TIM EXILE ÜBER DIE ENTWICKLUNG VON FLESH

"Das Konzept für FLESH kam mir vor ein paar Jahren in den Sinn. Ich war auf Tour mit Flow Machine – meinem Looping-, Beatmaking- und Improvisationsinstrument, das ich in REAKTOR entwickelt hatte. Es enthielt bereits THE FINGER und THE MOUTH und lieferte mir viele Möglichkeiten der Echtzeit-Effektmanipulation und Vocal-Synthese. Trotzdem vermisste ich beim Live-Spielen und Improvisieren die Möglichkeit, harmonische und melodische Elemente zu entwickeln. Ich wollte ein Tool, das es mir ermöglicht, ausdrucksvolle und dynamische Sounds zu erzeugen, die jederzeit perfekt zu den übrigen musikalischen Elementen passen.

Ich fragte mich, ob es möglich wäre, originelle Melodien zu entwickeln, die auf den rhythmischen Charakter eines Tracks reagieren – oder intelligente Synths, die ihren Sound dynamisch auf den sich allmählich verändernden Sound von Tracks abstimmen. So begann ich damit, neue Analyse-, Sequencing- und Synthese-Methoden zu entwerfen, die mir das ermöglichen würden. Es hat ein paar Jahre gedauert, bis alles passte. Jetzt bin ich stolz, die Ergebnisse meiner Arbeit präsentieren zu können. Ich war absolut begeistert von dem, was diese neuen Techniken möglich gemacht haben – ein Jahr später summe ich noch manche der Melodien, die entstanden sind. Beim Entwickeln war ich manchmal zu Tränen gerührt – so kreativ kann ein Computer sein, wenn man ihn nur lässt.

FLESH ist ein Kompositionswerkzeug und ein Performance-Instrument in einem. Es lässt Sie Tracks als Möglichkeiten entwickeln, die sich mit greifbaren Reglern kombinieren und manipulieren lassen. FLESH befreit Sie von der Tyrannei des Zeitrasters. Ich hoffe, Sie und ich werden dadurch unseren Klanghorizont erweitern."

MUSIKER UND ENTWICKLER SEIN

"Meine musikalische Karriere begann direkt nach meiner Uni-Zeit – ich produzierte Tracks und veröffentlichte sie auf verschiedenen Labels. Ich experimentierte bereits mit eigenen Software-Kreationen, doch das war eher ein Hobby – es hat mich beim Komponieren von Tracks inspiriert.

Nach einer Weile wurde ich besser im Programmieren und hatte anspruchsvollere Ideen für Tools. Diese Tools wurden dann zu zentralen Elementen meiner Arbeitsweise. In den letzten Jahren habe ich hauptsächlich Software wie FLESH entwickelt – und mein eigenes Performance-Instrument Flow Machine. Jetzt, da FLESH erschienen ist, freue ich mich darauf, wieder ein wenig mehr Zeit für meine Musik zu haben."

FLOW MACHINE UND LIVE SPIELEN MIT REAKTOR

"Ich begann meine Arbeit an Flow Machine vor 12 Jahren, lange bevor das Instrument unter diesem Namen bekannt war. Es besteht aus vielen verschiedenen MIDI-Controllern, die ein einziges REAKTOR-Ensemble steuern. Ich wollte ein Instrument, das es mir ermöglicht, elektronische Musik physisch und im Augenblick zu improvisieren, und startete seine Entwicklung in REAKTOR. Seitdem bin ich bei REAKTOR geblieben – das ist meine einzige Entwicklungsplattform. Man könnte sagen, dass REAKTOR und ich zusammen aufgewachsen sind.

Die Flow Machine, die ich heute nutze, ist ein komplettes portables Live-Studio, inklusive Live-Sequencing, Audio-Looping, Drum Machines, Synths, Sample-Player, einer großen Effekt-Kette und vieler verschiedener Methoden, Sounds in Echtzeit zu resampeln und zu manipulieren. Dass man solch eine komplett ausgestattete Anwendung erschaffen kann, ist der beste Beweis für die Vielseitigkeit von REAKTOR als Plattform."

ÜBER DIE ZUKUNFT DER CONTROLLER-INTEGRATION

"Die Zukunft der Musik und der Technologie von Musikinstrumenten sieht glänzend aus. Als ich mich vor zehn Jahren mit diesem improvisatorisch-performativen Ansatz auf den Weg machte, fühlte ich mich allein auf weiter Flur.

Heute gibt es mehr und mehr Künstler, die ihre Musik auf spontane und direkte Weise entwickeln. Parallel dazu ist die Musiktechnologie in einem schnellen Wandel begriffen. Der Schwerpunkt bewegt sich von Werkzeugen zur Timeline-basierten Musikkreation hin zu Werkzeugen, die das Performen in Echtzeit ermöglichen.

Die Trennlinie zwischen Hardware und Software verschwindet – das in sich geschlossene Instrument ist im Kommen. Ich denke, wir sind an der Schwelle zu Musikinstrumenten 2.0."

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