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Robert Dudzic: Der Weg an die Spitze im Sound-Design

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Robert Dudzic: How to be the best at sound design

Sehr wahrscheinlich hast du Robert Dudzics Arbeit schon einmal gehört. Als Sound-Designer für Hollywood-Filmtrailer erschafft er epische Klangwelten und Effekte, die in unzähligen Film- und TV-Projekten zu hören sind. Zudem wirkte Dudzic an verschiedenen Sound-Libraries mit – darunter DAMAGE, das er gemeinsam mit Heavyocity und Native Instruments koproduzierte. Im Gespräch über seinen bisherigen Werdegang verrät Dudzic das Geheimnis seiner Aufnahmen und gibt Tipps für den Einstieg in die Branche.

Du bist vor mehr als 25 Jahren aus Polen in die USA ausgewandert. Wie war es für dich, dir in einem neuen Land ein Leben aufzubauen?

Mein Traum war es, als Musiker um die ganze Welt zu touren. Doch mir wurde schnell klar, dass es in New York Tausende andere Musiker gab – viele von ihnen viel besser als ich. Das hielt mich aber nicht auf. Ich hatte damals drei Jobs gleichzeitig und spielte an den Wochenenden Schlagzeug in einer Hochzeitsband, was mir riesigen Spaß machte. Ich fing an, Schlagzeugunterricht zu nehmen – dadurch verbesserte ich nicht nur mein Spiel, sondern lernte auch jede Menge über das Musikbusiness.

Als ich meinen ersten Synthesizer kaufte, den legendären Korg M1, merkte ich, dass ich Musik produzieren und Sound-Design völlig eigenständig machen konnte. Es war eine ausgewachsene Workstation mit 8-Spur-Sequenzer und Effekten. So lernte ich das Arrangieren und fing an, eigene Sound-Patches zu basteln. Gleichzeitig brachte es mich ins Grübeln: Wollte ich als Musiker auf Tour sein oder als Produzent arbeiten? Die Frage blieb offen, bis ich mir meinen ersten Computer kaufte.

Wie bist du zum Sound-Design gekommen?

In den ersten Monaten nach dem Computerkauf hatte ich ehrlich gesagt keine Ahnung, was ich da tat. Zum Glück hatte ich einen guten Freund, der mir Cakewalk zeigte. Plötzlich konnte ich meinen Korg M1 an den Rechner anschließen. Ab da steckte ich mein ganzes Geld in Soundmodule und brachte mir so viel über MIDI bei, wie ich nur konnte.

Als ich mich mit Sampling beschäftigte, kaufte ich mir einen Akai-Sampler. Genau die richtige Entscheidung, denn ich liebte, was ich tat.

Robert Dudzic bei Field-Recording-Aufnahmen auf einer Straße mit mobilem Equipment

Wann hast du angefangen, eigene Sounds aufzunehmen?

Über das Sampling entdeckte ich Cubase und Wavelab – damit perfektionierte ich mein Audio-Editing und meine Processing-Skills. Um eigene Sounds aufzunehmen, legte ich mir einen DAT-Rekorder (Sony TCD-D7) und zwei Stereomikrofone zu. Damals beschloss ich endgültig, Sound-Designer zu werden, und setzte alles daran, dieses Ziel zu erreichen.

Warum bist du von einem Hardware-Sampler auf Software umgestiegen?

Ich habe meinen Hardware-Sampler wirklich geliebt, aber er hatte viele Einschränkungen. Über Kompakt, den Vorgänger von Kontakt, lernte ich Native Instruments kennen – ein echter Gamechanger. Plötzlich war ich nicht mehr durch die Sample-Größe limitiert. Ich konnte in Echtzeit mit meinen Aufnahmen arbeiten, sie nach Belieben steuern und mit den integrierten Tools genau den Sound formen, der mir vorschwebte.

Welche Software hast du danach noch verwendet?

Ich fing an, mich in weitere Produkte von Native Instruments einzuarbeiten: Guitar Rig, Battery, Massive, Reaktor und Absynth. Von da an erreichten meine Produktionen ein ganz neues Level und ich fing an, Geld damit zu verdienen. Ich kaufte mir Komplete und hatte auf einen Schlag Zugriff auf etliche Instrumente und großartige Effekte.

Deshalb habe ich mich auch riesig gefreut, als die Komplete Kontrol-Keyboards erschienen. Sie haben meine Arbeitsweise mit VST-Instrumenten und Sample-Libraries grundlegend verändert. Durch das NKS-Format geht das Browsen und Bearbeiten extrem leicht von der Hand. Toll ist auch, dass Firmen wie Heavyocity und ProjectSAM den Standard unterstützen – vorkonfigurierte Regler-Mappings beschleunigen den Workflow enorm.

Der beste Tipp für ein höheres Produktionsniveau: Beherrsche die Tools, die du bereits hast.

Wie sieht der Rest deines Setups aus?

Meine Haupt-DAW ist Cubase Pro, kombiniert mit der Soundkarte Steinberg MR816-CSX und dem CC121-Controller. Außerdem nutze ich gerne Plug-ins von PSPaudioware – sie sind unkompliziert zu bedienen und liefern einen sehr sauberen Sound.

Früher habe ich wie verrückt jedes neue Plug-in gekauft, das versprach, den Sound komplett umzukrempeln. Heute frage ich mich, warum ich meinen Sound überhaupt so drastisch verändern sollte.

Der beste Tipp, um deine Produktionen aufs nächste Level zu bringen (und eine Menge Geld zu sparen): Beherrsche die Tools, die du bereits hast. Je mehr Werkzeuge du besitzt, desto schwerer fällt die Entscheidung, was du wann einsetzen sollst. Das bremst deine Kreativität und man verliert sich schnell. Es bringt gar nichts, 299 $ für ein schickes Plug-in auszugeben, wenn man es nicht bedienen kann. Es kommt der Zeitpunkt, an dem sich eine solche Investition lohnt und die Qualität hörbar steigert – aber bis dahin solltest du dein vorhandenes Equipment in- und auswendig kennen.

Wenn du die Qualität deiner Produktionen noch weiter nach oben schrauben willst, investiere in Recording-Outboard: Besorge dir gute Mikrofone, nimm eigene Sounds auf und mische sie mit Samples.

Apropos eigene Sounds aufnehmen: Welches Equipment nutzt du dafür?

Ich nehme gerne auf unterschiedliche Arten auf und kombiniere traditionelle Mikrofone mit Kontaktmikrofonen. Für das Mittensignal nutze ich ein RØDE NTG3, dazu ein abgestimmtes Stereopaar RØDE NT55, zwei RØDE NT1 und diverse Kontaktmikrofone. So kann ich den Sound exakt so formen, wie ich ihn haben möchte. Im Studio zeichne ich alles in 24-bit/96 kHz mit einem Tascam HS-P82 auf. Unterwegs nutze ich einen Tascam DR-100MKIII für schnelle Aufnahmen. Bei größeren Projekten vor Ort habe ich einen Tascam DR-680MKII mit meinem maßgeschneiderten Richtmikrofon-Setup dabei: Auf einem Pistolengriff sitzt das Richtmikrofon RØDE NTG3, ergänzt um zwei RØDE NT6. Auch das gibt mir im Nachhinein viel mehr klangliche Kontrolle.

Wenn ich außergewöhnliche Dinge aufnehme – etwa das Einschlagen einer Autowindschutzscheibe –, kommen ebenfalls mehrere Mikrofone zum Einsatz. Ich möchte den Sound von außerhalb des Wagens einfangen, aber auch den Aufprall, wie man ihn im Innenraum hören würde.

Robert Dudzic nimmt mit Mikrofonen industrielle Soundeffekte in einer Fabrik auf

Warum ist es dir so wichtig, mit mehreren Mikrofonen aufzunehmen?

Ein Multi-Mikrofon-Setup eröffnet mir klangliche Dimensionen, die vorher schlicht nicht möglich waren. Die meisten nehmen mit einer klassischen XY-Stereoanordnung auf. Daran ist überhaupt nichts verkehrt, aber wer maximale Kontrolle über den Sound will, kommt an mehreren Mikrofonpositionen nicht vorbei.

Ein zusätzliches Raummikrofonpaar bringt mehr Räumlichkeit in den Mix. Dadurch wirken die Aufnahmen größer und lebendiger. Wenn du in Stereo aufnimmst und später ein Panning anwendest, wird ein Kanal lauter und der andere leiser. Wenn ich bei der Aufnahme aber ein zusätzliches Richtmikrofon nutze, kann ich die Platzierung im Stereofeld viel präziser steuern – ähnlich wie mit einem Center-Lautsprecher im Surround-System.

Glaube mir: Du brauchst keine klassische Musikausbildung, um ein guter Sound-Designer zu sein.

Was passiert als Nächstes, wenn die Aufnahmen im Kasten sind?

Zuerst editiere und mische ich das Material in Cubase. Ich behalte gerne verschiedene Versionen des Mixes, damit alles organisch bleibt. Dann bearbeite ich die einzelnen Spuren und füge Effekte hinzu. Indem ich Sounds um eine oder zwei Oktaven nach unten pitche, erzeuge ich mächtiges Grollen.

Für Effekte nutze ich unter anderem die „Remix“-Presets in Guitar Rig. Auch mit Reaktor lassen sich einzigartige klangliche Transformationen erzielen. Mein absolutes Standard-Plug-in bleibt aber Kontakt. Es ist ein fantastischer Sampler – und wird umso mächtiger, sobald man auf das Schraubenschlüssel-Symbol klickt und unter die Haube schaut. Außerdem kommen täglich neue Sample-Libraries heraus. Ich kann nur wärmstens empfehlen, sich Kontakt mithilfe von Online-Tutorials anzueignen.

Hattest du denn eine musikalische Ausbildung?

Mit sieben Jahren habe ich etwa ein Jahr lang Geige gespielt. Später wollte ich an einer Musikschule Schlagzeug lernen – flog aber raus, weil man mir sagte, das hätte mit Musik nichts zu tun. Alles Weitere brachte ich mir selbst bei, indem ich mit Klängen und Instrumenten experimentierte. Beim Komponieren muss ich mich an keine Regeln halten – ganz einfach, weil ich sie nicht kenne. Ich weiß nichts über Akkordfolgen oder welche Instrumente zu welchem Musikstil passen. Im Kopf bin ich völlig frei: Ich spiele Gitarren mit dem Geigenbogen oder bearbeite ein Klavier mit einem Elektrorasierer.

Eine musikalische Ausbildung ist für Sound-Designer also kein Muss?

Es gibt mehr als genug Musik, die starr nach Regeln funktioniert. Ich habe mich für meinen eigenen Weg entschieden, und genau das macht meinen Sound unverwechselbar. Du kannst deinen ganz eigenen Sound genauso finden.

Glaube mir: Du brauchst keine klassische Musikausbildung, um ein guter Sound-Designer zu sein. Was du brauchst, sind Leidenschaft, ein offener Geist und Querdenken. Alles Wichtige lässt sich heute online lernen – eine Schule brauchst du dafür nicht.

Wie fasst man in der Branche Fuß, wenn man Sound-Designer werden will?

In dem Moment, in dem du deinen ersten eigenen Sound aufnimmst oder auf einem Synthesizer beziehungsweise Plug-in programmierst, bist du Sound-Designer. Um damit erfolgreich zu werden, braucht es allerdings etwas mehr. Du musst extrem viel arbeiten und anfangs vermutlich oft umsonst. In diesem Geschäft läuft fast alles über Empfehlungen. Sobald du mit deiner Arbeit zufrieden bist, kontaktiere Firmen, die auf Soundeffekte, Presets oder Loops spezialisiert sind. Ob sie Interesse zeigen, ist der beste Gradmesser.

Robert Dudzic arbeitet an Sound-Design und Mixing an seiner Studio-Workstation

Wie bist du dazu gekommen, Sounds für Kinofilme zu produzieren?

Der Einstieg ist extrem schwer und die Konkurrenz riesig. Alle Sound-Designer*innen im Trailerbereich buhlen um dieselben Aufträge. Die Trailer-Editor*innen sind sehr anspruchsvoll, und man muss extrem schnell erfassen, welcher Sound gesucht wird. Manchmal gibt es einen Referenztrack, meistens aber nur eine kurze Beschreibung per E-Mail. Für Valerian and the City of a Thousand Planets lautete das Briefing schlicht „futuristische Waffensounds“. Ich schickte alles hin, was meiner Meinung nach passte – und zum Glück wurden einige davon übernommen. In dieser Branche weiß man nie, wann der nächste Auftrag im Postfach landet: Dann heißt es einfach abliefern.

Muss man viel Geld ausgeben, um als Sound-Designer durchzustarten?

Das Wichtigste ist ein Computer. Dazu ein Audiorekorder – ein kleines mobiles Gerät reicht völlig aus – und eine DAW für das Editing. In der DAW kannst du wunderbar mit Sounds experimentieren. Du wirst viel dazulernen, und mit wachsenden Fähigkeiten kannst du dein Setup nach und nach upgraden.

Glaube nicht, dass du ultrateure Studiomonitore brauchst. Solange du deine Lautsprecher kennst, kannst du auf ihnen einen hervorragenden Mix abliefern. Ein gutes Gehörtraining: Höre dir gezielt Tracks im gewünschten Genre an. Ich verbringe viel Zeit damit, Trailer zu analysieren und Soundtracks zu hören – so entwickelt man ein Gespür für die Sounds. Hab keine Angst vor Fehlern: Auch Scheitern ist ein hervorragender Lehrmeister.

Zum Schluss noch ein einfacher Trick, um zu verstehen, wie wichtig Sound-Design wirklich ist: Wenn du zu Hause ein Surround-System hast, schalte den Center-Lautsprecher aus. So siehst du dir einen Film ganz ohne Dialoge an. Du wirst staunen, was du plötzlich alles hörst – und die Chancen stehen gut, dass du den Film bis zum Ende weiterschaust. Und jetzt mach das Gegenteil: Schalte alle Lautsprecher bis auf den Center aus. Das gesamte Sound-Design fehlt und du hörst nur noch die Dialoge. Mal sehen, wie lange du das aushältst. Spätestens dann weißt du, wie essenziell Sound-Design ist.

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