|Reuben Cornell

5 unverzichtbare Pop-Akkordfolgen – und wie du sie nutzt

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top pop chord progressions

Zu lernen, wie man einen Popsong schreibt, kann sich manchmal wie ein Buch mit sieben Siegeln anfühlen – ein Geheimnis, das scheinbar nur Top-Songwriter*innen und -Produzent*innen vorbehalten ist. Doch genau wie bei einem anspruchsvollen Rezept wird alles viel einfacher, sobald du die einzelnen Zutaten eines Hits kennst. Zieht man moderne Produktionstechniken und schillernde Vocals ab, basieren die meisten Popsongs auf vertrauten Strukturen, musikalischen Motiven und bewährten Akkordfolgen.

Genau diese Akkordfolgen für Popsongs schauen wir uns im Folgenden genauer an – viele der Beispiele wirst du sofort wiedererkennen. Ausgestattet mit ein paar Chart-erprobten Akkordsequenzen und einer Prise Kreativität lernst du im Handumdrehen, wie du deine ganz eigenen Ohrwürmer schreibst.

Direkt zu den Abschnitten:

Für die nötige Akkord-Inspiration liefern viele Native Instruments-Produkte bereits verschiedene Akkordformen mit. MASCHINE ist ein fantastischer Ausgangspunkt: Mit dem Chord Mode entdeckst du im Handumdrehen interessante harmonische Abläufe.

Denk daran, dass viele Native Instruments-Produkte vorgefertigte Akkorde und Riffs enthalten, mit denen du direkt loslegen kannst. Von Pop-Akkordfolgen für Gitarre über Keyboards bis hin zu Streicher-Arrangements findest du jede Menge inspirierende Akkorde und Phrasen. Für unsere Audiobeispiele haben wir IGNITION KEYS verwendet – du kannst aber natürlich mit deinen eigenen Instrumenten mitspielen oder auf kostenlose Tools aus Max Tundras Guide für Pop-Produktion zurückgreifen.

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Bevor es losgeht: Grundlagen der Harmonielehre

Wir setzen an dieser Stelle voraus, dass du bereits ein grundlegendes Verständnis davon hast, wie ein Akkord aufgebaut ist: drei oder mehr Noten einer Tonleiter, die gleichzeitig erklingen und zusammen harmonisch klingen. Akkorde werden nach ihrem Grundton und ihrem Tongeschlecht beziehungsweise ihrer Struktur benannt. Zu den geläufigsten Bezeichnungen gehören Dur, Moll und Septakkorde. C-Dur besteht beispielsweise aus den Tönen C, E und G. Eine Abfolge verschiedener Akkorde bezeichnen wir als Akkordfolge (Chord Progression). Diese Abläufe werden oft in römischen Ziffern dargestellt (z. B. I, IV und V für C-Dur, F-Dur und G-Dur) und geben die Abstände und Verhältnisse der Akkorde zueinander an. Wenn du dein Grundlagenwissen auffrischen möchtest, wirf einen Blick in unseren Leitfaden zum Einstieg in die Musiktheorie.

Keine Sorge, falls das alles zu technisch klingt: Wir verlinken jede Menge Popsongs, damit du die Akkorde direkt im musikalischen Kontext hören kannst. Schau dir die Songs außerdem auf Hooktheory und in deren TheoryTab-Datenbank an – einer Online-Enzyklopädie für bekannte Songs, auf der du die Akkorde beim Hören direkt visualisiert siehst.

Was sind Pop-Akkordfolgen?

Eine gelungene Pop-Akkordfolge bildet das Fundament für all das, was einen Hit ausmacht: berührende Texte, kreatives Sound-Design, mitsingbare Melodien und eingängige Hooks. Akkordfolgen im Pop zeichnen sich dadurch aus, dass sie einprägsam, unkompliziert und repetitiv sind.

In der Theorie lässt sich fast jede Kombination von Akkorden aneinanderreihen – wählt man sie allerdings rein zufällig aus, klingt das Ergebnis schnell sehr experimentell. Popsongs zu schreiben ist ein deutlich strukturierteres Handwerk. Da das Genre auf maximale Zugänglichkeit ausgelegt ist, greift man meist zu etablierten Akkordfolgen, die in Kombination harmonisch und schlüssig klingen.

Ein hervorragender Ausgangspunkt dafür ist der Quintenzirkel, in dem Akkorde besonders organisch ineinander übergehen. Vertraute Kadenzen aus diesem Zirkel sorgen für ein harmonisches Hörerlebnis, da jeder neue Akkord oft Töne mit dem vorherigen teilt.

Quintenzirkel-Diagramm
Quintenzirkel-Diagramm

Tatsächlich basieren Tausende Welthits auf genau solchen harmonischen Mustern. Wenn du noch tiefer einsteigen willst, probiere das interaktive Tool auf ToneGym aus oder schau dir die faszinierende Analyse des Pianisten David Bennett an.

Abseits des klassischen Quintenzirkels gibt es unzählige weitere Möglichkeiten, Akkorde für maximale Wirkung anzuordnen. Viele Hits teilen sich dieselben Akkordfolgen. Das hält Musiker*innen jedoch nicht davon ab, immer wieder frisch klingende Tracks zu erschaffen – indem sie vertraute Harmonien mit neuen Melodien und zeitgemäßen Produktionen kombinieren.

Die 5 beliebtesten Akkordfolgen im Pop

Hier sind fünf populäre Pop-Akkordfolgen, allesamt dargestellt in C-Dur bzw. A-Moll. Du kannst sie natürlich jederzeit in jede andere Tonart transponieren. Schnapp dir diese Sequenzen, remixe sie und gib ihnen deinen ganz eigenen Spin, wenn du deinen nächsten Popsong schreibst.

1. I – V – vi – IV : C-Dur, G-Dur, A-Moll, F-Dur

Der unangefochtene Klassiker unter den 4-Akkorde-Popsongs, den du mit Sicherheit aus der legendären Parodie von Axis Of Awesome kennst. Auch wenn sie schon millionenfach gespielt wurde, bleibt sie eine der beliebtesten Akkordfolgen überhaupt und bildet das Rückgrat unzähliger Hits – von „Torn“ bis „Wrecking Ball“. Das Geniale an dieser Folge: Sie funktioniert in ihrer Moll-Variante (A-Moll, F-Dur, C-Dur, G-Dur – dieselben Akkorde, nur rotiert) genauso gut.

Ein echter Dauerbrenner für Pop-Balladen in Moll und Tracks mit melancholischerem Vibe. Hör dir etwa Justin Biebers „Ghost“ an, wo manche Akkordwechsel über den Takt hinausgehen, oder Kelly Clarksons „Stronger“, bei dem eine übermäßige Sexte auf dem letzten Akkord für das gewisse Etwas sorgt. Nimm dir diese beiden Beispiele als Inspiration für eigene Variationen: Verändere die Reihenfolge, ersetze Grundtöne im Bass durch andere Noten oder erweitere Dreiklänge um zusätzliche Töne.

„Physical“ von Dua Lipa ist ein hervorragendes Beispiel: In den ersten vier Takten erklingen zunächst A-Moll, F-Dur, C-Dur und G-Dur, beim zweiten Durchlauf sorgen zusätzliche Noten für Vorhalte und spannungsgeladene Auflösungen.

2. I – vi – IV – V : C-Dur, A-Moll, F-Dur, G-Dur

In der Musiktheorie als Doo-Wop-Kadenz oder 50s-Progression bekannt, dürfte dir diese Folge vertraut sein, falls du jemals versucht hast, eine vereinfachte Version von „Heart and Soul“ auf dem Klavier zu spielen.

Obwohl ihre Wurzeln in den 1950er-Jahren liegen, findet sich diese Akkordfolge in Songs von The Police bis Meghan Trainor – perfekt also für Produktionen mit rauem Retro-Charme. Wenn du der Sequenz das gewisse Extra verleihen möchtest, ersetze den F-Dur-Akkord durch D-Moll, um einen noch melancholischeren Touch zu erzielen.

3. I – V – VI – V : C-Dur, G-Dur, F-Dur, G-Dur

Lässt man den A-Moll-Akkord der beiden vorherigen Beispiele weg, bleibt diese schlichte, aber zeitlose Folge übrig.

Diese drei einfachen Akkorde erzeugen unterschiedliche Spannungsgrade und sind extrem flexibel einsetzbare Bausteine, die sich beliebig umstellen lassen. Solange du daran denkst, am Ende eines prägenden Motivs zum Grundakkord aufzulösen (in diesem Fall C-Dur), kannst du kaum etwas falsch machen. Hör dir an, wie Bands hinter Songs wie „All The Small Things“, „American Idiot“ und „MMMBop“ diese drei Akkorde zu unvergesslichen Gitarren-Riffs umformen.

4. I – bVII – IV – I : C-Dur, B-Dur (Bb), F-Dur, C-Dur

Musiker*innen mit Theorie-Hintergrund kennen die Kirchentonarten (Modi): Ionisch, Dorisch, Phrygisch, Lydisch, Mixolydisch, Äolisch und Lokrisch. Diese verschiedenen Modi verleihen einer Tonleiter ganz unterschiedliche Klangfarben – von Dur und Moll bis hin zu schwebenderen Stimmungen. Diese spezielle Akkordfolge flirtet mit dem mixolydischen Modus: Die kleine Septime (hier das B bzw. B-Flat) prägt den zweiten Akkord und verleiht dem Ablauf einen bluesigen Charakter.

Du findest diese markante Sequenz in Songs von Lorde und Guns N’ Roses.

5. I – bVII – bVI – bVII : A-Moll, G-Dur, F-Dur, G-Dur

Eine faszinierende Akkordfolge mit kreisendem Charakter, da der zweite und vierte Akkord identisch sind. Diese Moll-Variante ist wohl am bekanntesten aus „Rolling In The Deep“ oder „Somebody That I Used To Know“. Sie lässt sich zudem spannend variieren – etwa indem man den letzten Akkord durch E-Dur (V) ersetzt, wie in Christina Aguileras „Genie In A Bottle“. Diese Wendung ist auch als andalusische Kadenz bekannt, ein Begriff aus der traditionellen Flamenco-Musik.

Einer der Gründe, warum sich diese Akkordfolge so rund anfühlt: Sie bewegt sich in Ganztonschritten gleichmäßig auf der Tonleiter auf und ab, was der Musik eine schwebende, fließende Dynamik verleiht. Gelegentlich stößt man auch auf eine Dur-Variante dieses Schemas, bei der der erste Akkord zu A-Dur wird.

Produziere deine eigenen Pop-Akkordfolgen

Jetzt weißt du, wie die Profis ihre Akkordfolgen aufbauen – Zeit, deine eigenen Pop-Akkordfolgen zu schreiben. Als Musiker*in sagt dir dein Gehör ganz intuitiv, was funktioniert und was nicht. Experimentiere also einfach mit verschiedenen Akkordtypen und Voicings, bis sich eine stimmige Progression ergibt.

Lass dich nicht entmutigen, wenn du zu Beginn Akkordfolgen bekannter Songs kopierst oder das Gefühl hast, deine Ideen seien zu simpel. Immerhin wiederholt der Song „Unholy“ durchgehend nur zwei Dur-Akkorde – und wurde für Sam Smith trotzdem zum weltweiten Mega-Hit. Wenn deine Production-Skills und deine musikalischen Ideen überzeugen, sind die gewählten Akkorde das Letzte, worauf die Leute achten.

Und wenn du beim Songwriting mit KOMPLETE KONTROL noch tiefer einsteigen willst: Entdecke unsere Keyboards und kreiere deinen perfekten Pop-Sound.

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