Auf ihrem neuen Album Second Sight setzt Blonde Maze auf emotionale Nuancen durch sorgfältiges Sound-Design. Das auf Enhanced Chill erschienene Werk lebt von subtilen Produktionsentscheidungen mit spürbarem persönlichem Gewicht – viele der Kernideen entstanden dabei mit Kontakt-Libraries wie Ashlight, Arkhis und The Gentleman.
Amanda Steckler, die Produzentin hinter Blonde Maze, schreibt ihre Songs schon immer aus gelebten Gefühlslagen heraus – Ausgangspunkt ist oft eine bestimmte Beziehung oder ein konkreter Moment. Bei diesem Album setzte sie verstärkt auf texturierte Instrumente, um diese Emotionen greifbar zu machen.
Direkt zum Thema:
- Sound-Design und emotionale Präsenz in Balance bringen
- Wie Arkhis und Ashlight den Grundton des Albums prägten
- Kontakt-Libraries als Fundament ganzer Tracks
- Libraries organisieren, um im Flow zu bleiben
- Wie Processing ihre klangliche Identität formt
- Die Rolle moderner Tools für ehrliche Musik
Wir haben mit ihr darüber gesprochen, wie diese Libraries den Sound des Albums geprägt haben, warum emotionale Genauigkeit in ihrem Workflow eine so zentrale Rolle spielt und wie sie Ehrlichkeit und Sound-Design miteinander verbindet.
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Wie schaffst du die Balance zwischen technischem Sound-Design und dem Gefühl, aus dem der Song ursprünglich entstanden ist?
Ein entscheidender Punkt ist für mich, dass ich meistens feste Patches habe, mit denen ich jeden Song beginne. Es gibt etwa fünf zentrale Patches, die ich nutze, um eine Akkordfolge oder ein Hauptmotiv festzuhalten. Diese Elemente schaffen es nicht zwingend immer in den finalen Mix, aber sie helfen mir, das emotionale Fundament für den Track aufzubauen. Außerdem lohnt es sich, eine Handvoll vertrauter Plug-ins parat zu haben, denen man blind vertraut. Ich greife immer wieder zu denselben Tools – nutze sie zwar für unterschiedliche Sounds, behalte dadurch aber eine konsistente klangliche Identität.

Sobald das Thema und der emotionale Anker des Tracks stehen, achte ich sehr bewusst darauf, was ich hinzufüge und ob es die Grundstimmung unterstützt oder nicht. Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich einen Sound baue, der zwar mega cool ist, aber irgendwie am Song vorbeigeht. Meistens merke ich das ziemlich schnell, weil ich spüre, dass ich mich klanglich vom Track entferne.
Was mir auch hilft, sind verschiedene Projektversionen. Wenn mir nach Experimentieren ist, speichere ich eine neue Version des Projekts ab und baue Sounds, die ich normalerweise vielleicht nicht nutzen würde. So schaffe ich mir eine Spielwiese, um Neues auszuprobieren. Manchmal entstehen in diesen Sessions die spannendsten Sounds, die dann doch zu einem tragenden Teil des Tracks werden.
Profi-Tipp von Blonde Maze: Wenn du eine Piano-Library nutzt, kann es helfen, Hämmer und Pedale auf separaten Spuren anzulegen – vorausgesetzt, die Library unterstützt das. So behältst du die volle Kontrolle über diese Einzelgeräusche und kannst EQ und Reverb gezielter einstellen, als es bei den reinen Piano-Samples der Fall wäre. Ich nutze dafür oft die Noises-Sektion von Una Corda im Workbench-Reiter – die bietet enorm viel Spielraum und Flexibilität.
Haben Libraries wie Arkhis und Ashlight den emotionalen Grundton von Second Sight geprägt?
Absolut. Diese Kontakt-Libraries haben maßgeblich zum emotionalen Kern des Albums beigetragen. Die Texturen und Atmosphären, die man mit ihnen kreieren kann, sind unschlagbar, wenn es darum geht, dem restlichen Song einen stimmigen Raum zu geben.

Nicht nur, dass die Presets direkt out-of-the-box absolut brauchbar sind – die Möglichkeiten zur Bearbeitung und Anpassung geben einem auch enorme Freiheiten. Gerade die Grain-Module von Ashlight und vergleichbaren Libraries waren für mich essenziell, um die Atmosphäre des Albums zu formen.
Diese atmosphärischen Elemente – selbst wenn sie nur ganz subtil eingesetzt werden – haben meist den größten Einfluss auf den Track. Ich bin jedes Mal verblüfft: Wenn ich meine Atmosphäre-Gruppe stummschalte (die oft zu großen Teilen aus Arkhis, Ashlight, Pharlight, Straylight, Fables usw. besteht), wirkt der Song plötzlich viel flacher, generischer und glanzlos.

Profi-Tipp von Blonde Maze: Isoliere bei Libraries wie Ashlight und Straylight entweder die Granular-Engine oder das Sample-Modul, anstatt beide gleichzeitig zu nutzen. So hast du deutlich mehr Kontrolle über den einzelnen Sound. Schon ein einziges dieser Module bietet unzählige Möglichkeiten, und du kannst dich viel gezielter auf dessen Stärken konzentrieren. Wenn du beispielsweise einen atmosphärischeren Sound suchst, schalte einfach das Sample-Modul stumm und nutze ausschließlich die Granular-Engine für mehr Textur.
Gibt es auf Second Sight Tracks, bei denen ein einzelnes Kontakt-Instrument zum zentralen emotionalen Anker wurde?
Ja, bei To Love Again habe ich The Gentleman für die Klavier-Akkorde verwendet – und das war das allererste Element, mit dem der Song überhaupt begann. Es ist eine meiner absoluten Lieblings-Piano-Libraries. Damit konnte ich die perfekte Dynamik eines realistischen Raums einfangen, zusammen mit unglaublich plastischen Hammergeräuschen. Das Klavier trägt die gesamte Emotionalität des Tracks und zieht sich durch das komplette Stück.

Ein weiterer Track ist The Thought of You. In den Drops gibt es diese Atmosphäre – wenn man die mutet, geht sofort ein Großteil der Emotion verloren. Entstanden ist sie mit der Kinetic Toys-Library, veredelt mit reichlich Reverb und Delay. Es ist eine Art hoher, gehaltener, glockenartiger Klang – im Grunde nur ein einziger Ton, der sich durch den gesamten Drop zieht. Ein subtiles, aber ungemein kraftvolles Element, das den Drops ihren räumlichen Halt gibt.

Ebenfalls in The Thought of You kam Mallet Flux für die Glockenklänge im Drop zum Einsatz. Diese Bells gehörten zu den ersten Elementen, die ich für den Drop geschrieben hatte – und um sie herum habe ich schließlich den Rest aufgebaut. Egal, was sonst im Drop passierte: Diese Glocken mussten immer im Vordergrund stehen. Sie waren einfach das Herzstück der Emotion und Melodie.
Profi-Tipp von Blonde Maze: Nimm dir einen Tag Zeit, um deine Plug-in-Presets durchzuhören und deine Favoriten mit einem Stern zu markieren. Das klingt vielleicht banal, hat meinen Workflow auf der Suche nach Inspiration aber massiv beschleunigt. Es ist zwar etwas Fleißarbeit, aber wenn du mal eine kreative Blockade hast, hilft es ungemein, direkt durch vorgemerkte Sounds stöbern zu können. Was du dann daraus machst, bleibt ganz dir überlassen.
Wie durchsuchst und organisierst du deine Libraries, um einer emotionalen Idee zu folgen, ohne dich in Menüs zu verlieren?
Normalerweise erstelle ich mir eigene Voreinstellungen, indem ich Kanalzüge mit meinen Lieblings-Libraries speichere (oder einfach Presets direkt in Kontakt sichere), damit ich schnell darauf zugreifen kann. Wenn man gerade im Flow ist, ist das zwar manchmal mühsam und reißt einen kurz raus, aber später spart es jede Menge Zeit und Nerven. So finde ich die Libraries, die ich am häufigsten brauche, blitzschnell wieder. Dass man in Kontakt Favoriten mit Sternen versehen und nach Kriterien wie Name, Instrument, Charakter oder Hersteller filtern kann, hilft ebenfalls enorm.
Gleichzeitig entsteht ein großer Teil meines Songwritings und der Produktion ganz spontan und ungeplant – komplett ohne gespeicherte Kanäle oder Presets. Deshalb habe ich all meine Libraries auf einer eigenen externen Festplatte abgelegt, sodass ich mich schnell durchklicken, taggen und fündig werden kann. Das bringt Struktur ins Experimentieren.
Profi-Tipp von Blonde Maze: Nutze Automation. Viele Libraries bieten ausdrucksstarke Regler für Dynamik, Vibrato und mehr. Das Einspielen von Automationen – ob hauchzart oder dynamisch zupackend – haucht diesen Libraries echtes Leben ein. Es bringt Bewegung in jeden Moment und lässt den Song menschlicher und lebendiger wirken.
Wie viel von deinem Sound entsteht durch die Instrumente selbst und wie viel durch dein Processing und dein Einspielen?
Das ist von Track zu Track unterschiedlich, aber ein Großteil meines charakteristischen Sounds rührt von der Kombination der Instrumente her. Ich folge da fast schon einem festen Schema, welche Libraries ich wofür einsetze.

Ein zentraler Bestandteil meines Sounds ist die Mischung aus akustischen und elektronischen Libraries. Ich nehme zum Beispiel The Gentleman oder Una Corda für ein authentisch klingendes Klavier und kombiniere das mit Straylight oder Ashlight für atmosphärische, verfremdete Texturen. Obendrauf kommt vielleicht noch etwas wie Lo-Fi Glow für eine Melodie oder einen Lead-Sound. Genau aus diesem Zusammenspiel verschiedener Elementtypen entsteht mein Klang.

Aber auch die Art und Weise, wie ich diese Instrumente bearbeite, prägt den Sound natürlich mit. Bei Piano-Libraries halte ich die Dynamik beispielsweise meist auf der sanfteren Seite. Zudem dosiere ich Reverb ganz bewusst und achte genau darauf, wie viele Geräuscheffekte (Piano-Foley) ich untermische.
Bei den eher atmosphärischen Elementen achte ich penibel auf ihre Bewegung: an welchen Stellen sie herausstechen sollen und wie zurückhaltend sie im restlichen Track bleiben. Am Ende ertränke ich diese Sounds oft in einem gewaltigen Reverb mit jeder Menge Diffusion.
Glaubst du, dass moderne Produktionstools es Künstler*innen erleichtern, ehrliche und unmittelbare Musik zu schaffen?
Ich denke, sie machen es definitiv einfacher und unmittelbarer – und oft, wenn auch nicht immer, ehrlich. Moderne Tools helfen ungemein dabei, eine Idee schnell und effizient festzuhalten, bevor sie wieder verblasst, und ermöglichen Dinge, die früher vielleicht gar nicht machbar gewesen wären.

Ich bin beileibe keine Cellistin oder Streicherin, aber ich kann mir einfach eine Streicher-Library laden – wie zum Beispiel Stradivari Cello – und einen Cello-Part für meinen Track einspielen.
Dank dieser riesigen Auswahl an realistisch klingenden gesampelten Instrumenten kann ich Ideen unkompliziert zum Leben erwecken. Selbst ein Klavier, das ich zwar spiele, aber mangels Equipment nicht aufnehmen kann, lässt sich so problemlos in meine Produktionen integrieren.
Ich glaube, dass moderne Produktionstools auch viel mehr Raum zum Experimentieren bieten, was dabei hilft, Ideen weiterzuentwickeln.
Der einzige Punkt, an dem diese Tools vielleicht nicht dabei helfen, ehrliche Musik zu machen, ist, dass man sich extrem leicht ablenken lässt und Wege einschlägt, die einem selbst eigentlich gar nicht entsprechen. Künstler*innen haben heute so unendlich viele Möglichkeiten direkt zur Hand, dass man sich darin schnell verlieren kann.
Manchmal habe ich eine Idee, die ich in meiner DAW aufnehme. Kurz darauf scrolle ich mich durch endlose Libraries oder Presets oder fuchse mich in ein neues Tool ein. Dadurch entferne ich mich oft immer weiter von meiner ursprünglichen Idee. Es ist ein zweischneidiges Schwert, und man braucht Disziplin, um solche Tools wirklich zu seinem Vorteil zu nutzen.
Fazit

Vielen Dank noch einmal an Blonde Maze für die Einblicke in den Produktionsprozess hinter Second Sight. Es wird deutlich, dass die emotionale Stimmung des Albums nicht nur im Songwriting oder in der Performance entstand, sondern auch in der präzisen Auswahl der unterstützenden Tools. Ihr Einsatz von Kontakt-Libraries wie Ashlight, Arkhis, The Gentleman und Kinetic Toys verlieh jedem Track eine ganz eigene Atmosphäre, ohne jemals vom Gefühl hinter der Musik abzulenken.
Falls du es noch nicht getan hast: Second Sight lohnt sich definitiv für einen kompletten Durchlauf. Das Album ist ein großartiges Beispiel dafür, wie Produzent*innen ganz nah an einer Idee bleiben können, ohne alles zu verkomplizieren – und wie die richtigen Tools ehrliches, detailverliebtes Songwriting unterstützen, ohne im Weg zu stehen.