|Dean Salant

Die verschiedenen Akkordarten in der Musik: Ein Guide

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Different types of chords in music

Als Produzent*in oder Beatmaker*in denkst du vielleicht zuerst daran, dass dein Fokus vor allem auf dem Beat oder der Melodie liegen sollte. Doch wenn du deinen Tracks mehr Abwechslung und klangliche Tiefe verleihen willst, solltest du ein solides Verständnis von Akkorden und ihrer Rolle beim Musikmachen und Beatbauen entwickeln.

Egal, ob du nach neuen Gitarren- oder Klavierakkorden suchst: Ein grundlegendes Verständnis von Akkorden und Harmonielehre hebt deine Musikalität auf das nächste Level. So kreierst du vielschichtigere Akkordfolgen, findest eine gemeinsame Sprache mit anderen Musiker*innen, kannst Samples gezielter auswählen und flippen – und noch vieles mehr.

In diesem Artikel nehmen wir die verschiedenen Akkordarten unter die Lupe und zeigen dir, wie du sie einsetzt, um deinen Tracks das gewisse Etwas zu verleihen.

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Was sind Akkorde in der Musik?

Ein Akkord besteht aus mehreren Tönen, die gleichzeitig erklingen und eine Harmonie bilden. Akkorde sind das Fundament der harmonischen Sprache in der Musik und bestimmen maßgeblich die emotionale Stimmung einer Melodie und des gesamten Songs.

In der Regel haben alle Noten eines Akkords unterschiedliche Tonhöhen, die im Zusammenspiel einen ganz eigenen Klangcharakter erzeugen. Akkorde spielen in fast allen Musikgenres eine zentrale Rolle: Sie tragen Melodien, geben ihnen Raum und schaffen emotionale Momente.

Um zu hören, was Akkorde bewirken können, hören wir uns erst eine Melodie ganz alleine an und legen danach Akkorde darunter.

Hier ist die Eröffnungsphrase des Jazz-Klassikers „My Funny Valentine“ solo:

Und jetzt verleihen wir derselben Melodie ihre eigentliche harmonische Grundlage:

Hörst du den Unterschied, den die Akkorde ausmachen? Die Melodie allein ist schon wunderschön – doch erst durch die Harmonien erwacht sie richtig zum Leben und entfaltet ihre volle emotionale Tiefe.

Werden mehrere Akkorde hintereinander gespielt, sprechen wir von einer Akkordfolge (engl. „Chord Progression“). Akkordfolgen sind genreübergreifend unverzichtbar – egal ob du EDM, Pop, R&B oder etwas völlig anderes produzierst: Ohne Akkorde geht beim Musikmachen fast nichts.

Wie sind Akkorde aufgebaut?

Um zu verstehen, wie Akkorde funktionieren, helfen ein paar Grundlagen der Musiktheorie. Wenn du dir dabei noch unsicher bist, lohnt es sich, dein Wissen über Tonleitern und Intervalle kurz aufzufrischen, bevor du weiterliest.

Akkorde bestehen aus Tönen bestimmter Tonleitern – etwa Dur- oder Moll-Tonleitern oder Kirchentonarten (Modi). Schauen wir uns die Töne einer Tonleiter einmal genauer an und wie daraus Akkorde entstehen.

Die C-Dur-Tonleiter besteht aus folgenden Tönen:

C, D, E, F, G, A, H, (C).

Die C-Dur-Tonleiter in einer Piano-Roll
Die C-Dur-Tonleiter in der Piano-Roll

Einen Akkord bauen wir, indem wir einen Ton aus der Tonleiter wählen und ihn gleichzeitig mit weiteren Tönen derselben Skala erklingen lassen. Die einfachste Akkordform ist der Dreiklang (Triade), der – wie der Name schon sagt – aus drei Tönen besteht. Einen Dreiklang zu bilden, ist ganz einfach: Du nimmst den ersten Ton der Tonleiter (den Grundton C), überspringst den nächsten (D) und nimmst den übernächsten (E). Dann wiederholst du das Prinzip: F überspringen, G dazunehmen. Übrig bleiben C, E und G – der C-Dur-Dreiklang.

Eine weitere Möglichkeit, den Aufbau von Akkorden zu verstehen, sind Intervalle. In der westlichen Musiktheorie gibt es zwölf Halbtöne pro Oktave. Der Abstand zwischen zwei Noten wird nach Intervalltyp und Halbtönen bestimmt. Hier ist eine Übersicht aller zwölf Intervalle:

Alle 12 Intervalle in einer Piano-Roll
Alle 12 Intervalle in der Piano-Roll

Da Akkorde durch das Aufeinanderschichten von Intervallen konstruiert werden, wird diese Übersicht gleich besonders wichtig, wenn wir uns die verschiedenen Akkordarten ansehen.

Die verschiedenen Akkordarten

Werfen wir einen Blick auf die wichtigsten Akkordtypen in der Musik – angefangen bei den Dreiklängen.

1. Dur-Akkorde

Ein Dur-Akkord ist einer der am häufigsten verwendeten Akkorde überhaupt. Er besteht aus einem Grundton, einer großen Terz und einer reinen Quinte. Sein Klang wirkt hell, offen und wird oft als „fröhlich“ wahrgenommen. So klingt er:

„Wake Me Up“ von Avicii setzt überwiegend auf Dur-Akkorde – obwohl der Song in einer Moll-Tonart steht.

Dass ein Track in einer Moll-Tonart steht, bedeutet keineswegs, dass darin ausschließlich Moll-Akkorde vorkommen. Sieh dir unsere Guides zu Dur- und Moll-Akkordfolgen sowie zum Quintenzirkel an, um Tonarten und Akkordbeziehungen noch besser zu verstehen.

2. Moll-Akkorde

Moll-Akkorde sind genauso allgegenwärtig wie Dur-Akkorde. Sie bestehen aus einem Grundton, einer kleinen Terz und einer reinen Quinte. Im Vergleich zu Dur klingen sie dunkler, melancholischer oder schlicht „traurig“.

In „Glass Eyes“ von Radiohead spielen Moll-Akkorde die Hauptrolle:

3. Verminderte Akkorde

Verminderte Akkorde hört man seltener als Dur- oder Moll-Akkorde, doch sie eignen sich hervorragend, um gezielt musikalische Spannung aufzubauen. Ein verminderter Dreiklang besteht aus Grundton, kleiner Terz und verminderter Quinte. Er klingt instabil und drängend:

Hör dir den verminderten Akkord bei 0:38 in „If I Ain’t Got You“ von Alicia Keys an. Er steht dort nur für einen kurzen Augenblick, macht die harmonische Auflösung im nächsten Akkord dadurch aber umso schöner.

4. Übermäßige Akkorde

Ein weiterer spannend und unruhig klingender Akkord ist der übermäßige Akkord. Er setzt sich aus Grundton, großer Terz und übermäßiger Quinte zusammen (letztere entspricht klanglich einer kleinen Sexte). So klingt er:

Direkt am Anfang von „Oh! Darling“ von den Beatles hörst du einen übermäßigen Dominantseptakkord:

5. Septakkorde

Septakkorde erweitern einfache Dreiklänge um einen vierten Ton: eine Septime über dem Grundton. Dadurch gewinnen sie an Farbe, Reibung und Charakter.

Weil die Septime auf verschiedene Arten mit Dur- und Moll-Dreiklängen kombiniert werden kann, gibt es bei Septakkorden noch mehr Varianten als bei reinen Dreiklängen:

Major-7-Akkorde (große Septakkorde) bestehen aus Grundton, großer Terz, reiner Quinte und großer Septime.

Moll-7-Akkorde bestehen aus Grundton, kleiner Terz, reiner Quinte und kleiner Septime.

Dominantseptakkorde bestehen aus Grundton, großer Terz, reiner Quinte und kleiner Septime.

Halbverminderte Septakkorde (m7b5) bestehen aus Grundton, kleiner Terz, verminderter Quinte und kleiner Septime.

„Snooze“ von SZA ist ein perfektes modernes R&B-Beispiel für den Einsatz verschiedener Septakkorde:

6. Erweiterte Akkorde

Septakkorde erweitern Dreiklänge um eine zusätzliche Stufe. Aber bei der Septime muss längst nicht Schluss sein: Du kannst Dreiklänge und Septakkorde um weitere Tonleiterstufen ergänzen, um sogenannte erweiterte Akkorde (Extended Chords) zu bilden.

Üblicherweise spricht man dabei nicht von einer Sekunde oder Quarte. Weil diese Erweiterungen klanglich über die erste Oktave hinausreichen, addiert man 7 zur jeweiligen Stufe der Skala (7, weil eine heptatonische Standard-Tonleiter sieben Töne hat).

Ergänzt du den Akkord um die zweite Stufe, nennen wir das eine „None“ (2+7 = 9).

Nimmst du die vierte Stufe dazu, ist es eine „Undezime“ (4+7 = 11).

Und die sechste Stufe wird zur „Tredezime“ (6+7 = 13).

Es gibt unzählige Möglichkeiten für erweiterte Akkorde. Fest steht: Sie bringen enorme klangliche Raffinesse und Frische in deine Harmonien.

Hier ist ein Moll-9-Akkord, bestehend aus Grundton, kleiner Terz, reiner Quinte, kleiner Septime und großer None (die Sekunde zum Grundton, aber eine Oktave höher geschichtet):

Im Jazz sind komplexe Akkorderweiterungen der Standard. Hörst du die facettenreichen Tensions in „Afro Blue“ vom Robert Glasper Experiment?

7. Suspended-Akkorde

Bei diesen Akkordtypen wird die Terz weggelassen und durch eine Sekunde oder Quarte ersetzt. Dadurch klingt der Akkord weder nach Dur und „fröhlich“ noch nach Moll und „traurig“. Genau diese Mehrdeutigkeit macht den Reiz dieser Akkorde aus.

Hier ist ein sus2-Akkord, der aus Grundton, großer Sekunde und reiner Quinte besteht.

Und hier ist ein sus4-Akkord, der sich aus Grundton, reiner Quarte und reiner Quinte zusammensetzt.

Einen sus4-Akkord hörst du in „Crazy“ von Gnarls Barkley bei 0:15, bevor er sich in einen Dur-Akkord auflöst.

Nutze verschiedene Akkordarten in deiner Musik

Akkorde bilden das emotionale Fundament, auf dem packende Melodien aufbauen. Wenn du die verschiedenen Akkordarten verstehst, hilft dir das als Beatmaker*in oder Produzent*in dabei, dynamischere und ausdrucksstärkere Tracks zu kreieren.

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