Zusammen sind MASCHINE und TRAKTOR ein absolutes Dream-Team. In dieser praktischen Anleitung erfährst du, wie du beide Systeme kombinierst, um deine DJ-Sets mit Groovebox-Power auf das nächste Level zu bringen.
(Dieses Tutorial gilt derzeit leider noch nicht für Windows-Systeme!)
Die leistungsstarken Features von TRAKTOR gehen weit über klassisches DJing hinaus – mit vier Decks, Stems-Funktionalität und Remix Decks. All diese Tools erweitern deine kreativen Möglichkeiten. Doch es gibt noch einen weiteren Weg: die Integration von MASCHINE in dein Setup.
MASCHINE mit einem Club-Mixer oder Audio-Interface einzurichten, ist denkbar einfach: Route einfach den Ausgang der Software auf einen der USB-Ausgänge des Mixers – schon hast du die volle Kontrolle über Lautstärke, Gain und alle weiteren Features des Mixer-Kanals. Aber wie sieht es aus, wenn du einen Controller mit integriertem Interface nutzt?
Was du brauchst
Die Software TRAKTOR PRO 2.11+, einen für TRAKTOR PRO gemappten DJ-Controller, MASCHINE + die Software MASCHINE 2.5.6+, JackAudio oder ein ähnliches Tool wie Soundflower sowie eine Ableton Link-Verbindung.
So geht's
Erstelle ein MASCHINE-Projekt mit den gewünschten Samples und synchronisiere es mit TRAKTOR. Ein lauffähiges Projekt aufzusetzen und erste Sounds aus MASCHINE herauszubekommen, ist jedoch nur ein kleiner Teil des gesamten Prozesses. Ein unkomplizierter Weg wäre ein zweites Audio-Interface für MASCHINE – das setzt allerdings voraus, dass du das Audiosignal in einen Mixer einspeisen kannst. Bei Interfaces mit Stereo-Eingängen, die direkt auf den Master Out geroutet sind (wie beim KONTROL S5), oder Geräten ganz ohne Eingänge wie dem Xone:K2 ist das jedoch nicht möglich. Falls dein Audio-Interface es erlaubt, kannst du beide Apps auch über denselben Ausgang laufen lassen und die Lautstärke separat in den jeweiligen Benutzeroberflächen regeln.
Doch wie sieht es aus, wenn du MASCHINE direkt über einen der Mixer-Kanäle deines Controllers laufen lassen möchtest?
Das Audiosignal von MASCHINE in TRAKTOR PRO einzuspeisen, ist der spannende – und etwas kniffligere – Teil. Dafür musst du das Audio innerhalb deiner Software von einer Anwendung zur anderen routen. Unter macOS helfen dir dabei plattformübergreifende Tools wie JackAudio oder Alternativen wie Soundflower.

Mit JackAudio richtest du ein virtuelles Audio-Routing zwischen deinen Software-Anwendungen ein – ganz ohne lästigen Kabelsalat. Du kannst sogar Mehrkanal-Ausgänge von einer App zur anderen erstellen, völlig unabhängig von den Limits deiner Hardware-Ein- und Ausgänge. JackServer routet das Audio in die und aus der Software, vorausgesetzt, der passende JackRouter-„Treiber“ ist als Audio-Ein- und -Ausgang ausgewählt. Sowohl Windows als auch macOS bieten dafür eine eigene GUI-App zur Konfiguration (Jack Portaudio bzw. JackPilot).
JackAudio wurde von Grund auf für ein zuverlässiges Routing mit extrem niedriger Latenz entwickelt – perfekt für professionelle Audio-Setups. Durch die Nutzung von JackAudio entsteht keinerlei zusätzliche Latenz; lediglich deine CPU wird bei der Audioverarbeitung etwas mehr gefordert.
TRAKTOR einrichten
Sobald du die Synchronisierung startest, initiiert Ableton Link einen 4-Beat-Loop-Zyklus (im 4/4-Takt), an den sich jede Software mit aktivem Link hält. Bei den meisten Anwendungen, bei denen Loops innerhalb fester Software-Grenzen laufen, reicht das völlig aus. Beim DJing arbeitest du jedoch im Live-Kontext mit dynamischer Musik – das bedeutet, dass dein Mix nicht immer exakt in diesem Raster liegt.
Ein typisches Beispiel: Du legst Back-to-Back mit jemandem auf, der rein nach Gehör beatmatcht. Wenn du aus dem letzten Track einmixen willst, orientierst du dich an den Beats der anderen Person – und nicht zwingend am Beginn eines Link-Loop-Zyklus. Ab diesem Moment ist TRAKTOR zwar intern synchronisiert, aber nicht mehr mit Link.

Wenn du den Befehl „Reset Downbeat“ mappst, wird der Link-Loop bei Aktivierung mit 1-Beat-Quantisierung neu gestartet. So läuft MASCHINE sofort wieder phrasengenau zur internen Clock von TRAKTOR. Am einfachsten weist du diesen Befehl einem noch unbelegten Button auf dem User-MIDI-Layer deines MASCHINE-Controllers zu, der sich intuitiv bedienen lässt. Wenn du beispielsweise die MASCHINE MIKRO nutzt, bietet sich der RESTART-Button in der Transport-Sektion an.
MASCHINE-Template
Audio in TRAKTOR hinein- und wieder herauszuleiten, ist die eine Sache. Aber wie richtest du alles Nötige in MASCHINE ein? Da wir nicht live einen kompletten Track produzieren, kannst du dein Projekt sehr schlank halten – fokussiert auf genau die Elemente, die deinen Mix bereichern.

Es gibt drei Hauptelemente, mit denen du dein MASCHINE-Projekt aufbauen kannst: Drum-Sequenzen, Sweeps und Synth-Melodien. Den Anfang machen die Drums: Mit einem Drum-Kit kannst du rhythmische Pattern programmieren oder Beat-Rolls erzeugen, um Build-ups und Drops in deinen Tracks mehr Druck zu verleihen. Ähnlich wie Beat-Rolls sorgen Sweeps für zusätzliche Spannung bei Build-ups, Breaks und Übergängen. Natürlich sind alle Elemente in deinem Projekt optional – Synths stehen dabei aber an letzter Stelle: Synth-Leads oder Basslines verändern den Gesamtmix drastisch, setzen ein gutes Verständnis für musikalische Strukturen voraus und gehören eher zu den fortgeschrittenen Techniken.
Drums
Das Fundament jedes MASCHINE-Projekts sind die Drums. Die mitgelieferte Library bietet Dutzende fertige Drum-Packs sowie Tausende von Samples zum Kombinieren – darunter viele legendäre Drum-Synths, die man sofort wiedererkennt. Kits hinzuzufügen ist ganz einfach: Suche sie in der Library und klicke bei ausgewählter leerer Gruppe doppelt darauf oder ziehe sie direkt in das Gruppen-Fenster, um eine neue Gruppe zu erstellen.

Ganz oben auf der Liste stehen die Drum-Machines der legendären TR-Serie von Roland. Als Wegbereiter der Dance-Music-Revolution sind TR-808 und TR-909 ebenso unverkennbar wie vielseitig einsetzbar. Über Sample-Packs von Drittanbietern kannst du auch die weniger bekannten Modelle TR-606 und TR-707 einbinden, die ihren ganz eigenen Sound mitbringen. Außerdem gibt es in der Library zahlreiche Kits für bestimmte Genres – und von bekannten Clubs oder Producer*innen –, bei denen sich das Durchhören definitiv lohnt.
Eigene Drum-Kits mit Sounds von Sounds.com oder mit Samples aus deiner eigenen Sammlung zu erstellen, ist unkompliziert: Erstelle einfach eine neue Gruppe in der Software und ziehe die Samples auf die einzelnen Sound-Slots. Vergiss nicht, die Gruppe so zu benennen, dass du sie im Set sofort wiedererkennst.
White-Noise-Sweeps
Je nach Genre kann weißes Rauschen deinen Übergängen und Breaks zusätzliche Dramatik verleihen. Du kannst dem Sound sogar einen Sidechain-Effekt verpassen, um diesen typisch pumpenden Groove zu erzeugen, den man aus vielen Dance-Genres kennt.
Statt das Rad neu zu erfinden: Auf YouTube gibt es dazu ein klares, kompaktes Video-Tutorial von Liquid Oxygen Studios. Statt nur ein einfaches Noise-Sample zu verwenden, zeigt die Anleitung, wie du mit MASSIVE einen flexibel modulierbaren White-Noise-Sweep für pumpende Build-ups baust.
Synths
Eine der großen Stärken von MASCHINE im Vergleich zu einem reinen TRAKTOR-Setup ist die riesige Auswahl an integrierten Synths wie MASSIVE sowie tausenden verfügbaren VST-Plug-ins. Abgefahrene Sounds, Drum-Synthese oder eigene Fills und Leads einzubauen, kann anfangs herausfordernd sein – lässt die Grenzen zu einer echten Live-Performance aber noch weiter verschwimmen.

Effekte und Macros hinzufügen
Das Tolle am Routing über TRAKTOR oder einen Mixer ist, dass du direkten Zugriff auf EQ, Filter, FX und Lautstärke hast. Gleichzeitig lohnt es sich, den Sound so nah an der Quelle wie möglich zu formen: Etwas Reverb auf den Drums verleiht ihnen Tiefe, und Effekte wie Delay oder Filter auf einzelnen Sounds sorgen für eine ganz persönliche Note.

Ziehe deine Effekte einfach per Drag-and-drop auf den Sound oder die Group, um sie zuzuweisen. Effekte auf jedem einzelnen Sound zu platzieren, verbraucht deutlich mehr Systemressourcen, als eine ganze Group durch einen Effekt zu schicken. Denk dran: Weniger ist mehr – du willst schließlich nicht das gesamte Frequenzspektrum überladen!
Du kannst in der Software auch Macros anlegen, um die Drehregler deiner MASCHINE-Hardware für den Schnellzugriff zu nutzen. Wenn du einen Parameter hinzufügen möchtest, klicke einfach mit der rechten Maustaste auf den Parameternamen und wähle dein Macro-Ziel: Master, Group oder Sound. Macros lassen sich im Signalpfad nur nach oben erstellen, nicht nach unten: Ein Sound-Parameter kann als Macro auf Master-, Group- oder Sound-Ebene eingerichtet werden, ein Master-Parameter jedoch nur auf Master-Ebene.
Ein einfaches Beispiel: Navigiere zu einem Sound in einem deiner Drum-Kits und öffne dessen Parameter.

Öffne den Reiter „Pitch/Envelope“, mache einen Rechtsklick auf „Tune“ und wähle „Create Sound Macro“.

Wiederhole das für jeden Sound im Kit – schon kannst du die Tonhöhe der Samples über die Macro-Sektion modulieren und deine Drum-Sequenzen spannend variieren.
Mit JackAudio MASCHINE in TRAKTOR routen
Um Audio von MASCHINE im Internal Mixer Mode in ein TRAKTOR-Deck einzuspeisen, benötigst du eine spezielle Software für das Routing. In diesem Fall nutzen wir JackAudio. Ob unter Windows oder macOS: Die Einrichtung von JackAudio läuft ganz ähnlich ab – lediglich manche Namen der mitgelieferten Apps unterscheiden sich, das Prinzip bleibt dasselbe.
Je nach Setup ist dieser Schritt optional und mit einigen deutlichen Einschränkungen verbunden. Falls du die Schritte durchgehst und eine unzumutbare Latenz feststellst oder keine stabile Synchronisierung über Ableton Link erreichst, kannst du Folgendes ausprobieren:
- Nutze Ableton Live als Host für das MASCHINE-Plug-in und synchronisiere darüber mit Link. Dazu musst du den PLAY-Button von Ableton Live auf deinen MASCHINE-Controller mappen.
- Richte einen MIDI-Sync zwischen TRAKTOR und MASCHINE ein und gleiche das Timing mit einem Latenz-Offset an.
Ableton Link
Schließlich musst du Ableton Link nur noch über den LINK-Button in MASCHINE und TRAKTOR aktivieren, damit alles synchron läuft. Sollten die Takte doch einmal auseinanderdriften (zum Beispiel, wenn du einen 1-Beat-Loop zum falschen Zeitpunkt verlässt) oder wenn du mit einer anderen Person auflegst, kannst du das Phrasing jederzeit mit dem zuvor gemappten „Reset Downbeat“-Befehl zurücksetzen.
