|Daniel Morse

TRAKTOR im Studio: Beats bauen mit dem DJ-Tool

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Using TRAKTOR in the studio: How the DJ tool is used to make beats

In Sachen DJ-Technologie blickt TRAKTOR auf eine lange Innovationsgeschichte zurück – hervorgegangen aus einer traditionsreichen Linie erfolgreicher Audio-Produktionswerkzeuge wie REAKTOR oder Effekt-Plug-ins wie GUITAR RIG. Ein Großteil der Entwicklung von TRAKTOR – darunter die Bibliothek an DJ-Effekten, die mächtigen Sync-Features und die Benutzeroberfläche – basiert auf dem Know-how, das bei der Entwicklung all der verschiedenen Native Instruments-Produkte entstanden ist.

Es überrascht also kaum, dass zukunftsorientierte Produzent*innen damit experimentieren, TRAKTOR fest in ihr Studio-Setup zu integrieren – nicht nur zum Auflegen, sondern zur Audiobearbeitung und Klangmanipulation. Die Spontaneität und einfache Bedienung machen TRAKTOR perfekt dafür, schnell mal einzutauchen und mit bis zu vier Bänken aus jeweils drei Effektketten unmittelbare Resultate zu erzielen.

exael, Konx-om-Pax und Huerco S. gehören zu einer Community, die TRAKTOR fest in ihren Produktions-Workflow eingebunden hat – vom Skizzieren erster Ideen bis hin zum finalen Effekt-Processing des Tracks. Und sie lernen dabei ständig voneinander. „Ich nutze Traktor seit etwa 2015 immer mal wieder als Produktionswerkzeug, nachdem Shy [Uon] und Brian [Huerco S.] meinten, dass sie damit Tracks arrangieren und Effekte hinzufügen“, erzählt exael.

Blending

Dem/der in Berlin lebenden Produzent*in exael ermöglicht TRAKTOR eine organischere Ästhetik im ambient-experimentellen Techno – sowohl durch freies Experimentieren als auch durch das Austesten von Track-Strukturen: „Ich nutze Traktor, um in Echtzeit ein Gefühl dafür zu bekommen, wie lange sich bestimmte Elemente wiederholen sollten oder wann ein neues Element hinzukommen muss. In einer Tracker-DAW wie Renoise ist das nicht immer so einfach.“

Genau wie exael nutzt auch DJ und Visual Artist Konx-om-Pax TRAKTOR zum Skizzieren und Jammen, um herauszufinden, wie verschiedene musikalische Elemente zusammenpassen: „Ich nutze es vor allem, um auszuprobieren, wie sich meine Tracks mit der Musik anderer Leute mischen lassen. Manchmal finde ich in Echtzeit einen Loop, der großartig klingt – was in [Ableton] Live wegen des nicht-unmittelbaren Playbacks so nicht passieren würde. TRAKTOR eignet sich einfach besser, um spontane Einfälle direkt als Skizzen festzuhalten.“

House- und Ambient-Electronica-Produzent Huerco S. nimmt Jam-Sessions eher klassisch auf und sucht dann in TRAKTOR nach Elementen, um den Track weiter aufzubauen und zu layern: „Über die Jahre hatte ich zwei verschiedene Setups: Zum einen FL Studio, zum anderen eine Auswahl an Hardware, die ich nutze, um [den fast fertigen Track] dann in TRAKTOR zu bearbeiten“, sagt er.

„Meistens fange ich damit an, längere Jams und Improvisationen von meiner Hardware in Audacity oder einem ähnlichen Tool aufzunehmen. Diesen Jam werfe ich dann in TRAKTOR. Auf diese Weise finde ich viel leichter Loops und kann mich extrem schnell auf interessante Stellen konzentrieren.“ Auch das gezielte Verfremden des Sounds bringe spannende Ergebnisse: „Den Track hoch- oder runterpitchen, sich per Looping auf winzige Fragmente eines langen Takes fokussieren – so kann man diese Abschnitte komplett emanzipieren und ihnen neues Leben einhauchen.“

Porträt des Produzenten und Visual Artists Konx-om-Pax

Decks und Effekte

Wenn es einen Bereich in TRAKTORs Feature-Palette gibt, der zeigt, wie vielseitig das Tool ist und wie sehr es dir helfen kann, dich von der Masse abzuheben, dann sind es die über 40 professionellen Deck- und acht Mixer-Effekte. Tatsächlich sind viele davon TRAKTORs eigene Interpretation klassischer DAW-Effekte: Delays, Reverbs und Filter, die Produzent*innen die volle kreative Kontrolle über ihre Musik geben.

Eine gesunde Leidenschaft für einen ganz bestimmten Deck-Effekt liefert Huerco S. seine kreative Inspiration: Auto Bouncer. „Ich kann gar nicht genug betonen, wie oft ich dieses Teil benutze – ich glaube, meine nächste Platte bringe ich unter dem Pseudonym ‚Auto Bouncer‘ heraus, haha. Es ist so eine Art Ramp-Delay, das ich auf meinem letzten Album als Pendant, Make Me Know You Sweet, durchgehend verwendet habe. Außerdem nutze ich Filter LFO und Transpose Stretch intensiv, um Bewegung reinzubringen.“

Porträt des Ambient- und Electronica-Produzenten Huerco S.

Im Studio helfen TRAKTORs flexible Effekteinheiten und die anpassbare Benutzeroberfläche Huerco S. dabei, seinen Workflow locker und spielerisch zu halten: „Ich passe die FX-Kette definitiv an und reize die Advanced-Ansicht mit vier Kanälen voll aus – so habe ich Tonhöhe, EQ und Lautstärke für jedes Deck im Zugriff. Es ist mir extrem wichtig, alle vier Kanäle zu belegen. Es ist wie eine Art DJ-Set mit eigenen Stems.“

exaels Ansatz ist es, Sounds so richtig in die Mangel zu nehmen: „Das Reverse Grain liefert ziemlich abgefahrene Ergebnisse, und in letzter Zeit habe ich auch öfter mit dem Beat Smasher experimentiert.“ Doch auch für Subtiles ist bei den luftigeren Effekten Platz: „Ich mag Ring Mod und Flanger sehr – sie sind toll abgestimmt und lassen Dinge metallischer klingen, ohne kitschig zu wirken. Und der Reverb ist superweich und warm.“

Für Konx-om-Pax sind Effekte ein perfektes Mittel, um mit dem Rhythmus eines Tracks zu spielen: „Ich mag Delay TS und Auto Bouncer.“

„Für meinen Track ‚Optimism Over Despair‘ habe ich einen Drum-Break mit Auto Bouncer bearbeitet“, ergänzt er. „Das wirbelt die Tonhöhe auf eine ganz eigene Art durcheinander. Es erinnert mich an viele abgefahrene Computer-Music-Sachen, die ich privat höre.“

Eine hervorragende Technik für die vier Decks von TRAKTOR besteht darin, einzelne Stems oder Jam-Fragmente in jedes Deck zu laden und einfach loszulegen. Wie exael es ausdrückt: „Ich nutze TRAKTOR auch, indem ich Stems, Riffs oder Ideen aus unfertigen Aufnahmen reinlade und versuche, sie zusammenzumischen. Wenn ich einen Stem habe, der nicht quantisiert oder ziemlich arhythmisch ist, führt das Tempo, mit dem er analysiert wird, oft zu Kombinationen mit anderen Sounds, auf die ich sonst nie gekommen wäre.“

Farbe und Form

Auch die Audiobearbeitung in TRAKTOR bietet Potenzial, um dem Sound vor dem Mastering den passenden Charakter zu verleihen. exael schickt fertige Tracks wie durch einen leichten Kompressor durch die Software: „TRAKTOR eignet sich super, um fertigen Tracks mehr Charakter zu verleihen, gerade bei clubbigeren Produktionen. Die dezente Grundkompression lässt alles schön fett klingen und schweißt den Sound richtig gut zusammen.“

Der gemeinsame Nenner all dieser Ansätze: TRAKTOR bietet einen schnellen und einfachen Weg, Ideen auszuprobieren und dem Zufall Raum zu geben. Ganz abgesehen von den Effekten und der Klangbearbeitung sorgen die vier Decks und der felsenfeste Beat-Sync dafür, dass du dich voll auf das musikalische Experimentieren konzentrieren kannst, statt dich mit der Synchronisation zwischen Hardware und Software herumzuschlagen.

Diese drei Pionier*innen ebnen den Weg für andere Produzent*innen. Die enorme Feature-Vielfalt zur Bearbeitung und Steuerung von Musik in TRAKTOR PRO 3 eröffnet unzählige Möglichkeiten, eigenen Produktionen mehr Tiefe zu verleihen – bis hin zum Live-Einsatz auf der Bühne. Stem Decks, Remix Decks und auch die neuen Mixer FX bringen Bewegung in deine Tracks und lassen dich hören, wie sich der Sound im Raum entwickelt.

Live-Jamming kennt Huerco S. bereits aus gemeinsamen Sessions mit Freund*innen: „Wir haben TRAKTOR auch oft bei Jam-Sessions genutzt. Ohne aufwendiges Equipment (sprich: MIDI) einigen wir uns einfach auf eine BPM-Zahl und bleiben in TRAKTOR dabei, während jede*r von uns eigene Stems reinlädt. Wir schichten sie übereinander und mischen sie an einem externen Mischpult rein und raus. Auf diese Weise haben wir definitiv schon einige Platten gemacht.“

Und wenn du erst einmal Features wie Stems und Remix Decks für dich entdeckst, hast du alle deine Loops und One-Shot-Samples direkt griffbereit.

Geht man noch weiter ins Detail, gibt es Features wie die Effekt-Snapshots und den Layout-Manager, die sich maßgeschneidert an deinen Produktions-Workflow anpassen lassen. Mit den Snapshots speicherst du deine bevorzugte Preset-Kombination für den aktuellen Effekt – wenn du ihn das nächste Mal aufrufst, ist alles wieder genau so eingestellt, wie du es wolltest. Über den Layout-Manager kannst du verschiedene Bedienoberflächen blitzschnell umschalten. Und natürlich lässt sich beides ganz einfach per MIDI auf freie Regler mappen.

Die Zukunft der Musikproduktion

Und haben die drei noch einen Tipp für alle, die TRAKTOR PRO 3 selbst in ihren Produktionen einsetzen möchten?

Konx-om-Pax: „Wenn man den automatischen Crossfade auf über 90 Sekunden einstellt, wird der Übergang so nahtlos, dass man den Trackwechsel manchmal gar nicht mitbekommt. Superpraktisch für Mixe!“

Huerco S.: „Hab keine Angst davor, tief ins Audio einzutauchen und ranzuzoomen – vor allem bei längerem Quellmaterial verbergen sich da echte Schätze. Nutze auch das Loop-In/Out-Feintuning, um Loops zu bauen, die eben nicht genau 4, 8 oder 16 Takte lang sind. Das verleiht Dingen, die eigentlich mechanisch wirken, ein organisches Feeling. Und das Wichtigste: Hab Spaß beim Zerlegen von Audio.“

exael: „Mein Tipp wäre, ganz ungezwungen an [TRAKTOR] heranzugehen. Wirf einfach ein paar unfertige Ideen rein, mix sie zusammen und schau, was passiert. Das kann dir einen völlig neuen Blick auf Ideen geben, die du vielleicht schon fast vergessen hattest.“

Mit dem kürzlich veröffentlichten Harmonic Mixing 3.2-Update für TRAKTOR PRO 3 können DJs und Produzent*innen ihre Tracks jetzt noch gezielter verändern. Doch auch schon vor dem Update war Time-Stretching dank Elastique 3 ein mächtiges Feature, das extreme Tempowechsel ermöglicht.

exael bringt es auf den Punkt: „Das Pitch-Shifting in Traktor ist der Wahnsinn – es hat das beste Resampling von allen Tools, die ich besitze. Wenn man damit die Tonhöhe ändert, klingt es praktisch nie abgehackt oder voller Artefakte.“

Foto-Credits: Konx-om-Pax von Yvonne Hartmann

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