Ein Drum-Fill ist eine rhythmische Variation in einem Drum-Part, meist über einen oder zwei Takte. Im Kontext eines Tracks erfüllt es vor allem zwei Zwecke:
- Drum-Fills markieren das Ende eines Songabschnitts und leiten in den nächsten über – so kann man dem Arrangement besser folgen.
- Drum-Fills halten einen Track spannend: Sie lockern den Rhythmus auf und bringen Abwechslung ins Spiel, die die Aufmerksamkeit aufrecht erhält.
In diesem Tutorial zeigen wir dir, wie du einfache Drum-Fills in verschiedenen Genres erstellst – als Basiswissen für Standard-Fills und als Inspiration für deine eigenen Grooves.
Direkt zu den Abschnitten springen:
Um dieses Tutorial nachzubauen, brauchst du: Komplete Kontrol, Battery 4, Abbey Road 60s Drummer, Abbey Road 80s Drummer sowie die Expansions Higher Place und Sacred Futures.
So programmierst du ein Drum-Fill
Meist werden Drum-Fills mit einem Drum-Instrument programmiert, indem das Pattern via MIDI sequenziert wird. Alternativ lassen sie sich erstellen, indem man Audio-Drum-Loops zerschneidet, spezielle Drum-Fill-Samples nutzt oder One-Shots sequenziert.
So baust du Drum-Fills auf
Als Erstes legst du fest, an welcher Stelle im Song das Drum-Fill sitzen soll – meist am Ende eines Parts. Zweitens definierst du die rhythmische Grundidee: Das kann von einer leichten Variation des bestehenden Drum-Patterns bis hin zu einem dramatischen Break alles sein; bei echten Drums würde man meist versuchen, den Groove des Tracks auch im Fill im Fluss zu halten. Drittens baust du diese Idee mit weiteren Drum-Sounds und feinen Details beim Sequencing aus.
So programmierst du authentische Drums
Wenn du realistische Drums suchst, kommt es auf authentische Drum-Sounds an, die perfekt zum jeweiligen Musikstil passen. Für einen natürlichen Sound hilft es außerdem, sich zu überlegen, wie ein*e echte*r Schlagzeuger*in spielen würde – und den Part entsprechend zu programmieren.
So klingen deine Drum-Fills noch besser
Damit deine Drum-Fills optimal klingen, achte darauf, dass sie zum Groove und Swing deines Tracks passen, nutze gezielte Velocity-Modulation für ein natürliches Spielgefühl und mische sie so ab, dass sie sich nahtlos ins Gesamtbild einfügen.
Wichtige Drum-Fills und wie du sie programmierst
1. House-Snare-Roll
Fangen wir mit einer ganz einfachen Form des Drum-Fills an: einem Snare-Roll, wie er oft im frühen House und Techno zum Einsatz kommt. Hier ist ein Beispiel aus dem britischen House der frühen 90er-Jahre – bei Minute 1:13 hörst du das Drum-Fill in Aktion.
Dieses Fill besteht einfach aus einem Snare-Sound auf 16tel-Noten mit ansteigender Velocity. Bauen wir das in der DAW nach. Stelle dein Projekttempo zunächst auf 125 BPM ein.

Typischerweise werden für diesen Fill-Typ Snare-Drums der Roland TR-909 verwendet – genau diesen Sound findest du in Battery 4. Lade eine Instanz von Battery 4 auf eine MIDI-Spur und doppelklicke auf das 909 Detailed Kit, um es zu laden.

Dieses Kit bietet eine ganze Reihe von 909-Snares zur Auswahl. Snare 909 8 klingt hervorragend und liegt auf G3. Sequenziere also G3 für einen Takt auf 16tel-Noten mit einer Velocity von 100. In dieser Anleitung verwenden wir standardmäßig einen Velocity-Wert von 100.

Im Track von X-Press 2 steigt die Velocity der Snare an, sodass sie im Verlauf des Fills immer lauter wird. Diesen Effekt können wir nachbauen, indem wir die Velocity-Werte unserer Snare-Noten schrittweise anheben.

Einen strafferen, moderneren Sound erreichst du, indem du in Battery 4 das Release der Volume Envelope des Drum-Samples reduzierst und die Notenlänge verkürzt.

Du kannst auch eine Prise Swing hinzufügen, indem du jede zweite Snare leicht nach rechts verschiebst – achte dabei darauf, dass der geswingte Rhythmus weiterhin zum Beat deines Tracks passt. Bevor wir das tun, fügen wir jedoch einen House-Loop hinzu, um den Unterschied zwischen dem geraden und dem geswingten Snare-Roll deutlicher zu hören.
Wir nutzen den House-Drum-Loop „Drums[125] Cite 1“ aus der Expansion Higher Place und setzen den Snare-Roll in den vierten Takt.
Du findest ihn in Komplete Kontrol, indem du auf den Loop-Button klickst und nach „Drums[125] Cite 1“ suchst. Klicke dann mit der rechten Maustaste auf das Sample und wähle „Show in Finder“ (unter macOS) bzw. „Show in File Explorer“ (unter Windows), um die Audiodatei zu lokalisieren und auf eine Audiospur zu ziehen. Alternativ kannst du das Sample per Doppelklick laden und es auf C3 über vier Takte sequenzieren.

So klingt der Snare-Roll gerade (straight) über dem Drum-Loop gespielt.
Wenn wir nun jede zweite Snare leicht nach hinten verschieben, klingt das so.

2. Trap-Snare-Roll
Probieren wir jetzt etwas rhythmisch Anspruchsvolleres aus: einen Trap-Snare-Roll. Stelle dein Projekttempo zunächst auf 140 BPM ein.

Für dieses Fill nutzen wir Sounds aus Sacred Futures. Klicke zuerst auf den Loop-Button und gib „Drums[140] Cm Ermias“ ins Suchfeld ein. Ziehe die Datei dann auf eine Audiospur oder lade das Sample in Komplete Kontrol und sequenziere es auf C3 über acht Takte.

So klingt dieser Beat.
Füge nun auf einer weiteren Spur eine neue Instanz von Komplete Kontrol hinzu, klicke diesmal auf den One-shot-Button und suche nach „Snare Courtside 1“ – damit bekommst du eine druckvolle Snare im Stil der Roland TR-808.

Sequenziere die Snare nach diesem Pattern auf den letzten beiden Zählzeiten des 8-taktigen Abschnitts.

Einfach, aber extrem wirkungsvoll!
Ein dramatischerer Effekt entsteht, wenn wir das Audio des Loops an der Stelle stummschalten oder löschen, an der die Snare spielt – sodass nur noch die Snare zu hören ist.

Da wir in diesem Abschnitt nun ausschließlich die Snare hören, steht das Drum-Fill deutlich im Vordergrund – und sorgt für noch mehr Dramatik.
3. Motown-Fill
Das Motown-Fill ist ein Drum-Fill-Stil, der in den 1960er-Jahren durch Künstler*innen von Motown Records berühmt wurde und sich zu einem prägenden Stilmittel entwickelte. Ein klassisches Beispiel für dieses Fill hörst du direkt am Anfang von „Ain’t Too Proud to Beg“ von The Temptations.
Diese Fills können komplex sein, aber wir schauen uns die einfachste Version mit Abbey Road 60s Drummer an. Lade Komplete Kontrol auf eine MIDI-Spur, navigiere zur Library von Abbey Road 60s Drummer und doppelklicke auf AR60s Late Kit Full, um es zu laden.

Wir bleiben beim Standard-Projekttempo von 120 BPM: Setze ein A1 High Tom auf die sechste Achtelnote des Takts und ein F1 Low Tom auf die achte Achtelnote. Sequenziere einen C#2 Cymbal Crash am Anfang des nächsten Takts. Das bildet das Grundgerüst unseres Fills.

Füge nun E1- und D#1-Snares auf den ersten beiden 16tel-Noten des letzten Beats hinzu, um einen treibenden Übergang zwischen den Toms zu schaffen, und unterlege den Cymbal Crash mit einer C1-Kick.

4. Jazz-Fill
Jazz-Drumming kann enorm komplex sein, doch ein simpler Drum-Fill im Jazz-Stil lässt sich ziemlich leicht programmieren. Auch dafür nutzen wir wieder Abbey Road 60s Drummer – diesmal mit dem Preset „Early Jazz“.

Wir bleiben erneut beim Standard-Projekttempo von 120 BPM: Programmiere einen einfachen Swing-Rhythmus mit einem A#3-Ride-Becken auf dem ersten und zweiten Beat eines Takts, gefolgt von einem weiteren Anschlag auf der letzten Achteltriole des zweiten Beats. Dupliziere das Ganze, sodass es über zwei Takte läuft.

Lass die Triolen-Quantisierung aktiv und füge auf dem dritten Beat des zweiten Takts D#1- und D1-Snares als Achtelnoten hinzu, gefolgt von A1-Toms mit Noten auf dem letzten Beat des zweiten Takts.

Setze nun am Ende des Fills und zu Beginn des neuen Takts einen Akzent: Platziere dazu ein A#2-Crash und eine C1-Kick auf dem ersten Beat des dritten Takts.

5. Rock-Fill
Zum Abschluss schauen wir uns einen großen, klassischen Rock-Fill an, der sich hervorragend für den Einstieg eignet. Dafür nutzen wir Abbey Road 80s Drummer und wählen das Preset „AR80s Chrome Kit Full“.

Stelle dein Projekttempo auf 90 BPM ein.

Dieser Fill besteht lediglich aus einer Reihe von Sechzehntelnoten. Starte mit D#1- und E1-Snares auf den ersten vier Sechzehntelnoten des ersten Beats, gefolgt von B3-, A3- und G3-Toms. Den Abschluss bilden eine C3-Kick und ein B2-Crash zu Beginn des nächsten Takts.

Eigene Drum-Fills mit MIDI programmieren
Hier haben wir dir einige der gängigsten, einsteigerfreundlichen Drum-Fills vorgestellt, die du direkt verwenden und an deine eigene Musik anpassen kannst. Wenn du noch mehr über das Programmieren von Drum-Parts mit MIDI erfahren möchtest, schau dir Drum-Programming 101: So programmierst du deine Drums und 7 Drum-Patterns, die alle Produzent*innen kennen sollten an.