Das E-Piano ist eine der größten musikalischen Innovationen aus der Mitte des 20. Jahrhunderts – mit einer Klangpalette von samtig-weichen Timbres bis hin zu obertonreichen Sounds und allem dazwischen.
Am häufigsten hört man E-Pianos in Soul und Jazz, doch auch in Pop, Rock und elektronischer Musik erlangten sie schnell große Beliebtheit. Der bekannteste E-Piano-Hersteller ist wohl Rhodes – doch auch Hohner und Wurlitzer bauten legendäre Instrumente.
In diesem Guide widmen wir uns ganz dem Wurlitzer-E-Piano – und genauer gesagt zehn legendären Songs, in denen es die Hauptrolle spielt.
Direkt zum Abschnitt:
- Was ist ein Wurlitzer-E-Piano?
- Wie klingt ein Wurlitzer?
- Welche berühmten Songs nutzen ein Wurlitzer?
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Was ist ein Wurlitzer-E-Piano?
Das Wurlitzer-E-Piano ist ein elektromechanisches Tasteninstrument, das von 1954 bis 1983 hergestellt wurde. Wurlitzers (oder „Wurlis“) erzeugen ihren Klang durch flache Stahlzungen (Reeds), die von Filzhämmern angeschlagen werden. Diese Zungen sitzen in einer kammartigen Metallplatte, die ein elektrostatisches Tonabnehmersystem bildet. Diese Bauweise sorgt für den unverwechselbaren Sound: samtig und weich bei sanftem Anschlag, doch rau, bissig und resonant, je härter man in die Tasten greift.
Wie klingt ein Wurlitzer?
Wurlitzers klingen obertonreicher als das glockige Rhodes – mit einem dichteren, drahtigeren und leicht scheppernden Ton. Sanft gespielt erinnert der Klang an die Süße eines Vibraphons, doch bei härterem Anschlag entsteht ein rauer, knurrender Sound.
Welche berühmten Songs nutzen ein Wurlitzer?
Einige der bekanntesten Songs mit Wurlitzer-Sounds stammen von der britischen Rockband Supertramp, die mit Wurlitzer-getriebenen Hits wie „The Logical Song“, „Goodbye Stranger“ und „Dreamer“ Musikgeschichte schrieb. In dieser Liste schauen wir uns den Wurlitzer-Einsatz bei „The Logical Song“ von Supertramp an – und legendäre Tracks vieler weiterer Künstler*innen.
1. Ray Charles – „What’d I Say“ (1959)
Ray Charles begann 1956, mit einem Wurlitzer-E-Piano auf Tour zu gehen, um nicht mehr auf die oft unzuverlässigen akustischen Klaviere in den Clubs angewiesen zu sein. 1959 nahm er das bluesige „What’d I Say“ auf, bei dem das Instrument im absoluten Mittelpunkt steht.
Der Song zeigt perfekt, wie gut das Wurlitzer satte Akkorde und organische, definierte Melodielinien liefert. Obwohl er wegen der verruchten Vocals von vielen Radiosendern boykottiert wurde, avancierte er zu einem Meilenstein der Musikgeschichte.
„What’d I Say“ machte das Wurlitzer-E-Piano im Mainstream berühmt und wurde später unter anderem von Brian Wilson, Mick Jagger und Van Morrison gecovert.
2. Marvin Gaye – „I Heard It Through The Grapevine“ (1968)
Als einer der bekanntesten Hits von Marvin Gaye ist „I Heard It Through The Grapevine“ ein lässig groovender Soul-Klassiker mit unverwechselbaren Wurlitzer-Parts. Eingespielt wurden sie von Johnny Griffith, Keyboarder von Motowns legendärer Studioband The Funk Brothers.
Der Wurlitzer-Sound zieht sich durch den gesamten Song: Er wechselt zwischen energiegeladenen rhythmischen Stabs und jazzigen Melodien, was den Track unaufhörlich im Groove hält und ihm eine Extraportion Emotion verleiht.
3. Small Faces – „Lazy Sunday“ (1968)
„Lazy Sunday“ von den Small Faces ist ein beschwingter, vom Music Hall inspirierter psychedelischer Popsong über den Albtraum aller Nachbar*innen. Das Wurlitzer steuert warme, herrlich kratzige Sounds bei: Die luftigen Keyboard-Parts in den Strophen unterstreichen das schrullig-heitere Feeling des Tracks perfekt.
Für die Aufnahme kam ein Wurlitzer 140B zum Einsatz – für viele der absolute Höhepunkt der Wurlitzer-Modellreihe, bevor die leichtere, günstiger produzierte 200er-Serie mit Kunststoffgehäuse eingeführt wurde.
4. Three Dog Night – „Mama Told Me (Not To Come)“ (1970)
Ursprünglich von Randy Newman für Eric Burdon (The Animals) geschrieben, startet das Cover von Three Dog Night mit einem mitreißenden Wurlitzer-Riff und entwickelt sich zu einer ausgelassenen Pop-Jam inklusive eingängigem Keyboard-Turnaround, der sich unweigerlich im Kopf festsetzt.
Als allererste Nummer 1 in der Premierenausgabe von „American Top 40“ mit Casey Kasem feierte „Mama Told Me (Not To Come)“ Ende der 90er-Jahre weiteren Erfolg: als Cover vom walisischen Soul-Veteranen Tom Jones und seinen Landsleuten Stereophonics. Diese Version setzt auf einen Wurlitzer-ähnlichen Keyboard-Part, der ganz im Geiste der Version von Three Dog Night arrangiert ist.
5. Carpenters – „Top Of The World“ (1972)
Eine Prise Country-Pop liefern die Carpenters mit dem Gute-Laune-Hit „Top Of The World“, bei dem das Wurlitzer Karen Carpenters atemberaubenden Gesang dezent und warm untermalt. Der Song zeigt eindrucksvoll, wie geschmeidig sich das Instrument in den Hintergrund eines Mixes einfügt – auch wenn bei dieser Live-Performance kein Zweifel daran besteht, welches E-Piano hier auf der Bühne steht.
6. Pink Floyd – „Money“ (1973)
Vom legendären Album „The Dark Side of the Moon“ stammend, basiert „Money“ auf einem lässigen Rock-Groove, verfeinert mit dezenten Wurlitzer-Akkorden, die keineswegs im Vordergrund des Mixes stehen. Sie sind ganz nach rechts im Stereopanorama gelegt und bilden so das perfekte Gegengewicht zu den knackigen Gitarren-Licks im linken Kanal.
Für den funky Wurlitzer-Sound schickte Keyboarder Richard Wright das Instrument durch ein Wah-Wah-Pedal – ein Effekt, der besonders in den Instrumentalpassagen des Tracks deutlich zu hören ist.
7. Queen – „You’re My Best Friend“ (1975)
Auch hier eröffnet das Wurlitzer den Track – und es hat selten besser geklungen als in dieser Queen-Hymne, die in Filmen wie „Shaun of the Dead“, „I Now Pronounce You Chuck & Larry“ oder „The Secret Life of Pets“ verewigt wurde.
In „You’re My Best Friend“ begleitet das Wurlitzer den gesamten Song, formt eine Gegenmelodie zum Gesang und treibt das Arrangement unaufhaltsam nach vorne.
8. Supertramp – „The Logical Song“ (1979)
Vielleicht der ultimative Wurlitzer-Song überhaupt: „The Logical Song“ von Supertramp ist nur einer von vielen Hits der Band, die maßgeblich vom Wurlitzer geprägt sind. Hier wird das Keyboard rhythmisch durch ein Boss CE-1 Chorus-Pedal gespielt, um den Track unaufhörlich anzutreiben – bevor es während des energiegeladenen Saxofon-Solos in einen ganz neuen Groove übergeht.
„The Logical Song“ blickt auf eine beachtliche Geschichte zurück: Der Song ist Teil des Soundtracks von Paul Thomas Andersons Film „Magnolia“, wurde für die düstere Jungle-Hymne „When I Was Young“ von D.O.P.E. gesampelt und sogar von den Stadion-Techno-Ikonen Scooter gecovert.
9. Beck – „Where It’s At“ (1996)
„Where It’s At“ platzt förmlich vor eingängigen Hooks – doch am meisten im Gedächtnis bleiben wohl die samtigen, souligen Wurlitzer-Licks, die an klassische Keyboard-Parts aus den 60er- und 70er-Jahren erinnern.
Die Produktion der Dust Brothers liefert fette, vintage-inspirierte Drum-Parts, die die Keys perfekt ergänzen. Mit der für Beck typischen Verspieltheit wechselt der Track jedoch plötzlich zu einem 80er-Jahre-Electro-Fill samt Vocoder-Vocals – ein genialer Kontrast zum Rest des Songs.
10. Eels – „Beautiful Freak“
Während das Wurlitzer bisher fast nur in energiegeladenen Upbeat-Songs zu hören war, schlägt „Beautiful Freak“ von den Eels ganz andere Töne an: mit einer reduzierten, überwiegend tastenorientierten Instrumentierung und bittersüßer Melancholie.
Das Wurlitzer-E-Piano bildet das Fundament dieses Songs – veredelt mit einem Tremolo-Effekt, der ihm einen noch schwebenderen, fast vergänglichen Charakter verleiht.
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Wir haben uns zehn Song-Klassiker angesehen, die mit dem Wurlitzer-Sound ihre emotionale Wirkung auf ein ganz neues Level heben.
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