Seit mehr als zwei Jahrzehnten spielt die REAKTOR User Library eine entscheidende Rolle für REAKTOR selbst. Diese stetig wachsende Sammlung fantasievoller Ensembles für Synthese, Sampling, Sequencing und Signalverarbeitung wird von einer engagierten Community aufgebaut und kostenlos online geteilt. Im Laufe der Jahre sind einige dieser Instrumente und Effektmodule zu echten modernen Klassikern geworden – mit einem zeitlosen Reiz, der selbst die größten technologischen und stilistischen Umbrüche der Musikproduktionslandschaft überdauert hat.
Wir stellen dir hier fünf unserer liebsten –Vintage“-Ensembles aus der REAKTOR User Library vor. Jedes einzelne davon ist ein erstklassiges Kreativ-Tool, das einen festen Platz in deiner persönlichen REAKTOR-Library verdient hat. Lies weiter und erfahre, was sie so unverzichtbar macht – und lade sie über die Links alle kostenlos herunter (achte nur darauf, dass du die Vollversion von REAKTOR nutzt).
Lifeforms03

Rolf Schmucks ehrwürdiger „semi-random organic texture generator“ lädt förmlich dazu ein, wiederholt auf den Random-Button zu hämmern, um stets interessante Ambiances, Soundscapes und Sci-Fi-Sounds zu zaubern – von völlig atonal bis hin zu überraschend musikalisch. Es ist nicht immer ganz klar, was bei lifeforms03 gerade vor sich geht, doch das Experimentieren mit Pulse/Saw-Oszillator, Filter, Grain-Delay, Reverb und den weiteren Bedienelementen führt dich in die faszinierendsten klanglichen Abgründe. Und wenn es mal zu abgedreht wird, bieten die 51 Snapshots eine sichere Zuflucht. Ein absolutes Must-have, vor allem für Ambient-Komponist*innen.
Oki Computer

Mittlerweile 17 Jahre alt, ist der raffinierte kleine Synth von Timothy Lamb in erster Linie auf Retro-Bleeps und -Bloops ausgelegt. Mit etwas geschicktem Programming und gezieltem Processing fügt er sich aber auch mühelos in moderne Produktionen ein. Ein morphender, samplebasierter Oszillator liefert das Ausgangssignal, während der „Table“-Step-Sequenzer die Wellenform sowie Lautstärke, Pitch und Filter-Cutoff moduliert und Playback sowie Tonhöhe sequenziert. Drei flexible mehrstufige Hüllkurven modulieren ebenfalls Lautstärke, Tonhöhe und Cutoff; 8-Bit-Reduktion und Chorus-Effekte runden das Ganze gekonnt ab. Eine brillante Sound-Maschine für lebendige, sich entwickelnde Leads, Bässe, FX und mehr.
Drummachinewsky

Dieses Ensemble ist im Vergleich zu einigen anderen auf dieser Liste noch relativ neu: Seit gerade einmal neun Jahren in der User Library vertreten, umfasst die fantastische Drum-Machine im Analogstil von Tom Büttner zwölf separate Synths mit je drei Oszillatoren inklusive Noise und FM, die speziell für die Synthese von Drums, Cymbals, Handclaps und weiteren Percussion-Sounds entwickelt wurden. Jede Spur im 64-Step-Multitrack-Sequenzer verfügt über eine eigene Length-Einstellung, was eine Fülle polyrhythmischer Möglichkeiten eröffnet, sowie über sechs Modulationsspuren für die Automation von Pan, Color, Pitch, Attack, Decay und Roll. Dank Choke-Gruppen lassen sich im Handumdrehen realistische Hi-Hats erstellen, und für den Feinschliff stehen EQ-, Kompressor-, Reverb- und Delay-Effekte bereit. Das Wichtigste aber: Drummachinewsky klingt absolut fantastisch – eine wahrhaft zeitlose Beatbox, zu der du immer wieder zurückkehren wirst.
Kinderklavier toy piano

Von dem einst überaus produktiven Ensemble-Tüftler Gabriel Mulzer als „an exercise in precise modelling“ beschrieben, ist Kinderklavier eine rein algorithmische (sprich: völlig ohne Samples auskommende) Emulation eines Spielzeugklaviers – samt virtuellem Tonabnehmer und Reverb. Über drei Qualitätsstufen, die sich separat für Klangstäbe und Resonanzboden einstellen lassen, wählst du zwischen dem Klangprofil eines realen Toy Pianos, einer „idealisierten“ Variante und einer „mathematisch reinen“ Vorstellung. Zudem stehen verschiedene Parameter zur detaillierten Klangformung bereit, darunter Elasticity, Rod Resistance und Key Release Impact. Neben dem ausdrucksstarken Modeling des namensgebenden Instruments liefert Kinderklavier dank der Tonabnehmer-Option auch groovige Sounds im Clavinet-Stil.
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herMan FiLterbank

Kassian Troyers Emulation der Sherman Filterbank aus dem Jahr 2004 – dem wohl angesehensten Filter der 90er- und 2000er-Jahre – ist nicht nur wegen ihrer überragenden Qualität und Vielseitigkeit bemerkenswert: Dem Entwickler gelang es obendrein, klanglich verblüffend nah an die Original-Hardware heranzukommen, obwohl er selbst gar kein Originalgerät besaß! Zwei Resonanzfilter lassen sich stufenlos zwischen serieller und paralleler Verschaltung mischen, morphen von Tiefpass über Bandpass bis zu Hochpass (justierbar über den Regler „Filter Correction“) und werden über vielfältige Quellen moduliert – LFO, eingangstriggerbare ADSR-Hüllkurve, Envelope Follower (über das Eingangs- oder ein externes Signal gesteuert) und mehr. Wie Troyer das geschafft hat, wissen wir nicht – aber herMan FiLterbank ist ein Stück REAKTOR-Geschichte, das heute noch genauso unverzichtbar ist wie vor anderthalb Jahrzehnten.
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Sound-Design: Konstantin Grismann