Hardstyle zeichnet sich durch energiegeladene Beats, verzerrte Sounds und treibende Basslines aus und verbindet oft Elemente aus Trance und Hard Trance.
In diesem Tutorial tauchst du in die Welt des Hardstyle ein und lernst, wie du Hardstyle-Tracks produzierst: von Sound-Design über Bearbeitung und Arrangement bis hin zu Mastering-Tipps für einen kraftvollen, dynamischen Drop, der am Ende so klingen kann:
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In diesem Walkthrough nutzen wir Native Instruments Massive X, Drum-Samples aus Battery 4 in Komplete Kontrol, Raum (kostenlos erhältlich als Teil von Komplete Start) und das Crush Pack sowie iZotope Neutron 4 und Ozone 11, um einen Hardstyle-Drop von Grund auf zu bauen.
Was ist Hardstyle?
Hardstyle ist eine kraftvolle, schnelle Spielart der elektronischen Tanzmusik, die sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus niederländischem Hardcore und Hard Trance entwickelt hat. Das Genre ist bekannt für stark verzerrte, obertonreiche Kick-Drum-Sounds, schneidende Synths und eine gewaltige Stadion-Atmosphäre.
Moderner Hardstyle greift häufig Einflüsse aus kommerzielleren Stilen wie Pop, R&B und Trap auf und setzt auf „Screech“-Kicks, die vom härteren Rawstyle-Subgenre inspiriert sind.
Das Tempo von Hardstyle-Tracks liegt typischerweise zwischen 150 und 160 BPM. Je nach speziellem Subgenre und Vorlieben der Artists kann die Geschwindigkeit jedoch leicht variieren.
Schauen wir uns eines der wichtigsten Elemente eines Hardstyle-Tracks an: den Drop. Der Hardstyle-Drop ist der Höhepunkt eines Tracks, geprägt von einem plötzlichen, intensiven Wechsel in Rhythmus, Energie und Melodie. Verzerrte Kicks, frenetische Synths und aggressive Basslines erzeugen dabei maximale Dancefloor-Energie.
So baust du einen Hardstyle-Drop
1. Erstelle eine Hardstyle-Kick-Drum
Das Erstellen einer Hardstyle-Kick-Drum ist eine Wissenschaft für sich. Für den Anfang bauen wir eine verzerrte Kick, die wir anschließend resamplen. Das bedeutet: Sobald der Sound steht, rendern wir ihn als Audiodatei, laden ihn in einen Sampler und bearbeiten ihn weiter.
Stelle zunächst das Projekttempo in deiner Musiksoftware auf 160 BPM ein – das ideale Tempo für einen modernen Hardstyle-Track.

Erstelle eine neue MIDI-Spur und lade eine Instanz von Komplete Kontrol. Klicke in Komplete Kontrol auf den Tab „One-shot“ und gib „Kick 909X 2“ in das Suchfeld ein. Damit findest du das passende Kick-Drum-Sample aus der Battery 4-Library.

Klicke doppelt auf die Kick 909X 2, um sie zu laden, und spiele das Sample ab. Programmiere sie so, dass sie auf jeder Viertelnote eines Takts auf C3 triggert. Sofern nicht anders angegeben, nutzen wir in diesem Walkthrough durchgehend einen Velocity-Wert von 100.

Eine typische Hardstyle-Technik besteht darin, Verzerrer- und Equalizer-Effekte in Reihe zu schalten, um den Sound zu formen und Obertöne herauszuarbeiten. Als Hauptverzerrer nutzen wir das Native Instruments Crush Pack – genauer gesagt den Effekt Bite. Als EQ kannst du den integrierten Equalizer deiner DAW verwenden.
Zuerst fügen wir einen Distortion-Effekt hinzu: Lade eine Instanz von Dirt und wähle das Preset Synth + Keys > Devil Fish. Stelle Drive A auf 68,5 %. Schon haben wir eine fette, verzerrte Hardcore-Techno-Kick.

Füge nun einen EQ vor dem Dirt-Effekt ein. Dadurch wird der Klang der Kick geformt, bevor er in die Verzerrung geht – was einen enormen Unterschied für die Klangfarbe macht. Senke bei 50,5 Hz um -13,3 dB und bei 170 Hz um -11,5 dB ab und hebe bei 383 Hz um 11,8 dB an. Das betont die Mitten gegenüber dem Bassbereich.

Füge jetzt ein weiteres Bite hinzu und wähle hier das Preset Synth + Keys > Squeek. Stelle Drive A auf 9,5, Amount A auf 100 % und Drive B auf 32,5 % ein.

Füge vor der zweiten Dirt-Instanz einen weiteren EQ ein: Hebe diesmal bei 49,5 Hz um 4,59 dB an, bei 979 Hz mit einem Q-Wert von 0,22 um 5,83 dB und bei 1,86 kHz um 10,5 dB. Das betont erneut die Mitten, bringt aber gleichzeitig etwas Low-End zurück.

2. Resample die Kick-Drum
Jetzt haben wir eine hervorragende Ausgangsbasis für eine verzerrte Hardstyle-Kick. Exportiere nun das Audio aus deiner DAW. In Ableton Live kannst du die Spur alternativ einfach einfrieren und auf eine neue Audiospur reduzieren („Freeze & Flatten“), wie wir es hier gemacht haben.
Ziehe die Audiodatei der Kick-Drum in den Sampler deiner Wahl. Wir nutzen das Live-Instrument Simpler, das standardmäßig auf einen Ausgangspegel von -12 dB eingestellt ist. Das solltest du im Hinterkopf behalten, da wir weitere Verzerrung hinzufügen und die Lautstärke des Samples das Verhalten des Effekts beeinflusst. Die ursprüngliche Kick-Spur kannst du anschließend löschen.

Stelle den Sampler so ein, dass er ab dem letzten Kick-Hit des Samples abspielt. Justiere die Lautstärke-Hüllkurve des Samplers auf ein Sustain von -14 dB mit einem Decay von 76,1 ms und einem Release von 173 ms.

Erstelle einen vier Takt langen MIDI-Clip und programmiere die Kick-Drum auf jedem Beat, mit triolischen Achtelnoten auf dem letzten Schlag des zweiten Takts und Achtelnoten am Ende des vierten Takts. Wir verwenden die Tonhöhe C3 und einen Velocity-Wert von 120.

Füge nun den Bitcrusher-Effekt Bite auf der Sampler-Spur hinzu und wähle das Preset Re-Sampled > Low Res. Stelle die Rate auf 9,86 kHz, Bits auf 6, Crunch auf 51 %, Saturation auf 8 dB und Mix auf 66,5 %.
Bitte beachte: Durch diese extreme Verzerrung entsteht ein hoher Pfeifton, sobald der letzte Kick-Schlag ausklingt. In der finalen Version des Songs würdest du das einfach ausblenden. Da wir davor jedoch noch weitere Effekte einfügen wollen, lassen wir die Signalkette vorerst aktiv, statt die Spur erneut zu bouncen.

Auch hier können wir den Sound weiter formen, indem wir einen EQ vor diesen Verzerrungseffekt setzen. Füge einen EQ ein und hebe bei 1,11 kHz mit einem Q-Wert von 0,13 um 4,09 dB an. Das macht den Klang einen Hauch brillanter.

Füge nun hinter dem Bite-Effekt eine Instanz des iZotope Neutron 4 Transient Shaper ein. Setze die Multiband-Trennfrequenzen auf 200 Hz und 6 kHz, stelle das Sustain des mittleren Bandes auf -6,2 und das Sustain des Höhenbandes auf +12,8. Das betont noch einmal zusätzlich die oberen Höhen des Sounds.

Lass uns noch einen weiteren EQ zur Klangformung ergänzen: Hebe diesmal bei 47,4 Hz um 1,43 dB und bei 250 Hz um 2,14 dB an, und senke bei 861 Hz um -8,06 dB ab.

3. Füge eine zusätzliche Kick-Drum hinzu
Unsere resampelte Kick hat zwar viele Obertöne, aber durch die ganze Verzerrung hat sie an Punch verloren. Fügen wir also eine weitere Kick-Drum hinzu, um den Druck zurückzuholen. Lade auf einer neuen MIDI-Spur eine Instanz von Komplete Kontrol, wähle den One-shot-Tab und suche diesmal nach „Kick 909 26“. Lade dieses Sample.

Stelle diese Spur auf -15,8 dB und die resampelte Kick-Spur auf -1,2 dB ein, um beide abzustimmen.

Sequenziere diese Kick so, dass sie dasselbe Sample-Pattern wie zuvor spielt – wieder mit einer Velocity von 120, diesmal aber auf der Tonhöhe C#3, damit sie zur Tonhöhe der resampelten Kick-Drum passt.

Geben wir auch dieser Kick etwas Verzerrung mit. Lade eine Instanz von Dirt und wähle das Preset „Drums > Trapped Kick“.

Füge nun der resampelten Kick-Spur einen Kompressor hinzu und wähle als Sidechain-Eingangsquelle die zusätzliche Kick. Wir haben hier einen Threshold von -24 dB gewählt, um einen pumpenden Sound zu erzeugen.

4. Baue einen Screech-Sound
Für einen authentischen, zeitgemäßen Hardstyle-Sound brauchen wir einen Rawstyle-Screech. Die Factory Library von Massive X enthält mit „Scream Snare“ ein Preset, das sich ideal als Basis dafür eignet. Erstelle eine neue MIDI-Spur, lade darauf Massive X, öffne dann den Browser, suche nach „Scream Snare“ und lade das Preset.

Stelle diese Spur auf -10,9 dB ein.

Dupliziere die MIDI-Daten der zusätzlichen Kick-Spur, transponiere sie diesmal aber nach A4, damit sie zu den anderen Elementen passt.

Füge nun eine Instanz von Dirt hinzu und wähle das Preset „Acid“.

5. Füge einen Saw-Synth hinzu
Jetzt fügen wir einen Synthesizer im Supersaw-Stil hinzu, um das Energielevel zwischen den Beats hochzuhalten. Erstelle eine weitere MIDI-Spur, lade Massive X und wähle diesmal das Preset „April Dawn“.

Drehe das Reverb-Macro herunter.

Stelle diese Spur auf -10,6 dB ein.

Dupliziere die MIDI-Daten der Screech-Spur.

Setze einen Hochpassfilter bei 235 Hz an.

Füge eine Instanz von Dirt hinzu und wähle erneut das Preset „Acid“.

Füge nun eine Instanz von Bite hinzu und wähle das Preset „Crushed > Gate 9“.

Füge jetzt Raum hinzu und wähle das Preset „Large > Dreamy Synth“.

Um diesen Sound zum Pumpen zu bringen, füge einen Kompressor hinzu, wähle als Sidechain-Eingang wieder die zusätzliche Kick-Spur und stelle den Threshold auf -38,9 dB ein.

6. Erstelle ein Fill
Bauen wir nun ein Drum-Fill, das für einen nahtlosen Übergang in das Drop-Arrangement sorgt. Erstelle zuerst eine neue MIDI-Spur mit einer Instanz von Massive X und lade das Preset „Clap Master“.

Stelle diese Spur auf -17,7 dB ein.

Programmiere dieses Pattern mit einem Triolen-Roll am Ende auf der Note C3 und mit Velocity-Werten von 127.

Füge einen EQ hinzu und hebe 267 Hz und 696 Hz jeweils um 15 dB an.

Setze bei der Clap einen Hochpassfilter bei 495 Hz an.

Füge eine Instanz von Dirt hinzu und stelle Drive A auf 97,5 % sowie Drive B auf 27 % ein.

Komprimiere das Ganze nun mit Sidechain-Routing auf die Kick, diesmal mit einem Threshold von -15,7 dB.

Erstelle eine weitere MIDI-Spur. Lade Komplete Kontrol, wähle den One-shot-Tab und lade das Sample „Snare Pendulum 1“.

Stelle diese Spur auf -22,3 dB ein.

Dupliziere die MIDI-Daten der Clap-Spur.

Füge eine Instanz von Dirt hinzu und wähle das Preset „Trapped Kick“.

Füge einen EQ hinzu und hebe das Signal bei 1,21 kHz um 6,07 dB an.

Setze bei der Snare einen High-Pass-Filter bei 255 Hz an.

Füge Raum hinzu und wähle das Preset Creative > Caramel Guitar aus.

Wende nun Sidechain-Kompression mit der Kick als Trigger an und nutze wieder einen Threshold von -15,7 dB.

7. Den Drop arrangieren
Bevor wir den Drop bauen, erstellen wir einen etwas musikalischeren Part für den Saw-Synth. Kopiere diesen Part mit Velocity-Werten von 120 – beachte dabei, dass wir ein Triolen-Raster verwenden.

Hier ist das Drop-Arrangement.

Du wirst hören, dass der Saw-Synth während des Breakdowns eingeblendet wird. Dafür kommt ein Low-Pass-Filter zum Einsatz, der im Verlauf des Breakdowns von 280 Hz bis 16,6 kHz geöffnet wird. Acht Takte nach dem Drop wechselt der Saw-Synth außerdem wieder zum Breakdown-Pattern, um für Abwechslung zu sorgen.

8. Den Track mastern
Lade eine Instanz von Ozone 11 auf den Master-Bus und klicke auf den Button „Assistant View“. Ozone 11 wird dich auffordern, den Track an der lautesten Stelle abzuspielen. Spiele ihn ab Takt 9 ab.

Das Plug-in erstellt automatisch die idealen Einstellungen für diesen Track.

Jetzt energiegeladene Hardstyle-Musik produzieren
Hier haben wir gesehen, wie du deinen eigenen Hardstyle-Drop von Grund auf baust. Wenn du noch mehr erfahren möchtest, schau dir Elektronische Musik produzieren: Der ultimative Guide, 5 kostenlose Kontakt-Instrumente für elektronische Musik und Musikproduktion 101: Wie du mit dem Musikproduzieren startest an.