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Wie RE\MIND perkussiven Groove und cineastisches Storytelling verbindet

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REMIND feature

Die neueste Single von RE\MIND mit JK basiert auf einem seltenen Sample von Os Tincos – doch der Track verlsst sich keineswegs nur auf Nostalgie. „Choro“ klingt vielschichtig und zeitgem, balanciert einen reduzierten Groove mit genau der richtigen Dosis Emotion. Als zweites Release auf JKs neuem Imprint Titanic’s End fngt die Nummer eine Community-getriebene Energie ein, die gleichermaen lokal wie global wirkt – geprgt vom Vermchtnis von Black Rock City und dem Wunsch, zeitlose Musik mit echter Hingabe zu schaffen.

Was den Track so besonders macht: RE\MIND bindet filmische Tools wie Pharlight und Noire ein, ohne dabei den Fokus vom Ausgangsmaterial wegzulenken.

Das Sample von Os Tincos bildet nach wie vor die Seele der Produktion, doch drumherum ist jedes Detail so geformt, dass es dem Stck subtile emotionale Tiefe verleiht. Ein solches Songwriting hrt man im Afro-House nicht alle Tage – und genau das hebt dieses Release von vielen anderen im Genre ab.

Direkt zu den Abschnitten:

In diesem Interview erklrt RE\MIND, wie er Kontakt in seinen Sound integriert, was es bedeutet, den spirituellen Kern eines Tracks zu bewahren, und warum Libraries wie Pharlight und Straylight seine kreative Identitt bis heute prgen.

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Wie entscheidest du, wann ein Afro-House-Track filmische Layer braucht und wann er roh und perkussiv bleiben sollte?

Fr mich beginnt alles immer mit der emotionalen Ausrichtung des Tracks. Manche Produktionen sollen roh und groove-getrieben bleiben, whrend andere nach tiefgrndigerem Storytelling verlangen. Bei „Choro“ zum Beispiel wollte ich dem Gefhl des Samples von Os Tincos treu bleiben, das mich persnlich sehr berhrt hat. Dieser Track brauchte kein aufwendiges cineastisches Layering, weil die Rohheit und die Seele des Samples die Geschichte bereits getragen haben.

RE\MIND time

Gleichzeitig ist cineastisches Songwriting ein wesentlicher Teil meiner Identitt als Produzent. Ich greife oft zu Kontakt, wenn ich ein starkes emotionales Fundament schaffen will – sei es durch Drones, morphende Atmosphren oder ausdrucksstarke Pianos. In Tracks wie „Nobody“, „1995“ oder „Look Around You“ sind diese filmischen Layer unverzichtbar, um die Grundstimmung zu prgen und gleichzeitig die ntige Energie fr den Dancefloor beizubehalten.

Am Ende ist es immer eine Gefhlsentscheidung. Wenn die Emotion, die ich transportieren mchte, nach Tiefe und Immersion verlangt, nutze ich Kontakt-Libraries, um Texturen zu kreieren, die den Groove auf ein cineastischeres Level heben. Meine Musik wird selten rein von Percussion angetrieben. Die Drums sollen die Reise begleiten und der Musik Leben einhauchen, anstatt sie zu dominieren. Liegt der Fokus strker auf dem Rhythmus, achte ich darauf, dass der Groove die Atmosphre untersttzt – damit die emotionalen Schichten das Herzstck des Tracks bleiben.

Welche der cineastischen Libraries wie Straylight, Noire oder Circles sind fr deine Afro-House-Produktionen am wichtigsten geworden?

Straylight und Pharlight spielen in meinen Produktionen oft eine zentrale Rolle, weil ich mit ihnen starke texturale und atmosphrische Fundamente bauen kann. Sehr oft starte ich einen Track damit, einen Drone aus diesen Libraries zu loopen und darauf Akkorde oder Melodien zu improvisieren. Das liefert mir sofort eine cineastische Kulisse, die die Stimmung des Stcks vorgibt, noch bevor ich berhaupt an den Rhythmus denke.

Ein gutes Beispiel ist mein Track „Nobody“: Hier hrt man deutlich einen Vocal-Drone aus Pharlight als Fundament, auf dem meine Akkordschichten aufbauen, um die Emotionalitt des Stcks zu formen.

RE\MIND – Pharlight NOBODY

Noire ist eine weitere Library, die ich ungemein schtze und die in vielen meiner Produktionen vorkommt. Abgesehen vom wunderschnen Klang des Flgels an sich inspirieren mich vor allem die kreativen Parameter wie der Color-Regler und die Tonal Depth. Ich nutze den Color-Drehregler, um die Entwicklung eines Tracks zu formen. An Hhepunkten drehe ich ihn gern auf – das lsst das Klavier strahlender, prsenter und grer wirken. In ruhigeren Momenten wie Breakdowns drehe ich ihn zu, was fr einen intimeren und wrmeren Sound sorgt. Ein extrem ausdrucksstarkes Werkzeug, mit dem ich ganz natrlich mit Dynamik spielen kann.

Ich finde das viel organischer, als einfach nur ein Filter zu automatisieren, da die Klangvernderung aus dem Instrument selbst kommt und nicht von einem externen Effekt. Auch Tonal Depth verleiht dem Ganzen etwas wirklich Einzigartiges – eine Flle und Rumlichkeit, die das Klavier fast schon dreidimensional wirken lsst.

RE\MIND – Cycles

Ich nutze auch Cycles von Slate + Ash, um einzigartige Texturen zu erzeugen. Was ich an diesem Instrument liebe, ist die Mglichkeit, eigene Samples zu importieren und sie in etwas vllig Neues zu verwandeln. So kann ich vertraute Sounds nehmen und sie so lange umformen, bis sie sich wie ein Teil meines ganz eigenen Klangkosmos anfhlen.

Diese Art des Sound-Designs verleiht meiner Musik generell einen starken cineastischen Charakter und hlt sie gleichzeitig unverwechselbar, weil sich die Texturen stndig weiterentwickeln und nie vorhersehbar sind.

Layerst du Kontakt-Sounds mit Hardware oder trennst du beides im Mix strikt voneinander?

Wenn ich Kontakt-Libraries verwende, lasse ich den Sound selten in seiner Rohfassung. Ich nehme mir gern ein Basissample und bearbeite es so lange, bis es kaum wiederzuerkennen ist. Manchmal zerstre ich es komplett mit Plug-ins, oder ich resample und stretche es direkt in der DAW, um vllig neue Texturen zu erschaffen. Auerdem liebe ich Tape- und Kassetten-Effekte sowie Lo-Fi-Bearbeitungen, weil sie genau den nostalgischen Charakter mitbringen, der sich durch viele meiner Tracks zieht. So wird aus etwas Vertrautem ein Sound, der sich ganz persnlich anfhlt und meinen Produktionen einen individuellen Stempel aufdrckt.

RE\MIND-Story

Eines meiner liebsten Hardware-Tools dafr ist ein Effektpedal, das ich stndig einsetze, um wunderschne granulare Layer zu erzeugen. In meinem Track „1995“ liegt es auf dem Piano und verwandelt es in ein morphendes Pad, das dem Track zustzliche Tiefe und Emotion verleiht.

Ich mische auch gern Synthesizer-Bsse mit organischeren Layern aus Kontakt. Gemeinsam verstrkt entsteht so ein Low-End, das satt und lebendig klingt. Fr mich entsteht die Magie genau dann, wenn Hardware und Kontakt-Sounds nahtlos verschmelzen – denn diese Verbindung aus Digitalem und Organischem verleiht meinen Tracks ihren Charakter und ihre emotionale Tiefe.

Mir ist es auerdem extrem wichtig, eine eigene Sound-Identitt zu entwickeln, und ich suche stndig nach Klngen, die sonst niemand hat. Arthur Joly, ein genialer brasilianischer Knstler, hat mir einen mageschneiderten Synthesizer gebaut, den ich intensiv nutze. Er ist extrem schwer zu kontrollieren – manchmal fast unmglich –, weil er sich so unberechenbar verhlt. Aber genau diese Zuflligkeit und Unvollkommenheit liebe ich. Anders als die meisten kommerziellen Synths berrascht er mich immer wieder, und ich nutze ihn oft fr Effekte, Texturen und Sound-Design-Elemente, die sich wirklich einzigartig anfhlen.

Wie oft liefern cineastische Libraries den ersten Funken fr einen Track – und wie oft untermalen sie eine Idee, die du schon hattest?

Manchmal ffne ich Kontakt ohne festen Plan – einfach nur, um zu experimentieren und zu sehen, wohin mich die Sounds fhren. Oft ist es eine Textur, ein Drone oder auch nur ein einzelner, morphender Sound, der die gesamte Richtung eines Tracks vorgibt. Dieser Workflow ist sehr intuitiv und vom Ausprobieren getrieben. Ich stelle oft fest, dass er mich zu Ideen fhrt, auf die ich nie gekommen wre, wenn ich mit einem Rhythmus oder einer strukturierten Akkordfolge begonnen htte.

In anderen Fllen starte ich mit einer konkreteren Idee – etwa einem Sample, einer Akkordfolge oder einem Groove. In diesen Momenten werden die cineastischen Libraries zu tragenden Elementen, die dem Ganzen Charakter und Einzigartigkeit verleihen.

Sie spielen auch eine groe Rolle, wenn ich kreative Blockaden habe. Wenn ich mal feststecke, ffne ich einfach Kontakt und stbere durch die Sounds – das bringt fast immer neue Inspiration. Die schiere Vielfalt an Texturen und Atmosphren hilft mir, repetitive Muster zu durchbrechen und eine neue emotionale Richtung einzuschlagen. Insofern sind cineastische Libraries nicht nur Produktionswerkzeuge, sondern halten auch meine Kreativitt am Leben.

Wie hltst du die Balance zwischen kulturellen Referenzen wie dem Os Tincos-Sample in „Choro“ und dem globaleren Sound von Kontakt-Instrumenten?

Mein Ziel war von Anfang an, Musik zu machen, die sich zeitlos und modern zugleich anfhlt. Als groer Fan der Originalaufnahme ging es mir bei „Choro“ vor allem darum, dem Material mit grtmglichem Respekt zu begegnen und ihm gleichzeitig meinen eigenen Stil und Charakter einzuhauchen. Ich wollte nie verndern, was den Song so kraftvoll gemacht hat, sondern vielmehr die Elemente verstrken, die ich geliebt habe – wie seinen Groove, seine Wrme und den unvergesslichen Refrain. Ich wollte eine Version schaffen, die frisch fr den Sommer klingt und im Club funktioniert, ohne die Seele des Originals aus den Augen zu verlieren.

RE\MIND – Choro Piano

Um diese Balance zu finden, habe ich Kontakt-Instrumente eingesetzt, um das Sample zu erweitern und anzureichern, ohne es zu erdrcken. Ich habe eine Bassline aus Kontakt ergnzt, die dem Track ein kraftvolles, bewegendes Low-End gab, das perfekt mit dem Groove verschmilzt. Dazu kamen zustzliche Percussion-Layer fr mehr rhythmische Energie und ein Piano, das dem Song emotionale Tiefe verleiht. So konnte ich eine Brcke schlagen zwischen der Welt von Os Tincos und den globalen Texturen, die meinen eigenen Sound definieren.

RE\MIND – Choro Bass

Hat die Einbindung cineastischer Libraries deine Identitt als Afro-House-Produzent geprgt?

Ich wrde mich nicht ausschlielich als Afro-House-Produzent bezeichnen, denn ich lasse mich ungern auf ein einziges Genre festlegen. Ich verstehe mich in erster Linie als Musikproduzent, der sich eher von Emotionen als von Stilrichtungen leiten lsst. Seit ich mit etwa 12 oder 13 Jahren angefangen habe, Musik zu machen, hat es mich immer gereizt, cineastisches Sound-Design mit elektronischer Musik zu verbinden. Diese Verschmelzung war von Beginn an ein elementarer Teil von mir und prgt meinen kreativen Weg bis heute.

Kontakt hat mir geholfen, diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen, indem es mir die Werkzeuge an die Hand gibt, um Instrumente und Texturen so zu erkunden, dass sie sich in elektronischen Produktionen ganz natrlich anfhlen. Es hat mir beigebracht, fr Pianos, Streicher, Blser oder atmosphrische Layer zu komponieren und sie nahtlos in einen elektronischen Kontext einzubetten. Mit diesen Libraries konnte ich mein Gespr fr musikalisches Storytelling schrfen und meine Palette weit ber Beats und Grooves hinaus erweitern. Das hat mir den Blick fr eine ganzheitlichere Art des Komponierens geffnet – und ist auch der Grund, warum Filmmusik etwas ist, das ich eines Tages unbedingt machen mchte.

Ich lasse mich sehr von Acts inspirieren, die diese Welten erfolgreich miteinander verbunden haben. Tangerine Dream, Giorgio Moroder, Daft Punk, M83 oder Gesaffelstein haben alle bewiesen, dass elektronische Musik dieselbe emotionale und erzhlerische Tiefe transportieren kann wie traditionelle Soundtracks. Sie haben Werke geschaffen, die als starke Alben fr sich stehen, sich aber genauso perfekt in filmische Welten einfgen. Genau diese Mischung aus elektronischer Energie und narrativem Anspruch strebe ich auch in meiner eigenen Musik an.

Fazit

„Choro“ schlgt mit Tiefgang und klarer Vision das erste Kapitel fr Titanic’s End Records auf. Die Kollaboration zwischen RE\MIND und JK schpft aus afrobrasilianischen Traditionen, vielschichtiger Percussion und emotionaler Instrumentierung, geformt mit Kontakt – und vereint diese Elemente zu einem Track, der gleichermaen fr Bewegung wie fr Substanz steht.

Fr die Zukunft des Labels setzt dieses Release ein Zeichen, das in kulturellem Bewusstsein und persnlichem Ausdruck wurzelt. Es spiegelt eine wachsende Szene von Produzent*innen wider, die ihre Tools nicht nur fr Textur und Rhythmus einsetzen, sondern um Emotionen mit Klarheit und Intention sprbar zu machen.

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