Johnny Gorillas hat einen Sound entwickelt, der sich zwischen zwei völlig unterschiedlichen kreativen Welten bewegt. Seine Solo-Releases setzen auf Lo-Fi-Texturen und samplebasierte Grooves, während sein Projekt mono sky eher in Richtung cineastischer, atmosphärischer Produktionen geht. Beide Projekte klingen zwar grundverschieden, basieren aber auf demselben technischen Fundament.
Für Johnny heißt dieses Fundament Massive.
Der Synth wurde zu seinem wichtigsten Werkzeug, um das Zusammenspiel von Oszillatoren, Filtern und Modulation zu verstehen. Mit der Zeit prägte dieses Wissen, wie er Klangfarbe, Rhythmus und Bewegung in jedem beliebigen Instrument aufbaut. Massive gab ihm Struktur – und die Freiheit, ohne langes Herumprobieren gezielt zu kreieren.
Direkt zu den Abschnitten:
- Wie Massive das Fundament für Johnny Gorillas legte
- Feste Workflows aus den Anfängen des Sound-Designs
- Kreative Kontinuität über verschiedene Projekte hinweg
- Die Sound-Identität zweier unterschiedlicher Projekte
- Langfristig wachsen, indem man einen Synth meistert
Finde selbst heraus, wie ein tiefes Verständnis von Massive dir eine dauerhafte kreative Basis für deine eigenen Musikprojekte schaffen kann.
Seit wann arbeitest du schon mit Massive, und was hat dich damals dazu gebracht, dich so intensiv mit ihm zu beschäftigen?
Ich benutze Massive schon seit vielen Jahren und er war lange Zeit einer meiner wichtigsten Synths. Als er herauskam, fühlte er sich wie der übersichtlichste und modernste VST-Synth überhaupt an. Es gab damals jede Menge Vintage-Emulationen, aber Massive war ein Synthesizer, der wirklich zeitgemäß wirkte und so ziemlich alles konnte. Das Interface war für mich sofort verständlich – was mich schon früh dazu motiviert hat, Presets links liegen zu lassen und meine eigenen Patches zu schrauben.

Ein weiterer Grund, warum ich mich so intensiv mit ihm beschäftigt habe, waren meine Live-Gigs. Ich habe schon immer Keyboards in verschiedenen Bands gespielt – auch in Coverbands, wo man ständig ganz bestimmte Sounds exakt nachbauen muss. Dafür war Massive perfekt: flexibel genug für jeden gewünschten Sound-Stil und absolut zuverlässig auf der Bühne.
Erst kürzlich habe ich aus logistischen Gründen mein Live-Setup umgestellt und dafür einige meiner Massive-Patches gesampelt, weil sie einfach zu fett waren, um sie auf der Hardware nachzubauen.
Das zeigt ziemlich gut, wie zentral Massive über all die Jahre für meinen Sound-Design-Workflow war.
Wenn du Massive heute öffnest: Welche Angewohnheiten oder Workflows stammen noch aus diesen Anfangsjahren?
Die erste Gewohnheit ist, immer mit einem Init-Patch anzufangen. Ich liebe es, dass Massive mit einem neutralen Sound startet statt mit einem überproduzierten Preset. Das signalisiert mir sofort: Bau dir deinen eigenen Sound. Diese Denkweise stammt direkt aus meinen Anfangstagen, als ich Synthese mit Massive gelernt habe.

Das gesamte Layout prägt bis heute meine Arbeitsweise: drei Oszillatoren plus Noise auf der linken Seite, zwei Filter, vier Hüllkurven und vier LFOs an festen Positionen, dazu ein intuitives Zuweisen von Modulationen. Damals hat dieser Workflow Synthese für mich greifbar gemacht. Heute beschleunigt er das Erstellen von Patches immer noch enorm, weil ich nicht eine Sekunde nachdenken muss, wo sich etwas befindet.

Auch wenn ich heute eine riesige Bandbreite an Synth-Plug-ins nutze, greife ich immer noch regelmäßig zu Massive – und die Routinen, die ich mit ihm entwickelt habe, lassen sich auf so ziemlich jeden Synth übertragen, mit dem ich arbeite.
Profi-Tipp von Johnny Gorillas: Starte immer mit einem Init-Patch. Das zwingt dich dazu, Sounds wirklich zu designen, anstatt nur an Reglern herumzuschrauben. So verstehst du jeden Bestandteil deines Sounds – und der Patch ist dein eigenes Werk, kein Zufallsprodukt.
Inwiefern hilft dir deine langjährige Erfahrung mit Massive dabei, über verschiedene Projekte hinweg eine eigene Handschrift zu bewahren, ohne dich zu wiederholen?
Wenn du viele Jahre lang mit einem einzigen Synth arbeitest, lernst du die Grundlagen des Sound-Designs so, dass du sie überall anwenden kannst. Vieles von dem, was ich in Massive gelernt habe – zuerst in Oszillatoren, Filtern, Hüllkurven und Modulationen zu denken –, lässt sich nahtlos auf jeden anderen Synth übertragen, ob Software oder Hardware. So baue ich meine Sounds immer mit einer konsistenten Herangehensweise, egal welches Tool ich gerade nutze.

Gleichzeitig hilft ein tiefes Verständnis für einen Synth dabei, sich nicht zu wiederholen. Weil ich genau weiß, wie Massive auf verschiedene Routings oder Modulationstiefen reagiert, kann ich Texturen gezielt in neue Richtungen lenken, anstatt immer wieder in dieselben Schemata zu verfallen. Statt mich auf Gewohnheiten zu verlassen, kann ich sie bewusst aufbrechen, weil ich das dahinterliegende System verstehe. Das sorgt für eine erkennbare Handschrift in meiner Arbeit, ohne dass alles gleich klingt.
Profi-Tipp von Johnny Gorillas: Nutze Unison/Voicing schon früh im Prozess. Stereobreite, Detuning und Stereo-Spread bestimmen den gesamten Vibe des Sounds, noch bevor du dich an das Feintuning von Hüllkurven oder Filtern machst.
Wann entscheidest du, ob ein Sound zu Johnny Gorillas gehört oder besser zu mono sky passt?
Ehrlich gesagt mache ich das gar nicht.
Die beiden Projekte unterscheiden sich in Workflow und Ausrichtung so grundlegend, dass ich noch nie in einer Situation war, in der es Sinn ergeben hätte, einen Patch von einem Projekt ins andere zu übertragen. Meistens fange ich passend zur musikalischen Idee ganz von vorne an, anstatt einen bestehenden Patch umzubauen.
Sollte ich doch einmal etwas übertragen, würde ich den Patch vermutlich radikal umbauen, damit er zur jeweiligen musikalischen Ästhetik passt. Aber in meinem Produktionsalltag ist das bisher einfach noch nicht vorgekommen.
Profi-Tipp von Johnny Gorillas: Unterschätze niemals die integrierten Effekte – vor allem den Dimension Expander. Er ist für mich eine der besten Methoden, um einem digitalen Synth-Patch mehr Raum zu geben und ihn wirklich zum Leben zu erwecken.
Wenn du auf die Entwicklung beider Künstlerprojekte blickst: Wie hat die intensive Beschäftigung mit Massive die langfristige Evolution deines Sounds geprägt?
Massive war eines der Tools, mit denen ich Synthese auf strukturierte, direkte Weise gelernt habe.
Weil er so intuitiv aufgebaut war, hat er mir verständlich gemacht, was Oszillatoren, Filter, Hüllkurven und Modulation im musikalischen Kontext tatsächlich bewirken. Das hat nicht nur meine Patches in Massive geprägt, sondern meine gesamte Herangehensweise an Sound-Design – egal ob bei Plug-ins oder Hardware.

Selbst heute, wo Massive nicht immer meine erste Wahl ist, ist dieses Fundament immer noch da. Die Sounds, die ich für mono sky baue – sich entwickelnde Akkorde, atmosphärische Texturen und sich ständig verändernde Klangfarben –, profitieren alle von den vielen Jahren, in denen ich gelernt habe, wie man Bewegung in Massive erzeugt und kontrolliert. Und für Johnny Gorillas liefert Massive (und mittlerweile auch Massive X) nach wie vor schnelle, hochwertige Bausteine, die ich mühelos anpassen kann, weil ich das Verhalten des Instruments in- und auswendig kenne.
Massive hat also – wenn auch indirekt – enorm viel dazu beigetragen, wie beide Projekte heute klingen.
Profi-Tipp von Johnny Gorillas: Lerne einen einzigen Synth wirklich von Grund auf. Dieses Wissen kannst du später auf jeden anderen Synthesizer übertragen.
Fazit
Das tiefgehende Verständnis von Synthese gibt Johnny Gorillas die Freiheit, neue Sounds zu erkunden, während er sich stets auf ein solides technisches Fundament verlassen kann. Seine jahrelange Erfahrung mit Massive hat ihn gelehrt, Musik in Schichten aus Energie und Bewegung zu begreifen statt in isolierten Einzelsounds.
Diese Herangehensweise verbindet seine Arbeit über beide Projekte hinweg und sorgt dafür, dass jede Idee einen klaren Fokus behält.
Für alle Produzent*innen, die zwischen mehreren musikalischen Stilen balancieren, ist sein Workflow die beste Bestätigung: Ein konsistenter Sound entsteht nicht durch Beliebigkeit, sondern durch Tiefe. Wer ein einziges Werkzeug komplett durchdringt, verinnerlicht es als Teil des eigenen Denkens. Und plötzlich greift jedes Projekt, jeder Sound und jede Idee nahtlos ineinander.