Sampling ist so etwas wie Collage-Kunst in musikalischer Form: Produzent*innen nehmen Schnipsel älterer Aufnahmen, arrangieren sie neu und schaffen so etwas völlig Neues – während sie gleichzeitig der Vergangenheit Tribut zollen. Manche Samples erkennt man sofort wieder, andere werden bis zur Unkenntlichkeit verbogen, gedehnt und gechoppt. Ob klassischer HipHop, epischer Pop oder elektronische Club-Hymnen: Sie alle basieren oft auf sorgfältig ausgewählten Samples.
In diesem Artikel stellen wir dir zehn der legendärsten Samples der Musikgeschichte vor, beleuchten ihre Herkunft und zeigen, wie sie verarbeitet wurden.
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Was ist Sampling in der Musik?
Sampling ist eine Produktionstechnik, bei der eine vorhandene Tonaufnahme in einem neuen Track in einen anderen Kontext gesetzt wird. Häufig spricht man dabei auch vom „Flippen“.
Ob Drum-Breaks, Vokalphrasen oder instrumentale Riffs: Sampling ist seit Jahrzehnten eine treibende Kraft in der Musikproduktion. Einige der berühmtesten Samples der Musikgeschichte stammen aus unerwarteten Quellen – etwa aus alten Jazz-, Funk- und Soul-Platten.
Wer schrieb den meistgesampelten Song aller Zeiten?
Klären wir zunächst eine oft gestellte Frage: Was ist der meistgesampelte Song aller Zeiten? Die Antwort lautet zweifellos: „Amen, Brother“ von The Winstons. Dieser Track aus dem Jahr 1969 enthält den berühmten „Amen Break“.
Vielleicht hast du schon davon gehört: Es ist ein kurzer Drum-Loop, der im HipHop, Jungle, Drum and Bass und anderen Genres viele tausend Male gesampelt wurde. Er zählt zu den prägendsten Sounds der modernen Musikgeschichte.
Halte in unserer Liste weiter unten die Augen nach dem Amen Break offen.
Ikonische Samples der Musikgeschichte
Hast du dich schon mal gefragt, welche bekannten Hits eigentlich auf Samples basieren? Hier sind ein paar Highlights aus verschiedenen Genres, die zeigen, was mit dieser Technik möglich ist. Es gibt Tausende genial gesampelte Produktionen – aber diese zehn stechen für uns ganz besonders hervor.
1. Nas – „N.Y. State of Mind“
Nas’ Meisterwerk „Illmatic“ gilt als eines der besten HipHop-Alben aller Zeiten, und „N.Y. State of Mind“ ist einer seiner intensivsten, cineastischsten Momente. Der eindringliche Piano-Loop, der sich durch den Track zieht, stammt aus „Mind Rain“ von Joe Chambers – einer Jazz-Fusion-Nummer aus dem Jahr 1978.
Producer DJ Premier kombinierte den Piano-Loop mit gesättigten Boom-Bap-Drums und verlieh ihm so einen düsteren, bedrohlichen Charakter. Das Ergebnis ist eine unheimliche Atmosphäre, die Nas’ bildstarke Lyrics perfekt untermalt.
Hier kannst du dir das Original anhören:
2. Kendrick Lamar – „Money Trees“
Kendrick Lamar hat schon immer ein feines Gespür für herausragende HipHop-Samples bewiesen – und „Money Trees“ ist einer seiner kreativsten Flips. Der Track basiert auf einer verträumten Passage aus „Silver Soul“ von Beach House, einem Indie-Rock-Song aus dem Jahr 2010.
DJ Dahi choppte einen kurzen Teil des Intros und ließ ihn als Loop durch den gesamten Track laufen. Das Ergebnis ist ein hypnotischer Loop, der Kendricks Storytelling perfekt begleitet.
Hör dir den Track von Beach House hier an:
3. Eminem – „My Name Is“
„My Name Is“ demonstriert die geballte kreative Wucht der Zusammenarbeit zwischen Eminem und Producer Dr. Dre. Der Track lebt von einem jazzigen Rhodes-Riff, das Dr. Dre meisterhaft loopte.
Entstanden ist ein verspielter Sound, der Eminems provokanten Humor perfekt ergänzt.
Hör hier genau hin, um das Sample zu entdecken:
4. MF DOOM – „Rapp Snitch Knishes“
Der unverwechselbare Produktionsstil von MF DOOM baut auf obskuren Jazz-, Soul- und Funk-Samples auf. „Rapp Snitch Knishes“ ist das perfekte Beispiel dafür: Der Gitarren-Loop des Tracks stammt aus einem Jazz-Fusion-Cover von David Bowies „Space Oddity“, gespielt von David Matthews.
In MF DOOMs Version loopt ein kleiner Ausschnitt des Stücks, über den er seine Stream-of-Consciousness-Verse rappt. Dieser Sampling-Stil in Kombination mit intellektuellen Texten hat eine ganze Generation von Musiker*innen im Alternative HipHop geprägt.
Das originale Gitarrensolo kannst du dir hier anhören:
5. Carl Cox – „I Want You (Forever)“
Wir haben den Amen Break bereits erwähnt – und diese Liste wäre ohne ihn nicht komplett. Carl Cox setzte den markanten Drum-Sound in seinem Track „I Want You (Forever)“ voll in Szene. Der energiegeladene Shuffle des Breaks und die dreckigen Snare-Drums wurden zum prägenden Sound der frühen elektronischen Musik.
Cox verlangsamte den Break und loopte ihn, um eine mitreißende Ebene unter seinen Drum-Machines zu schaffen. Dies ist einer der Tracks, die den Mythos um eines der berühmtesten Samples aller Zeiten begründeten.
Hör dir das einflussreiche Original-Drum-Pattern hier an:
6. Madonna – „Hung Up“
Madonnas „Hung Up“ beweist eindrucksvoll, dass Sampling auch aus der Popmusik längst nicht mehr wegzudenken ist.
Der Track leiht sich das legendäre Synth-Riff aus ABBAs „Gimme! Gimme! Gimme! (A Man After Midnight)“ und schenkt ihm Jahre später als weiterer Dance-Hymne ein zweites Leben.
Das Sample ist kaum zu überhören – überzeug dich hier selbst:
7. Daft Punk – „One More Time“
Daft Punks ikonischer Track „One More Time“ geht sofort ins Ohr – und der charakteristische Bläser-Chop stammt aus einem Disco-Track von Eddie Johns namens „More Spell On You“.
Das Sample wurde rhythmisch und fast schon „roboterhaft“ zerhackt und rückwärts abgespielt – ein Kniff, der „One More Time“ zu einem der Tracks machte, die Daft Punk zu Legenden werden ließen.
Hier kannst du dir den Bläsersatz anhören, der aus Eddie Johns’ Track gesampelt wurde:
8. Fred again… – „adore u“
Fred again.. ist dafür bekannt, emotionale Samples mit Future-Garage-Beats zu verbinden – ein Stil, den er auch in diesem Song voll ausspielt.
Dafür nimmt er die Vocals aus Obongjayars „I Wish It Was Me“ und bettet sie in sanfte Dance-Elemente ein.
Das Sample wurde zerschnitten und beschleunigt, um perfekt zum treibenden Dancefloor-Tempo von Fred again…s Beats zu passen.
Hier kannst du dir das Original anhören:
9. Burial – „Archangel“
Burials „Archangel“ ist ein düsterer, berührender Track – und die geisterhaften Vocals stammen aus einer unerwarteten Quelle: Ray Js R&B-Hit „One Wish“.
Das Sample wurde zeitgedehnt, verstimmt und mit Knistern und Rauschen überlagert – was ihm jenen entrückten, ätherischen Charakter verleiht, der Burials Signature-Sound ausmacht. Bekanntermaßen nutzte Burial für diesen Flip ganz einfache Sampling-Software.
Hör dir „One Wish“ unten an.
10. Massive Attack – „Teardrop“
Die TripHop-Pioniere Massive Attack hoben Sampling mit ihrem düsteren, atmosphärischen Downtempo-Stil auf ein völlig neues Level.
Der legendäre Beat in „Teardrop“ stammt aus „Sometimes I Cry“, einem Jazz-Track von Les McCann aus den 1970er-Jahren.
Aus heutiger Sicht mag es nicht besonders innovativ wirken, den Drum-Loop eines anderen Tracks zu verwenden. Doch in den 90er-Jahren leisteten Massive Attack mit dieser Technik echte Pionierarbeit.
Hier kannst du dir den Drum-Loop im Original-Track anhören:
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