Audiojacks „Rumours“ erscheint im Rahmen des 20-jährigen Jubiläums von Dirtybird und schöpft direkt aus dem Archiv des Duos an Community-basierten Reaktor-Tools. Bei begrenzter Studiozeit verlassen sie sich auf vorgefertigte Ordner mit Noise-Generatoren und rhythmischen Effekten, um schnell voranzukommen, ohne an Biss zu verlieren. Viele davon stammen aus dem Forum von Native Instruments, wo sie schon vor Jahren entdeckt wurden.
Für diesen Track bauten sie ein Glitch-Kit aus Presets wie Drox und FM Acid, nahmen spontane Reglerbewegungen live auf und schnitten das Audio-Material in ein spielbares Drum-Rack. Das Ergebnis ist ein vielschichtiger Groove, der zielgerichtet und gleichzeitig unberechenbar wirkt – zusammengehalten von gewarpter Sample-Magie und perfekt getimten Cuts. „Du verschwendest keine Zeit damit zu überlegen, was du nutzen sollst“, sagen sie. „Du machst einfach Musik.“
Dieses Mindset – gepaart mit der Großzügigkeit der Community hinter den Reaktor-User-Patches – prägt die Art und Weise, wie Audiojack ihren Sound stetig weiterentwickeln, ohne den Prozess unnötig zu verkomplizieren.
Springe direkt zu den Abschnitten:
- Warum sie für „Rumours“ auf selbstgemachte Patches setzten
- Wie sie Reaktor-User-Creations auswählten und vorbereiteten
- Glitch-Effekte musikalisch einsetzen
- Die Rolle der NI-Community in ihrem Workflow
- Die Balance zwischen eigener Handschrift und Community-Patches
- Die Evolution ihres Sounds
Hier erklären Audiojack ihren Workflow bei „Rumours“ und wie Community-Tools ihren Sound bis heute prägen. Von Glitch-Experimenten bis zu R&D-Sessions nehmen sie uns Schritt für Schritt mit.
Lade dir hier die Reaktor-Patches aus der Community herunter, über die das Duo im Interview spricht:
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Was hat euch dazu bewogen, für „Rumours“ auf selbstgemachte Synths und Noise-Generatoren zu setzen, statt Patches von Grund auf neu zu bauen?
Wir würden Patches liebend gerne von Grund auf selbst bauen, aber heutzutage haben wir viel weniger Zeit im Studio. Bei knapper Zeit müssen wir auf die Tools zurückgreifen, die wir in den letzten 20 Jahren angesammelt haben. Damit können wir in der Regel jeden Sound erzeugen, der uns in den Sinn kommt – durch unterschiedliche Kombinationen von Samples, Synth-Plug-ins und Effekten.

Vor Jahren haben wir extrem viel Zeit damit verbracht, tolle Sounds und Rhythmus-Generatoren von Native Instruments aufzuspüren. Wenn es also darum geht, ungewöhnliche rhythmische oder atmosphärische Texturen einzubinden, sind Tools wie Drox, Metaphysical Function, Skrewell, Ginger und FM Acid für uns die erste Wahl.
Profi-Tipp von Audiojack: Die meisten Produzent*innen verbringen ewig damit, riesige Sample-Libraries oder Preset-Bänke nach dem nächsten Sound zu durchforsten. Das bremst enorm aus und killt den kreativen Flow. Um das zu vermeiden, nehmen wir uns alle paar Monate eine Woche Zeit, um Samples und Plug-ins zu sortieren und Favoriten-Ordner sowie eigene Soundbänke anzulegen, die genau zu dem Style passen, den wir gerade produzieren. Wenn es dann ans Musikmachen geht, ist das unsere erste Anlaufstelle – so läuft der Prozess schneller und reibungsloser, und die Energie der Ideen geht nicht verloren.
Könnt ihr uns erklären, wie ihr ausgewählt habt, mit welchen Reaktor-User-Creations ihr experimentiert?
Alle paar Monate legen wir eine große R&D-Session ein, in der wir Samples und Plug-ins durchforsten und entscheiden, was für die Songwriting-Phase der nächsten Monate relevant sein wird. Wir stellen uns eine überschaubare Auswahl an Tools und Sounds zusammen, die als klangliche Palette für die anstehenden Studio-Sessions dient. Das fühlt sich an wie ein festes Set an Instrumenten, mit denen man jammt.
Dazu erstellen wir ein Template, in dem alle wichtigen Mixing- und Kreativeffekte bereits startklar eingerichtet sind. Es ist, als würde man in einen Raum voller eingeschalteter, sofort einsatzbereiter Geräte kommen – statt jedes Mal erst in einen Musikladen zu gehen, das Equipment auszusuchen und alles neu aufzubauen.
Bei diesem Prozess beschlossen wir, eine eigene Glitch-Library anzulegen, um den rhythmischen Elementen unserer Tracks in den kommenden Monaten einen ganz individuellen Twist zu verleihen. Wir gingen alle Noise- und Rhythmus-Generatoren in Reaktor durch und suchten nach cool klingenden Presets. Dann schraubten wir so lange an den Parametern, bis es uns gefiel.
Sobald die Sounds standen, nahmen wir jeweils ein paar Minuten Audio auf, während wir an den Parametern drehten. Das machten wir so lange, bis wir etwa 20 Aufnahmen im Kasten hatten.
Profi-Tipp von Audiojack: Wenn du einen einzigartigen Sound mit hohem Wiedererkennungswert suchst, investiere etwas Zeit in den Bau eigener Effekt-Racks für deine Musik. Heb dich damit ganz bewusst von den Standard-Tools ab, die sonst alle nutzen.
Wie stellt ihr sicher, dass Glitches musikalisch bleiben und sich in den Groove einfügen?
Damit die Glitches musikalisch klingen, haben wir eine ganze Reihe von Effekten draufgepackt. Tools wie Abletons Beat Repeat, das das Audio-Material in rhythmische Einheiten zerlegt. Danach fügten wir Gates, Pitch-Shifter, Auto-Panning, Bitcrusher und so weiter hinzu, um den Sounds Groove zu verleihen und sie deutlich vom Original abzuheben.

Anschließend bouncten wir die automatisierten Versionen als Audio-Files heraus. Am Ende hatten wir 20 Audio-Dateien – vollgepackt mit abwechslungsreichen, rhythmischen Sounds, jeweils etwa zwei Minuten lang.

Damit war die Vorbereitung vor dem eigentlichen Songwriting abgeschlossen. Sobald eine Idee so weit ist, dass Glitch-Sounds ins Spiel kommen sollen, ziehen wir einfach alle 20 Aufnahmen in eine Spur in Abletons Session-Ansicht. Dann hören wir sie nacheinander durch, um zu prüfen, was im klanglichen Kontext funktioniert.

Danach zerhacken wir die Abschnitte in kleine Snippets und laden sie in ein Drum-Rack, um sie wie Drum-One-Shots zu spielen. So können wir jeden einzelnen Cut nach Belieben weiterbearbeiten – etwa mit Tonhöhe, Panning und ADSR.
Außerdem können wir die Clips so anpassen, dass sie sich perfekt in den Groove des Tracks einfügen.
Profi-Tipp von Audiojack: Denk bei der Sample-Auswahl über den Tellerrand hinaus. Kombiniere Sounds aus ganz unterschiedlichen Genres – selbst wenn es auf den ersten Blick so wirkt, als würden sie nicht zusammenpassen.
Seht ihr Plattformen wie das Native Instruments-Forum als Möglichkeit für Produzent*innen, indirekt zusammenzuarbeiten?
Ja, absolut. Und man muss betonen, wie unglaublich großzügig es von den Entwickler*innen ist, all diese fantastischen Patches kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Obwohl es eine indirekte Zusammenarbeit ist, werden die Entwickler*innen selten in den Credits genannt, wenn Tracks entstehen und erscheinen. Ein riesiges Dankeschön geht deshalb an all die Leute, die bis tief in die Nacht am perfekten Patch geschraubt haben.
Profi-Tipp von Audiojack: Eine Hook im Track muss nicht zwingend eine eingängige Melodie oder Vocals sein. Ein außergewöhnlicher Sound, der einzigartig ist und direkt an deinen Stil erinnert, reicht völlig aus.
Wie schafft ihr den Spagat zwischen Community-Content und einem Sound, der sich trotzdem unverwechselbar nach euch anfühlt?
Genau an diesem Punkt ist Community-Content unbezahlbar.
Als wir 2017 an unserem Album Surface Tension arbeiteten, wollten wir vielseitiger werden und uns von unserem gewohnten Fokus auf die Tanzfläche lösen. Im Community-Forum stießen wir auf echte Schätze: Klanglandschaften, die völlig entrückt und sphärisch klangen – genau das, wonach wir gesucht hatten.

Seitdem greifen wir immer wieder auf diese Patches zurück, wenn wir unseren Tracks diese besondere Prise Charakter verleihen wollen – ganz egal, ob für zu Hause oder für den Club.
Profi-Tipp von Audiojack: Arbeite an deiner Musik, bis die Studiozeit um ist. Bouncen, aufs Smartphone laden und mit Abstand zur gewohnten Studioumgebung anhören. Notizen machen, zurück ins Studio gehen und anpassen. Wiederhole diesen Ablauf, bis die Tracks fertig sind. So kannst du problemlos an mehreren Tracks gleichzeitig feilen.
Was hat euren Sound über die Jahre hinweg lebendig gehalten und weiterentwickelt?
Die Evolution unserer Musik hing schon immer davon ab, was wir zu dieser Zeit aufgelegt haben. Wir waren zuerst DJs – das Produzieren kam dazu, um genau die Musik zu machen, die wir in unseren Sets spielen wollten.

Was wir spielen, wird vom Zeitgeist beeinflusst – im Positiven wie im Negativen, je nachdem, ob uns aktuelle Musik inspiriert oder langweilt. Wir wollen uns oft ganz bewusst von den übersättigten Trends abheben und lieber etwas Frisches schaffen.
Profi-Tipp von Audiojack: In Etappen zu produzieren, kann enorm helfen. Wir widmen zum Beispiel eine komplette Session nur der Soundsuche – sonst nichts. Danach skizzieren wir mit diesen Sounds 20 schnelle Ideen. Wir bauen kurze Loops, die den Vibe und Groove festhalten. Anschließend wählen wir die besten Entwürfe aus und bauen sie zu fertigen Tracks aus.
Fazit
Vielen Dank an Audiojack für die detaillierten Einblicke in den technischen Workflow hinter „Rumours“ und die Rolle, die Community-Tools bei ihrer Soundfindung spielen. So tiefe Einblicke in den Entstehungsprozess eines Tracks sind selten – vor allem bei einer Produktion, die raue Experimentierfreude mit dem geschliffenen Feinschliff verbindet, für den ein Label wie Dirtybird bekannt ist.

Falls du noch nicht reingehört hast: „Rumours“ ist ab sofort im Rahmen der 20-Jahre-Reihe von Dirtybird im Stream verfügbar. Der Track besticht durch R&B-Vocals, glitchige Modular-Texturen und ein mächtiges Low-End, das im Club voll zündet.
Eine absolute Hörempfehlung für alle, die verstehen wollen, wie sich erfahrene Produzent*innen wie Audiojack immer wieder neu erfinden, ohne dabei ihren unverkennbaren Signature-Sound zu verlieren.
Vergiss nicht, dir hier die Reaktor-Patches aus der Community zu holen, die das Duo im Interview erwähnt: