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Von Napoleon Dynamite bis Cyberpunk 2077: Wie NI die Geschichte von Brian McNelis prägte

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Brian McNelis

Brian McNelis hat seine Karriere an der Schnittstelle von Musik, Film und Technologie verbracht.

Von der Produktion des Soundtracks zu Napoleon Dynamite zu Beginn seiner Laufbahn bis hin zur musikalischen Mitgestaltung von Cyberpunk 2077: Seine Arbeit schlägt eine Brücke zwischen den kreativen, technischen und logistischen Facetten, die nötig sind, damit Musik ihr Publikum erreicht. Als President von Lakeshore Records betreute er einen Katalog mit 11 Grammy-Nominierungen, einem Grammy-Gewinn und zahlreichen Billboard-Charterfolgen – und etablierte das Label als eine der führenden Adressen für unabhängige Soundtracks.

Seine Geschichte mit Native Instruments reicht mehr als zwei Jahrzehnte zurück. Alles begann Ende der 1990er-Jahre auf der NAMM, als er Better Living Through Circuitry produzierte. Dieser Dokumentarfilm über die Kultur der elektronischen Musik fing die erste Welle digitaler Produktionstools ein, die ihren Weg in den Mainstream fanden.

Schon früh setzte er auf Reaktor, B4, Pro 5, Battery und Kontakt und integrierte sie in hybride analog-digitale Setups, die den damaligen Studio-Workflow prägten.

Aus Neugier wurde mit der Zeit eine unverzichtbare Infrastruktur. Heute betrachtet McNelis die NI-Software nicht bloß als eine Sammlung kreativer Tools, sondern als eine Art Kommunikationsplattform, die Komponist*innen, Music Supervisor und Produzent*innen miteinander verbindet.

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In Hunderten von Projekten – von Independent-Filmen bis hin zu AAA-Games – bilden Kontakt, Battery und Komplete das Herzstück seiner Arbeit. Mit ihnen verwandeln seine Teams kreative Visionen in Sound und liefern selbst unter wechselnden Deadlines verlässlich ab. Doch lassen wir ihn selbst von den Anfängen erzählen.

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Du nutzt Native Instruments schon sehr lange. Wie bist du damals zum NI-Ökosystem gekommen und warum ist es über all die Jahre das Herzstück deines Workflows geblieben?

Mit Native Instruments kam ich erstmals in den späten 1990er-Jahren in Berührung – wahrscheinlich 1998 oder 1999 auf der NAMM, vielleicht sogar noch etwas früher. Damals produzierte ich zusammen mit Cleopatra Records die Dokumentation Better Living Through Circuitry über elektronische Musik und Rave-Kultur. Wir waren besessen von allem, was sich in der elektronischen Musikszene tat, und fasziniert davon, wie Software begann, die Musikproduktion und die gesamte Kultur von Grund auf zu verändern.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir in jenem Jahr auf der NAMM ein paar der ersten NI-Gründer bzw. Köpfe des Unternehmens interviewt haben – wenn ich mich nicht irre, waren es Stephan und Daniel. Gut möglich, dass ich sogar noch die originalen Mini-DV-Bänder habe, die wir vor Ort gedreht haben. Auf diesem Material schlummert eigentlich noch ein ganz anderer Film, der es nie in den finalen Schnitt geschafft hat – so viel großartiges Zeug. Ich habe mir immer gewünscht, wir hätten einen zweiten Teil machen können, der noch tiefer geht, aber wie so oft fehlten am Ende einfach Zeit und Ressourcen.

Studio-Session mit Battery
Studio-Session mit Battery

Damals war Generator (woraus später Reaktor wurde) wahrscheinlich das Flaggschiff. Ich erinnere mich auch an die B4 und den Pro-5, obwohl die wirklichen Gamechanger für mich – Battery und Kontakt – erst etwas später kamen.

Während der Produktion von Better Living Through Circuitry arbeitete ich auch mit meinem Remix-Partner Gregory Butler zusammen. Er war damals bei Steinberg, half aber später dabei, die erste Native Instruments-Niederlassung in Los Angeles aufzubauen. Gemeinsam übernahmen wir Aufträge für Hypnotic – einen Zweig von Cleopatra Records, der Tracks von The Future Sound of London und Paul Oakenfold veröffentlichte, neben Compilations mit The Prodigy und Juno Reactor.

Unser Pseudonym war Aleister Einstein – eine Anspielung auf „Evil Genius“ oder „Art Versus Science“. Wir hatten ein erstklassiges Studio an der Highland Avenue in Hollywood, aufgebaut um ein Pro Tools 888-Rig und ein Mackie 3208-Mischpult, alles summiert auf einen Stereo-DAT-Rekorder. Ich habe dieses Setup geliebt. Ich wünsche mir immer noch, jemand würde ein modernes Pendant zum 3208 bauen – das Allen & Heath ZED-436 kommt dem heute wahrscheinlich am nächsten.

Brian McNelis mit Kontakt
Brian McNelis mit Kontakt

NI-Software wurde zu einer Kernkomponente unseres digitalen Setups. Die Veröffentlichungen von Battery und Kontakt waren ein echter Meilenstein: Sie ermöglichten uns den Übergang von einem hybriden Setup – in dem wir uns noch stark auf Hardware wie den Akai S3000 und Kurzweil K2000R verließen – hin zu einem wesentlich schlankeren, virtuellen Workflow.

Rechenleistung war damals eine riesige Hürde. Man musste extrem strategisch vorgehen und Spuren fortlaufend bouncen, um CPU-Überlastungen zu vermeiden. Es war ein ständiger Drahtseilakt: Festplatten defragmentieren, um Glitches vorzubeugen, und 32 Spuren in Pro Tools verwalten, die auf zwei Laufwerke verteilt waren. Rückblickend war die geistige Akrobatik, die nötig war, nur um einen Absturz der Session zu verhindern, der pure Wahnsinn – aber es war uns egal. Die Software war so faszinierend, dass wir einfach nur gespannt waren, wohin die Reise gehen würde.

Wie setzt du NI-Tools im Alltag als Supervisor oder Produzent ein? Gibt es zum Beispiel bestimmte Kontakt-Libraries, Effektketten oder Tools, die dir dabei helfen, musikalische Entscheidungen zu bewerten oder zu formen?

Meine Karriere hat sich seit diesen Tagen als Studio-Nerd stark weiterentwickelt. Ich habe mein ganzes Erwachsenenleben in der Musik- und Entertainmentbranche verbracht, und ich bin überzeugt, dass es unglaublich wertvoll ist, selbst einen musikalischen Hintergrund zu haben, wenn man im Dienst von Musiker*innen arbeitet.

Auch wenn meine Zeit als hauptberuflicher Produzent und Remixer nur ein bestimmtes Kapitel war, hat sie mir eine gemeinsame Sprache gegeben. Wenn ich heute als Supervisor mit Komponist*innen arbeite, sprechen wir über Tonarten, Akkordfolgen und Melodien – aber wir sprechen eben auch die Sprache der Produktion.

Das Studio von Brian McNelis
Das Studio von Brian McNelis

Ein fundiertes Verständnis der neuesten Libraries ermöglicht es mir, als Übersetzer zwischen Nicht-Musiker*innen (Regisseur*innen oder Studiobossen) und den Kunstschaffenden zu vermitteln. Ich habe zum Beispiel schon mit Filmschaffenden gearbeitet, die echte „Klang-Allergien“ hatten. Ein Produzent hört ein analoges Streicher-Pad und tut es sofort als „zu sehr nach Science-Fiction“ für ein Drama ab. Jemand anderes schreckt vor orchestraler Perkussion wie Pauken oder Vibraphonen zurück.

In solchen Momenten ist es Gold wert, die Native Instruments-Suite griffbereit zu haben. Ich kann schnell eine Alternative skizzieren oder verschiedene Sounds anspielen, um genau den Ton zu treffen, der die richtige emotionale Wirkung erzielt – ganz ohne dass die Regie Fachbegriffe kennen müsste. Wir probieren einfach so lange Sounds aus, bis das Gefühl stimmt.

Heute passt dieser ganze Zauber auf mein MacBook Pro. Ich reise mit einem kompletten Studio: eine eigene SSD für NI-Libraries, mit Klettband am Displaydeckel befestigt, und ein kompaktes USB-Keyboard im Rucksack. In den 90er-Jahren wäre so ein Setup undenkbar gewesen.

Ich kann gar nicht sagen, dass ich mich auf ein bestimmtes Instrument aus der Library konzentriere – denn die Anforderungen ändern sich von Projekt zu Projekt, von Tag zu Tag und je nachdem, welche Persönlichkeiten zusammenarbeiten. Menschen dabei zu helfen, ihre Vision durch Musik auszudrücken, ist für mich eine der erfüllendsten Aufgaben überhaupt.

Sie wissen vielleicht nicht, was ein analoger Streichersynthesizer ist oder was Reverb von Delay unterscheidet. Aber sie wissen das Wichtigste: welches Gefühl sie vermitteln wollen. Und genau darin besteht unsere Aufgabe als Music Supervisor oder Songproduzent*innen – ihnen dabei zu helfen, genau dieses beabsichtigte Gefühl zum Ausdruck zu bringen.

Wenn du Komponist*innen durch ein Projekt begleitest: Wie oft werden NI-Instrumente oder -Effekte Teil dieser gemeinsamen Sprache?

Haha! Ich glaube, die Frage habe ich gerade schon fast beantwortet. Aber um Missverständnisse zu vermeiden: Ich möchte nicht, dass jemand denkt, meine Aufgabe sei es, Komponist*innen zu „belehren“. Sie sind die Profis, die riesige Mengen an Musik schreiben, die sich dem Filmschnitt ständig neu anpassen muss. Dennoch gibt es immer wieder kreative Differenzen – meistens sind das aber bloß verschiedene Wege zum selben emotionalen Ziel. Genau hier wird eine gemeinsame Sprache unverzichtbar. Man merkt schnell, wie bestimmte Akkorde, Phrasierungen oder Instrumente die Wahrnehmung eines Menschen prägen – und man muss fähig sein, diese Empfindungen in konkrete musikalische Ideen zu übersetzen.

Auf der Mischbühne
Auf der Mischbühne

Ich habe zum Beispiel einmal an einem Mystery-Fantasy-Film gearbeitet, bei dem die Filmmusik Holzbläser einsetzte, um eine magische Stimmung zu erzeugen. Während das für den Komponisten nach „übernatürlich“ klang, fühlte sich die Produzentin sofort an einen klassischen Disney-Film erinnert. Wenn Filmschaffenden das technische Vokabular fehlt, ist es mein Job herauszufinden, was sie aus der Szene reißt – und eine musikalische Alternative zu finden, die emotional funktioniert. Oft geht es darum, die unterschiedlichen Bedeutungen desselben Wortes auszuloten: Für die eine Person bedeutet „Fantasy“ vielleicht etwas Helles, Zauberhaftes, für eine andere etwas viel Düstereres.

Mit den Libraries und Samples von Native Instruments können wir solche Alternativen schnell ausloten, ohne den Workflow beim Komponieren zu unterbrechen. Wenn ich konkrete Sounds vorstellen oder kurze Skizzen anfertigen kann, um zu zeigen, wie unterschiedliche Instrumente zusammenwirken, hilft das dem gesamten Team, eine Lösung zu finden, mit der alle glücklich sind. Manchmal dreht sich der Prozess auch im Kreis und die Produktion merkt, dass die ursprüngliche Idee doch die beste war – aber mit diesen Werkzeugen parat kommen wir wesentlich schneller zu diesem Schluss.

Letztlich geht es uns allen um die bestmögliche emotionale Wirkung: Wenn die Musik genau die richtige Resonanz erzeugt, hat sie ihr Ziel erreicht.

Du hast den Soundtrack von Cyberpunk 2077 mitkuratiert – einen der meisterwähnten Game-Soundtracks der jüngeren Geschichte. Wie hat dein Workflow in Produktion und Supervision die Auswahl dieser Künstler*innen beeinflusst?

Das Projekt Cyberpunk 2077 war eine Mammutaufgabe, die fast vier Jahre lang tägliche, intensive Arbeit erforderte. Mein Partner Eric Craig und ich kamen an Bord, weil das Entwicklerteam von CD Projekt Red Fans unserer Arbeit am Film Drive war. Das Ziel war extrem ambitioniert: Jeder einzelne Song im Spiel – rund 150 Tracks – sollte exklusiv und unverwechselbar für die Welt von Night City sein.

Wir haben über vier Jahre daran gearbeitet. Eines unserer Hauptziele war, dass jedes Musikstück einzigartig an das Spielerlebnis von Night City gekoppelt sein musste. Die Spielenden sollten das Gefühl haben, diese Klänge in der Zukunft zum allerersten Mal zu hören.

Cyberpunk 2077
Cyberpunk 2077

Um die Illusion einer futuristischen Welt perfekt zu machen, erhielten alle beteiligten Acts fiktive In-Game-Pseudonyme. Das machte den A&R-Prozess unglaublich intensiv, da wir uns durch Tausende von Einsendungen hörten, um sicherzustellen, dass jeder Track exakt zum Vibe des jeweiligen Radiosenders im Spiel passte. Das Projekt erforderte eine gewaltige operative Infrastruktur, allein um Versionen, Feedback und Revisionsstände jedes einzelnen Songs im Blick zu behalten.

Ein Projekt dieser Größenordnung wäre ohne ein Studio-Setup, das blitzschnelle Produktion und unkomplizierten Austausch erlaubt, schlicht unmöglich gewesen. Eric und ich verbrachten Tage im Studio, hörten uns Demos an und nutzten Instrumente und Effekte von NI, um spontan neue Ideen auszuprobieren. Oft schlugen wir den Acts ganz konkrete Anpassungen vor – zum Beispiel einen anderen Synth-Bass oder eine spezielle Distortion auszuprobieren, damit der Track noch besser in diese Zukunftswelt passte.

Diese Zusammenarbeit brachte viele Künstler*innen aus ihrer Komfortzone. Wir wollten, dass die Bands sie selbst blieben – aber in einer Version, die in diese Welt der Zukunft passte. Dank der gemeinsamen Sprache, die uns diese Produktionstools boten, konnten wir präzises Feedback geben. So stellten wir sicher, dass die emotionale Wirkung immer perfekt zur Story des Spiels passte – selbst wenn ein Act stilistisches Neuland betrat.

Wenn du auf deinen Katalog zurückblickst – von Indie-Filmen bis hin zu großen Blockbuster-Games: Welche Rolle spielten NI-Tools für die Kontinuität über eine so lange Zeitspanne hinweg?

Wenn ich auf einen Katalog zurückblicke, der von elektronischer Musik der 90er-Jahre bis hin zu modernen AAA-Games reicht, zieht sich NI wie ein roter Faden hindurch. Meine Rolle hat sich vom Remix-Tüftler im Studio zum Executive entwickelt, der Score-Sequencing und Soundtrack-Produktionen leitet – aber die zentralen Werkzeuge sind bemerkenswert beständig geblieben. Noch heute binde ich Battery und Kontakt standardmäßig in meine Projekttemplates ein, genau wie vor Jahrzehnten.

Zu meinen stolzesten frühen Erfolgen gehört der Soundtrack zu Napoleon Dynamite. Zwei Songs für dieses Album habe ich in meinem eigenen Studio aufgenommen – „Design“ und ein Cover von „Time After Time“ – und Software von NI war für diese Produktionen absolut unverzichtbar. Später, beim Remake von Fame im Jahr 2009, verbrachten Eric und ich anderthalb Jahre in Studios, um gemeinsam mit dem Cast Songs zu koproduzieren. Auf diesem Niveau zu arbeiten, wäre ohne Native Instruments schlicht unmöglich gewesen. Punkt.

Brian McNelis bei einer Session mit Battery
Brian McNelis bei einer Session mit Battery

Heute hat die Technologie einen Punkt erreicht, der in den 90er-Jahren wie reine Zauberei gewirkt hätte. Mittlerweile reise ich mit etwas, das im Grunde ein komplettes Studio auf meinem Laptop ist – so kann ich meinen Workflow von überall auf der Welt aufrechterhalten. Diese Mobilität ist unverzichtbar, egal ob ich an einer Score-Sequenz für ein großes Franchise arbeite oder die Einreichung von Komponist*innen sichte.

Letztlich ist meine Philosophie immer dieselbe geblieben: Die Tools sollten die Kommunikation beschleunigen, den Workflow reibungsloser gestalten und die emotionale Wirkung verdeutlichen. Was in den Anfängen der Software-Ära aus Neugier begann, ist heute ein wesentlicher Bestandteil meiner Arbeit mit komplexen kreativen Ökosystemen geworden. Diese Balance zwischen Kreativität und Struktur prägt nach wie vor meinen Prozess und mein Wirken in der modernen Musik.

Fazit

Brians Verbindung zu Native Instruments erstreckt sich über die gesamte moderne Geschichte der digitalen Musikproduktion. Was damals aus reiner Neugier während der ersten Software-Welle begann, ist heute ein fester Bestandteil seiner Arbeit mit komplexen kreativen Ökosystemen. Die Tools von NI sind dabei nicht aus Nostalgie im Einsatz, sondern aus reiner Praxisnähe – sie schaffen ein verlässliches Fundament, das Musiker*innen, Produzent*innen und Entscheider*innen in jeder Phase eines Projekts miteinander verbindet.

Ob bei Filmen, Soundtracks oder weitläufigen Game-Welten – seine Philosophie ist stets dieselbe geblieben: Tools sollten die Kommunikation beschleunigen, den Workflow reibungsloser gestalten und die emotionale Wirkung verdeutlichen. Diese Balance zwischen Kreativität und Struktur definiert weiterhin seinen Prozess wie auch sein Vermächtnis in der Musikproduktion und im Music-Supervising.

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