Vor ein paar Jahrzehnten war es gar nicht so einfach, eine Gitarre aufzunehmen. Neben dem Instrument selbst brauchtest du einen Verstärker, Pedale und ein oder zwei Mikrofone – ganz zu schweigen von einem passenden Raum für die Aufnahme. Heute haben alle, die nur über wenig Platz und begrenzte Mittel verfügen, Glück: Es gibt digitale Amp-Simulatoren.
Eine Amp-Sim ist ein mächtiges digitales Toolkit für Gitarrist*innen und alle, die Musik machen. Sie fängt den Sound von Verstärkern, Pedalen und weiterem Equipment in digitaler Form ein – so holst du dir diesen echten Bandsound mit nichts weiter als einem Audio-Interface und Software direkt in deine Sessions. Doch damit nicht genug: Virtuelle Amps sind fantastische kreative Spielwiesen für alle, die gerne mit Sound-Design experimentieren.
In diesem Artikel erfährst du alles, was du über virtuelle Amps wissen musst. Wir zeigen dir, wie du eine Amp-Sim in deiner DAW einrichtest und wie du damit Gitarren aufnimmst, innovative Sounds formst und sogar ganze Tracks abmischst.
Direkt zu den Abschnitten:
Probier es gleich selbst aus – mit Guitar Rig 7 Pro, der Inspirationsquelle voller begehrter Gitarren- und Bass-Amp-Simulatoren, Studioeffekte und Pedale.
Was ist eine digitale Amp-Sim?
Ein digitaler Amp-Simulator fängt den Sound von Verstärkern und weiterem Equipment digital ein. Amp-Sims sind als VST-Plug-ins für deine DAW erhältlich. Die meisten bieten digitale Emulationen berühmter und beliebter Verstärkerklassiker, sodass du legendäre Gitarrensounds ganz bequem in deinem Homestudio nutzen kannst. Viele, wie etwa Guitar Rig 7 Pro, enthalten zudem simulierte Pedale, Rack-Effekte und weitere Features – ideale Tools, um Sounds jeder Art zu formen.
Was ist eine Gitarren-Amp-Sim?
Eine Gitarren-Amp-Sim bildet den Sound von Gitarrenverstärkern als Plug-in nach und bringt dir authentische Gitarrenklänge direkt in deine DAW. Doch virtuelle Verstärker eignen sich längst nicht nur für E-Gitarren. Schicke einfach mal andere Instrumente oder Sounds durch deine Amp-Sim – die Ergebnisse werden dich überraschen.
Warum eine Amp-Sim verwenden?
Eine Amp-Sim ist die perfekte Lösung für alle, die weder das Budget noch den Platz für ein physisches Gitarren-Setup haben. Außerdem eröffnet sie völlig neue kreative Möglichkeiten. Mit Guitar Rig 7 Pro kannst du Dutzende von Verstärkern und Effekten aus verschiedenen Dekaden ausprobieren, deinen Sound im Handumdrehen umschalten oder ganz eigene, abgefahrene Rigs zusammenstellen. Außerdem kannst du deine virtuellen Amps mit digitalen Synthesizern und Effekten in deiner DAW kombinieren, um hybride Signalketten aufzubauen. Sobald du anfängst, mit deinem Gitarrensound zu experimentieren, sind den Ideen keine Grenzen gesetzt.
So verwendest du eine Amp-Sim
Zunächst musst du deine digitale Amp-Sim in deiner Musikproduktionssoftware einrichten.
Dafür brauchst du einen Computer mit einer DAW (Digital Audio Workstation) wie Ableton Live, Logic Pro, Cubase oder FL Studio. Amp-Sims wie Guitar Rig 7 Pro sind mit allen gängigen DAWs kompatibel.
Wenn du deine Amp-Sim mit einer echten Gitarre oder einem anderen Instrument nutzen möchtest, musst du das Signal deines Instruments in die DAW einspeisen. Dafür benötigst du ein Audio-Interface mit dem passenden Eingang sowie ein Audiokabel, um dein Instrument damit zu verbinden.
Möchtest du die Amp-Sim dagegen mit einer Software-Klangquelle wie einem Synthesizer-VST oder einem Kontakt-Instrument verwenden, kannst du das komplett innerhalb deiner DAW tun.
Erstelle als Nächstes eine neue Spur (oder einen neuen Kanal) in deiner DAW. Wenn du mit einer Audioquelle wie einer Gitarre arbeitest, wähle eine Audiospur. Verwendest du ein VST-Instrument, wähle eine MIDI-Spur.
Lade die Amp-Sim in die Spur deiner DAW. Wähle die Amp-Sim dazu einfach aus der Liste deiner verfügbaren VSTs aus. Im folgenden Beispiel haben wir eine Instanz von Guitar Rig 7 Pro auf einer MIDI-Spur in Ableton Live eingefügt.

Füge nun eine Audioquelle hinzu, die von deiner Amp-Sim bearbeitet werden soll.
Ist deine Audioquelle ein Instrument wie eine Gitarre, schließe es an einen Eingang deines Audio-Interfaces an und wähle diesen Audioeingang als Eingangsquelle auf der Spur deiner DAW aus.
Handelt es sich um ein Software-Instrument, wähle es aus den verfügbaren VSTs aus – genau wie zuvor die Amp-Sim – und ziehe es auf die MIDI-Spur in deiner DAW.
Im Bild unten haben wir der MIDI-Spur, auf der bereits Guitar Rig 7 Pro liegt, das Software-Instrument Kontakt 7 hinzugefügt.

Jetzt bist du bereit, Audio mit deiner Amp-Sim zu bearbeiten. Schauen wir uns ein paar verschiedene Ansätze an, wie du aus deinem digitalen Amp-Simulator großartige Sounds herausholst.
1. Gitarren- und Bass-Bearbeitung
Amp-Sims wie Guitar Rig 7 Pro glänzen besonders bei der Bearbeitung von Gitarren und Bässen. Schließlich wurde ein Großteil des emulierten Equipments ursprünglich genau dafür entwickelt. So nutzt du Guitar Rig 7 Pro, um deinen Gitarren einen satten und authentischen Sound zu verleihen:

Hier ist unsere Gitarrenaufnahme. Ohne Verstärkung oder andere Bearbeitung klingt sie ziemlich trocken und flach.
Unser Ziel ist es, ein klassisches Live- bzw. Studio-Setup nachzubilden: Das bedeutet einen Verstärker, eine Box (Cabinet) und passende Effekte.
Wählen wir zuerst einen Verstärker aus. Im Komponenten-Menü auf der linken Seite findest du die verfügbaren Amps. Dutzende Modelle stehen bereit – von legendären Vintage-Röhrenverstärkern bis hin zu ultramodernen High-Gain-Monstern. Wir haben uns für Plex entschieden, eine Emulation eines legendären 60er-Jahre-Amps mit unverkennbarem Ton.
Ziehe den Amp per Drag-and-drop in das Rack. Im Rack stellst du dein Rig zusammen und stimmst die Parameter ab. Drehe in diesem Fall die Gain-Regler auf der linken Seite des Amps (Volume I und Volume II) ein wenig auf, um dem Signal etwas Biss zu verleihen.
Wie du siehst, wurde hinter dem Amp automatisch eine Box ergänzt: Das Matched Cabinet-Feature von Guitar Rig 7 Pro wählt automatisch ein Cabinet aus, das optimal zum ausgewählten Verstärker passt. Wenn du möchtest, schiebe den Room-Regler ein wenig nach rechts, um dem Sound einen authentischen Raumeindruck zu geben.
Zu guter Letzt: die Effekte. Sie verleihen deinem Gitarrensound seine individuelle Persönlichkeit. Welche Effekte am besten passen, hängt von Stil und Feeling deines Gitarrenparts ab.
Geben wir dem Sound mit etwas Chorus eine psychedelische Note. Chorus-Effekte findest du im Untermenü „Modulation“. Wir haben Ensemble ausgewählt – die Emulation eines Effektgeräte-Klassikers, der Gitarren Fülle und seidigen Glanz verleiht. Ziehe den Effekt im Rack über den Amp, damit die Gitarre den Chorus durchläuft, bevor sie den Verstärker erreicht. Das entspricht einer klassischen Gitarren-Signalkette, bei der Effektpedale vor dem Amp platziert werden.
Jetzt kommt noch etwas Delay ins Spiel. Öffne das Untermenü „Delay & Echo“ und ziehe Echo Man per Drag-and-drop in dein Rack. Dieses vielseitige Delay ist einem legendären Echo-Pedal nachempfunden, das für seinen warmen Soundcharakter berühmt ist. Platziere es unterhalb des Amps, sodass der Delay-Effekt an letzter Stelle in der Signalkette steht.
Und so klingt das Ganze: Aus unserem nüchternen Gitarrenpart ist ein warmer, charakterstarker Sound mit echtem Vintage-Feeling geworden.
2. Sound-Design
Amp-Sims können weit mehr als nur klassische Gitarrensounds. Die Fülle an erstklassigen Amps und Audioeffekten in Guitar Rig 7 Pro macht die Software zu einem inspirierenden Werkzeug für vielseitiges Klangdesign. So nutzt du deine Amp-Sim für innovatives Sound-Design:

Als Ausgangsmaterial dient uns wieder unsere Gitarre, doch mit den flexiblen Klangformungsmöglichkeiten von Guitar Rig 7 Pro werden wir sie völlig transformieren.
Hier ist unser Ausgangssound: ein einzelner, lang gehaltener Ton.
Füge zunächst einen Verstärker hinzu, um das Signal anzuheben und den Klangcharakter zu betonen. Wir haben uns für AC Box XV entschieden, der einen beliebten 60er-Jahre-Röhrenverstärker mit wunderbar cleanem Sound emuliert.
Jetzt geht es an die Effekte – und davon reichlich. Diesmal platzieren wir alle Effekte im Rack unterhalb des Amps.
Beim kreativen Sound-Design geht es vor allem ums Entdecken und Experimentieren. Also haben wir uns in den etwas ungewöhnlicheren Ecken der Effektsammlung von Guitar Rig 7 Pro umgesehen, um faszinierende neue Klänge aufzuspüren.
Zuerst fiel die Wahl auf Harmonic Synthesizer: Dieser Effekt folgt dem eingehenden Audiosignal und erzeugt dazu passende klassische Synthesizer-Sounds – so verwandelt sich unsere Gitarre quasi in einen Synth. Dahinter setzen wir Resochord: eine Bank aus sechs Kammfiltern, die unseren Einzelton in einen vollen, resonanten Akkord verwandeln. Für noch mehr Tiefe haben wir schließlich denselben Chorus und dasselbe Delay wie im vorherigen Beispiel ergänzt.
Das Ergebnis: Ein epischer, synthetisch anmutender Akkord, der mit dem ursprünglichen Ausgangsmaterial kaum noch etwas gemein hat.
3. Drum-Bearbeitung
Auch Drums verleihen Amp-Sims eine Extraportion Druck und Charakter. Schauen wir uns an, wie du einen Drum-Loop mit Guitar Rig 7 Pro bearbeitest.

Hier ist unser Ausgangs-Loop. Ein grooviger Beat, der aber noch sehr trocken klingt und dem es an Charakter fehlt.
Versuchen wir, ihm mithilfe unserer Amp-Sim etwas Biss zu geben. Zuerst wählen wir wie gewohnt einen Amp aus. Unsere Wahl fällt auf Citrus, eine Emulation eines erstklassigen britischen Verstärkers aus den 70er-Jahren.
Der Drum-Loop klingt sofort anders: satter, wärmer und mit mehr Punch. Als Nächstes entfernen wir das Cabinet, das Guitar Rig Pro automatisch hinter dem Verstärker platziert hat. (Klicke dazu einfach mit der rechten Maustaste auf die Komponente im Rack und wähle „Delete“). So gewinnt der Sound wieder an Höhen und Durchsetzungskraft, behält aber seine körnige Sättigung. Das Schöne an Amp-Sims: Man muss sich an keinerlei starre Regeln halten.
Jetzt verpassen wir dem Sound noch ein paar dezente Effekte. Zunächst sorgt ein Tremolo für Bewegung, indem es das Signal sanft zwischen dem linken und rechten Kanal wandern lässt. Schalte den Effekt in den Stereo-Modus, um diesen Panning-Effekt zu aktivieren, und drehe die Intensity etwas herunter, damit es dezent bleibt. Füge anschließend mit der Spring Reverb-Komponente noch einen dunklen, dichten Federhall hinzu.
Kombiniere zum Schluss das bearbeitete Signal mit dem originalen, trockenen Drum-Loop, um eine gute Balance aus Druck und Charakter zu erzielen. So klingt das Ganze:
4. Kreative Effekte
Amp-Simulatoren eignen sich auch hervorragend für kreative Effekte in deinen Produktionen. Mit einer riesigen Auswahl an hochwertigen Effekten auf einer einzigen Oberfläche machen es Amp-Sims wie Guitar Rig 7 Pro einfach, verschiedene Effekte und Signalketten auszuprobieren, Parameter anzupassen und überzeugende Ergebnisse zu erzielen. Nutzen wir Guitar Rig 7 Pro, um einer Vocal-Spur mehr Raum zu geben.

Hier ist unsere Vocal-Spur. Sie klingt großartig, ist aber noch viel zu trocken.
Fügen wir zuerst etwas Reverb hinzu – jedenfalls fast. Wir können einen Delay-Effekt mit einer kurzen Delay Time nutzen, um einen ungewöhnlich klingenden Reverb-Effekt zu erzeugen. Die Psych Delay-Komponente eignet sich dafür perfekt. Dieser Stereo-Delay-Effekt erzeugt atmosphärische Echos, die an die rückwärts laufenden Bandaufnahmen der 60er-Jahre erinnern. Stell Time auf einen kurzen Wert ein (etwa 60 ms) und reduziere Feedback auf etwa 30 % für ein dichtes, reverb-artiges Ansprechverhalten. Dreh den Detune-Regler für mehr Stereobreite ein Stück auf. Regle schließlich mit dem Mix-Regler das Verhältnis zwischen Wet- und Dry-Signal ein. Ein Wet-Anteil von rund 15 % sollte gut passen.
Fügen wir noch etwas Delay hinzu. Unser bewährtes Delay Man leistet hier ganze Arbeit. Achte darauf, die Delay Time mit dem Projekttempo zu synchronisieren (durch Klick auf das Notensymbol), um kontrollierte, rhythmische Wiederholungen zu erhalten. Drehe Mix auf dezente 5 % Wet herunter, damit der Effekt subtil bleibt.
So klingt das Ergebnis:
5. Mixing
Amp-Sims können auch ein schneller, intuitiver Weg sein, um wichtige Mixing-Aufgaben wie EQing und Kompression zu erledigen. Schauen wir uns ein Beispiel an.

So klingen die bearbeiteten Spuren zusammen:
Drums und Gitarre sind in bestimmten Frequenzbereichen zu dominant und überdecken die Vocals. Nutzen wir Guitar Rig 7 Pro, um diese Spuren per EQ anzupassen und Platz für die Stimme zu schaffen.
Zuerst die Drums: Durch die Bearbeitung mit der Amp-Sim klingen unsere Drums schön rau und druckvoll, haben aber auch viele Höhen abbekommen. Bei etwa 3 kHz gibt es eine Schärfe, die mit den Vocals kollidiert. Mit einer simplen EQ-Komponente in Guitar Rig 7 Pro lässt sich das schnell beheben.
Guitar Rig bietet für jede Situation passende, erstklassige EQ-Effekte. In diesem Fall nutzen wir den Equalizer Parametric, der präzises EQing über zwei Frequenzbänder ermöglicht. Platziere eines der Bänder bei ca. 3 kHz und ziehe es nach unten, bis die Drums zahmer klingen. Eine Absenkung um etwa -7 dB sollte reichen.
Als Nächstes die Gitarre: Hier kollidieren die tiefen Mitten mit dem Körper der Vocals. Mit dem Equalizer Shelving können wir alle Frequenzen unterhalb eines bestimmten Punkts absenken. Eine Absenkung um -8 dB ab etwa 400 Hz nach unten reicht völlig aus.
So klingen unsere Spuren mit den EQ-Anpassungen:
Setze Amp-Sims in deinen Musikproduktionen ein
In diesem Artikel haben wir uns ausführlich mit digitalen Amp-Simulatoren beschäftigt: Wir haben gezeigt, was sie sind, wie du sie in deiner DAW einrichtest und wie du mit ihnen Sounds formen kannst – von der Bearbeitung von Gitarren und Drums über kreative Effekte bis hin zum Mixing. Jetzt bist du dran: Setze Amp-Sims in deinen eigenen Musikproduktionen ein!
Guitar Rig 7 Pro ist eine nahezu grenzenlose kreative Toolbox für Gitarrist*innen und Sound-Designer*innen. Mit Dutzenden erstklassig modellierten Amps und Effekten sowie einem intuitiven Workflow ist es das ideale Werkzeug, um tiefer in die Welt digitaler Amp-Sims einzutauchen.