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Wie Huminal mit Raum Melodie und Tiefe in Einklang bringt

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Huminal feature

Der niederländische Produzent Huminal hat sich einen Namen für Melodic House und Techno gemacht, der Klarheit und Emotion perfekt ausbalanciert. Seine neueste Kollaboration mit Mitch de Klein, Mirage (erschienen auf Purified Records), erreicht genau diese Balance durch detailgenaues Sound-Design und ein ausgeprägtes Gespür für räumliche Tiefe. Jede Layer wirkt durchdacht – vom Druck im Bassbereich bis hin zur luftigen Bewegung in den Akkorden entsteht so ein Raum, der lebendig klingt, ohne je überladen zu wirken.

Für Huminal liegt das Geheimnis in den Tools, die seinen Sound formen. Bei der Arbeit an Mirage wurde Raum zu einem prägenden Element seines Workflows. Das Plug-in half ihm, einen Raum zu schaffen, der Melodie und Bewegung trägt, statt sie zu überdecken. Sein Einsatz von Reverb geht weit über reine Raumatmosphäre hinaus und wird Teil der Komposition selbst – so bekommt jeder Sound seinen festen Platz und die passende Dimension im Mix.

In diesem Interview erklärt Huminal, wie Raum den Track Mirage geprägt hat, wie er Atmosphäre als Ausdrucksmittel einsetzt und welche feinen Details einen Mix wirklich immersiv machen.

Direkt zu den Abschnitten:

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Mirage besitzt ein enormes Raumgefÿhl. Wenn du einen Track anfängst: Weißt du dann schon, wie die Atmosphäre klingen soll, oder entsteht das erst beim Sound-Design?

Nein, normalerweise beginne ich einen Track nicht mit einer bestimmten Atmosphäre im Kopf. Alles fängt mit einer Melodie oder einem Thema an, und darum herum baue ich die Atmosphäre und den Raum auf. Für den Titeltrack der EP hatten wir eine bemerkenswert epische Akkordfolge entwickelt, der wir im Mix ordentlich Tiefe und Raum geben wollten, um dieses schwerelose Gefÿhl zu erzeugen.

Huminal Raum 1

Wir haben Raum bei Mirage ausgiebig genutzt. Es ist einfach ein fantastisch klingender Reverb. Ich hatte ihn schon als Teil meines Komplete-Bundles, habe ihn aber erst während der Studiosessions mit Mitch so richtig entdeckt. Seitdem landet er in fast jedem Projekt, an dem ich arbeite.

Allerdings ist es nicht allein der Reverb, der den Chords ihre GröÑe verleiht. Wir haben sie zusätzlich mit einer einfachen Sägezahnwelle gelayert und Unison ordentlich aufgedreht. Das sorgt dafür, dass die Akkordfolge richtig breit und kraftvoll klingt.

Profi-Tipp von Huminal: Bevor du dir neue Synths oder Effekte kaufst, schau dir an, was du schon hast, aber bisher kaum nutzt. Da schlummern oft echte Schätze.

Behandelst du Reverbs und Delays in deinem Workflow eher als Effekte oder siehst du sie mehr wie eigenständige Instrumente, die ihren eigenen Raum im Mix brauchen?

Das hängt ganz davon ab, wie stark der Effekt den Sound verändert – aber ich versuche mir immer bewusst zu machen, wie viel Platz jedes Element im Mix einnimmt. Wenn es zum Beispiel ein Pad ist, das vor allem einen Lead-Sound unterstützt und nicht im Rampenlicht stehen muss, schiebe ich es im Mix eher nach hinten und packe den Reverb direkt auf die Spur, statt einen Send-Kanal zu nutzen.

Huminal Raum 2

Bei einem Lead-Sound, der im Vordergrund stehen soll, nutze ich für den Reverb normalerweise einen Send-Kanal. So bleibt der Lead präsent und klar, bekommt aber trotzdem Tiefe und Raum im Hintergrund.

Wie testest du deine Mixe, um sicherzustellen, dass die räumliche Tiefe auf Club-Anlagen genauso wie auf Kopfhörern und kleineren Lautsprechern funktioniert?

Normalerweise höre ich mir den Mix auf verschiedenen Soundsystemen an: meinen Studiomonitoren, Kopfhörern, iPhone-Lautsprechern und im Auto. So höre ich genau, wie sich die Energie und die Räumlichkeit des Tracks in unterschiedlichen Umgebungen verhalten, und kann entsprechend nachjustieren.

Huminal live

Tracks im Club zu testen, ist etwas kniffliger, weil ich selten selbst im Publikum stehe, wenn ich auflege. Deshalb bitte ich oft DJ-Kolleg*innen oder befreundete Produzent*innen darum, sich den Sound auf der Tanzfläche anzuhören und mir Feedback zu geben. Monitorboxen in der Booth geben einem natürlich einen Eindruck, aber am Ende willst du wissen, wie es über die Main-PA klingt.

Eine Sache, die ich beim Produzieren ständig überprüfe, ist, wie alles in Mono klingt. Das ist der beste Weg, um sicherzugehen, dass sich alle Schlüsselelemente durchsetzen – besonders auf großen Soundsystemen.

Profi-Tipp von Huminal: Richte dir einen Mono-Shortcut auf deiner Soundkarte oder Tastatur ein, damit du schnell zwischen Mono und Stereo umschalten kannst – so stellst du sicher, dass alles sauber übersetzt wird.

Welchen Rat hast du für Nachwuchsproduzent*innen, die ihren Tracks mehr Tiefe und Raum geben wollen, ohne dass die Tanzfläche an Energie verliert?

Wie gesagt: Überprüfe deinen Mix beim Produzieren immer wieder in Mono. Das ist der schnellste Weg, um sicherzustellen, dass deine Hauptelemente druckvoll bleiben und auf größeren Club-Systemen nicht untergehen.

Sei vorsichtig mit Reverb. Er kann zwar viel Energie erzeugen, aber auch wertvollen Headroom fressen und wichtige Details verwischen. Es gibt viele Wege, Tiefe zu erzeugen: Delays, dezente Unison-Layers oder kreatives Panning erfüllen diesen Zweck genauso.

Profi-Tipp von Huminal: Passe deine Reverb-Zeiten an das Songtempo (BPM) an. Bei Drums verhindert das, dass der Reverb in die nächste Kick hineinragt, und dein Rhythmus bleibt schön tight.

Glaubst du, dass Atmosphäre ein Erkennungsmerkmal für Künstler*innen sein kann?

Ich denke schon, und viele Produzent*innen machen das auch so. Aber ich würde nicht sagen, dass es bei mir immer gleich ist – es ist also nicht unbedingt mein Markenzeichen. Für mich ist die Lead-Melodie oder das Thema immer die treibende Kraft, und die Atmosphäre drumherum soll das nur unterstützen und verstärken.

Huminal set

Manchmal möchte ich große, energiegeladene Tracks wie „Mirage“ machen, manchmal ziele ich eher auf emotionalere Stücke ab, die intim, verletzlich oder introspektiv wirken. Dann liegt der Fokus eher auf den feinen Nuancen und den hervorgerufenen Emotionen als auf purer Energie. Das hängt ganz davon ab, welche Geschichte der Track erzählen soll.

Rückblickend betrachtet: Was bedeutet Atmosphäre eigentlich für dich?

Für mich ist Atmosphäre eher ein Werkzeug als ein festes Label. Mir geht es darum, mit jedem Track eine Reise zu kreieren, statt einem bestimmten „Sound“ hinterherzujagen.

Ich konzentriere mich darauf, wie Raum, Tiefe und Textur die emotionale Wirkung eines Tracks verstärken können – egal, ob es sich um eine treibende Nummer wie „Mirage“ oder einen nachdenklicheren Moment handelt. In diesem Sinne dient Atmosphäre dazu, Emotionen zu transportieren, statt meine Karriere oder meinen Stil von vornherein festzulegen.

Profi-Tipp von Huminal: Bevor du zum Reverb greifst, versuche erst einmal, deine Elemente im Stereofeld zu verteilen. Panning kann dem Mix Raum und Klarheit geben, ohne den Sound zu verwässern.

Fazit

Mirage bringt genau das auf den Punkt, was Huminals Ansatz so besonders macht: die Balance zwischen Melodie und Bewegung, Emotion und Präzision. Raum hat ihm dabei geholfen, diesen Klangraum zu erkunden und ihm Textur und Weite zu verleihen, ohne die Klarheit zu verlieren.

Für Huminal ist Sound-Design eine Form des Geschichtenerzählens. Die Vielseitigkeit von Raum gibt ihm die Freiheit, diese Geschichten bis ins Detail zu gestalten – von tiefgründigen, reflektierten Passagen bis hin zu weiten, euphorischen Build-ups. Das Ergebnis ist ein Sound, der immersiv und zugleich punktgenau wirkt – und immer der Emotion des Tracks dient.

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