Aaron Suiss prägt seine ganz eigene Nische im Melodic Techno schon seit Jahren – doch 2024 und 2025 waren für ihn besonders stark.
Mit Kollaborationen mit Einmusik, Gai Barone und Citizen Kain sowie konstantem Support von Schwergewichten wie Hernan Cattaneo, Miss Monique und Nora En Pure fand sein Sound den Weg auf Festivalbühnen vom EDC Mexico bis zum Universo Paralello.
Inzwischen auf Ko Pha-ngan (Thailand) ansässig, verbindet Suiss seine Labelarbeit bei Echoes Of Time mit einem vollgepackten Release-Plan – darunter Hypno Therapy, seine aktuelle Zusammenarbeit mit Barak White. Getragen von hypnotischen Grooves und emotionaler Tiefe zeigt das Low-End-Design des Tracks eindrucksvoll, dass Bass für Suiss weit mehr als nur ein Beiwerk ist.
Im Interview erklärt er im Detail, wie er Monark einsetzt, um druckvolle, saubere Basslines zu formen, die seine Tracks auf dem Dancefloor tragen.
Direkt zu den Abschnitten:
- Wie Aaron Monark für Sub-Bass- und Mid-Bass-Layer nutzt
- Tipps für die richtige Balance aus Saturation und Klarheit in Basslines
- Basslines harmonisch mit atmosphärischen und melodischen Elementen verbinden
- Warum eine unverwechselbare Low-End-Identität für Labels und DJs zählt
- Wann eine Bassline wirklich „fertig“ ist
- Bass-Design-Prioritäten bei Echoes Of Time
Hier erfährst du, was Aaron über Bass-Design, Monark und die Low-End-Philosophie hinter Hypno Therapy verrät.
Außerdem kannst du dir exklusive Monark-Presets von Aaron für deine eigenen Tracks herunterladen.
Hol dir Aarons kostenlose Monark-Presets
Was unterscheidet Monark beim Formen des Low-Ends im Melodic Techno von anderen Synths?

Monark liefert diesen extrem knackigen, sauberen Analogsound, den ich liebe. Die wichtigsten Modulationsoptionen geben dir jede Menge Kontrolle und machen die Bedienung schnell und intuitiv. In Kombination mit den Filtern lässt sich der Sound präzise formen – und du kannst genau die richtige Dosis Drive und Saturation hinzufügen oder reduzieren, die der Track braucht.
Ein Beispiel: Ich nutze Monark zunächst für einen Sub-Bass-Layer – ein sehr runder, tiefer Sound, bei dem ich die Mitten und Höhen mit einem EQ irgendwo zwischen 200 Hz und 20 kHz kappe (nicht immer exakt in diesem Bereich). Danach wähle ich ein weiteres Preset oder baue mir einen eigenen Sound für einen zweiten Bass- oder Mid-Bass-Layer. Das füllt das Low-End massiv aus und sorgt für klare Kontur.

Außerdem nutze ich Monark oft für eine lange, gehaltene tiefe Note, die sich durch den gesamten Track zieht. Man hört sie kaum bewusst, aber man spürt sie. Würde ich sie weglassen, würde man den Unterschied sofort bemerken. Druck entsteht eben nicht nur durch Sounds, die man hört, sondern vor allem durch solche, die man fühlt.
Trotz alledem möchte ich betonen: Monarks Sounds sind schon von Haus aus fett und griffig genug, du musst also nicht zwingend layern. Meistens bringen sie schon mit einem einzigen Layer mehr als genug Power mit. Das sind nur ein paar Beispiele und Möglichkeiten. Denk immer daran: Das hier ist Kunst. Es gibt keinen „richtigen Weg“.
Profi-Tipp von Aaron Suiss: Es gibt keinen „richtigen Weg“. Experimentiere und denk über den Tellerrand hinaus.
Wie gehst du mit Saturation oder Drive in Monark um, wenn eine Bassline sich durchsetzen soll, ohne den Mix zu erdrücken?

Ich gehe an Saturation und Drive in Monark genauso heran wie sonst auch: überlegt und mit klarer Absicht. Ich empfehle, beides vorsichtig zu dosieren, statt einfach voll aufzudrehen – um einen matschigen Mix zu vermeiden.
Es gibt unzählige Möglichkeiten, Basslines mit externen Plug-ins mit Saturation und Drive zu versehen. Du kannst aber auch versuchen, die saturierte Bassline mit dem unbearbeiteten Dry-Signal zu mischen: Eine Spur bleibt komplett trocken, die andere wird bearbeitet. Über den Dry/Wet-Regler kannst du dann exakt die gewünschte Dosis Saturation beimischen.
Eine andere Variante: Nutze Monarks interne Saturation sparsam und füge einen weiteren Saturator wie Saturn 2 oder Supercharger GT hinzu, um den gewünschten Verzerrungsgrad gezielt zu steuern.

Wichtig: Vertrau auf deine Ohren. Zu viel Saturation verzerrt den Sound und macht ihn matschig – genau das Gegenteil von dem, was du willst. Dein Ziel ist eine saubere, definierte Bassline, die sich präzise durch den Mix schneidet – kein übertrieben lauter, verwaschener Bass, der zwar hörbar ist, aber das gesamte Klangbild unsauber macht. Nutze als Referenz immer Tracks, die du selbst auflegst und von denen du weißt, dass sie gut klingen, um Klarheit und Lautstärkeverhältnisse zu vergleichen.
Profi-Tipp von Aaron Suiss: Setze jedes Element ganz bewusst ein. Füge keine Sounds hinzu, nur weil du das Gefühl hast, der Track bräuchte „noch etwas“.
Wie bindest du Monark-Basslines in Tracks wie „Hypno Therapy“ ein, damit sie mit atmosphärischen und melodischen Elementen wie aus einem Guss klingen?

Ja, absolut!
Normalerweise nutze ich Monark gern für durchgehende Sub-Basslines im Track. Sie klingen warm und voll, nehmen aber im oberen Frequenzbereich kaum Platz weg.
So habe ich den Freiraum, einen weiteren Bass-Layer hinzuzufügen, um das Low-End wirklich dicht zu machen. Anschließend kann ich entweder mit Monark oder einem anderen Synth ein eher mittenbetontes, atmosphärisches oder melodisches Element ergänzen. Dadurch füllt sich das Gesamtbild des Tracks. Wenn Monark im Low-End die Hauptarbeit übernimmt, fällt es mir viel leichter, kreativ zu sein – ohne harmonische Konflikte oder Elemente, die um den Platz im Mix konkurrieren.
Profi-Tipp von Aaron Suiss: Arbeite mit dem, was du hast! Statt gleich den nächsten Layer draufzupacken, moduliere lieber deine vorhandenen Sounds, um Rhythmus und Dynamik zu erzeugen. Öffne und schließe zum Beispiel Filter – und entscheide erst danach, was noch fehlt.
Wie stehst du dazu, deinen Tracks eine unverwechselbare Low-End-Identität zu geben – und wie hilft das, bei Labels und DJs herauszustechen?

Ich halte ein starkes Low-End für extrem wichtig.
Es ist der Teil des Tracks, der die Leute im Innersten packt. Du spürst ihn im Magen.
Viele Artists, die ich höre, setzen eher auf dünnere, hohler klingende Basslines – völlig legitim, reine Geschmackssache. Aber wenn meine Tracks laufen, soll man das Low-End hören und spüren.
Ich will in die Tiefe gehen – nicht nur deinen Körper bewegen, sondern deine Seele berühren. Auf dem Dancefloor soll es sich wie eine riesige Umarmung anfühlen. Und genau das passiert, wenn das Low-End druckvoll und definiert ist: Es fühlt sich an wie eine gewaltige Klangblase, die dich mitreißt und umhüllt.
Das ist ein Hauptgrund, warum ich Monark nutze: Der Sound hat einfach Substanz und Körper.
Egal ob Bass, Sub-Sound, Melodie oder Atmosphäre: Der Sound ist immer voll und präsent. Das liebe ich daran! Viele Synths haben gute Sounds, klingen aber dünn. Wenn mir ein Synth begegnet, der so große, fette Sounds liefert, macht das meine Arbeit leichter – und meine Musik klingt einfach besser.
Profi-Tipp von Aaron Suiss: Bleib dir und deiner Kunst treu. Versuch nicht, wie jemand anderes zu klingen.
Wann entscheidest du, dass eine Bassline „fertig“ ist – und wann braucht sie weiteres Processing oder zusätzliche Layer?

Das ist nicht ganz einfach, denn als Artists sind wir selten komplett zufrieden mit unserer Kunst. Viele von uns wissen wahrscheinlich nie ganz genau, wann etwas wirklich „fertig“ ist. Es gibt immer noch eine andere Meinung oder Herangehensweise – und keinen falschen oder richtigen Weg. Das ist Kunst, und jede*r hat seine eigene Arbeitsweise.
Für mich persönlich gilt: Eine Bassline muss satt klingen und nicht nur hörbar, sondern spürbar sein. Wenn ich meine Bassline an der lautesten Stelle des Tracks – wo alle Melodien, Synths und Drums zusammenspielen – nicht spüren kann, ist sie für mich noch nicht fertig. Dann braucht sie entweder mehr Saturation oder einen weiteren Layer.
Monark bringt fantastischen internen Drive und Saturation mit, womit ich meinen Basslines direkt den nötigen Schliff geben kann. Wichtig ist, mit einem Sub-Layer zu starten, der tief, rund und voll klingt. Darauf aufbauend kannst du einen weiteren Layer ergänzen, um die oberen Frequenzen zu betonen.
Wie gesagt: Monark eignet sich perfekt für diesen Sub-Layer und ebenso für den Mid-Bass. Ich habe ein paar meiner Sub- und Bass-Layer-Presets in ein Paket gepackt, damit du direkt nachvollziehen kannst, was ich meine.
Profi-Tipp von Aaron Suiss: Du musst nicht alles veröffentlichen, was du produzierst. Sieh jede Session als Lektion: Aus jeder nimmst du etwas mit – sei es ein neues Preset oder eine neue Arbeitsweise.
Blick auf dein Label Echoes Of Time: Welche Rolle spielt starkes Bass-Design, wenn ihr neue Artists signt oder aufbaut?

Für uns bei Echoes Of Time ist das Wichtigste bei einer Demo, dass der Track Körper und Fülle hat. Wenn wir eine neue Demo hören und das Low-End ist schwach, nehmen wir den Track meistens gar nicht erst an. Unsere Musik soll dich als Hörer*in förmlich tragen.
Klar haben wir auch schon Tracks gesignt, bei denen das anders war – Ausnahmen bestätigen die Regel. Es kommt immer auf die Art des Tracks an. Aber wenn sich ein Track unvollständig anfühlt, etwa weil der Bass nicht präsent genug ist, lehnen wir ihn ab.
Profi-Tipp von Aaron Suiss: Nutze Elemente, die du nicht nur hörst, sondern fühlst.
Fazit
Aaron Suiss geht an sein Bass-Design mit demselben Fokus heran wie an all seine Produktionen: bewusste Entscheidungen, klarer Zweck und kein unnötiges Verkomplizieren.
Hypno Therapy beweist, wie dieser Ansatz zu Musik führt, die physisch und emotional berührt. Gleichzeitig unterstreicht seine Arbeit bei Echoes Of Time, wie entscheidend ein druckvolles Low-End-Design für aufstrebende Artists ist.
Mit kommenden Releases und weiteren Festivalauftritten steht fest: Auf den Dancefloors weltweit wird es in nächster Zeit noch jede Menge dieses unverwechselbaren Suiss-Low-Ends zu hören geben.