ende der 16-taktigen Sequenz die Kick-Snare- und Hat-Parts so, dass sie auf den letzten beiden Beats stumm bleiben.

Füge dann auf der dritten BATTERY 4-Spur ein Snare-Fill mit D2-Snares ein.

2. Hyperpop-Vocals erstellen
Für die Vocals in diesem Track nutzen wir ein Vocal-Sample in c-Moll. Mit der Warping-Funktion von Ableton Live passen wir das Sample per Timestretching an das Projekttempo an. Danach laden wir Nectar 3, um den typischen Hyperpop-Vocal-Sound zu formen.
Im Pitch-Modul von Nectar 3 aktivieren wir die Pitch Correction und stellen die Tonart auf c-Moll ein.

Wir stellen die Pitch-Correction-Speed auf 0,00 ms ein, um einen künstlich klingenden, extrem zupackenden Tonhöhenkorrektur-Effekt zu erzielen.

Für den charakteristischen „Chipmunk“-Effekt drehen wir den Formant-Regler auf 7,20 Halbtöne hoch.

Die ultraschnelle Pitch Correction und das Formant-Shifting sorgen für genau jenen extrem bearbeiteten Hyperpop-Sound.
Wir stellen diese Spur auf -7,2 dB ein.

3. Akkorde hinzufügen
Komponieren wir nun eine Akkordfolge, die zu den Vocals passt. Lade MASSIVE X auf eine neue virtuelle Instrumentenspur, klicke im Preset-Browser auf das Tag „Synth Lead“ und lade per Doppelklick den Patch „Antelope Springs“.

Stelle diese Spur auf -15,3 dB ein.

Sequenziere eine Akkordfolge mit c-Moll, D#-Dur, d-Moll und c-Moll.

Dieser Sound deckt einen sehr breiten Frequenzbereich ab. Da in unserem Mix aber noch viele andere Elemente Platz finden müssen, empfiehlt es sich, die Höhen und Tiefen abzusenken. Nutze Filter, um Frequenzen < 300 Hz und > 850 Hz abzusenken. Wir haben hier den Auto Filter-Effekt von Ableton Live verwendet.

Beats und Bass sollen in der Stereomitte sitzen. Lade daher hinter den Filtern eine Instanz des kostenlosen Ozone Imager von iZotope und drehe den Width-Parameter ganz auf.

Dadurch wirken die Synth-Chords extrem breit und lassen in der Mitte des Mixes genügend Raum für Beats und Bass frei.
4. Eine Bassline schreiben
Erstelle eine neue Instrumentenspur und lade eine Instanz von MASSIVE X. Wähle diesmal den Tag „Bass“ und lade das Preset „Mafia Eight“.

Stelle diese Spur auf -9,7 dB ein.

Sequenziere eine Bassline, die dem Grundton der Akkorde folgt – mit einem Oktavsprung während des ersten Akkords, um für etwas Abwechslung zu sorgen.

So entsteht eine wuchtige, durchsetzungsfähige Bassline, die dem restlichen Track das nötige Fundament gibt.
5. Synths bearbeiten
Fügen wir nun ein paar Synth-Sounds hinzu, um den Mittenbereich mit Energie aufzuladen. Erstelle eine neue Instrumentenspur und lade FM8. Wähle im Browser unter der Kategorie „Mode“ den Tag „Arpeggiated“, suche dann in der Patch-Liste rechts nach „Dirty Percu Stab“ und lade das Patch per Doppelklick.

Stelle diese Spur auf -10,2 dB ein.

Sequenziere das Instrument so, dass es C4, G3, D3 und C3 spielt.

Nutze einen High-Pass-Filter bei 300 Hz und verbreitere die Spur erneut mit dem Ozone Imager.

Bringen wir einen Lead-Sound ins Spiel. Lade auf einer neuen Instrumentenspur eine Instanz von MASSIVE X, wähle den Tab „Synth Lead“ und öffne das Preset „Maya“.

Stelle diese Spur auf -11,4 dB ein.

Sequenziere eine Lead-Line mit den Noten C3, A#3, F3, A#2, D#3 und C3.

Für Hyperpop klingt das noch etwas zu geradlinig. Bringen wir ein paar Effekte ins Spiel, um den Sound spannender zu machen. Füge zuerst einen Arpeggiator hinzu (wir nutzen den Arpeggiator von Ableton Live) und setze die Steps auf 2, damit der Part über mehrere Oktaven gespielt wird.

Füge nun einen Bitcrusher-Effekt hinzu. Wir verwenden Redux von Ableton Live mit einer Sample-Rate von 12 kHz und einer Bit-Tiefe von 8. Das verleiht dem Lead einen herrlich kantigen Lo-Fi-Sound.

Nutze nun einen Filter, um alle Frequenzen unter 300 Hz abzusenken.

Als Nächstes kommt ein Glitch-Effekt zum Einsatz – genauer gesagt das Preset „Vocal Fun“ in Beat Repeat von Ableton Live. Stelle das Intervall auf 4. Das erzeugt einen glitchigen, zerhackten Effekt, der den Part deutlich interessanter macht.

Als letzter Effekt für diesen Part kommt wieder der Ozone Imager zum Einsatz, erneut eingestellt auf maximale Stereobreite.

6. Spuren gruppieren
Fassen wir nun alle Drum-Sounds in einer Gruppe namens „Drums“ zusammen und alle Synth-Sounds in einer weiteren Gruppe namens „Sidechain“.

Kick und Snare sollen sich kraftvoll im Mix durchsetzen. Lade daher einen Kompressor auf die Sidechain-Gruppe und route die Kick-Snare-Spur als Sidechain-Eingangssignal.

7. Den Track arrangieren
Unser Arrangement beginnt nur mit dem FM8-Arp, Chords und Vocals. Mit einem Low-Pass-Filter blenden wir den Arp über 16 Takte ein; die Hi-Hats setzen in Takt 9 ein.

In Takt 17 öffnet sich der Filter komplett und der Drop setzt mit vollen Beats und Bass ein.

In Takt 33 kommt auch noch der Glitch-Lead hinzu. Hier ist das komplette Arrangement:

8. Deinen Track mastern
Bringen wir den Mix mit Ozone 10 auf Lautstärke. Mit dem intuitiven Master Assistant in Ozone klappt das mit nur wenigen Klicks. In unserem Beispiel liegt der Ozone 10 Maximizer auf der Master-Spur mit dem Modus IRC IV. Der Threshold-Fader steht auf -7 dB.

Leg noch heute mit Hyperpop los
Jetzt weißt du, wie du deinen eigenen Hyperpop-Track produzierst. Wenn du noch tiefer einsteigen willst, sieh dir unsere weiteren Tutorials zur Musikproduktion an – darunter wichtige Tipps zur Kompression, wie du Pop-Akkordfolgen schreibst, wie man einen Beat baut und den ultimativen Leitfaden zur Musikproduktion.