|Native Instruments

Warum Fernando Lagrecas Workflow Presets und freies Spiel verbindet

Teilen Link kopiert
Fernando Lagreca feature

Der uruguayisch-katalanische Produzent Fernando Lagreca hat sich im europäischen Underground einen Namen für seinen melodischen Zugang zu Techno und Leftfield-Clubtracks gemacht. Mit dem anstehenden Release von Cosmic Tide zusammen mit Pedro Mercado auf Chrom Recordings verbindet er Arpeggio-Synths, atmosphärische Basslines und modulare Texturen zu etwas, das clubtauglich ist und zugleich emotional berührt.

Das Fundament des Titeltracks – ein bearbeiteter Analogsound-Bass und ein gelayertes Massive X-Arpeggio – gibt einen perfekten Einblick in Lagrecas Arbeitsweise: die Balance aus Sound, Emotion und Pragmatismus im Studio.

Anlässlich des Releases seiner EP am 8. August haben wir uns mit ihm unterhalten: über effizientes Arbeiten mit vertrauten Tools, den Aufbau einer persönlichen Sound-Library und die langfristigen Vorteile, Komplete in- und auswendig zu kennen.

Zu den Abschnitten springen:

Mit einem Katalog, der von Indie-Disco über Dark Techno bis hin zu modularen Experimenten reicht, ist Lagrecas Umgang mit den Tools von Native Instruments pragmatisch, flexibel und extrem persönlich.

Komplete entdecken

Wenn du ein Komplete-Patch aus einem alten Projekt öffnest: Was ist dein erster Impuls – tweaken, resamplen oder unverändert lassen?

Fernando Lagreca Massive X 1

Gute Frage. Ich arbeite viel mit Favoriten. Manchmal verbringe ich einen ganzen Nachmittag nur damit, Sounds zu sortieren – ich liebe diesen Teil der Arbeit. Es ist spielerisch und oft unheimlich inspirierend. Das mache ich sowohl mit Software als auch mit Hardware. Alle ein, zwei Monate plane ich bewusst Zeit im Studio ein, um Sounds zu durchforsten und meine Lieblings-Patches zu taggen. Mit Komplete Kontrol geht das dank der Audio-Vorschaufunktion im Browser super intuitiv.

Sobald ich eine solide Favoritensammlung habe, nutze ich sie in verschiedenen Projekten immer wieder – und verpasse ihnen jedes Mal einen eigenen Dreh. Ich verwende selten ein Preset direkt out of the box: Ich schraube an Parametern, füge LFOs hinzu, passe die Oszillatoren an und so weiter. Die einzige Ausnahme sind vielleicht samplebasierte oder perkussive Libraries, bei denen oft kaum Anpassungen nötig sind.

Natürlich hängt das auch von der Art des Projekts ab, meiner Tagesform im Studio oder davon, ob ich an etwas Bestimmtem wie einem Soundtrack oder einem Remix arbeite.

Pro-Tipp: Nimm dir alle paar Wochen etwas Zeit, um Sounds zu kuratieren und zu taggen. Mit der Zeit baust du dir so eine persönliche Library auf, die deinen Workflow beschleunigt und verhindert, dass du dich im riesigen Sound-Universum verlierst.

Du hast erwähnt, dass du Komplete 15 ganz selbstverständlich in deinen Sessions nutzt. Welche Rolle spielen gespeicherte Presets, wenn du nach einem bestimmten Klang oder einer Stimmung suchst?

Fernando Lagreca Live 1

Ich nutze Komplete jetzt seit vier oder fünf Jahren im Studio.

Es gab eine Phase, in der ich mich von Plug-ins verabschiedet und komplett auf Hardware konzentriert habe – vor allem, weil ich Livesets mit einem reinen Hardware-Setup gespielt habe. Es war aufregend, komplett out of the box zu arbeiten.

Während der Pandemie habe ich mir dann die Zeit genommen, Software-Synths neu zu entdecken. Da ich schon immer Fan von Native Instruments war (meine ersten Plug-ins waren FM8 und Absynth), lag Komplete einfach nahe.

Wenn ich nach einem bestimmten Sound suche, sind gespeicherte Presets eine riesige Hilfe. Das Tagging-System in Komplete macht es leicht, Sounds nach Typ oder Charakter zu filtern. Früher habe ich direkt den Synth geöffnet, von dem ich dachte, dass er mir das Gewünschte liefert: FM8 für FM-Sounds, Monark für Bässe im Moog-Stil usw. Aber nach einer Weile habe ich gemerkt, dass die wahre Stärke in Komplete Kontrol liegt: über einen zentralen Browser Zugriff auf alle Presets jedes Synths zu haben. Das geht schnell und ist überraschend inspirierend.

Pro-Tipp: Tags und Presets in Komplete Kontrol können schon beim reinen Browsen Ideen auslösen. Manchmal sind die besten Sounds genau die, nach denen du gar nicht gesucht hast.

Wie viel von der Kontinuität in deinem Sound ist bewusst gewollt – und wie viel entsteht einfach durch schnelles Arbeiten mit vertrauten Tools?

Fernando Lagreca Massive X 2

Ich würde sagen: Fifty-Fifty. Einerseits schätze ich Spontanität und Improvisation, andererseits hilft mir eine Auswahl an Tools, die ich in- und auswendig kenne, schnell voranzukommen und im kreativen Fluss zu bleiben.

Ein eigener Signature-Sound entsteht meiner Meinung nach sowohl aus bewussten Entscheidungen als auch aus Workflow-Gewohnheiten. Es geht nicht nur darum, Patches wiederzuverwenden – es geht auch um Vorlieben für bestimmte Akkordfolgen, Arpeggios oder Harmonien, die deiner Musik deinen Stempel aufdrücken, egal aus welcher Klangquelle sie stammen. Rhythmisch mache ich es ganz ähnlich: Ich habe verschiedene Snare-Libraries für Genres wie Indie Dance oder Dark Disco und ein anderes Set für Techno oder Peak-Time-Tracks. Selbst wenn ich Samples wiederverwende, passe ich sie an – oder eben nicht, je nach Vibe.

Was Beat-Strukturen angeht, behandle ich Kick und Snare meist als stabiles Fundament, fast wie ein Template. Die Kreativität fließt eher in die Hats, Percussions und kleinen Details. Aber selbst dann achte ich darauf, dass jedes Element gestimmt und im Mix sauber ausbalanciert ist, damit der Track meinen klanglichen Fingerabdruck trägt.

Pro-Tipp: Mach dir keinen Stress, deinen Signature-Sound von heute auf morgen zu finden. Das ist ein Prozess: Lerne deine Tools kennen und vertraue im Studio deinen Instinkten. Je mehr Spaß du an der Sache hast, desto natürlicher und authentischer wird dein Sound klingen.

Wie viel Zeit verbringst du mit Sound-Design und wie viel damit, auf deine eigene Preset-Library zurückzugreifen?

Fernando Lagreca Massive X 3

Wenn ich einen neuen Hardware-Synth bekomme, widme ich die ersten zwei bis drei Wochen meistens dem Deep Dive: Ich lerne die Architektur kennen, probiere die Presets aus und erstelle eigene. Die Komplexität des Geräts (Routing, Modulation, Klangpalette) spielt dabei natürlich eine Rolle.

Bei Software sieht das anders aus. Schon das Durchforsten von Presets kann enorm viel Zeit kosten, und Sound-Design ist oft ein Fass ohne Boden. Es gibt also keinen festen Prozentsatz für Schrauben versus Auswählen. Aber wenn du dir über die Jahre eine eigene Library aufbaust, verschiebt sich das ganz automatisch: Du greifst häufiger auf vorhandene Sounds zurück und verbringst weniger Zeit damit, alles von Grund auf neu zu bauen.

Bei mir persönlich hängt es auch von meiner Zeit ab: Ich leite eine Management- und Booking-Agentur (Miracle MGMT), unterrichte Musikbusiness, führe ein Label, produziere und trete live auf – Studiozeit ist also kostbar. Trotzdem liebe ich es, eigene Sounds zu kreieren, selbst wenn ich nur Factory-Presets anpasse oder aus einer Sinuswelle etwas Neues forme.

Pro-Tipp: Zeit, die du ins Sound-Design steckst, ist nie verloren – du investierst damit in deine künstlerische Identität. Verliere dich nur nicht im Perfektionismus. Der Schlüssel liegt in der Balance aus eigenen Klängen und Presets mit deinem ganz persönlichen Touch.

Gibt es Instrumente in Komplete, die sich besonders für eine langfristige Weiterentwicklung eignen – Instrumente, die mit dir mitwachsen?

Fernando Lagreca Live 2

Definitiv. Absynth und FM8 waren in früheren Komplete-Versionen essenziell für mich. Außerdem habe ich Stunden in Reaktor verbracht, um komplexe Pattern und Sequenzen zu erkunden – allein die Factory Library ist der Wahnsinn.

In den letzten Jahren bin ich ein riesiger Fan von Massive geworden – vor allem von Massive X, das ein echtes Biest ist. Das visuelle Layout und der intuitive Aufbau machen es zugänglicher als Absynth oder Reaktor, und trotzdem bietet es enormen Tiefgang. Ein echtes Kraftpaket, das in fast jede moderne Produktion passt.

Ein weiteres Highlight ist Guitar Rig. Das nutze ich schon seit Jahren und es ist unglaublich flexibel. Du kannst fast jedes Pedal-Setup für Gitarre oder Bass nachbauen, und wenn der gewünschte Sound nicht schon bei den Presets dabei ist, baust du ihn einfach im Handumdrehen selbst.

Ein besonderes Lob verdient auch Replika – eines der besten Delay-Plug-ins überhaupt. Die XT-Version gehört einfach in jedes Studio.

Pro-Tipp: Wenn du eine so umfangreiche Suite wie Komplete erkundest, konzentriere dich anfangs am besten auf sechs bis sieben Instrumente. Teile sie nach Kategorien ein – Bass, Leads, Synths, FX usw. Such dir aus jeder Kategorie zwei heraus und geh in die Tiefe. So hast du eine breite Palette für komplette Tracks und ein solides Fundament, auf dem du aufbauen kannst.

Wenn du dir Cosmic Tide anhörst: Welcher Sound ist für dich der Anker des Tracks?

Das Herzstück von Cosmic Tide ist eine Kombination aus einem Pad und einem rauen Bass-Stab im „Anyma-Stil“, erzeugt mit dem Moog Sub 37 und bearbeitet mit Replika Delay. Dieser Sound gibt dem gesamten Track seine Stimmung.

Darauf habe ich drei weitere Synths geschichtet: ein glockenartiges Arpeggio aus Massive X sowie Texturen aus dem Hydrasynth und dem Novation Peak. Layering ist für mich unverzichtbar, vor allem bei Lead-Synths, weil es einen einzigartigen, komplexen Klang erzeugt. Natürlich bedeutet das zusätzliche Arbeit im Mix: EQing, Panning und Lautstärken ausbalancieren – alles, damit jeder Layer seinen eigenen Raum und Zweck hat.

Pro-Tipp: Fang beim Layern mit basslastigen Sounds an und arbeite dich nach oben vor. Räum den Bassbereich auf, bevor du das nächste Element hinzufügst. Kopiere MIDI nicht einfach eins zu eins: Experimentiere mit Detuning, bring mit LFOs Bewegung hinein oder verteile hohe Frequenzen extrem im Stereopanorama, damit der Gesamtsound lebendig wirkt.

Fazit

Fernando Lagreca Live 3

Vielen Dank an Fernando Lagreca für die spannenden Einblicke vor dem Release von Cosmic Tide.

Sein methodischer Ansatz im Umgang mit Komplete und Hardware, kombiniert mit einer gesunden Dosis Improvisation, zeigt deutlich: Ein unverkennbarer Signature-Sound entsteht nicht allein durch Equipment, sondern durch feste Routinen und echte Neugier. Während Chrom Recordings seinen Sound zwischen Melodic und Dark Disco konsequent weiterentwickelt, bleiben Lagrecas Produktionen präzise auf den Punkt, perfekt ausbalanciert und unverwechselbar eigenständig.

Komplete entdecken

Passende Produkte