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Wie Guy Mantzur und Chicola Tiefe in modernen Melodic Techno bringen

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Guy Mantzur Chicola Build feature

Guy Mantzur und Chicola haben gemeinsame Projekte schon immer als Dialog zwischen zwei Welten verstanden. Ihre neue EP Neon Bible, erschienen auf Sashas Label Last Night on Earth, bringt diesen Austausch perfekt auf den Punkt: tiefgehend, hypnotisch und emotional aufgeladen, ohne dabei jemals an Präzision zu verlieren. Im Mittelpunkt dieses Sounds steht der Einsatz von Raum und Replika XT – zwei Tools, die den Tracks ihre Struktur und Dynamik verliehen haben.

Beide Produzenten haben ihre Karrieren auf Kontrolle und Atmosphäre aufgebaut – Instinkte, die man hier in jedem Moment spürt. Raum schuf eine räumliche Identität für die Synths, sodass Melodien davontreiben können, ohne zu verschwimmen. Replika XT steuerte einen rhythmischen Puls bei, der den Reverb direkt im Groove lebendig hielt. Anstatt Spuren für schiere Größe aufeinanderzutürmen, nutzten sie Raum wie ein eigenständiges Instrument: Jedes Element bekommt Luft zum Atmen, während die Spannung, die ihren Sound ausmacht, greifbar bleibt.

Für Mantzur und Chicola ging es bei diesen Entscheidungen darum, Emotionen greifbar zu machen. Raum diente ihnen dazu, Tiefe und Kontraste zwischen verschiedenen Parts zu schaffen, während Replika XT diese Übergänge mit Textur und Bewegung zusammenhielt. Das Ergebnis ist eine Veröffentlichung voller Leben – mit einer Balance aus Klarheit und Atmosphäre, die auf jahrelangem gemeinsamem Vertrauen im Studio beruht.

Direkt zu den Abschnitten:

Die beiden haben sich zusammengesetzt, um über die Techniken hinter Neon Bible zu sprechen – unter anderem darüber, wie Raum und Replika XT ihren Umgang mit Räumlichkeit geprägt haben und warum in der elektronischen Musik Absicht oft wichtiger ist als schiere Lautstärke.

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Welche Rolle spielte Raum bei der Arbeit an Neon Bible, um den Mixes ihre Tiefe zu verleihen?

Guy Mantzur und Chicola Plug-ins

Wir nutzen Raum sehr viel in unseren Projekten, und bei der Arbeit an Neon Bible wurde er besonders wichtig. Wann immer wir bestimmten Elementen im Mix eine weite Dimension verleihen wollen, gehört Raum zu unseren absoluten Favoriten.

Was wir außerdem daran lieben, ist die experimentelle Seite. Der Cosmic-Modus beispielsweise fühlt sich nahezu grenzenlos an. Damit können wir granulare Texturen formen, die einen Sound komplett verändern. Manchmal duplizieren wir sogar eine Spur, nur um sie massiv mit Raum zu bearbeiten. So entstehen einzigartige Layer, die den Track in völlig neue Richtungen lenken.

Chicola hat ihn auch ausgiebig genutzt, als er Samples fürs Sound-Design erstellt hat.

Wie unterscheidet sich euer Einsatz von Replika XT im Vergleich zu Raum, wenn ihr Bewegung in einen Track bringen wollt?

Replika XT ist eines unserer Lieblings-Delays, und meistens setzen wir es in Cubase als Send-Effekt ein. Raum fungiert bei uns dagegen häufiger als Insert. Dieser Unterschied weist beiden in unserem Workflow bereits eine ganz eigene Rolle zu. Aber wir lieben es auch, Replika XT kreativ einzusetzen: Der Dual Mode mit Panning öffnet das Stereofeld ungemein und sorgt für eine tolle Breite – vor allem bei One-Shots wie Percussion oder Drum-Elementen.

Manchmal routen wir Replika XT auch in Guitar Rig Pro 7 und bauen uns eigene Signalketten. Die Kombination aus Delays und Reverbs mit Effekten wie Bite, Dirt oder dem Driver-Plug-in kann einen Sound vollkommen umkrempeln: Sie bringt Dreck und Durchsetzungskraft mit rein, ohne dabei Bewegung und Tiefe zu verlieren. Genau diese Flexibilität macht Replika XT und Guitar Rig für uns so inspirierend.

Eure Tracks klingen immer atmosphärisch und zugleich extrem definiert. Wie sorgt ihr für Weite und Tiefe, ohne dass der Mix matschig wird?

Guy Mantzur und Chicola NI-Keyboard

Delay und Reverb sind fantastische Werkzeuge. Wenn man es damit übertreibt, gehen Transienten aber schnell verloren und am Ende hat man einen verwaschenen Brei. Ein einfacher Trick ist, immer wieder genau hinzuhören, wie der Effekt mit dem Hauptelement harmoniert. Bei Vocals etwa kann ein zu dichter Reverb die Stimme viel zu weit nach hinten im Mix drängen.

Eine Technik, auf die wir schwören, ist Sidechaining des Reverbs über das trockene Gesangssignal. Dadurch bleiben die Vocals vorn und klar verständlich, während sich der Hall ganz natürlich in den Pausen dazwischen entfaltet. Das hält die Atmosphäre lebendig, ohne die Hauptperformance zu ersticken. Am Ende läuft es darauf hinaus: Weniger ist mehr. Manchmal steckt in der Einfachheit die größte Kraft.

Wann entscheidet ihr, dass ein Sound im Mix schon groß genug ist – und wann braucht er noch mehr Bearbeitung mit Raum oder Replika XT?

Guy Mantzur und Chicola

Das hängt ganz davon ab, welche Rolle das Element im Track einnehmen soll.

Manche Sounds müssen ganz vorne stehen und die Energie transportieren, während andere im Hintergrund leben und für Tiefe sorgen sollen. Es geht nicht nur um die richtige Platzierung im Raum, sondern auch darum festzulegen, wer die Hauptrolle spielt und wer von unten her stützt. Selbst eine extrem stark bearbeitete Spur kann weit nach hinten gemischt werden, wenn genau das ihr Platz im Arrangement ist.

Bei Sample-Libraries oder One-Shot-Sounds gehen wir manchmal anders vor, weil jeder Sound von Natur aus darauf ausgelegt ist, für sich allein zu stehen. Letztlich läuft jede Entscheidung darauf hinaus, den eigenen Ohren und dem Bauchgefühl zu vertrauen. Wenn es sich bereits groß genug anfühlt, musst du nichts mehr daran verändern.

Rückblickend betrachtet: Sind Raum und Replika XT zu unverzichtbaren Kernstücken eures Sounds geworden oder hängt ihr Einsatz von der jeweiligen Situation ab?

Guy Mantzur und Chicola Plug-ins

Wir finden, dass jedes Projekt ganz eigene Anforderungen mitbringt – es gibt nie nur eine einzige Formel.

Manchmal liegt der Fokus auf Outboard-Hardware wie dem WesAudio Rhea, dem Neve 542 oder Pedalen wie dem H9 oder Microcosm. Genauso gern arbeiten wir mit unseren analogen Synths: dem OB-6, Juno-60, Prophet 6, Prophet 12, Synthesizern von Moog oder dem Osmose. Sobald diese Geräte in der Kette hängen, kann die Signalbearbeitung in viele verschiedene Richtungen gehen.

Genau da kommen Tools wie Raum, Replika XT und Guitar Rig ins Spiel. Sie geben uns die nötige Flexibilität, um den Klang exakt an die Bedürfnisse des Tracks anzupassen und zu verfeinern.

Was macht Neon Bible in Sachen Atmosphäre im Vergleich zu euren früheren Veröffentlichungen besonders?

Guy Mantzur und Chicola

Neon Bible hat für uns einen ganz besonderen Stellenwert, weil es unsere allererste gemeinsame EP ist – obwohl wir uns schon seit fast 20 Jahren kennen. Wir sind so lange gemeinsam getourt, haben Shows gespielt und privat Zeit mit unseren Familien verbracht; nun endlich ein Release als Duo herauszubringen, fühlt sich wie ein natürlicher und bedeutungsvoller Schritt an.

Diese gemeinsame Historie macht einen großen Teil der Atmosphäre aus, die auf der Platte zu spüren ist. Wir sind riesige Fans von Sasha seit den frühen Zeiten seiner „Northern Exposure“-Compilations mit John Digweed – diese EP auf seinem Label zu veröffentlichen, ist eine echte Ehre für uns.

Dass Sasha vor Kurzem auch mit Guy bei seinem Moments-Showcase in Argentinien aufgetreten ist, macht die Verbindung noch persönlicher und verleiht diesem Release eine weitere wichtige Facette.

Fazit

Guy Mantzur und Chicola Porträt

Zu hören, wie Guy Mantzur und Chicola Neon Bible analysieren, zeigt, wie viel Detailarbeit in ihrem minimalistischen Sound steckt. Raum und Replika XT wurden nicht verwendet, um leere Räume zuzukleistern, sondern um ihnen Gestalt zu geben. So können die einzelnen Klangfarben organisch ineinandergreifen, während das Gefühl im Mittelpunkt bleibt. Ihre Arbeitsweise beweist, dass Präzision und Zurückhaltung oft mehr Wirkung erzielen als maximale Komplexität.

Vielen Dank an Guy und Chicola für die Einblicke in ihre Herangehensweise. Neon Bible führt eindrucksvoll vor, wie die richtigen Tools Charakter und Perspektive schärfen können – und wie kleine Details zum pulsierenden Herzschlag eines Tracks werden.

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