|Kevin McHugh

Sidechain-Kompression einfach erklärt: Was sie ist und wie du sie nutzt

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what is sidechain compression

Selbst wenn dir der Begriff „Sidechain-Kompression“ nichts sagt, hast du den Effekt garantiert schon gehört: Dance-Tracks, bei denen die Kick-Drum scheinbar alles nach hinten wegsaugt, während sie nach vorne drückt, oder dieses pumpende Atmen, das den gesamten Track bei jedem Kick-Treffer verschluckt. Genau das ist der Sound von Sidechain-Kompression.

Sidechain-Kompression kann dir außerdem dabei helfen, Platz im Mix zu schaffen, konkurrierende Sounds voneinander zu trennen oder deinen Sound einfach kreativ zu veredeln.

In diesem Artikel erfährst du, wie du Sidechain-Kompression nutzt, um deine Mixe zu verbessern, deinen Produktionen mehr Groove zu verleihen und spannende Effekte für Vocals zu kreieren.

Alles über Sidechain-Kompression:

Mach direkt mit: Für dieses Tutorial brauchst du KONTAKT, MASSIVE X, SOLID DYNAMICS und Neutron 4.

SOLID DYNAMICS ENTDECKEN

Was ist Sidechain-Kompression?

Sidechain-Kompression ist eine Technik der Audioproduktion, bei der ein Sound (das „Sidechain“-Signal) die Lautstärke eines anderen Sounds (das „Zielsignal“) steuert. Während herkömmliche Kompressoren ein Signal anhand seines eigenen Pegels absenken („Ducking“), nutzt Sidechaining ein externes Signal, um den Pegel des bearbeiteten Sounds zu drosseln. Das Sidechain-Signal ist typischerweise ein rhythmisches oder perkussives Element – wie etwa eine Kick-Drum –, das die Lautstärke des Zielsignals moduliert, beispielsweise ein flächiger Pad- oder Lead-Sound. Genau so bringt die Kick eine Bassline oder ein Key-Pattern bei jedem Schlag zum „Absacken“.

Sidechain-Kompression eignet sich außerdem perfekt, um Sounds im Mix miteinander zu verschmelzen („Glue“-Effekt), damit sie sich gegenseitig stützen. Du kannst sie aber auch für kreative Effekte einsetzen, um Vocals präsenter klingen zu lassen oder Reverbs auf überraschende und spannende Weise in Bewegung zu bringen.

In den folgenden Schritten erfährst du, wie du verschiedene Instrumente per Sidechain ansteuerst, um ganz neue klangliche Facetten in deinen Mix zu bringen.

Sidechaining bei Kick und Bass

Sidechain-Kompression ist enorm hilfreich, wenn du zwei Signale abmischst, die sich denselben Frequenzbereich teilen. Das beste Beispiel dafür sind Kick und Bass. Falls du es noch nicht kennst, wirf einen Blick auf das iZotope-Tutorial zum Thema Kick und Bass richtig abmischen und lerne die verschiedenen Ansätze kennen.

Hier haben wir einen Bass aus MASSIVE X genommen – das Pattern ist ziemlich simpel.

Dazu kommt eine simple Kick, mit der wir die Sidechain-Kompression auf dem MASSIVE X-Bass triggern. Wir legen eine Instanz von SOLID DYNAMICS auf den Bass und wählen unseren Kick-Kanal als Eingang. Dann aktivieren wir den „SC Gain“-Regler und stellen Threshold, Attack und Ratio so ein, bis das Ergebnis passt.

SOLID DYNAMICS-Sidechain-Kompression
SOLID DYNAMICS-Sidechain-Kompression

Hören wir uns an, wie das Sidechaining auf dem Bass wirkt.

Und jetzt im Zusammenspiel mit der Kick.

Sidechaining bei Kick und Keys/Synths

Sidechain-Kompression lohnt sich auch dann, wenn breite Akkorde sehr viel Raum im Mix einnehmen. Die Keys beißen sich zwar nicht zwingend mit dem Low-End der Kick, aber per Sidechain-Kompression kannst du dafür sorgen, dass sie deutlich besser mit dem restlichen Track grooven.

Hier ist unsere Kick, zusammen mit einem Key-Pattern, das sich mit der Bassline verzahnt. Diese simple Akkordfolge haben wir in MODULAR ICONS eingespielt – einer großartigen KONTAKT-Library voller warmer, satter Analogsounds aus modularen Synthesizern.

MODULAR ICONS
MODULAR ICONS

Das ist ein ziemlich mächtiger Akkord, der den gesamten Mix vereinnahmt. Wir nehmen also zuerst etwas Low-End heraus, um Platz für Kick und Bass zu schaffen.

Low-End mit einem EQ-Cut absenken
Low-End mit einem EQ-Cut absenken, um Platz für Kick und Bass zu schaffen

Das verschafft den Keys etwas mehr Luft, aber das Ganze wirkt noch etwas steif. Der Kick fehlt die Verbindung zu den Keys. Also wenden wir denselben Trick wie beim Bass an – und komprimieren die Keys per Sidechain getriggert durch den Kick-Schlag. So klingt das:

Das klingt schon gut. Jetzt runden wir das Ganze mit etwas Reverb ab, damit die Bewegung flüssiger wirkt. Wir erstellen einen Return-Kanal und legen das Reverb-Plug-in RAUM darauf.

Die Keys mit Reverb abrunden
Die Keys mit Reverb abrunden

So klingt es mit dem Sidechain-Signal der Kick und dem Reverb.

Jetzt groovt es! Der Sound wirkt voll, lässt aber trotzdem genug Platz für Kick und Bass. Selbst wenn er mit dem Beat pumpt, geht er sanft im Reverb auf und klingt groß und weit. Die Kick setzt sich im Mix sauber durch, ohne die anderen Elemente unnötig zu überdecken.

Sidechaining bei Vocals

Sidechain-Kompression lässt sich auf viele Arten einsetzen, die weit über das reine Aufräumen von Spuren hinausgehen. Wir haben gesehen, wie sie Groove erzeugt und wie sie Percussion im Mix nach vorne bringt. Für Instrumental-Tracks ist das fantastisch – aber Vocals brauchen noch mal eine ganz gezielte Präsenz im Mix.

Nehmen wir diese Gesangsspur: eine wirklich gelungene Solo-Performance. Wir können sie noch etwas voller klingen lassen, indem wir iZotopes kostenloses Vocal Doubler-Plug-in hinzufügen – für extra Tiefe und den finalen Feinschliff.

iZotope Vocal Doubler
iZotope Vocal Doubler-Plug-in

Da wir auf den Keys bereits einen schönen Reverb haben, betten wir die Vocals jetzt besser in den Mix ein, indem wir ihnen einen eigenen Reverb-Kanal spendieren. Dazu erstellen wir einen zusätzlichen Send und Return und legen RAUM darauf. So klingt das Ganze:

Das klingt ziemlich im Hall ertränkt. Ein Teil der Präsenz und Durchsetzungsstärke der Gesangs-Performance geht verloren. Doch mit Sidechain-Kompression können wir dafür sorgen, dass sich die Stimme gegen ihren eigenen Reverb durchsetzt.

Auf denselben Return-Kanal mit dem dedizierten Vocal-Reverb legen wir einen Solid Dynamics-Kompressor und steuern ihn per Sidechain über die Vocals selbst an. Wir platzieren Solid Dynamics direkt hinter dem Reverb und stellen den Sidechain-Eingang auf unseren Vocal-Kanal ein. So erreichen wir einen deutlicheren Effekt: Sobald der Gesang einsetzt, macht der Reverb quasi die Tür zu. Auf diese Weise verdeckt der Reverb nichts vom Gesang, füllt aber die Lücken zwischen den einzelnen Wörtern wunderschön aus.

Hier hörst du den Unterschied: zuerst nur mit Reverb und danach per Sidechain über die Vocals gesteuert.

Sorgen wir jetzt dafür, dass die Vocals auch zum restlichen Mix passen. Wenn wir den Reverb kurz ausschalten und reinhören, wie sich der Gesang mit den Keys verträgt, fällt auf: Da fehlt noch etwas. Es harmoniert zwar gut mit den Keys, wirkt aber noch wie einfach oben auf den Mix draufgelegt, statt sich natürlich einzufügen.

Wir möchten, dass die Vocals präsent vorne im Mix stehen, sich aber trotzdem organisch mit den anderen Elementen verbinden. Deshalb legen wir einen weiteren Kompressor auf den Keys-Kanal – gesteuert durch die Vocals. Unser Ziel: genau in dem Frequenzbereich Platz schaffen, in dem sich Gesang und Keys gegenseitig maskieren könnten. Wir nutzen den Kompressor in Neutron 4, wählen als Eingang unseren Vocal-Kanal und aktivieren „Ext Band 2“ als Trigger für Band 2 im Neutron 4-Kompressor. Das bedeutet, dass nur die Mitten der Gesangsspur die Mitten der Keys absenken. So können beide Spuren in Bereichen ohne Maskierungseffekte zusammenarbeiten, kämpfen aber nicht in den Mitten gegeneinander, wo die Vocals Vorrang brauchen.

Keys per Sidechain über Vocals in Neutron gesteuert
Keys per Sidechain über Vocals mit dem Neutron 4-Kompressor gesteuert

Vielleicht denkst du jetzt, dass das zu viele Sidechain-Ebenen sind, um die Keys noch atmen zu lassen. Hören wir uns die Keys also einmal solo an: Das ist die Key-Spur mit Sidechain-Kompression durch die Kick und durch die Vocals.

Obwohl die Keys auf unterschiedliche Weise abgesenkt werden, ist der Groove unüberhörbar da – und die Akkordfolge bleibt glasklar verständlich. Dieses Kontakt-Patch lässt der Kick und dem Bass genügend Raum, stützt die Vocals und übertönt sie nicht. Ein Hauch von Reverb sorgt für Stereobreite und stetige Bewegung, ohne den wichtigsten Elementen des Tracks in die Quere zu kommen.

Zum Schluss legen wir Ozone 10 auf unseren Master-Kanal, um alles harmonisch zusammenzuschweißen, und lassen uns vom Master Assistant zu den besten Einstellungen führen.

Jetzt Sidechain-Kompression ausprobieren

Hier ist unser Ergebnis! Wie du hören kannst, sitzen die Vocals schön weit vorne im Mix, und die Kick setzt sich druckvoll genug durch, um die Energie des Tracks am Laufen zu halten. Die Keys halten den Groove in Bewegung und die Akkordfolge kommt klar zur Geltung, ohne den wichtigeren Elementen der Percussion und den Vocals in die Quere zu kommen. Ein Reverb verleiht den Keys räumliche Tiefe, während der andere den Vocals eine sphärisch schwebende Hallfahne gibt, ohne die Gesangsperformance aus dem Mittelpunkt zu verdrängen.

Sidechain-Kompression hat uns geholfen, jedem Element dieses Tracks seinen ganz eigenen Platz im Mix zu geben – und dafür zu sorgen, dass alle Elemente perfekt zusammenspielen.

Wenn du noch mehr über Musikproduktion erfahren möchtest, schau dir unseren Guide zum Beatmaking an und entdecke, wie du Reverb einsetzt, um Raum und Tiefe in deinen Tracks zu schaffen.

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