Als unverwechselbarer Sound zahlreicher Genres der elektronischen Musik ist der Reese-Bass sofort an seinem charakteristisch bedrohlichen Pulsieren und dem massiven Bassfundament zu erkennen. Aber was genau ist eigentlich ein Reese-Bass – und wie baust du dir deinen eigenen Reese-Bass von Grund auf selbst?
In diesem Tutorial bauen wir einen Reese-Bass von Grund auf mit dem Synthesizer Massive X von Native Instruments und schauen uns an, wie du ihn mit Guitar Rig 7 Pro weiter bearbeiten kannst. Beide Tools sind in der kostenlosen Testversion von 360 Plus enthalten.
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Was ist ein Reese-Bass?
Ein Reese-Bass ist ein Legato-Synth-Basston, der düster pulsiert und grollt. Du kannst einen Reese-Bass mit jedem beliebigen Synthesizer erstellen, der über zwei Sägezahn-Oszillatoren und einen Low-Pass-Filter verfügt. Zu hören sind Reese-Bässe in Musikstilen wie Jungle, Drum ’n’ Bass, Hardcore, UK Garage und Dubstep.
Der Ursprung des Reese-Basses liegt im Track „Just Want Another Chance“ aus dem Jahr 1988 von Reese – einem Pseudonym der Detroit-Techno-Legende Kevin Saunderson.
Laut Saunderson entstand dieser Bass auf einem Synthesizer der Casio-CZ-Serie – und du kannst ihn gleich zu Beginn der oben verlinkten Version von „Just Want Another Chance“ isoliert hören.
1994 veröffentlichte Jungle-Ikone Ray Keith unter dem Pseudonym Renegade den Track „Terrorist“. Das Stück basierte auf einem Sample des Basses aus „Just Want Another Chance“: Aus einer einzigen gesampelten Note entstand eine völlig neue Bassline.
Dieser gesampelte Reese-Bass schlug in der aufkeimenden Jungle-Szene ein wie eine Bombe. Denn bis dahin bestanden Jungle-Basslines meist aus reinen Sinustönen ohne Obertöne über dem Grundton – etwa Sub-Bässe aus Sinuswellen oder 808-Bässe. Der Reese-Bass hingegen liefert harmonische Obertöne über der Grundfrequenz, was dem Bass mehr Druck und Fülle verleiht. Die schwebende Bewegung dieser Obertöne verleiht dem Sound seinen unverwechselbar düsteren Charakter.
Zu den weiteren bekannten Jungle-Tracks, die den Reese-Bass samplen, gehören „R.I.P. (DJ Hype Remix)“ von Remarc und „The Force Is Electric (Remix)“ von Ed Rush.
In „The Force Is Electric (Remix)“ hört man gut, wie der Reese-Bass leicht verzerrt wurde, um seine Mittenfrequenzen hervorzuheben. Als sich Drum ’n’ Bass aus dem Jungle entwickelte, etablierte sich der Begriff „Reese“ für praktisch jeden obertonreichen Legato-Bass-Sound. Beispiele für obertonreichere, mittenbetonte Reese-Varianten sind „Mutant Revisited“ von DJ Trace und „Still“ von Boymerang.
Mitte bis Ende der 90er-Jahre ließ sich der frühe UK-Garage-Sound stark von Jungle inspirieren – unter anderem bei der Palette der Bass-Sounds. So taucht der originale Reese-Bass in UK-Garage-Klassikern wie „Kung-Fu“ von 187 Lockdown oder Dubstar – „I Will Be Your Girlfriend (Sol Brothers Brokout Dub)“ auf.
Auch in anderen basslastigen Musikstilen wie Dubstep sind Reese-Bässe omnipräsent – besonders markant etwa in Skreams Remix von La Rouxs „In For The Kill“ oder in Burials „South London Boroughs“.
So erstellst du den Reese-Bass-Sound
1. Sägezahn-Oszillatoren verstimmen
Lade Massive X auf einer MIDI-Spur in deiner DAW. Das Standard-Patch startet mit einem einzelnen Sägezahn-Oszillator.
Um den zweiten Oszillator dazuzuholen, ziehst du einfach den vertikalen Fader links daneben nach oben.

Klicke auf den Wavetable-Namen des Oszillators, um eine andere Wavetable auszuwählen. Wähle Sin-Tri-Saw-SQ.

Wenn nun beide Oszillatoren auf dieselbe Wavetable eingestellt sind und beide Wavetable-Position-Drehregler auf 12 Uhr stehen, erzeugen sie denselben Klang.
Jetzt verstimmen wir die beiden Oszillatoren gegeneinander (Detuning). Dadurch entsteht eine Schwebung („Beating“), die für die satten, pulsierenden Obertöne sorgt – das Fundament jedes Reese-Sounds. Stelle das Tuning von Oszillator 1 auf +0,300 und das von Oszillator 2 auf -0,300 Halbtöne ein.

Damit haben wir einen rohen, ungefilterten Reese-Bass – ganz ähnlich wie in DJ Traces „Mutant Revisited“.
2. Low-Pass-Filter hinzufügen
Um den geschmeidigen Jungle-Reese-Sound hinzubekommen, brauchen wir einen Low-Pass-Filter. Stelle im Filter-Bedienfeld die Freq (Filter-Cutoff-Frequenz) auf etwa 650 Hz und Res (Resonanz) auf etwa 14 % ein.
Das verleiht uns den typisch abgerundeten, tiefen Jungle-Sound.

Bevor wir weitermachen, stellen wir den Patch auf monophon um, damit immer nur eine Note gleichzeitig gespielt werden kann. Klicke auf das Voice-Bedienfeld und setze Polyphony auf Mono.

3. Den Sound anpassen
Vorhin haben wir die Oszillatoren auf +0,300 und -0,300 Halbtöne verstimmt. Genau das erzeugt dieses pulsierende, grollende Schwingen. Über das Tuning kannst du dieses Grollen jetzt entweder dramatischer oder subtiler gestalten.
Wenn wir das Tuning der Oszillatoren beispielsweise auf +0,150 und -0,150 stellen, wird der Sound sanfter und die Schwebung verlangsamt sich.

Stelle das Tuning wieder auf +0,300 und -0,300 zurück. Jetzt probieren wir etwas Intensiveres aus: Lade Guitar Rig 7 Pro auf die Massive X-Spur und öffne mit einem Doppelklick das Preset „Rock Seeker“.

Damit erhalten wir einen angezerrten Reese-Klang, ganz ähnlich wie in „Still“ von Boymerang.
Eine beliebte Technik bei angezerrten Reese-Bässen ist der Einsatz eines Notch-Filters mit modulierter Sweep-Bewegung, was dem Sound eine weitere Bewegungsebene verleiht. Füge hinter Guitar Rig 7 Pro das Standard-Filter-Plug-in deiner DAW ein und stelle es auf den Notch-Modus.

Automatisiere nun die Filter-Cutoff-Frequenz so, dass sie beim Spielen des Reese nach oben und unten wandert.

Das verleiht dem Reese eine finstere, sich ständig verändernde Textur, deren Intensität du über den Resonance-Regler des Filters steuern kannst.
Nutze Reese-Bässe ab sofort in deinen Tracks
In diesem Tutorial hast du gelernt, wie du mit Massive X und Guitar Rig 7 Pro einen Reese-Bass von Grund auf selbst programmierst.
Wenn du noch mehr über Sound-Design erfahren möchtest, wirf einen Blick auf Erste eigene Sounds mit Massive X erstellen, Sound-Design 101: Wie Sounds entstehen und Synthese 101.