In der Welt der Musikproduktion liegt eines der Geheimnisse eines unverwechselbaren Sounds im Sample-Flipping. Viele Produzent*innen choppen Samples, doch echte Spitzenproduzent*innen nutzen kreative Sampling-Techniken, aus denen wahrhaft originäre Sounds entstehen. Beim Sample-Chopping zerlegst du ein Sample in kleinere Teile. Sample-Flipping hingegen ist der übergeordnete Ansatz: Du nimmst ein Sample und verfremdest es so, dass eine völlig neue musikalische Idee entsteht. In diesem Artikel erfährst du, wie du mit Native Instruments 360 Plus-Produkten deine Samples in inspirierende Klänge verwandelst und daraus einzigartige Elemente für deinen nächsten Track oder Remix baust.
Direkt zu den Abschnitten:
Mach direkt mit und flippe deine eigenen Samples mit einem 360 Plus-Abo.
Techniken fürs Sample-Flipping
Schauen wir uns verschiedene Techniken fürs Sample-Flipping mit Battery 4, Transient Master, Guitar Rig 7, Massive X und Raum an.
Loops in Battery 4 choppen
Das Choppen von Loops ist nach wie vor eine extrem nützliche Technik im Musikproduktions-Workflow. In Battery 4 kannst du deine eigenen Samples manuell im Sample Editor definieren. Lade zunächst einen Loop in Battery 4. Ziehe dazu einfach eine beliebige Audiodatei aus dem Datei-Browser deines Computers auf eine leere Zelle in Battery. Öffne den Sample Editor, indem du die Zelle mit deinem Sample auswählst und unten im Battery-Fenster auf den Editor-Tab klickst. Die Wellenform des Samples wird nun im Bereich „Waveform Control“ angezeigt. Passe die Start- und End-Marker des Samples (gekennzeichnet mit „S“ und „E“) an, um nur einen kurzen Abschnitt des Samples abzuspielen.

Kopiere die erste Zelle auf ein neues Pad und passe die Start- und End-Marker des Loops an, um in der zweiten Zelle einen anderen Abschnitt abzuspielen.

Wiederhole diesen Vorgang: Kopiere den Loop, füge ihn in eine neue Zelle ein und passe den abgespielten Abschnitt des Loops an.

Speichere dein Drum-Kit in Battery, indem du auf „File“ / „Save Kit As…“ klickst und deinem Kit einen Namen gibst. Nimm als Nächstes mit einem MIDI-Controller ein MIDI-Pattern mit deinem Drum-Kit auf. Spiele die entsprechenden Pads für die gechoppten Sample-Abschnitte an, um die Samples auf ganz neue Weise wiederzugeben. Du kannst deinen Loop aufnehmen, aus deiner DAW bouncen und direkt in deiner Session verwenden.

Samples mit Transient Master formen
Transient Master ist ein Dynamikprozessor, mit dem du den anfänglichen Attack und das Sustain von Audiosignalen gezielt formen kannst. Nutze Transient Master, um Samples mehr Punch zu verleihen oder das Sustain abzuschwächen, um das Decay bzw. den Ausklang des Sounds zu verkürzen – so wirkt der gesamte Rhythmus noch tighter. Starte am besten mit einem Kick-Drum-Sample, zum Beispiel aus einem Sample-Pack.
Drehe bei Transient Master den Attack-Regler auf einen Wert zwischen 20 % und 30 % nach rechts, um die Transiente zu verstärken – also den initialen Anschlag des Sounds.

Für einen noch aggressiveren Sound erhöhe Attack auf 70 %.
Senke testweise das Sustain ab, um den Pegel des Ausklangs zu verringern. Das formt das Sample neu und sorgt dafür, dass sich die Transiente optimal durchsetzt.

Probiere auch, das Sustain bei einzelnen Samples oder einem Top-Loop zu reduzieren. Senke das Sustain schrittweise ab, um Resonanzen, Raumklang oder lange Reverbs zu entfernen.

Füge eine Kick-Drum mit einer markanten Transiente hinzu und höre dir an, wie viel tighter der Groove wirkt, sobald beide Sounds mit Transient Master geformt wurden.
Effekte mit Guitar Rig 7 hinzufügen
Wenn du Samples mit kreativen Effekten veredeln willst, bist du bei Guitar Rig 7 genau richtig. Auch wenn Guitar Rig meist zur Bearbeitung von Gitarren eingesetzt wird, kannst du damit jedes beliebige Audio-Sample mit abgefahrenen Effekten versehen.
Probiere einmal aus, Vocal-Samples mit Guitar Rig 7 zu bearbeiten. Starte am besten mit einem trockenen Vocal-Sample.

Erstelle einen Bus und lade Guitar Rig darauf. Wenn du Guitar Rig auf einem Bus-Kanal nutzt, hast du deutlich mehr Kontrolle darüber, wie viel vom Vocal-Signal an den Effekt gesendet wird. Wähle im Bereich „FX Types“ Distortion und Bitcrusher aus. Entscheide dich für einen der vielen großartigen Sounds und drehe den Send auf dem Vocal-Kanal auf, um das Signal auf den Guitar Rig 7-Bus zu routen.
Als Nächstes schauen wir uns die Modulation-Sektion von Guitar Rig an. Wähle ein einfaches, trockenes Sample – etwa einen Synth-Loop.

Lade Guitar Rig 7 auf die Audiospur und navigiere im Bereich „FX Types“ zu „Modulation“ und dann zu „Chorus“. Scrolle zunächst durch die verfügbaren Presets und probiere „Beautiful Vintage Vibrato“ oder dein persönliches Lieblings-Preset auf dem Track aus. Jedes Preset besteht aus einer Effektkette, die du direkt so verwenden oder nach deinen Vorstellungen anpassen und speichern kannst.

Um den Effekt fest in das Audio einzurechnen, bounce den Synth-Sound mitsamt Chorus heraus und nutze ihn in deinem nächsten Track.
Gelayerten Sub-Bass mit Massive X erstellen
Du kannst ein Sample in den Noise-Oszillator von Massive X importieren, um dessen Filter, Modulatoren und Effekte für ein einzigartiges Sound-Design-Erlebnis zu nutzen. Erstellen wir einen Sub-Bass-Sound aus einem bearbeiteten Sinuswellen-Sample und layern ihn anschließend mit einem Sub-Bass-Audio-Sample – so entsteht ein druckvolles Low-End-Fundament. Importiere ein Sample in den Noise-Oszillator von Massive X: Klicke dazu im Header neben dem Massive X-Logo auf das Drop-down-Menü und wähle „Show User Content Folder“. Navigiere zu diesem Ordner und kopiere eine Audiodatei mit einem Sinuswellen-Sample hinein.
Kehre zu Massive X zurück und wähle im selben Einstellungsmenü „Rescan Content“. Dein Sample ist nun im Menü des Noise Players unter der Kategorie „User“ verfügbar.

Klicke im Bereich „Noisetable“ auf „Noisetable 1“, dann auf „User“ und wähle dein Sample aus. Passe die Lautstärke des zugemischten Rauschens über den Pegelregler bei Noisetable 1 an.

Aktiviere die Filter-Sektion (rechts neben Noise) und wähle das Asimov-Filter aus – ein Tiefpassfilter. Filtere alle Frequenzen unterhalb von 200 Hz heraus.
Aktiviere in den Stereo-Effektsektionen (mit X, Y und Z gekennzeichnet) Modul X und wähle „Reverb“. Stelle Size auf 70 %. Forme die Sinuswellen-Layer schließlich mithilfe der Modulationssektion von Massive X, indem du Decay leicht auf etwa 4,25 ms und Release auf 10 s erhöhst.

Erstelle einen leeren MIDI-Clip und füge für jede Sub-Bass-Note eine passende MIDI-Note ein. Achte dabei unbedingt auf die Originaltonart deines Sub-Bass-Samples.

Erstelle eine Audiospur und füge ein Sub-Bass-Sample in derselben Tonart wie deinen MIDI-Sinuswellen-Layer hinzu. Passe beide Samples so an, dass sie gleichzeitig beginnen und enden. Gruppiere die beiden Layer und bearbeite sie mit einem Equalizer, indem du mit einem Low-Pass-Filter alle Frequenzen über 200 Hz abschneidest.
Du kannst die kombinierte Bass-Spur zu einer einzelnen Audiodatei bouncen und dieses Sample als dein neues Go-to-Sample für das Low-End speichern.

Alternativ zu dieser Methode verfügt Massive X über Insert-Oszillatoren, mit denen du einen Sub-Bass hinzufügen kannst. Um eine Sinuswelle hinzuzufügen, navigiere zu Insert FX Slot 1, wähle Insert Osc und danach die Sinuswelle aus.

Ambience mit Raum erzeugen
Beginne mit einem Sample in der Tonart deines Tracks. Das kann ein Vocal-Loop, ein Synth-Part oder ein Percussion-Loop sein. Wenn du einen Vocal-Part verwendest, schneide die Audiodatei auf deinen Lieblingsabschnitt zu, kopiere ihn und füge ihn so ein, dass er sich als gleichmäßiges Pattern über einen 8-Takt-Loop wiederholt.

Lade Raum auf die Audiospur und wähle entweder den Grounded- oder den Airy-Modus – beide verfügen über eine Freeze-Funktion. Stelle das Predelay auf ca. 37 ms ein. Erhöhe Size und Decay-Zeit sowie Mix und Reverb-Anteil. Klicke auf den Schneeflocken-Button, um Raum einzufrieren. Passe schließlich das Low-Cut-Filter nach Belieben an (im Beispiel auf -16 dB) und stelle das High-Cut-Filter auf rund 10 kHz ein.

Erstelle eine neue Audiospur und route das Signal von der Spur mit Raum auf die neue Spur. Nimm das Audiosignal der Raum-Spur auf der neuen Spur auf.

Um die Ambience weiter zu formen, ergänze die Spur um einen Equalizer und schneide die tiefen und hohen Frequenzen mit einem Low- und High-Pass-Filter ab. Vergrößere die Stereobreite der Ambience mit einem Stereo-Widening-Plug-in wie dem iZotope Imager. Hier ist der finale Ambience-Sound.
Flippe jetzt deine eigenen Samples
Inspiriert von fñhrenden Produzent*innen zeigt sich: Der Schlüssel zu wirklich einzigartigem Sound-Design liegt darin, über das bloÑe Choppen von Samples hinauszugehen. Mit den vielseitigen Möglichkeiten der Native Instruments 360 Plus Suite kannst du kreative Sample-Flipping-Techniken nutzen, um dein Audiomaterial vollkommen neu zu formen.
Mit diesen Methoden und den Tools von NI erschaffst du eigenständige Klangelemente und verwandelst Samples in unverwechselbare Sounds für Track-Produktionen auf Profi-Niveau. Zeit, eigene Samples zu transformieren: Tauche noch heute in die Tools von 360 Plus ein und entwickle deinen ganz persönlichen Sound.