|Dean Salant

Was ist Phonk? Ein Einsteiger-Guide und wie du ihn produzierst

Teilen Link kopiert
phonk

Phonk gehört zu diesen faszinierenden Genres, die wohl eher im Verborgenen geblieben wären – wäre da nicht der virale Hype auf TikTok und im gesamten Netz gewesen. Doch egal, ob du auf Social Media aktiv bist oder nicht: Sehr wahrscheinlich bist du diesem Sound schon mal begegnet.

In den letzten Jahren hat Phonk einen enormen Boom erlebt. Seine rohen, nostalgischen Sounds treffen auf schmutzige Beats – das wirkt gleichzeitig retro und modern. In dieser Anleitung erklären wir dir, was Phonk ausmacht, analysieren die wichtigsten Merkmale und zeigen dir Schritt für Schritt, wie du deinen eigenen Phonk-Track produzierst. Und der könnte so klingen:

Direkt zu den Abschnitten:

Mach direkt mit in diesem Tutorial – mit Komplete, einer umfassenden Suite für die Musikproduktion mit einer riesigen Sammlung professioneller virtueller Instrumente, Effekte und Sounds.

Komplete entdecken 

Was ist Phonk?

Phonk ist ein Subgenre des HipHop, das tief im Memphis-Rap der 90er-Jahre und im Trap verwurzelt ist. Ein typischer Phonk-Track enthält verzerrte 808-Basslines, gechoppte Vocal-Samples und unheimliche Melodien. Geprägt von der rauen Energie des frühen Southern-Rap, haben Producer*innen den Sound zu etwas noch Atmosphärischerem, Lo-Fi-artigem und Modernem weiterentwickelt.

Der Name „Phonk“ ist eine stilisierte Schreibweise von „Funk“ und verweist auf die klassischen Funk- und Soul-Samples, die vor allem in den Anfängen des Genres prägend waren. Während früherer Phonk stark auf diese Funk-Samples setzte, zeichnet sich heutiger Phonk oft durch einen minimalistischeren DIY-Sound aus.

Moderner Phonk – besonders die als Drift Phonk bekannte Spielart – zeichnet sich zudem durch gepitchte 808-Cowbells, übersteuerten Bass und ein Tempo von meist 90 bis 120 BPM aus. Genau diese Kombination aus Oldschool-Sampling, modernem Trap und Lo-Fi-Elementen macht die typische Ästhetik von Phonk aus.

All das kannst du im viralen Hit „Close Eyes“ von DVRST hören:

Und in „Sahara“ von Hensonn:

Wie wird Phonk produziert?

Phonk entsteht durch die Kombination aus verzerrten 808s, Lo-Fi-Texturen und knallharten Drums. Einer der wichtigsten Grundsätze bei der Phonk-Produktion: Stimmung und Vibe gehen vor Hochglanz-Sound. Wie du gleich sehen wirst, kannst du Plug-ins und Samples gezielt einsetzen, um die Klangqualität bewusst zu „verschlechtern“ – so bekommt dein Track diesen herrlich dreckigen, authentischen Phonk-Charakter.

Erschaffen wir einen rohen, hypnotischen Sound mit einer Mischung aus traditionellen Sampling-Techniken und modernen Beat-Making-Tools.

1. Wähle das passende Tempo

Stellen wir das Tempo zunächst auf 117 BPM ein. So bleibt das Ganze schön groovig, ohne zu hektisch zu werden.

2. Starte mit den richtigen Samples

Das Herzstück jedes großartigen Phonk-Tracks ist ein starkes Sample. Producer*innen durchforsten oft alte Rap-A-cappellas, Jazz- oder Soul-Platten und ganz besonders Memphis-Rap-Tapes der 90er-Jahre nach dem perfekten Loop oder Vocal-Snippet. Wenn du diesen Weg wählst, brauchst du ein Element, das für eine düstere Grundstimmung sorgt.

Alternativ kannst du dich auf ein starkes Sample für deine Melodielinie konzentrieren. Ein echter Klassiker im modernen Phonk ist die Cowbell aus einem 808-Kit. Eine passende 808-Cowbell findest du in der Factory Library von Battery.

Für sich allein klingt die Cowbell so:

Damit wir die Cowbell pitchen können, lädst du das Sample einfach in deinen Lieblings-Sampler wie etwa Kontakt oder den Standard-Sampler deiner DAW.

Unsere Melodie soll schön finster wirken – deshalb greifen wir auf den phrygischen Modus zurück, eine besonders düstere Moll-Tonleiter.

So klingt unsere Melodie:

Unsere phrygisch angehauchte 808-Cowbell-Melodie in der Piano-Roll
Unsere phrygisch angehauchte 808-Cowbell-Melodie in der Piano-Roll

Das ist doch schon ein hervorragender Ausgangspunkt.

3. Bau ein dreckiges Drum-Pattern

Phonk-Drums brauchen ordentlich Punch und Dreck. Beginne mit einer schweren Kick und einer knackigen, verzerrten Snare. Wir haben diese Samples in der Bazzazian-Expansion für Battery gefunden. Du kannst auf jedem zweiten Schlag eine zusätzliche Snare layern, um dem Sound noch mehr Druck zu verleihen.

Hier ist unser grundlegender Groove:

Der grundlegende Drum-Groove.
Der grundlegende Drum-Groove

Als Nächstes fügen wir Hi-Hats mit variierenden Velocity-Werten hinzu, damit der Beat einen rollenden Flow bekommt:

Ein paar Hi-Hats sorgen für zusätzlichen Flow
Ein paar Hi-Hats sorgen für zusätzlichen Flow

Zum Schluss legen wir Raum direkt auf die Spur, um für mehr Weite und Tiefe zu sorgen.

5. Füge eine düstere Bassline hinzu

Kein Phonk-Track ist komplett ohne eine schwere, verzerrte Bassline. Die meisten Producer*innen greifen zu 808-Bässen und treiben sie an ihre Grenzen – mit Clipping, Verzerrung und Sättigung, bis sie zum treibenden Element des Tracks werden.

Für diesen Beat haben wir das Factory-Preset „Deep Float“ in Massive X geladen. Die schlichte Bassline besteht aus nur drei Noten und setzt auf einen dröhnenden, düsteren Klang:

Das klingt schon solide. Um aber diesen wuchtigen Impact zu erzielen, fügen wir mit Trash etwas Clipping-Verzerrung hinzu und stellen mit einem Utility-Plug-in sicher, dass unsere Sub-Frequenzen mono bleiben. Außerdem steuern wir den Bass per Sidechain über die Kick-Drum an, damit er bei jedem Kick-Treffer kurz weicht.

Dreckige Verzerrung mit Trash hinzufügen
Dreckige Verzerrung mit Trash hinzufügen

Genau das haben wir gesucht:

5. Sorge mit einer Gegenmelodie für Abwechslung

Phonk setzt typischerweise auf sparsame, aber wirkungsvolle Melodie-Elemente – etwa unheimliche Synth-Leads oder atmosphärische Pads. Das Ziel dabei: Spannung und Stimmung erzeugen, ohne den Mix zu überladen.

In diesem Track nutzen wir das Preset „Cassy Ohs“ aus Lo-fi Glow, um neben der prägenden Cowbell für zusätzliche melodische Abwechslung zu sorgen.

Eine Prise Raum-Reverb und Replika XT-Delay bewirkt hier wahre Wunder.

6. Downsampling und klangliche Färbung

Charakteristisch für Phonk ist fast immer ein ausgeprägter Lo-Fi-Sound. Unsere bisherige Soundauswahl geht schon in diese Richtung, doch wir können den Klang noch gezielter „verschlechtern“. Damit der Lo-Fi-Vibe wie aus einem Guss wirkt, teilen wir das Ganze in zwei Gruppen auf.

Gruppiere zuerst die 808-Cowbell, den Bass und die Gegenmelodie-Spuren. Lade anschließend Vinyl auf die Gruppe mit den folgenden Einstellungen:

Der „Lo-fi“-Button in Vinyl verleiht der Gruppe den typischen Bitcrushed-Sound
Der „Lo-fi“-Button in Vinyl verleiht der Gruppe den typischen Bitcrushed-Sound

Hören wir uns an, wie Vinyl auf diese Gruppe wirkt:

Der Bitcrusher in Vinyl reichert die Gruppe mit rauen Obertönen an und sorgt gleichzeitig für den gewünschten klanglichen Qualitätsverlust.

Jetzt fassen wir die Drums und unsere Vinyl-Gruppe zusammen und legen eine weitere Instanz von Trash auf diese neue Gruppe. Wir wählen die Verzerrungseinstellung „Clip Control“. Das lässt unseren Track klingen, als sei er völlig übersteuert, ohne dass wir die Pegel tatsächlich in die Höhe treiben.

Damit klingt unser Beat nach echtem, authentischem Phonk.

7. Arrangiere deinen Beat

Phonk-Tracks folgen meist einer geradlinigen Struktur – Intro, Main-Loop, gelegentliche Breakdowns und ein Outro.

Sorge für Spannung, indem du alle acht oder 16 Takte Elemente ein- und ausblendest. Du kannst auch Parameter deiner Synths, Drums und Effekte automatisieren und Effektsounds wie White-Noise-Rauschen oder Sweeps einbauen.

Dein Arrangement richtet sich ganz danach, welche Parts du in den Vordergrund stellen willst. Hier ist das grundlegende Arrangement unseres Phonk-Tracks – passe es ganz nach deinem Geschmack an:

Ein grundlegendes Arrangement für unseren Phonk-Track
Ein grundlegendes Arrangement für unseren Phonk-Track

8. Mastere deinen Track

Mastering macht aus einer rohen Idee einen fertigen Track. Es schweißt alle Elemente zusammen und sorgt dafür, dass deine Musik auf jedem Abhörsystem ausgewogen klingt. Öffne Ozone und lass den KI-gestützten Mastering Assistant deinen Mix analysieren. Von dort aus kannst du EQ, Kompression und Limiting ganz nach deinem Geschmack feinjustieren.

Der KI-Assistant liefert dir einen soliden Ausgangspunkt für dein Master, aber den Feinschliff übernimmst du selbst – bis alles perfekt sitzt.
Der KI-Assistant liefert dir einen soliden Ausgangspunkt für dein Master, aber den Feinschliff übernimmst du selbst – bis alles perfekt sitzt.

Hier ist die finale Version unseres Tracks nach dem Einsatz des Assistant und ein paar letzten Anpassungen.

Produziere deine eigenen Phonk-Tracks

Phonk ist ein Genre, das von düsterer Atmosphäre und Lo-Fi-Grit lebt. Mach dir keine Gedanken über klinisch sauberes Sound-Design oder komplexe Arrangements – konzentrier dich ganz auf den Vibe. Mit seinen Wurzeln im Memphis-Rap und einem modernen Einschlag aus Lo-Fi-Texturen und verzerrten Bässen gehört Phonk zu den spannendsten Genres, die du als Producer*in elektronischer Musik erkunden kannst.

Nutze die Tools in Komplete, um mit unterschiedlichen Sounds zu experimentieren, und hab keine Angst davor, Verzerrung und Texturen voll auszureizen.

Hol dir Komplete

Passende Produkte