|Native Instruments

St. Mary: Emotionen mit Kontakt und Guitar Rig in Sound verwandeln

Teilen Link kopiert
st. mary

Mit ihrer Debüt-EP Amen auf bitbird setzt St. Mary ein mutiges kreatives Statement: Sie schlägt die Brücke zwischen Spiritualität und Chaos durch Sound-Design, Emotion und Storytelling. Konzipiert als musikalische Beichte, erkundet Amen persönliche Transformation zwischen Aufruhr und Ruhe und zeichnet einen Weg vom Chaos hin zur Akzeptanz nach. Das Projekt ist ein klares Statement ihrer künstlerischen Identität – klangliche Details spiegeln dabei innere Veränderung wider.

Im Mittelpunkt der Klangwelt dieser Platte stehen die Instrumente, die ihr emotionales Zentrum bilden.

Chöre, Orgeln und Streicher aus Kontakt ziehen sich durch die gesamte EP und dienen als Anker für Reflexion, während Guitar Rig für Spannung, Verzerrung und Entlastung sorgt. Zusammen formen sie ein Klanguniversum zwischen Aggression und Introspektion, das menschlichen Ausdruck mit digitalem Experimentieren verbindet.

Auf Amen stellt St. Mary ihre technische Präzision ganz in den Dienst des Storytellings. Jeder Track folgt einem gemeinsamen emotionalen Faden – Konflikt, Hingabe und Erneuerung –, zusammengehalten von derselben instrumentalen Palette.

Direkt zu den Abschnitten:

Das Ergebnis ist eine Platte, die cinematisch und zugleich zutiefst persönlich wirkt – an der Schnittstelle zwischen ihrer natürlichen Intensität und dem Lösen aller Spannungen in ihrer sich entwickelnden künstlerischen Identität. Tauchen wir jetzt ein ins vollständige Interview.

Kontakt entdecken

Als du den emotionalen Bogen der EP geformt hast: Wie früh hat die Wahl der Instrumente in Kontakt die Entscheidung beeinflusst, das Projekt in zwei unterschiedliche Hälften zu teilen?

Die EP nahm ganz natürlich Gestalt an, als ich mich einfach davon leiten ließ, was ich fühlte und erschuf. Wenn es mich zu introspektiveren Songs hinzog, griff ich auf Kontakt-Instrumente wie Chöre, Orgeln und Streicher zurück, um einen nachdenklichen, fast gebetsartigen Raum zu schaffen.

St. Mary im Konzert

Wenn ich eine aggressivere Seite ausloten wollte, experimentierte ich mit Sounds und unkonventionellem Processing und fügte Schmutz, Bewegung und Intensität hinzu, was die ursprünglichen Instrumente völlig verwandelte.

St. Mary nutzt Session Strings

Mit der Zeit entstand durch diesen Ansatz eine klare emotionale Zweiteilung: zwei Hälften, die miteinander kontrastieren, sich aber trotzdem wie Teile desselben Universums anfühlen.

Was hat dich in den besonders intensiven Passagen von „Psych Ward!“ zu schärferen, perkussiven Kontakt-Patches geführt und wie haben diese Entscheidungen das Gefühl von innerem Druck unterstützt, das den Track antreibt?

Für die hochenergetischen Passagen von „Psych Ward!“ zog es mich ganz bewusst zu schärferen, perkussiveren Kontakt-Patches, weil sie das Gefühl von innerem Druck und geistiger Überlastung widerspiegeln, um das sich der Track dreht.

Ich wollte Sounds, die sich fast aufdringlich anfühlen – Elemente, die abrupt hineinschneiden und sich obsessiv wiederholen, um die Spannung durch den ganzen Track hindurch zu steigern.

St. Mary live

Viele dieser Patches habe ich durch Guitar Rig geschickt und es eher als Verzerrungs- und Charakter-Prozessor genutzt statt als traditionelle Amp-Simulation. So konnte ich organische Sounds schnell in kantige, instabile Klangwelten und Effekte verwandeln, was das anhaltende Gefühl von Druck und Unbehagen verstärkt, das den Song antreibt.

Profi-Tipp von St. Mary: Nimm dir die Zeit, einen einzelnen Sound genau nach deinen Vorstellungen zu formen, anstatt mehrere Layer übereinanderzulegen, um etwas zu kompensieren. Zu viele Layer führen oft zu unnötig dichten Produktionen und machen das Mischen viel schwieriger. Ein paar wirklich gut ausgearbeitete Sounds setzen sich immer besser durch.

Wie beurteilst du Kontakt-Instrumente im Hinblick darauf, ob sie sich in dichten Produktionen während der chaotischen Abschnitte der EP durchsetzen können?

Ich beurteile sie weniger danach, wie „groß“ sie für sich allein klingen, sondern eher danach, wie klar sie eine bestimmte Rolle im Frequenz- und Emotionsspektrum einnehmen, sobald alles geschichtet ist. In den chaotischeren Abschnitten der EP suche ich nach Kontakt-Instrumenten mit einer starken Präsenz in den Mitten oder einem ausgeprägten Transienten-Charakter, der sich gegen heftige Drums, Bässe und Verzerrung durchsetzen kann, ohne dass man exzessives Processing braucht.

Sounds in Kontakt ausprobieren

Oft teste ich sie schon früh, indem ich sie direkt in den dichtesten Teil des Arrangements werfe und schaue, wie viel Arbeit nötig ist, damit sie durchdringen. Wenn etwas ständige EQ-Korrekturen oder extreme Lautstärke-Automation erfordert, ist es meist nicht die richtige Wahl.

Außerdem achte ich genau darauf, wie ein Instrument auf Post-Processing und Dynamik reagiert. Instrumente, die auch dann noch klar klingen, wenn man sie durch Saturation, Filter oder aggressive Automation jagt, schneiden meist am besten durch. Letztlich geht es nicht darum, dass der Kontakt-Layer mit allem anderen konkurriert, sondern dass er im Chaos bewusst platziert wirkt, ohne den Mix zu überladen.

Profi-Tipp von St. Mary: Wenn du einen Track anfängst, versuche, ihn gleich in der ersten Session zu einem aussagekräftigen Demo-Status zu bringen. Dein Mindset und deine emotionale Klarheit werden später nicht mehr dieselben sein. Deshalb ist es so wichtig, die Kernidee festzuhalten – egal, ob es um Songwriting, Sound-Design oder die generelle Richtung geht –, solange du im Flow bist. Genau dort liegen die meisten wichtigen Antworten. Wenn du eine unfertige Idee erst später wieder aufgreifst, ist es oft viel schwerer, dem treu zu bleiben, was du ursprünglich sagen wolltest.

Welche Techniken haben dir bei den ruhigeren Tracks geholfen, Raum zu bewahren und den Kontakt-Layern dennoch genug Präsenz zu geben, damit sie Gewicht haben?

Eine Technik, auf die ich mich sehr verlassen habe, war das Sidechaining der Lead-Vocals auf die Kontakt-Instrumente, vor allem auf Streicher und Orgeln.

Das schafft Raum für die Vocals, damit sie sich im Mix durchsetzen, lässt den Kontakt-Layern aber ihre volle Präsenz zurück, sobald die Vocals natürlicherweise aussetzen. So bleibt das Arrangement dynamisch statt statisch. Um noch einen Schritt weiterzugehen, sidechaine ich oft nur den Frequenzbereich der Vocals statt des gesamten Signals. So werden die Instrumente nicht komplett weggeduckt, sondern nur in den Frequenzen abgesenkt, die mit der Stimme kollidieren würden.

St. Mary live

Das führt zu einer viel natürlicheren Lautstärke- und EQ-Dynamik. Außerdem nutze ich dezentes Panning für kleinere Streicher-Linien und Verzierungen. Das verhindert, dass die Mitte überladen wird, und gibt diesen Elementen Raum zum Strahlen, ohne den Mix zu erdrücken.

Profi-Tipp von St. Mary: Einige der besten – und schlechtesten – Ratschläge kommen von Menschen, die dir am nächsten stehen. Jeder spricht aus eigener Erfahrung, und was bei anderen funktioniert hat, muss bei dir noch lange nicht klappen. Niemand versteht deine Vision besser als du selbst. Es ist zwar wichtig zuzuhören und offen zu bleiben, aber gleiche Feedback immer zuerst mit deiner eigenen Intuition ab, bevor du danach handelst.

Wie balancierst du gegensätzliche Sound-Paletten innerhalb eines Projekts aus und sorgst trotzdem für eine einheitliche Identität?

Einer der wichtigsten Anker für dieses Projekt war der übergeordnete Storytelling-Bogen. Wenn man genau hinhört, trägt jeder Song auf der EP religiöse Zwischentöne und ist aus der Ich-Perspektive geschrieben – fast wie ein Gebet. Von der ersten Zeile „Take me to a higher place“ über „Take me to the psych ward“ bis hin zu „Take Me Away“ – es soll nicht sofort ins Auge springen, aber all diese Phrasen drücken dieselbe innere Sehnsucht aus: zu fliehen, erlöst zu werden, woanders zu sein. Dieser emotionale rote Faden half dabei, das Projekt zusammenzuhalten, selbst als sich die Sound-Paletten veränderten.

St. Mary live

Auf einer technischeren Ebene habe ich bestimmte musikalische Elemente ebenfalls ganz bewusst beibehalten.

Die ersten beiden Tracks stehen zum Beispiel in derselben Tonart (d-Moll), liegen tempo-mäßig nur 5 BPM auseinander, setzen auf weibliche, von Old-School-Rave inspirierte Vocals und teilen dieselbe Struktur: Intro, Strophe, Build-up, Drop, Build-up, Drop, Outro. In der zweiten Hälfte der EP haben beide Tracks männliche Vocals und gehen nahtlos ineinander über, wenn man sie nacheinander hört.

Indem ich diese strukturellen, tonalen und konzeptionellen Elemente aufeinander abgestimmt habe, konnten die Sound-Paletten ruhig kontrastieren, während die EP als kohärentes Gesamtwerk geerdet blieb.

Profi-Tipp von St. Mary: Du entwickelst dich als Producer*in viel schneller weiter, wenn du mehr Songs fertigstellst – auch wenn sie nicht „perfekt“ sind –, als wenn du endlos an einer Handvoll Tracks feilst. Das Fertigstellen lehrt dich viel mehr als endloses Tweaken. Und je schneller du Musik zu Ende bringst, desto mehr wirst du im Laufe deines Lebens erschaffen (und darum geht es schließlich!).

Kamen bestimmte Kontakt-Instrumente letztlich in beiden Hälften der EP vor – und falls ja, wie hast du sie angepasst, damit sie unterschiedliche emotionale Funktionen erfüllen?

Ja, sowohl der Jacob Collier Audience Choir als auch die Vintage Organs-Kontakt-Instrumente sind auf der gesamten EP zu hören. Auch wenn das Projekt in zwei unterschiedliche Hälften unterteilt ist – eine aggressivere und eine introspektivere –, war es mir wichtig, dass sich beide Seiten so anfühlen, als existierten sie im selben Universum.

St. Mary nutzt Jacob Collier Audience Choir in Kontakt

In der eher Songwriting-orientierten, introspektiven Hälfte übernimmt der Chor eine unterstützende Rolle und verleiht den Lead-Vocals sowie der emotionalen Tiefe der Songs subtilen Nachdruck. In der aggressiveren, sample-basierten Hälfte rückt der Chor in den Vordergrund und wird zu einem prägenden Element, das den Grundton der EP als episch, cinematisch und überlebensgroß definiert.

Profi-Tipp von St. Mary: Einer der einfachsten Wege zu einem ganz eigenen Sound ist es, Elemente aus völlig unterschiedlichen Genres zu kombinieren. So entwickelt sich Musik weiter – und genau das haben wir in den letzten Jahren beim Crossover von Hyperpop und EDM oft erlebt. Es gibt keine festen Regeln. Einige der interessantesten Ideen entstehen dadurch, dass man die Dinge nicht zu ernst nimmt und sich erlaubt zu experimentieren, verletzlich zu sein und Sachen auszuprobieren, die im ersten Moment vielleicht „falsch“ klingen.

Fazit

Mit Amen stellt sich St. Mary als Künstlerin vor, die Emotionen mit Präzision und Verletzlichkeit in Sound übersetzen kann. Kontakt und Guitar Rig bildeten das Fundament für diese Transformation und gaben ihr die Freiheit, Chaos und Ruhe zu verbinden und dabei die Ehrlichkeit jedes einzelnen Moments zu bewahren.

Die Struktur der Platte spiegelt sowohl Ritual als auch Erlösung wider und lädt Hörer*innen dazu ein, Konflikt und Heilung in Echtzeit mitzuerleben. Als ihr erstes geschlossenes Werk etabliert Amen St. Marys künstlerische Stimme – verwurzelt in Authentizität, Spiritualität und klanglichem Entdeckergeist.

Kontakt entdecken

Passende Produkte