|Kevin McHugh

5 essenzielle EDM-Akkordfolgen und wie du sie nutzt

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edm chord progressions

Alle Produzent*innen wollen, dass ihre Tracks die Menschen auf einer tiefen emotionalen Ebene erreichen. Musik hat diese Kraft – und wenn du lernst, wie andere Produzent*innen und Komponist*innen das geschafft haben, eröffnest du dir genau dieses Potenzial.

Popmusik heißt „Pop“, weil sie populär ist – was eigentlich nur bedeutet, dass sie das Publikum besonders treffsicher fesselt und mitreißt. EDM ist ein Genre, das genau darauf spezialisiert ist: Es nimmt die fundamentalen Elemente der Dance Music (nämlich House und Techno) und verbindet sie mit Pop-Strategien, um die Hörer*innen in ihren Bann zu ziehen.

Jede Musik – und ganz besonders Popmusik – basiert auf Akkorden und Melodien. Jede Melodie ist anders, aber viele Akkorde folgen vertrauten Mustern – genau das nennen wir eine Akkordfolge. Akkordfolgen sind wie Landkarten, mit denen wir Spannung aufbauen und auflösen sowie Flow und Stimmungen in einen Song bringen. Sie bilden das Fundament des Tracks und tragen die Melodie. Da Akkordfolgen hinter allen großen Pop-Hits stehen, bilden sie auch das Herzstück jedes erfolgreichen EDM-Hits.

Egal, ob du nach EDM-Piano-Akkorden oder Techno-Akkordfolgen suchst: Schauen wir uns einige der beliebtesten EDM-Akkordfolgen an und wie du sie in deinen eigenen Produktionen einsetzen kannst.

Direkt zu den Abschnitten:

Wie baut man gute EDM-Akkorde?

Gute EDM-Akkorde zu bauen funktioniert wie bei jeder guten Musik: Orientiere dich an den Grundlagen, die hinter jeder großartigen Akkordfolge stecken. Jede Akkordfolge nutzt eine eigentlich ganz einfache Terminologie. Jeder Akkord innerhalb einer Tonart wird mit einer römischen Ziffer versehen, die angibt, wie weit der Akkord von der Tonika bzw. dem Grundton der Tonart entfernt ist. In C-Dur ist der erste Akkord (der „I“-Akkord) also C-Dur. Da die C-Dur-Tonleiter die Töne C-D-E-F-G-A-H enthält, folgen die Akkorde in dieser Tonart derselben Reihenfolge. Wir bezeichnen die Akkorde entsprechend ihrer Position in dieser Reihe: I – II – III usw. Ein wichtiger Kniff: Manche Akkorde in einer Tonart sind Dur, andere Moll. Gekennzeichnet wird das dadurch, dass Dur-Akkorde in Großbuchstaben (III – IV – V) und Moll-Akkorde in Kleinbuchstaben (iii – iv – v) geschrieben werden. Auf diese Weise kannst du eine Akkordfolge ganz einfach in andere Tonarten transponieren.

Ein weiterer wichtiger Aspekt für packende EDM-Akkorde ist die passende EDM-Software und die VSTs, mit denen du die Akkorde erzeugst. Es gibt zahllose EDM-Subgenres. Wenn du dir die Zeit nimmst, genau auf das Timbre und den Klangcharakter deiner Instrumente, Synths und Sounds zu achten, heben sich deine Akkorde sofort vom Rest ab.

Schauen wir uns einige der besten Akkordfolgen an, die in riesigen EDM-Hits zum Einsatz kamen. Wir analysieren jeweils die Progression und zeigen dir ein Beispiel aus der Praxis.

5 unverzichtbare EDM-Akkordfolgen

1. i—III—VII—VI

„Levels“ von Avicii ist einer der größten EDM-Hits aller Zeiten – und seine Akkorde haben einen enormen Wiedererkennungswert. Der Track beginnt mit dem Tonika-Akkord ( i ) in Cis-Moll. Das ist das tonale Zentrum, um das die anderen Akkorde kreisen. Von der Tonika geht es zum Dur-Akkord auf der dritten Stufe ( III ), also E-Dur, dann zum Akkord der siebten Stufe ( VII ) dieser Tonart, H-Dur. Die Spannung steigt weiter mit dem Wechsel zum Akkord der sechsten Stufe ( VI ), der direkt zurück zur Tonika führt – und die Progression beginnt von vorn.

Probieren wir diese Akkordfolge einmal mit anderen Sounds aus, um zu sehen, wohin sie uns führt. Dafür nutzen wir PLAYBOX, ein Kontakt-Instrument, mit dem du auf innovative Weise mit Akkorden und Sounds experimentieren kannst. Wenn du es ausprobieren möchtest: Es ist auch in KOMPLETE 14 enthalten.

Avicii-Akkorde in PLAYBOX
Avicii-Akkorde in PLAYBOX

Wir haben eine Kick aus BATTERY geladen, um das Tempo vorzugeben, und ziehen eine MIDI-Datei unserer Akkordfolge hinein. In PLAYBOX kannst du Sounds, Samples und Einstellungen randomisieren, um zu testen, wie verschiedene Akkorde zusammen klingen. Klicke einfach auf eines der Würfel-Icons, um zufällig ein neues Setting zu laden. Wir sind per Zufall beim Preset „Doll House“ gelandet und haben darin noch ein paar Parameter gewürfelt. So klingt das Ergebnis:

2. i—VI—iv

Oft sind wir so sehr an 4-Akkord-Muster gewöhnt, dass wir vergessen: Manchmal ist weniger mehr. Ein 3-Akkord-Schema kann die harmonische Spannung eines Wechsels in der Schwebe halten, bevor sie sich wieder in der Tonika auflöst. Calvin Harris steht hinter etlichen der größten EDM-Chart-Hits überhaupt, und diese Akkordfolge aus „How Deep Is Your Love“ gehört zu den bekanntesten. Die Progression bildet das Fundament des Tracks – selbst dann, wenn die Akkorde im Mix gerade gar nicht zu hören sind. In den Momenten, in denen sie einsetzen, wird deutlich, wie eng sie Bassline und Melodie miteinander verzahnen. Beginnend mit der Tonika in E-Moll wechselt der Song zu C-Dur – sechs Stufen vom Grundton entfernt, also der VI-Akkord. Danach geht es zur etwas instabileren vierten Stufe ( iv ) in A-Moll, die nach Weiterführung verlangt. Doch der Track verharrt dort noch einen weiteren Takt lang, hält die Spannung – passend zur Frage im Songtitel –, bevor er sich wieder in der E-Moll-Tonika auflöst.

Wir gehen genauso vor wie eben: Wir nehmen die MIDI-Daten dieser Akkordfolge und laden sie in PLAYBOX. Ein tolles Feature von PLAYBOX: Du kannst einzelne Parameter des Patches gezielt anpassen, selbst wenn du andere Aspekte zuvor gewürfelt hast. Schau dir an, welche Möglichkeiten dir dieses Instrument unter der Haube bietet.

„How Deep Is Your Love“-Akkorde in PLAYBOX
„How Deep Is Your Love“-Akkorde in PLAYBOX

So klingt die neue Akkordfolge:

3. i—VI—VII

Eine weitere EDM-Progression, die mit nur drei Akkorden auskommt, stammt aus „The Only Way Is Up“ von Martin Garrix und Tiësto. Obwohl es strukturelle Parallelen gibt, klingen beide Songs völlig unterschiedlich. Genau darin liegt die Faszination von Akkordfolgen: Du kannst damit jedes beliebige musikalische Ziel erreichen. Dieser Track verfolgt einen ähnlichen Ansatz wie das vorherige Beispiel: Er beginnt mit einem Moll-Akkord auf der ersten Stufe ( i ) und baut Spannung mit einem Dur-Akkord auf der sechsten Stufe ( VI ) auf. Doch hier geht die Bewegung weiter bis zur siebten Stufe – maximal weit von der Tonika entfernt –, bevor sich alles zurück in die Tonika auflöst und dort über den nächsten Takt gehalten wird. Weil der Track in Cis-Moll steht, entsteht ein ganz eigener Charakter. Die strukturellen Ähnlichkeiten verblassen völlig hinter der unterschiedlichen Produktion und dem Songwriting.

Um zu demonstrieren, wie sich diese Unterschiede noch verstärken, wenn man nur ein paar Sound-Parameter verändert, laden wir diese Progression in PLAYBOX. Wir ziehen unsere MIDI-Datei einfach per Drag-and-drop in das Kontakt-Fenster, und schon erscheint sie in PLAYBOX. Du siehst sofort die drei Akkorde, wobei der vierte wieder auf unseren Moll-Grundakkord ( i ) zurückspringt. Jetzt können wir diese vier Akkorde ganz unkompliziert mit einer einzigen Note auf unserem MIDI-Keyboard oder im Piano-Roll unserer DAW triggern.

„The Only Way Is Up“-Akkorde in PLAYBOX
„The Only Way Is Up“-Akkorde in PLAYBOX

Wählen wir ein zufälliges Patch aus und hören wir, wie es mit diesen Akkorden klingt. Da wir das Timing der Akkorde variieren möchten, passen wir die MIDI-Noten an, um Playbox etwas anders anzutriggern.

Playbox-Bedienoberfläche in Kontakt mit Akkord-Pads für The Only Way Is Up von Martin Garrix und Tiësto

Hören wir uns das Ganze an:

4. I—V—vi—IV

Wie schon erwähnt, greift EDM auf dieselben Akkorde zurück wie die Popmusik. Diese Harmonien funktionieren in fast jedem Genre und bilden das Grundgerüst unzähliger Lieblingssongs. Tatsächlich gibt es eine Handvoll Akkordfolgen, die hinter so vielen Pop-Hits stecken, dass sie zu einem beliebten Vergleichsobjekt geworden sind. Die berühmteste davon ist die I—V—vi—IV- bzw. 1-5-6-4-Progression. Diese Folge hat ihren Weg in zahllose Megahits gefunden – und sie ist so populär, dass wir auch im nächsten Abschnitt noch einmal darauf zurückkommen.

Vom „4 Four Chord Song“ inspirierte Akkordfolge in PLAYBOX
Vom „4 Four Chord Song“ inspirierte Akkordfolge in PLAYBOX

Laden wir diese Progression also in Playbox. So klingt das:

Es grenzt fast an Zauberei, wie mühelos eine C-Dur-Progression, die fast identisch in so vielen anderen berühmten Songs vorkommt, trotzdem frisch und packend klingen kann.

5. VI—IV—V—I

Wir haben uns bereits einen Hit von Calvin Harris angeschaut, widmen uns aber direkt noch einem weiteren, weil er eng mit unserer vorherigen Akkordfolge zusammenhängt. Die 1-5-6-4-Akkorde, die hinter so vielen Pop-Hits stehen, lassen sich umstellen, um völlig neue Klangfarben zu erzeugen – und funktionieren trotzdem hervorragend. Statt sich gleich zu Beginn in der Tonika aufzulösen, wird die Tonika hier zum Schlusspunkt der Folge. Statt 1-5-6-4 lautet die Reihenfolge 6-4-5-1. Was wie ein winziger Unterschied wirkt, eröffnet ganz neue Möglichkeiten für die Melodieführung und zieht das Gehör in den Bann. Ein weiterer spannender Punkt: Manche würden sagen, der Track steht in C-Dur, andere sehen ihn in A-Moll. Da beide Tonarten dieselben Töne nutzen, handelt es sich um parallele Tonarten. In C-Dur ist die Folge eine 1-6-5-4, in A-Moll hingegen eine 6-4-5-1.

Von „This Is What You Came For“ inspirierte Akkordfolge in PLAYBOX
Von „This Is What You Came For“ inspirierte Akkordfolge in PLAYBOX

Hier kannst du hören, wie unsere Akkordfolge in PLAYBOX klingt:

Bring EDM-Akkordfolgen in deine Tracks

Um ein Gefühl für eigene Akkorde zu bekommen, hol dir einfach diese MIDI-Datei. Du kannst sie direkt in PLAYBOX laden und die Akkorde in jeder beliebigen Reihenfolge spielen, die für dich gut klingt. Wechsle doch mal die Tonart, indem du die Tonhöhe oben rechts veränderst: Gehe zwei Halbtöne nach oben (+2 Semi) und teste dich weiter nach oben – oder transponiere eine Oktave nach unten, bis du die passende Tonart gefunden hast. Anschließend würfelst du einfach ein paar Presets durch, bis du ein Soundsystem hast, das deine Akkorde perfekt zur Geltung bringt.

Wir hoffen, dass dir diese Einführung in die wichtigsten EDM-Akkordfolgen ein besseres Verständnis dafür gegeben hat, welche Akkorde Hörer*innen fesseln und wie du einige dieser Akkordfolgen in deiner eigenen Musik einsetzen kannst. Wenn du noch mehr über das Produzieren und Schreiben von EDM erfahren möchtest, schau dir unseren Guide für elektronische Musik an und erfahre, wie man eine Melodie schreibt und wie man House-Musik produziert.

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