Vielleicht hast du schon mal von harmonischem Mixing gehört – aber ob du dir je wirklich Gedanken darüber gemacht hast, ist eine andere Frage. Wie die meisten von uns spielst du dein Set wahrscheinlich nach Gefühl: Du wählst Platten aus, die gut klingen, zum Vibe passen, die Energie steigern oder der Crowd nach Stunden voller Peaktime-Chaos (oder Uptempo-Chicago-House – ganz wie du willst) eine wohlverdiente Verschnaufpause gönnen.
Aber was passiert da eigentlich genau? Warum kann derselbe Track, je nachdem, wann und wie er reingemixt wird, entweder den Club leerräumen oder zur ultimativen Dancefloor-Waffe werden?
Das TRAKTOR-Team hat gerade das Harmonic-Mixing-Update veröffentlicht: TRAKTOR PRO 3.2. Der Fokus liegt ganz auf dem harmonischen Mixing – um das Zauberbuch dieser geheimen Kunst zu öffnen und Mixing in-key von einem Nerd-Thema für Party-Gespräche in etwas zu verwandeln, mit dem du einfach draufloslegen und jede Menge Spaß haben kannst.
Allerdings lohnt es sich, die Grundlagen zu kennen. Höchste Zeit also für einen schnellen Überblick darüber, was In-Key-Mixing eigentlich bedeutet – und wie du ein bisschen von dieser Magie in deine Sets bringen kannst. Auf den ersten Blick sieht es vielleicht kompliziert aus, ist aber eigentlich ganz einfach.

Open Key-Notation
Schauen wir uns das Ganze mal genauer an – vielleicht ist es dir schon mal begegnet: der Open Key-Kreis. TRAKTOR nutzt die Open Key-Notation, und dieser bunte Kreis ist ihre Bibel. Die Zahlen und Buchstaben stehen für unterschiedliche Tonarten.
Der äußere Ring steht für Dur-Tonarten (die meist fröhlicher oder treibender klingen), der innere Kreis für Moll-Tonarten (die in der Regel etwas düsterer wirken).
Sie sind so angeordnet, dass benachbarte Tonarten perfekt zueinander passen – jeder Track lässt sich also mit Tracks aus bis zu drei verschiedenen Tonarten harmonisch mixen.
Der einfachste Weg ist natürlich, zwei Tracks mit derselben Tonart zu mixen, zum Beispiel zwei 6d-Tracks – die passen harmonisch garantiert zusammen. Richtig spannend wird es aber erst, wenn du dich auf bestimmte Weise im Kreis bewegst.
Von Dur zu Moll und wieder zurück
Jede Dur-Tonart hat eine entsprechende Moll-Tonart mit derselben Nummer – und umgekehrt (in der Musiktheorie nennt man das die parallele Dur- bzw. Moll-Tonart, aber das musst du dir nicht unbedingt merken). Das bedeutet: Du kannst einen nachdenklicheren (also Moll-) Track (zum Beispiel 7m) in einen helleren (also Dur-), treibenderen Track mit derselben Nummer (7d) mixen – und es klingt harmonisch stimmig.
Hören wir uns an, wie das klingt:
Im Kreis wandern
Du kannst dich im Kreis auch anhand der Nummern bewegen – also von 4d zu 5d oder 3d bzw. von 4m zu 5m oder 3m. Das sind zwar unterschiedliche Tonarten, aber sie harmonieren – wie erwähnt – bestens miteinander.
Dieser Mix wechselt von einem 3d-Track zu einem 2d-Track.
Der Energy-Boost
Der Kreis ist ein praktisches Werkzeug, um passende Tracks zu finden, aber mindestens genauso wichtig ist es, deinen Ohren zu vertrauen. Statt dich Schritt für Schritt im Kreis zu bewegen, kannst du für bestimmte Effekte auch gezielt springen.
Die folgenden beiden Mixe nutzen dieselben Tracks, die standardmäßig beide in 10m vorliegen. Im ersten Mix behalten beide Tracks dieselbe Tonart. Im zweiten Mix wird der neue Track auf 12m hochgepitcht – überspringt also ein Segment im Kreis. Das Ergebnis ist ein energiegeladener, euphorischer Übergang, mit dem du in deinem Set gezielt auf einen Peak hinarbeiten kannst.
Das zeigt gut, wie wichtig es ist, deinen Ohren zu vertrauen und den Kreis eher als Orientierungshilfe statt als Gesetzbuch zu betrachten. Genauso gilt: Harmonisches Mixing setzt du dann ein, wenn es Sinn ergibt – und ignorierst es einfach, wenn nicht. Wenn du einen Track mit vielen Vocals in einen Track voller Synths mixt, sollten sie harmonisch zusammenpassen. Bei rein perkussiven DJ-Tools lohnt es sich dagegen kaum, sich den Kopf zu zerbrechen. Und wenn du genau weißt, dass ein bestimmter Track jetzt die Hütte abreißt, dann drop ihn einfach.
Chris Liebing über harmonisches Mixing
Chris Liebing ist ein DJ, der sich mit harmonischem Mixing bestens auskennt. Er war im TRAKTOR-Büro zu Besuch, um seine Sicht auf die Technik zu teilen. Wenn du dir noch ein paar Tipps vom erfahrenen Profi holen möchtest, schau dir das Video unten an.