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Was ist Wavetable-Synthese?

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what is wavetable synthesis

Die Wavetable-Synthese ist das Multitalent der elektronischen Musikproduktion. Sie hat keinen einzelnen, sofort erkennbaren Sound – deshalb hat sie nicht ganz denselben Kultstatus erlangt wie die metallische Brillanz der FM-Synthese oder der warme Charakter der analogen subtraktiven Synthese. Doch dank ihrer Vielseitigkeit und Power ist sie seit Jahrzehnten eine feste Größe, und im Software-Zeitalter ist sie beliebter denn je.

Aber was genau ist Wavetable-Synthese eigentlich und wie funktioniert sie? In diesem Artikel schauen wir uns die Funktionsweise der Wavetable-Synthese genauer an und werfen einen Blick auf ihre Geschichte. Danach zeigen wir dir, wie du die Wavetable-Synthese in deinen eigenen Produktionen einsetzt – und wie du mit dem Wavetable-Synth MASSIVE X von Native Instruments druckvolle Bässe, Leads und Pads schraubst.

Inhalt:

Mach direkt mit in diesem Tutorial – mit MASSIVE X.
 

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Was ist Wavetable-Synthese?

Die Magie eines Wavetable-Synths beginnt in seinen Oszillatoren. Am besten lässt sich das im Vergleich zur bekannteren subtraktiven Synthese verstehen. Bei einem subtraktiven Synth wählst du für den Oszillator meist aus wenigen obertonreichen, aber mathematisch simplen Wellenformen wie Sägezahn oder Rechteck. Der Grund dafür: Diese Wellenformen ließen sich in der analogen Welt mit einer überschaubaren Schaltung elektronischer Bauteile leicht erzeugen.

Subtraktive Synthese
Der Ablauf der subtraktiven Synthese

Die Wavetable-Synthese hingegen ist ein Kind der digitalen Revolution. Statt auf ein starres Set an Wellenformen festgelegt zu sein, gibt sie digital aufgenommene Wellenformen wieder. Typischerweise bieten Wavetable-Synths eine breite Palette an Wellenformen – manche davon ziemlich ungewöhnlich –, was ein viel größeres Klangspektrum als bei einem klassischen subtraktiven Synth ermöglicht. Einige erlauben es dir sogar, eigene Wellenformen zu importieren oder zu bauen. Und der entscheidende Punkt: Mit der Wavetable-Synthese kannst du nahtlos zwischen verschiedenen, in einer „Wavetable“ gespeicherten Wellenformen überblenden („morphen“) – für lebendige Klangfarben, die mit anderen Syntheseformen schlicht unmöglich sind.

Klingt vielleicht noch etwas abstrakt. Tauchen wir also tiefer ein, um die klangliche Power und Vielseitigkeit der Wavetable-Synthese richtig zu verstehen.

Sample-basierte Synthese verstehen

Der Oszillator eines Wavetable-Synths funktioniert, indem er eine digital aufgenommene Wellenform abspielt – genauer gesagt eine Zahlenfolge, die der Amplitude der Wellenform zu aufeinanderfolgenden Zeitpunkten entspricht. Indem der Oszillator diese Zahlenfolge immer wieder von vorn abliest, gibt er die aufgenommene Wellenform wieder. Das Tempo, mit dem er die Werte durchläuft, bestimmt die Tonhöhe der Note. Liest er die Wellenform beispielsweise 440-mal pro Sekunde aus, hören wir einen Ton mit 440 Hz: ein A.

Die aufgenommene Wellenform kann im Grunde alles sein, was sich digital aufzeichnen (oder generieren) lässt: ein Schnipsel eines heißgeliebten analogen Synth-Klassikers, ein akustisches Instrument, aber genauso gut Vogelgezwitscher oder das Rauschen des Windes.

Ist das nicht einfach Sampling? Nicht ganz. Ein Sampler gibt in der Regel längere Sounds wieder – oft mehrere Sekunden lang, die im Verlauf viele verschiedene Schwingungen enthalten. Ein Wavetable-Synth dagegen fängt einen einzelnen Zyklus einer Wellenform ein und nutzt ihn als tonale Basis für einen Sound. Genau das nennt man sample-basierte Synthese.

Einen Schritt weiter: Die Wavetable

Die sample-basierte Synthese deckt zwar ein breites Klangspektrum ab, hat aber ihre Grenzen: Da bei jedem Tastenanschlag exakt dieselbe gesampelte Wellenform abgespielt wird, können die Sounds schnell statisch und leblos wirken.

Und genau hier kommt die Wavetable-Synthese ins Spiel. Ein Wavetable-Synth stellt dir nicht nur eine einzelne Wellenform zur Verfügung, sondern eine ganze Reihe – eine „Tabelle“ (Table) verschiedener Wellenformen. Mittels digitaler Interpolation lässt sich nahtlos zwischen den einzelnen Formen der Wavetable überblenden. So entstehen lebendige Klänge, die sich ständig verändern und bewegen – ganz ohne die Starrheit einfacher sample-basierter Synths.

Dieses Feature ist das eigentliche Herzstück der Wavetable-Synthese. Die meisten Wavetable-Synths stellen genau das in den Mittelpunkt: Du kannst den Sound beim Spielen „morphen“, indem du die Position in der Wavetable durchfährst – entweder manuell oder gesteuert über LFOs, Hüllkurven und andere Modulationsquellen. Neben der Auswahl an Wavetables sind es vor allem diese Modulationsmöglichkeiten, die den Charakter eines Wavetable-Synths ausmachen.

Die Geschichte der Wavetable-Synthese

Ihren Weg auf den Markt fand die Wavetable-Synthese in den frühen 80er-Jahren dank Wolfgang Palm, dem Gründer von PPG. 1981 erschien der PPG Wave – genau zu einer Zeit, als die digitale Synthese die analoge Vormachtstellung ins Wanken brachte. Doch während ein FM-Synth wie der DX7 durch und durch digital war, kombinierte der Wave seine neuartige Synthese-Engine mit einem analogen Filter – digitaler Pioniergeist traf auf analoge Griffigkeit. Der Wave war im Synth-Pop jener Ära allgegenwärtig und ist bis heute ein absolutes Kult-Instrument.

PPG Wave
Der Synthesizer PPG Wave

In den 80er- und 90er-Jahren entwickelte eine ganze Reihe von Synthesizern das Prinzip weiter, darunter der kurzlebige Prophet VS von Sequential Circuits (1986) und die Korg Wavestation (1990). Waldorf Music, 1993 vom deutschen PPG-Vertrieb gegründet, entwickelte sich zum wohl bekanntesten Hersteller von Hardware-Wavetable-Synths. Hardware erfreut sich auch bei modernen Producer*innen ungebrochener Beliebtheit – so fand der erschwingliche Waldorf Blofeld seinen Weg in unzählige Homestudios. Doch den wirklichen zweiten Frühling erlebte die Wavetable-Synthese mit dem Siegeszug der Software.

Wavetable-Synthese heute

In den vergangenen 15 Jahren war Wavetable vielleicht die am weitesten verbreitete Syntheseform überhaupt – und das ist vor allem einem Synth zu verdanken: MASSIVE. Von Native Instruments im Jahr 2007 auf den Markt gebracht, prägte MASSIVE den Sound ganzer Dance-Genres und lieferte die typischen Wobble-Bässe und stadionfüllenden Leads für Dubstep, Drum'n'Bass und US-EDM.

MASSIVE war jedoch keineswegs auf Big-Room-Sounds beschränkt. Im besten Sinne der Wavetable-Synthese lag seine Stärke in der immensen Wandlungsfähigkeit: Vielfältige Klangoptionen und flexibles Routing machten ihn zum absoluten Standard-VST für unzählige Musikschaffende am Laptop. Eine ganze Generation von Software-Entwicklern folgte diesem Weg, sodass Wavetable heute zu den dominanten Syntheseformen in der Software-Welt zählt. 2019 bekam MASSIVE mit MASSIVE X einen Nachfolger, der die Wavetable-Synthese mit zahlreichen neuen Features und einem mächtigen Modulationssystem in die Gegenwart holt.

Eigene Wavetable-Sounds bauen

Es gibt keinen typischen „Wavetable-Sound“ von der Stange – und genau das macht dieses Prinzip so faszinierend. Die Bandbreite möglicher Wellenformen kombiniert mit stufenlosen Übergängen sorgt für maximale klangliche Flexibilität.

Dennoch gibt es einige Techniken und Workflows, mit denen du das Beste aus deinem Wavetable-Synth herausholst. Schauen wir uns an, wie du mit MASSIVE X von Native Instruments ausdrucksstarke Bässe, Leads und Pads baust. Sobald du diese Basics verinnerlicht hast, schraubst du deine eigenen Patches im Handumdrehen.

Wobble-Bass

Ein Wavetable-Patch beginnt meist mit der Wavetable selbst. Wähle also zunächst eine Wavetable für Oscillator 1 aus. Nimm am besten etwas Fettes, Kantiges – etwa „Bitrian“ aus der Kategorie „Monster“.

Einen Wobble-Bass in Massive X erstellen
Wobble-Bass-Sounddesign in MASSIVE X

Als Nächstes hauchen wir dem Sound klangliche Bewegung ein.

  1. Weise LFO 4 der Wavetable-Position des Oszillators zu, indem du das Pfeilsymbol neben „L4“ in den Modulations-Slot unter der Oszillator-Wavetable ziehst.
  2. Klicke in den Modulations-Slot und ziehe nach oben, um die Modulationsstärke zu erhöhen.
  3. Stelle die LFO-Rate auf unter 1 Hz ein, um eine langsame, schwebende Bewegung zu erzeugen.

Jetzt machen wir das Fundament dicker: Drehe die Lautstärke (Amplitude) von Oscillator 2 auf und belasse ihn auf der Standard-Wavetable, um eine saubere Sinuswelle beizumischen.

Nun erzeugen wir über das Filter den typischen Wobble-Effekt.

  1. Drehe die Cutoff-Frequenz des Tiefpassfilters herunter, bis der Sound komplett abgedämpft ist.
  2. Weise anschließend LFO 5 der Cutoff-Frequenz zu und drehe die Modulation auf, bis der typische „Wobble“-Effekt deutlich zu hören ist.
  3. Ändere den LFO-Modus von „Free“ auf „Osc“, damit sich die Modulationsrate an die gespielte Tonhöhe anpasst. Stelle die Rate auf rund 50 % ein.

Für noch mehr Durchsetzungskraft und Breite werfen wir einen Blick in die Voice-Sektion: Aktiviere Unison, stelle die Voice-Anzahl auf 6 und drehe den Spread-Regler leicht auf, um einen breiten, geschichteten Sound zu erhalten.

Zum Schluss fügst du in der FX-Sektion etwas Distortion für den nötigen Biss hinzu. Und so klingt der fertige Wobble-Bass:

Durchsetzungsstarker Lead

Bevor wir uns an die Oszillatoren machen, geben wir dem Sound eine passende Hüllkurve: Drehe bei Envelope 1 (der Lautstärke-Hüllkurve) das Sustain herunter und hebe Decay sowie Release an.

Einen Lead-Sound in Massive X erstellen
Lead-Sounddesign in MASSIVE X

Bevor wir uns an die Oszillatoren machen, geben wir dem Sound eine passende Hüllkurve: Drehe bei Envelope 1 (der Lautstärke-Hüllkurve) das Sustain herunter und hebe Decay sowie Release an.

Wir können dieselbe Hüllkurve nutzen, um dem Klang dynamische Bewegung zu verleihen.

  1. Weise Envelope 1 der Wavetable-Position von Oscillator 1 zu, damit der Sound morpht, während die Note erklingt. Mit der Standard-Wavetable blendet der Sound dabei stufenlos zwischen Sinus-, Dreieck-, Sägezahn- und Rechteckwellen über.
  2. Passe Modulationsstärke und Wavetable-Position an, bis du eine Klangfarbe findest, die dir gefällt.

Jetzt machen wir den Sound mit einem zweiten Oszillator noch voller.

  1. Wähle diesmal eine charakterstärkere Wavetable – etwa „Drift Organ A“ aus der Kategorie „Additive + FM“.
  2. Moduliere die Wavetable-Position dieses Oszillators mit LFO 4. Ein leichtes Aufdrehen der Modulation erzeugt einen schönen Vibrato-Effekt.

Gib dem Sound in der FX-Sektion abschließend etwas Chorus und Delay mit, um ihm räumliche Tiefe zu verleihen.

Sphärisches Pad

Für dieses Pad schichten wir zwei facettenreiche Wavetables mit unterschiedlichen Hüllkurven übereinander – perfekt für einen komplexen, schwebenden Klangteppich.

Ein sphärisches Pad in Massive X erstellen
Pad-Sounddesign in MASSIVE X

Für dieses Pad schichten wir zwei facettenreiche Wavetables mit unterschiedlichen Hüllkurven übereinander – perfekt für einen komplexen, schwebenden Klangteppich.

Erstelle zuerst mit Oscillator 1 ein langsam morphendes Pad-Element.

  1. Wähle eine klanglich reiche Wavetable – wir nehmen „Simp Drift“.
  2. Weise LFO 1 zu, um die Wavetable-Position ganz gemächlich zu modulieren.
  3. Für den typisch weichen Pad-Verlauf wählst du in Envelope 1 eine sehr lange Attack- und eine lange Decay-/Release-Zeit.

Nun holen wir Oscillator 2 dazu.

  1. Die Wavetable „Grassmayer Bell“ verleiht unserem Sound eine sphärische, unharmonische Nuance.
  2. Um diesem Oszillator eine andere Kontur zu geben, weise Envelope 2 der Oszillator-Amplitude zu – mit kurzen Attack- und Decay-Werten.

Mache den Sound weicher, indem du die Cutoff-Frequenz des Tiefpassfilters absenkst.

Gib dem Ganzen in der FX-Sektion zum Schluss etwas Reverb und Stereo-Breite mit, um für Raum und Tiefe zu sorgen. So klingt das fertige Pad:

Starte deine Wavetable-Reise

In diesem Tutorial haben wir uns mit Wavetable-Synthese beschäftigt: wie sie funktioniert, was sie so besonders macht und wie du sie in deinen Produktionen einsetzen kannst. Lade dir MASSIVE X herunter, um deine eigenen kraftvollen Wavetable-Sounds zu erstellen, oder wirf einen Blick auf weitere leistungsstarke Synth-VSTs für deine Produktionen.

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