|Tim Cant

Kostenloser Einstieg in modulare Synths

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How to get started with modular synthesis for free

Wenn du Fan von elektronischer Musik bist, ist dir der Begriff „modulare Synthese“ sicher schon begegnet – und vielleicht hast du auch schon gehört, wie mächtig, komplex und potenziell kostspielig dieses Thema sein kann.

Zwar lässt sich problemlos jede Menge Zeit und Geld in ein eigenes modulares Hardware-Setup stecken, doch du kannst mit modularer Synthese auch direkt kostenlos an deinem Computer loslegen.

In diesem Guide zeigen wir dir Schritt für Schritt, wie du deinen ersten modularen Synth baust und mit der kostenlosen KOMPLETE START-Suite von Grund auf spannende neue Sounds kreierst.
 

KOMPLETE START kostenlos holen

Was ist modulare Synthese?

Synthesizer – oft einfach „Synths“ genannt – sind elektronische Instrumente, die verschiedenste Sounds erzeugen können. Modulare Synths sind flexible Synthesizer, die aus mehreren Modulen aufgebaut sind. So kannst du dir ein leistungsstarkes Instrument genau nach deinen eigenen Vorstellungen zusammenstellen.

Du kannst modulare Hardware-Synths bauen, bist dabei aber natürlich auf Module beschränkt, die in dein Budget passen. Zudem nimmt das Instrument oft ganz schön viel Platz weg: Bestimmt hast du online schon wandgroße Modular-Synths gesehen. Ganz zu schweigen von der Zeit und Mühe, die es kostet, die richtige Verkabelung zu lernen.

In der Software-Welt bist du weder durch Platz noch durch Kosten eingeschränkt – und der Einstieg ist viel unkomplizierter.

Eigentlich brauchst du neben deinem Computer nur das kostenlose Software-Paket KOMPLETE START von Native Instruments, das den REAKTOR 6 Player und das modulare Starter-Kit Blocks Base enthält.

Blocks Base ist Native Instruments’ kostenlose Einsteiger-Software für modulare Synthese und läuft im REAKTOR 6 Player oder in der Vollversion von REAKTOR 6. Wenn du direkt loslegen möchtest, schau dir unseren REAKTOR Blocks Quick Start Guide an.

Wenn du REAKTOR 6 bereits nutzt – separat erhältlich oder als Teil von KOMPLETE –, kannst du natürlich stattdessen die Vollversion verwenden. REAKTOR funktioniert als Plug-in in deiner Musiksoftware bzw. Digital Audio Workstation (DAW) wie etwa Ableton Live, Apple Logic Pro oder Image Line FL Studio.

Falls du noch keine DAW nutzt, kannst du REAKTOR auch als Stand-alone-Anwendung verwenden. Dieser Guide eignet sich sowohl für die Plug-in- als auch für die Stand-alone-Version.

1. Erstelle ein Blocks-Rack

Wenn du REAKTOR öffnest, siehst du einen Startbildschirm mit den Optionen Play, Patch und Build. Wähle die Option Patch aus – daraufhin zeigt REAKTOR dir ein Blocks-Rack mit einigen grundlegenden Utility-Modulen, mit denen wir gleich unsere eigenen Module verbinden können.

Ein Blocks-Rack erstellen
REAKTOR Blocks-Rack

2. Füge einen Oszillator hinzu

Öffne den Ordner „Blocks Base“ im Library-Tab auf der linken Seite per Doppelklick und wähle dann den Ordner „Bento Box“ mit einem Klick aus.

Hier siehst du alle verfügbaren Blocks Base-Module. Sie haben ein dreistelliges Kürzel vor dem Namen, das dir verrät, um was für ein Modul es sich handelt. Der Teil eines modularen Synths, der tatsächlich den Sound erzeugt, heißt Oszillator. Um deinem Rack einen Oszillator hinzuzufügen, ziehe einfach „OSC-Bento Oscillator“ hinein.

Einen Oszillator hinzufügen
Ziehe den OSC-Bento Oscillator in das Blocks-Rack

3. Verbinde den Ausgang des Oszillators

Aktuell ist unser Oszillator noch mit nichts verbunden – wir können also noch nicht hören, was er tut.

Module in Blocks haben zwei Arten von Anschlüssen: Inputs (Eingänge), über die ein Signal in das Modul geleitet wird, und Outputs (Ausgänge), an denen das Signal das Modul verlässt. In der Regel befinden sich Inputs auf der linken und Outputs auf der rechten Seite eines Moduls.

Um ein Modul zu hören, muss es an das Utility-Modul „Audio Out“ geroutet werden, das sich oben rechts in der Bedienoberfläche von REAKTOR befindet. Dieses hat zwei Out-Eingänge: einen für den linken und einen für den rechten Lautsprecher.

Der Bento Box OSC verfügt über einen einzelnen Mono-Audioausgang, und wir verbinden ihn nun mit beiden Audio Out-Eingängen.

Ziehe dazu eine Verbindung vom Out-Ausgang auf der rechten Seite des Oszillators zum oberen Out-Eingang und wiederhole den Vorgang für den unteren Out-Eingang.

Noch hören wir nichts vom Oszillator, da sein Pitch-Eingang noch nicht verbunden ist.

Ausgang des Oszillators verbinden
Ziehe eine Verbindung vom Out-Ausgang auf der rechten Seite des Oszillators zum oberen Out-Eingang und wiederhole den Vorgang für den unteren Out-Eingang

4. Verbinde den Pitch-Eingang des Oszillators

Um den Pitch-Eingang des Oszillators zu verbinden, ziehe eine Linie vom Pitch-Ausgang von „Util Note In“ zum Pitch-Eingang des Bento Box OSC.

Sobald du das getan hast, solltest du einen einfachen Ton aus dem Synth hören. Wenn du Noten auf deinem MIDI-Controller spielst oder MIDI von einer Sequenzer-Spur in deiner DAW an REAKTOR sendest, ändert sich die Tonhöhe dieses Tons.

Was du zu diesem Zeitpunkt noch nicht kannst: den Ton stoppen! Klicke auf den Power-Button oben rechts in REAKTOR, um deine Kreation erst einmal stummzuschalten.

Einen Verstärker hinzufügen
Verbinden des Pitch-Eingangs des Oszillators

5. Füge einen Verstärker hinzu

Damit sich der Synth wie ein spielbares Instrument und weniger wie ein simpler Tongenerator verhält, brauchen wir einen Verstärker. Ziehe „AMP-Bento VCA“ in das Projekt.

Trenne die Audio Out-Verbindungen per Klick wieder. Das machen wir, weil wir das Signal des Oszillators erst durch den Verstärker leiten wollen, bevor es zum Audio Out gelangt.

Verbinde den Out des Bento Box OSC mit dem In des Bento Box VCA.

Verbinde anschließend den Out des Bento Box VCA wie zuvor mit dem Audio Out.

Einen Verstärker hinzufügen, um das Instrument spielbar zu machen
Einen Verstärker hinzufügen, um das Instrument spielbar zu machen

6. Füge eine Hüllkurve hinzu

Ziehe nun eine „MOD-Bento ADSR Envelope“ in das Projekt. Sie steuert den Pegel des Verstärkers und verleiht unserem Synth ein dynamisches Verhalten, sodass er viel mehr wie ein echtes Instrument klingt.

Damit die Bento Box ADSR weiß, wann eine Note gespielt wird, verbinde den Gate-Ausgang von „Util Note In“ mit dem Gate-Eingang der Bento Box ADSR.

Verbinde dann den Out-Ausgang der Bento Box ADSR mit dem A-Eingang des Bento Box VCA.

Nun fungiert die Hüllkurve als Modulationsquelle für den Verstärker – das zeigt allerdings erst Wirkung, wenn wir die Modulationsintensität aufdrehen.

Die Hüllkurve fungiert jetzt als Modulationsquelle für den Verstärker
Die Hüllkurve fungiert jetzt als Modulationsquelle für den Verstärker

7. Drehe die Modulationsintensität auf

Klicke oben auf dem Panel des Bento Box VCA auf den A-Button, und rechts neben dem Level-Drehregler erscheint eine Modulationsanzeige.

Ziehe den Modulationswert nach oben, um dem Verstärker mitzuteilen, dass wir den vollen Modulationsbereich nutzen möchten.

Modulationsintensität aufdrehen
Modulationsintensität aufdrehen

8. Aktiviere den Synth wieder

Wenn du nun den Power-Button oben rechts auf der Bedienoberfläche wieder aktivierst, hörst du zunächst: nichts. Sobald du aber Noten auf deinem MIDI-Controller spielst oder dem Synth MIDI von einer Sequenzer-Spur sendest, erklingt er – und hört sogar wieder auf zu spielen, sobald du loslässt!

Jetzt haben wir also einen funktionierenden Synth, den wir spielen können. Aktuell gibt er eine Sinuswelle (eine sehr simple Wellenform) mit fester Lautstärke aus. Das eignet sich hervorragend für satte Low-End-Bässe und hohe G-Funk-Leads – aber schauen wir mal, was noch möglich ist.

Den Synth wieder aktivieren
Jetzt haben wir einen funktionierenden Synth, den wir spielen können

9. Oszillator-Parameter

Wie bereits erwähnt, erzeugt das Oszillator-Modul den rohen Sound des Synths. Wenn du unten in der Mitte des Moduls an der Wellenform (Shape) nach oben ziehst, morpht sie von einer Sinuswelle zu einem Dreieck, dann zu einem Sägezahn und schließlich zu einer Pulswelle. Sie alle klingen unterschiedlich und erlauben es uns, Sounds mit ganz verschiedenen Klangfarben zu erzeugen. Drehen wir diesen Regler ganz nach rechts, um eine reine Pulswelle zu erhalten.

Drehe den Regler ganz nach rechts, um eine reine Pulswelle zu erhalten
Drehe den Regler ganz nach rechts, um eine reine Pulswelle zu erhalten

10. Hüllkurven-Parameter

Auch mit der Hüllkurve können wir den Sound verändern. Drehe den Sustain-Drehregler der Hüllkurve ganz nach unten, und der Synth erzeugt einen kürzeren, staccatoartigen Sound.

Wenn du noch mehr Kontrolle über den Sound möchtest, kannst du nach Belieben weitere Module hinzufügen. Als Nächstes ergänzen wir ein Filter.

Hüllkurven-Parameter anpassen
Hüllkurven-Parameter anpassen

11. Füge ein Filter hinzu

Ziehe „FLT-Bento SVF Filter“ auf das Rack. Trenne dann den Audioausgang des Verstärkers und route ihn durch das Bento Box SVF weiter zum Audio Out.

Wenn du nun beim Spielen von Noten den Cutoff-Drehregler des Filters herunterdrehst, wirst du hören, wie der Sound mit sinkendem Cutoff-Wert dumpfer wird.

Wir können Modulation nutzen, um den Cutoff-Wert des Filters zu steuern und so einen dynamischeren Sound zu erzielen.

Reaktor Blocks-Rack mit dem FLT-Bento SVF Filter-Modul zwischen Verstärker und Audioausgang geroutet
So fügst du ein Filter hinzu

12. Füge eine Filter-Hüllkurve hinzu

Wir könnten unsere vorhandene Bento Box ADSR nutzen, um das Filter zu modulieren. Doch da sie virtuell sind, können wir beliebig viele davon hinzufügen. Ziehen wir also eine weitere ADSR hinein, die wir dediziert zur Filtermodulation einsetzen.

Bevor wir die neue ADSR verbinden, benennen wir beide ADSR-Module um, um nicht den Überblick zu verlieren. Um ein Modul umzubenennen, doppelklicke auf seinen Namen oben links auf dem Panel. Nenne die ursprüngliche Hüllkurve „Amp ADSR“ und die neue „Filter ADSR“.

Verbinde den Gate-Ausgang von „Util Note In“ mit dem Gate-Eingang der Filter ADSR und den Out der Filter ADSR mit dem Modulator-Eingang A des SVF.

Verbinde den Gate-Ausgang von Util Note In mit dem Gate-Eingang der Filter ADSR und den Out der Filter ADSR mit dem Modulator-Eingang A des SVF
Verbinde den Gate-Ausgang von Util Note In mit dem Gate-Eingang der Filter ADSR und den Out der Filter ADSR mit dem Modulator-Eingang A des SVF

13. Passe die Filtermodulation an

Klicke nun oben auf dem SVF-Modul auf den A-Button und drehe die Cutoff-Modulationsintensität ganz nach oben. Drehe anschließend den Cutoff-Drehregler ganz nach unten.

Bisher ist das Filter noch vollständig geöffnet und der Sound bleibt unverändert, da der Sustain-Pegel der Filter ADSR auf 100 eingestellt ist. Wenn du nun jedoch Sustain an der Filter ADSR herunterdrehst, hörst du, wie das Filter beim Spielen einer Note schnell schließt.

Wie schnell das Filter schließt, kannst du mit dem Decay-Regler anpassen. Eine Decay-Zeit von etwa 27 ms lässt das Filter sehr schnell schließen, was zu einem kurzen „Blip“-Sound führt. Dreh den Resonance-Regler des SVF auf, um die Filterbewegung noch deutlicher hervorzuheben.

So klingt das Ganze mit einem Resonance-Wert von etwa 90.

Einstellungen zur Anpassung der Filtermodulation
Einstellungen zur Anpassung der Filtermodulation

14. Standard-Patch erstellen

Das Filtern macht jede Menge Spaß – allerdings haben wir inzwischen viele Parameter verstellt und einen ziemlich speziellen Sound erzeugt. Bauen wir uns also erst einmal ein neutraleres Patch als perfekte Ausgangsbasis für deine eigenen Sound-Kreationen.

Dreh im SVF-Panel die Resonance ganz nach unten.

Doppelklicke auf den Decay-Regler der Filter-ADSR, um ihn auf den Standardwert zurückzusetzen.

Dreh dann die Sustain-Regler beider ADSRs voll auf 100 auf.

Damit hast du ein einfaches Patch mit einer Pulswellenform, das du mit dem Filter und den zwei Hüllkurven nach deinen Vorstellungen formen kannst.

Jetzt ist ein guter Moment, um deine Kreation zu speichern. Klicke in REAKTOR auf das kleine Dreieck rechts neben dem REAKTOR-Logo oben links im Interface und wähle File > Save As. Gib deiner Datei einen aufregenden Namen wie „My Synth“ – und schon hast du die perfekte Basis für deine modularen Sound-Abenteuer.

Wenn du dein Ergebnis mit unserer Version vergleichen möchtest, findest du unsere gespeicherte Datei hier. Um sie zu laden, wähle File > Open und navigiere dorthin, wo du Modular Synth.nksr gespeichert hast.

Modulare Synthese vertiefen

Das kratzt natürlich nur an der Oberfläche dessen, was mit Blocks Base möglich ist. Noch viel mehr Möglichkeiten bietet dir das Modular-Synthesizer-Kit Blocks Primes mit unzähligen neuen Modulen und Preset-Racks zum Entdecken.

Weitere fortgeschrittene Blocks-Techniken findest du in unserem Artikel Free Blocks, live-coding, and more: Let’s explore Toybox Audio’s REAKTOR toolkits – eine fantastische Ressource, um online mehr über Modular-Synths zu erfahren.
 

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