|Danny Turner

Eomac und Kyoka sind Lena Andersson

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Eomac and Kyoka are Lena Andersson

Aufbauend auf improvisierten Jam-Sessions mit einem Buchla-Synthesizer in den Stockholmer EMS-Studios hat sich der irische Produzent Eomac mit der japanischen Künstlerin Kyoka zusammengetan, um ein neues gemeinsames Projekt ins Leben zu rufen: Lena Andersson.

Von Berlin und Tokio aus arbeitet Kyoka als Musikerin und Komponistin. Bekannt ist sie vor allem für ihren chaotischen Sound-Design-Ansatz sowie für Broken Pop und experimentelle, aber tanzbare Rhythmen. Der in Dublin lebende Eomac, bekannt für sein hochgelobtes Album Spectre, ist Produzent, DJ, Labelbetreiber und eine Hälfte des markanten Techno-Duos Lakker.

Nachdem Kyoka 2015 einen Remix von Lakkers „Three Songs“ produziert hatte, schlossen sich die beiden Producer zusammen, um Lena Andersson ins Leben zu rufen – ein Projekt, das die Basis für das Debütalbum auf raster bildete: söder mälarstrand. Nach einer gemeinsamen Buchla-Session in den Stockholmer EMS-Studios verschmolz das Duo Ausgangsmaterial aus Kyokas Field-Recording-Sammlung mit Eomacs kompromisslos ausgefeilter Sound-Design-Ästhetik. Beide Artists nutzten während der Produktion Tools von Native Instruments, insbesondere REAKTOR, FM8 und TRAKTOR.

Elektronische Musiker*innen Eomac und Kyoka von Lena Andersson

Wann hast du zum ersten Mal mit Computern und Software experimentiert, und wie hat dir das geholfen, deine Sound-Experimente zu erweitern?

Eomac: Das war so um 2000/2001, glaube ich. Davor hatte ich in einer Band gespielt, die elektronische Musik machte, aber hauptsächlich Keyboards bedient und nicht am Computer gearbeitet. Um 2001 herum habe ich mir einen Laptop und Reason besorgt – und das eröffnete mir eine völlig neue Welt. Alles selbst bauen und formen zu können – dieser ganze DIY-Aspekt –, war riesig für mich.

Kyoka, du hast Klavier gespielt, bevor du dir Hardware für elektronische Musik zugelegt hast. Wie hat sich daraus dein Interesse am Musikmachen entwickelt?

Kyoka: Klavierspielen hätte mir viel Freude bereiten können, wenn das Notenbuch für meine Übungen mir erlaubt hätte, die hohen Töne auf der Tastatur zu spielen. Aber ich muss sagen, ich war stolz auf mich: Nur weil meine Eltern meine Improvisationen sahen, gaben sie mir Klavierunterricht. Klang zu hören, war mir zu diesem Zeitpunkt gar nicht so wichtig. Mich interessierte eher das System der Aufnahme, und ich habe Sounds hin und her überspielt, indem ich zwischen zwei oder drei Tonbandgeräten aufgenommen habe. Bevor ich Hardware hatte, nutzte ich nur ein Metronom und meine Stimme. Danach merkte ich, dass ich ganz unterschiedliche Sounds nutzen konnte, und forderte mich selbst heraus, indem ich Drum-Pattern erstellte, die ein echter Mensch unmöglich spielen konnte. Auch das Step-Recording war eine neue Methode, von der ich regelrecht süchtig wurde. Und um 2003 herum sparte die Möglichkeit, Wellenformen direkt zu sehen und zu bearbeiten, eine Menge Zeit – ich habe es geliebt.

Du erforschst nicht nur, wie Klänge zusammengesetzt sind, sondern den Klang an sich. Wie wichtig sind Field-Recordings für deinen Arbeitsprozess?

Kyoka: Klang ist einfach Klang. Mir geht es um Phase, Klarheit, Atmosphäre und Bewegung im Raum – und Field-Recordings liefern mir unerwartetes Panning, Phase und Atmosphäre. Das in meinem Alltag wahrzunehmen, inspiriert mich sehr. Alltägliche Soundscapes oder Musik auf Basis von Field-Recordings können wie Skulpturen aus Filmszenen sein. Ich gehe frühmorgens in den Wald oder auf die Straße, lausche Autos, Fahrrädern oder dem Zugverkehr, oder gehe dorthin, wo Straßenmusik gespielt wird. Für die Aufnahme nutze ich entweder einen Roland R-44 Recorder oder ein an mein Smartphone angeschlossenes Mikrofon und einige binaurale Tools.

Eomac: Kyoka hat eine erstaunliche Sammlung von Field-Recordings, die sie über Jahre hinweg aufgenommen hat – von musizierenden Instrumentalisten über Umgebungsgeräusche und Gespräche bis hin zu ihrem Gesang und vielen anderen spannenden Materialien. Wenn wir zusammenarbeiten, ergänzen wir damit das Synthesizer-Material. Es verleiht zusätzliche Tiefe, Textur und manchmal eine persönlichere Note. Sound-Design war für mich schon immer ein zentraler Aspekt elektronischer Musik. Ich liebe Sounds und möchte Dinge hören, die ich noch nie zuvor gehört habe, und versuche, genau das in meiner eigenen Musik umzusetzen.

Sound-Künstlerin und Komponistin Kyoka
Produzent und DJ Eomac im Studio

Wie habt ihr euch kennengelernt, und was brachte euch auf die Idee, dass eine Zusammenarbeit spannend sein könnte?

Eomac: Ich war im Grunde ein Fan. Kyoka hatte einen Remix für Lakker gemacht und ich dachte, eine Kollaboration wäre interessant, weil ihre Musik eine faszinierende Mischung aus Eleganz und Rohheit hat – eine kultivierte Wildheit. Das hat mir sehr gefallen, und ich hatte das Gefühl, dass es meiner eigenen Musik irgendwie ähnlich ist. Etwa ein Jahr später sprachen wir über eine Zusammenarbeit, um zu sehen, was dabei herauskommt. Es lief super, wir hatten jede Menge Spaß beim Trackbauen – und Lena war geboren!

Kyoka: Eines Nachts spielte mein Computer plötzlich eine Performance auf YouTube ab. Ich weiß nicht warum, vielleicht hatte ich ganz zufällig darauf geklickt, aber die Performance gefiel mir unglaublich gut. Erst später wurde mir klar, dass Eomac genau der Typ war, mit dem ich ein paar Tage zuvor einen Kaffee getrunken hatte. Ich empfinde meine Art, mit Klang umzugehen, als etwas wild, fand aber, dass sein Sound genauso wild ist. Ich habe mich gefreut, jemanden gefunden zu haben, der mit Sound ähnlich wild umgeht, und genieße die doppelte Wildheit bei Lena Andersson.

Warum der fiktive Name Lena Andersson?

Eomac: Dahinter steckt eine Geschichte, aber es ist Kyokas Geschichte, also lasse ich es sie erklären.

Kyoka: Das war mein Spitzname in Stockholm.

Wie lief der Aufnahmeprozess für das neue Album söder mälarstrand ab? Es basiert, soweit wir wissen, auf Sessions mit einem Buchla-Synthesizer bei EMS?

Eomac: Es begann mit dem Buchla, dann haben wir ihn gesampelt und die Sounds in die digitale Welt geholt, um sie weiterzubearbeiten und zu arrangieren. Danach haben wir das Material über ein analoges Mischpult zurückgespielt, bereit für die weitere Bearbeitung.

Kyoka: Wir haben die interessantesten und inspirierendsten Sounds aus den Buchla-Aufnahmen herausgegriffen, immer weitere Elemente hinzugefügt und das Ganze konstruiert. Um die physische, analoge Textur beizubehalten, haben wir verschiedene Aufnahme-, Rendering- und Verkabelungsmethoden ausprobiert. Für mich ist es immer wichtig, diese plastische Form des Sounds direkt vor meinem Gesicht zu spüren.

Alte Technologie, aber brandneuer Sound?

Eomac: Schöne Formulierung! Wir haben eine Mischung aus alten und neuen Technologien verwendet.

Kyoka: Viele alte Technologien wurden nicht für die Massenproduktion gebaut. Ich vertraue der Qualität dieses Equipments, weil es von leidenschaftlichen Menschen sorgfältig entwickelt wurde, die Pionierarbeit auf ihrem Gebiet geleistet haben.

Wie wurde das Album nach diesen ersten Sessions zusammengesetzt?

Kyoka: Eomac hat ein besonderes Talent dafür, spannendes Material für einen neuen Track und einzigartige, gute Grooves zu finden. Dadurch konnte ich mit ihm arbeiten, ohne müde zu werden. Es hat wirklich Spaß gemacht, und das Album war wie im Flug fertig. Mir wurde schnell klar, dass wir viel schneller arbeiten und Entscheidungen treffen konnten, weil wir in Bezug auf die Musik objektiv miteinander umgehen konnten.

Wann hast du die Technologie von Native Instruments für dich entdeckt?

Eomac: Auf Reaktor stieß ich zum ersten Mal um 2001 über den irischen Musiker Skkatter, der auf V/VM Test Records einen Track namens „Hate You“ veröffentlichte. Der Track war im Grunde ein Cut-up eines Madonna-Tracks mit jeder Menge DSP-Effekten. Ich war fasziniert davon, wie er das gemacht hatte, und hörte, dass er dafür Reaktor verwendet hatte. Am Anfang hat es mich total verwirrt, aber im selben Jahr bekam ich Kontakt in die Finger und fing an, intensiv damit zu arbeiten. Mit Reaktor habe ich dann erst etwas später richtig losgelegt.

Wie setzt du es ein?

Eomac: Wenn ich Reaktor einsetze, dann meistens als Synthesizer – vor allem für abgefahrene, glitchige und texturierte Sounds. Ich bin kein Programmierer und baue keine riesigen Patches, sondern nutze lieber die vorhandenen Module und erstelle meine Sounds von Grund auf. Reaktor spielt bei Lakker eine große Rolle, und in letzter Zeit haben wir auch Reaktor Blocks ziemlich oft verwendet. In der kurzen Zeit, in der ich Software nutze, ist alles unglaublich hochentwickelt geworden. Der Trick ist, herauszufinden, was für einen selbst am besten funktioniert. Aber was NI meiner Meinung nach wirklich hervorragend macht, ist die Bandbreite an Arbeitsweisen abzudecken und für jede anspruchsvolle Tools bereitzustellen. Von tiefgehendem Programmieren in Reaktor über Finger-Drumming in Maschine bis hin zu digitalem DJing – es wird enorm viel abgedeckt, und der Klang ist von höchster Qualität.

Findest du in den Software-Libraries von NI die Sounds, nach denen du suchst?

Eomac: Manchmal, aber was mir an den Libraries gefällt, ist das Entdecken von Sounds, von denen ich gar nicht wusste, dass ich danach suche. Wenn ich nach einem ganz bestimmten Sound suche, greife ich normalerweise nicht darauf zurück, weil das nicht wirklich meiner Arbeitsweise entspricht. Meistens baue ich Tracks aus Klängen auf, die mich inspirieren – sei es aus eigenen Aufnahmen, Synthesizer-Sessions oder verarbeiteten Samples.

Was nutzt du zusätzlich zur Software?

Kyoka: Ich nutze spontan einfach alles – von Tonbandgeräten bis hin zu Holz, Stein, Wasser, Hardware, Feuer, Luft, Elektrizität, Wind, Musikinstrumenten, Turntables und Mixern. All diese Werkzeuge drücken Klang gleichermaßen aus, und Ableton ist eine wirklich tolle Software, die vom Einstieg bis zum Profi-Bereich alles umfassend abdeckt.

Eomac: Es war für uns auch sehr sinnvoll, dieselbe DAW zu nutzen, damit wir Projektdateien schnell und unkompliziert austauschen und bearbeiten konnten. Ein gemeinsames Setup hielt uns im Flow der Tracks.

Ich habe gelesen, dass du ein großer Fan von FM8 für das Drum-Programming bist?

Eomac: Ich liebe FM-Synthese, und FM8 ist ziemlich intuitiv zu bedienen und klingt großartig. Es ist einfach, Sounds zu formen, und ich liebe den Noise-Oszillator und den Filter für Texturen. Normalerweise suche ich beim Sound-Design nicht nach Komplexität – ich bevorzuge es, wenn die Sounds selbst komplex und interessant klingen, der Entstehungsprozess aber einfach bleibt. FM8 bietet mir genau das, weil es komplexes FM-Sound-Design ermöglicht, aber trotzdem sehr zugänglich ist. Meistens versuche ich, den Sound so schnell wie möglich in den Track zu bekommen, um Momentum und Flow beizubehalten, und tweake ihn dann von dort aus weiter.

Eomac und Kyoka bei der gemeinsamen Arbeit am Sound-Design für Lena Andersson

Ihr seid wohl beide Fans von TRAKTOR und habt es während eurer Kollaboration ausgiebig genutzt?

Eomac: Wir haben TRAKTOR als Sound-Design-Tool genutzt. Das war eigentlich Kyokas Idee, und es funktionierte hervorragend, als wir Samples hineingeladen und über TRAKTOR mit Effekten und Time-Stretching wieder zurückgesampelt haben. Das verlieh den Sounds einen völlig anderen Charakter als das übliche FX-Processing in Ableton oder anderen Geräten.

Kyoka: Ich habe TRAKTOR entdeckt, als ich mir den Hercules DJ-Controller gekauft habe. Seitdem spiele ich meine Demos sehr gerne über TRAKTOR ab. Ich mag die Audio-Engine, und sie hilft mir, objektiv zu bleiben, wenn ich ein Demo beurteile, das noch in Arbeit ist. Eigentlich war ich wohl die Einzige, die bei der Ableton Loop 2017 während eines Vortrags in einer Studio-Session TRAKTOR auf eine Großleinwand projiziert hat.

Eomac, du hast einige Sessions für Native Instruments gemacht. Was hat dich dazu motiviert und planst du weitere?

Eomac: Ich finde es wichtig zu zeigen, wie leistungsfähig selbst die grundlegendsten Tools der elektronischen Musik sein können. Wie etwa die Drum-Synthese-Session, die ich mit FM8 gemacht habe und in der grundlegende Sound-Design-Tipps für Drums gezeigt wurden. Ich habe jahrelang Musik gemacht, bevor ich wusste, wie man eine Kick synthetisiert, und ich erinnere mich noch gut daran, wie verblüfft ich war, als ich schließlich merkte, wie einfach das eigentlich ist. Es war, als würde man einen Vorhang aufziehen – und ich stellte fest: Je mehr ich über Klang und seinen Aufbau wusste, desto mehr konnte ich den Prozess entmystifizieren und desto interessanter konnte ich meine eigenen Sounds gestalten. Ich möchte den Leuten zeigen, wie einfach das geht, und ich habe definitiv Lust, mehr zu machen.

Das Lena Andersson-Album söder mälarstrand ist am 28. Juni via Raster-Artistic erschienen. Weitere Informationen findest du unter http://www.raster-media.net/detail/index/sArticle/1145.

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