SHIMAs Debütalbum Welcome to SHIMAJIMA schafft eine seltene Balance zwischen Tradition und moderner Produktion. In Tokio geboren und heute in Los Angeles zu Hause, baut sie ihren Sound auf kultureller Erinnerung, Storytelling und Field-Recordings auf – und lässt so die Grenzen zwischen Herkunft und digitalem Experimentieren verschwimmen. Das Album bewegt sich fließend zwischen in Kontakt gebauten Koto-Linien, Taiko-Drum-Aufnahmen von japanischen Festivals und Ambient-Texturen, die gleichermaßen traditionell und unmittelbar wirken.
Im Mittelpunkt von Welcome To SHIMAJIMA steht SHIMAs Neugier darauf, woher Klänge eigentlich kommen. Kontakt spielt in diesem Prozess eine zentrale Rolle: Es verschafft ihr Zugang zu Instrumenten, die sie physisch vielleicht nie vor sich hätte, und ermöglicht es ihr gleichzeitig, diese Sounds in etwas völlig Neues zu verwandeln.
Direkt zu den Abschnitten:
- Traditionelle Klänge im digitalen Raum erschaffen
- Field-Recordings in spielbare Instrumente verwandeln
- Kontakt für gesampelte Versionen traditioneller Instrumente nutzen
- Tradition durch moderne Tools weitertragen
- Eigene Identität durch einzigartige Sample-Libraries finden
Hol dir dieselben makellos gesampelten traditionellen Instrumente mit der Spotlight Collection: East Asia.
Spotlight Collection: East Asia entdecken
Auf Welcome to SHIMAJIMA greifst du direkt auf japanische Traditionen wie Awa Odori zurück. Wie hat Kontakt dir dabei geholfen, diese rohen Aufnahmen in deinen Produktionsprozess einzubinden?
Keine der Kotos oder Shamisens, die du auf Welcome to SHIMAJIMA hörst, sind echte Aufnahmen oder Samples. Es sind alles MIDI-Tracks, die ich mit Kontakts Spotlight Collection: East Asia-Library eingespielt habe. Ich liebe diese Library, weil sie mir so viel Kontrolle über Artikulationen und Ausdrucksmöglichkeiten wie Pitch-Bends und Glissandi gibt.

Kotos sind riesige, teure Instrumente, die weltweit nur von wenigen Menschen gespielt werden. Sie sind längst nicht so verbreitet wie Gitarren – deshalb ist es nicht leicht, authentische Aufnahmen zu finden. Ich bin sehr dankbar für ein Tool wie Kontakt, mit dem ich auf Sounds zugreifen kann, an die ich sonst niemals herankommen würde.
In Zukunft würde ich gerne mit echten Koto-Spieler*innen zusammenarbeiten. Aber selbst dann würde ich Kontakt wahrscheinlich immer noch nutzen, zumindest um den Demo-Track zu bauen, den ich ihnen als Referenz vorspiele.
Profi-Tipp von SHIMA: Wenn du dein Smartphone für Sprachmemos und Field-Recordings nutzt, nimm alles immer doppelt auf, falls du ein Stereobild erzeugen möchtest – denn Sprachmemos sind grundsätzlich mono.
Wie sah dein Workflow aus, als du Festgesänge, Flöten und Taiko-Drums gesampelt und in Kontakt gemappt hast?
Ich nehme Field-Recordings mit meinem Smartphone auf, was natürlich nicht die beste Qualität liefert – aber oft reduziere ich die Audioqualität später absichtlich, um dieses typische Vintage- oder Retro-Sample-Feeling zu bekommen. Das funktioniert perfekt. Auf Festivals gibt es eine Menge Hintergrundgeräusche, also bereinige ich die Aufnahmen meist zuerst und suche dann nach kurzen Schnipseln, die sich gut als One-Shots oder Loops eignen.

Die meiste traditionelle Musik steht nicht im 4/4-Takt, daher brauchen die Loops meist etwas manuelle Quantisierung und Timing-Anpassungen. Anschließend exportiere ich die einzelnen Samples und lade sie in mein eigenes Instrument, das bereits die gewünschten Effekte und Einstellungen für Smartphone-Aufnahmen enthält.
Profi-Tipp von SHIMA: Benenne und schneide deine Aufnahmen am besten direkt vor Ort, damit du sie später nicht mühsam durchforsten musst.
Glaubst du, dass Kontakt dir mehr Flexibilität gibt, kulturelle Wurzeln einzubringen, ohne in starre „Weltmusik“-Klischees zu verfallen?
Absolut.

Die meiste traditionelle Musik, einschließlich der japanischen Folkmusik, folgt nicht den westlichen Tonleitern oder Taktarten. Es braucht also einiges an Fingerspitzengefühl, damit sie in zeitgenössische Musik passt. Tools wie Kontakt ermöglichen es mir, das Wesen traditioneller Musik einzufangen, ohne mich so weit zu entfernen, dass es für ein modernes Publikum fremd oder unzugänglich klingt.

Profi-Tipp von SHIMA: Mach dir nicht zu viele Gedanken über makellose oder extrem hochauflösende Aufnahmen. Oft sind es gerade diese Unvollkommenheiten, die EDM-Tracks Charakter und Leben einhauchen – Tracks, die sonst schnell steril klingen könnten.
Welchen Rat würdest du anderen Produzent*innen geben, die aus eigenen Field-Recordings eigene Kontakt-Instrumente bauen möchten?
Mach es unbedingt!
Es verschafft dir als Producer*in einen enormen Vorteil und eine unverwechselbare Identität, weil niemand sonst dieselben Samples wie du hat. Obwohl EDM natürlich ein modernes Genre ist, existiert Dance-Music – also Musik, die zum Tanzen gemacht ist – seit jeher in allen Kulturen der Menschheit.

Es gibt also unendlich viele Inspirationsquellen – selbst in den eigenen kulturellen Wurzeln, an die man vielleicht noch gar nicht gedacht hat.
Profi-Tipp von SHIMA: Experimentiere mit verschiedenen Instrumenten und Klängen. Nimm statt einer Violine mal eine Erhu. Oder statt eines Toms eine Tabla. So kann sich dein Sound-Design von der Masse abheben und dir dabei helfen, deinen ganz eigenen Stil zu finden.
Rückblickend: Wie wichtig war Kontakt dafür, dass Welcome to SHIMAJIMA zu einem so persönlichen und gleichzeitig global zugänglichen Album geworden ist?
Es war absolut zentral.
Ohne Kontakt würde Welcome to SHIMAJIMA gar nicht existieren. Ich bin eine Bedroom-Producerin, die Weltmusik aus ihrem Schlafzimmer heraus macht. Ohne diese Kontakt-Libraries, die mir Zugang zu traditionellen Instrumenten aus Westafrika, Ostasien oder dem Nahen Osten verschaffen, wäre das schlicht unmöglich.
Profi-Tipp von SHIMA: Nutze Granular-Effekte und andere zeitbasierte Effekte, um einfache Melodien in weite Ambient-Klangwelten zu verwandeln.
Fazit
SHIMAs Ansatz zeigt, wie moderne Tools Raum für kulturellen Ausdruck schaffen können, anstatt ihn zu verdrängen. Auf Welcome to SHIMAJIMA schlägt Kontakt die Brücke zwischen Tradition und Experimentierfreude – und lässt sie gelebte Erfahrungen in einen Sound übersetzen, der nahbar, relevant und menschlich wirkt.
Jeder Track verbindet die Intimität von Field-Recordings mit der Präzision digitaler Musikproduktion. Es ist ein Projekt, das neu definiert, wie globale Musik klingen kann – und ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Neugier und Technologie ineinandergreifen, um eine ganz persönliche Geschichte zu erzählen.