Der französische Produzent Boris Way hat sich in der Melodic-Tech-House-Szene mit seinem Gespür für Kontraste einen Namen gemacht. Seine neueste Single Uber On Call, die ab sofort bei Ultra Records erhältlich ist, ist ein basslastiger Dancefloor-Track, getragen von einem eleganten Groove und einer schwerelosen Topline. Der Track markiert einen Schritt hin zu einem druckvolleren, verfeinerten Sound, der trotzdem viel Raum für Emotionen lässt.
Diese Entwicklung kommt nicht von ungefähr: Für Boris spielt Transient Master eine zentrale Rolle beim Formen seiner Kicks, Claps und Percussion. Sowohl auf Einzelspuren als auch auf Bussen hilft ihm das Plug-in dabei, die perfekte Balance zwischen Klarheit und Fülle zu finden – ganz ohne den Mix plattzukomprimieren.
Im Interview sprechen wir über Boris’ Mixing-Philosophie, seine liebsten Einsatzbereiche für Transient Master und die Bedeutung von Attack und Sustain beim Einsatz melodischer Elemente im Club-Kontext.
Springe direkt zu diesen Abschnitten:
- Warum Boris auf Transient Master setzt, um Überkompression zu vermeiden
- Wie Boris Referenz-Tracks für das Transienten-Design nutzt
- Warum Intuition wichtiger ist als Messwerte
- Sein bevorzugter Weg, Drums und Synths für maximale Dancefloor-Energie zu bearbeiten
- Transient Master im Vergleich zu anderen Mixing-Tools in seiner Kette
- Wie sich Transient Master schon früh in die Produktion einbinden lässt
- Was Uber On Call zu einem Wendepunkt in seinem Katalog macht
Der Einblick in Boris’ Workflow zeigt, wie kleine, gezielte Handgriffe im Mix einen größeren emotionalen Bogen spannen können – und wie er seinen Tracks selbst bei maximaler Energie Lebendigkeit verleiht. Mehr dazu erfährst du unten im Interview.
Wie viel Transientenbearbeitung ist in der Dance-Music bei dir reines Ausprobieren?

Um ehrlich zu sein, hat vieles davon mit Trial-and-Error zu tun, aber im Grunde geht es vor allem ums Gefühl. Man probiert Verschiedenes aus und vertraut seinem Gehör.
Heute habe ich das Gefühl, dass wir wieder zu dynamischeren Mixen zurückkehren.
Klar geht es immer noch darum, eine hohe Lautheit zu erreichen, aber in der Dance-Music ist das längst nicht mehr so extrem wie früher. Wir kehren zu Mixen mit mehr Tiefe zurück. Genau dafür setze ich den Transient Master sehr oft ein. Wenn ich zum Beispiel am Sound eines Synthesizers arbeite, der eine Melodie oder eine Akkordfolge spielt, gebe ich ihm mit dem Transient Master etwas mehr Attack, damit er sich im Mix durchsetzt.
Nutzt du Referenz-Tracks, um den Kontrast in deinem Mix zu überprüfen – gerade bei so heiklen Elementen wie Transienten?
Ja, beim Produzieren vergleiche ich sehr viel mit Tracks, die mir gefallen. Vor allem, um zu sehen, ob mir bei meinen Elementen wie Drums oder Synths eine ähnliche Dynamik gefällt. Transienten-Design spielt da definitiv eine große Rolle.
Besonders wichtig ist das bei den Tracks, die ich live spiele. Die Elemente müssen klar, präzise und knackig sein. Es geht nicht nur um fette Bässe – auch wenn die natürlich wichtig sind –, sondern gerade auch um die brillanten Sounds ganz oben.
Gehst du beim Einstellen der Transienten im Mixdown mittlerweile eher technisch oder intuitiv an das Thema Kontrast heran?

Ehrlich gesagt ist es mittlerweile viel intuitiver. Ich stelle Transienten nach Gehör ein. Ich glaube nicht, dass man so etwas exakt messen kann. Es geht vielmehr darum, wie es sich anfühlt und wie es klingt, wenn ich die Musik live spiele.
Ich arbeite zum Beispiel viel mit Kick-Drum-Samples, aber sie klingen nie von vornherein genau so, wie ich sie haben will – oder sie passen zumindest nicht perfekt in den Mix. Wenn eine Kick zu viel Körper oder zu viel Low-End hat, passe ich das Sustain im Transient Master an, um etwas davon wegzunehmen. Wenn es an Attack fehlt (was oft passiert), helfe ich mit dem Attack-Regler nach.
Auf welches konkrete Element in Uber On Call hatte Transient Master den größten Einfluss?
Auf die Drums und die Synths! Im zweiten Teil des Drops habe ich zum Beispiel nach etwas Knackigem gesucht, nach einer gewissen Aggressivität in den Synths.
Und wenn du die Drums ohne den Transient Master hören würdest, wärst du ziemlich überrascht. Ich habe ihn praktisch überall eingesetzt. Er bringt definitiv Punch und Brillanz rein. Letztlich benutze ich ihn sogar öfter als einen EQ. Das ist etwas völlig anderes: Wir manipulieren die Klangwelle direkt in Echtzeit.
Wie schlägt sich Transient Master im Vergleich zu Lautstärke-Automation oder EQ für denselben Zweck?

Für mich ist es keins von beidem so richtig. Ich würde es eher mit Kompression vergleichen. Wie schon bei der Kick erwähnt: Ich nutze ihn oft, um den Attack anzuheben, wenn er fehlt, oder das Sustain zurückzunehmen, wenn die Kick zu dröhnend ist. Er ist enorm effektiv, ähnlich wie ein Kompressor.
Wenn ich mit einem EQ Höhen oder Mitten bei einem Lead-Synth anhebe, betrifft das nur diese konkreten Frequenzen. Beim Transient Master geht es um etwas anderes: Wir bringen den Lead-Sound und die gespielten Noten nach vorn, indem wir den Attack verstärken.
Man könnte das vielleicht auch mit Lautstärke-Automation lösen, aber das würde alles nur unnötig verkomplizieren.
Greifst du schon früh im Produktionsprozess zu Transient Master oder erst beim finalen Mixdown?
Ich setze Transient Master direkt während der Session ein, sobald ich spüre, dass es nötig ist. Ich arbeite am liebsten mit Elementen weiter, die schon gut klingen – so bekomme ich früh ein Gefühl für die Power des Tracks.
Vor allem auch, weil ich meine Tracks schon ziemlich früh live teste. Manchmal habe ich erst einen Drop fertig und spiele den Track trotzdem schon im Club. Dafür muss der Mix einfach stimmen. Außerdem macht es viel mehr Spaß, einen Track weiterzubauen, wenn alles schon amtlich klingt, statt am Ende noch mal von vorn anfangen zu müssen.
Was ist rückblickend der wertvollste Ratschlag rund ums Produzieren, den du je bekommen oder selbst gelernt hast?
Wenn ich einen Rat weitergeben darf, dann diesen: Konzentriere dich auf die Dynamik deiner Tracks. Es geht nicht nur darum, die Musik so laut wie möglich zu machen. Manche Elemente müssen herausstechen, und Transient Master ist dafür genau das richtige Werkzeug – ganz egal, um welches Genre es geht. Er sorgt für Tiefe, wo sie gebraucht wird.
Aus Erfahrung weiß ich: Eine Idee ist selten von Anfang an genial. Man muss daran feilen, die richtigen Sounds auswählen, den Track sauber abmischen und Zeit investieren. Manchmal habe ich eine Idee, die auf dem Papier gut wirkt – aber sobald sie im Track landet, klingt sie schrecklich. Stecke ich dann aber Arbeit rein und schraube am Sound, nimmt alles Gestalt an und wird richtig gut. Was ich damit sagen will: Eine intuitive Idee ist selten schlecht. Man muss sie nur gründlich ausarbeiten.
Das führt mich direkt zu einem weiteren Punkt: Gib einen Track nicht zu früh auf. Es gab schon so oft Tracks, die monatelang auf meiner Festplatte lagen, bevor ich wieder darauf zurückgekommen bin. Der Track war nicht unbedingt schlecht – vielleicht war es einfach nicht der richtige Moment oder mir fehlte gerade die klare Vision. Oft hilft es, Abstand zu gewinnen und später mit frischen Ohren ranzugehen. Manchmal ist es eben gar nicht so leicht, das, was man im Kopf hat, in die Software zu übertragen.
Wir sind schließlich keine Roboter. Es braucht Arbeit, Zeit und den richtigen Blickwinkel.
Die einfachsten Melodien sind oft die stärksten. Klingt simpel, stimmt aber. Und interessanterweise ist genau das am schwersten umzusetzen: Eine einfache Melodie braucht extrem starkes Sound-Design, um wirklich herauszustechen. Wenn man das einmal geknackt hat, hat man gewonnen.
Mein letzter Rat: Hab Spaß und zerbrich dir nicht den Kopf. Musik ist ein Gefühl, eine Kunstform, und sie sollte intuitiv entstehen. Heutzutage wird man beim Musikmachen fast automatisch dazu gedrängt, an Marketing zu denken – und stellt den eigenen Instinkt schnell hintenan. Aber die Leute spüren den Unterschied. Genau das macht Musik aus: Eine einfache Idee, und sei sie noch so schlicht, berührt Menschen, wenn sie von Herzen kommt.
Fazit

Bei Boris Ways Ansatz geht es um subtile Eingriffe, die sich in der Summe bemerkbar machen. Tools wie Transient Master helfen ihm dabei, die Balance zwischen Druck und Detail, Club-Power und melodischer Leichtigkeit zu halten. Mit Uber On Call entwickelt er seinen Sound konsequent weiter – fokussiert, persönlich und auf den Punkt. Ein Track, der ordentlich Druck macht, ohne überladen zu wirken.
Es lohnt sich, Boris im Auge zu behalten: Er startet gerade in eine neue Phase – und seine Mixdowns werden mit jedem Track noch präziser.