|Tim Cant

So produzierst du einen Jersey-Club-Track

Teilen Link kopiert
How to make jersey club music

Jersey Club ist eine temporeiche Fusion aus House und HipHop, die viel mit regionalen Underground-Styles US-amerikanischer Dance Music wie Ghetto Tech und Booty House gemeinsam hat – darunter fette Beats, stotternde Vocal-Samples und jede Menge Bass.

In diesem Tutorial schauen wir uns die Ursprünge von Jersey Club an, was das Genre mit seinen treibenden Bounces und Call-and-Response-Elementen so einzigartig macht und wie du mit Komplete Kontrol, Kontakt, Massive X, Rudiments und den Higher Place Expansions sowie iZotope Ozone deinen eigenen Jersey-Club-Track produzierst. Und so klingt das Ganze:

Direkt zu den Abschnitten:

NEU: Hol dir den Sound von Jersey Club mit Jersey Ride – einer Expansion mit 50 Maschine-Kits, 59 Battery-Kits, 32 Massive-Presets, 656 Loops und 214 One-Shots.

Jersey Ride entdecken

Was ist Jersey Club?

Jersey Club ist stark von Baltimore Club inspiriert, und die Wurzeln des Genres lassen sich in Tracks von 90er-Jahre-Künstler*innen wie Tapp hören. Typisch für den Sound sind ein temporeicher, energiegeladener Rhythmus – meist zwischen 130 und 140 BPM (Beats per Minute) – und markante rhythmische Pattern.

Der überwiegende Teil aller Jersey-Club-Tracks basiert auf einem ganz bestimmten Rhythmus, der aus dem Baltimore Club stammt: Dieses typische Kick-Drum-Pattern besteht aus zwei Viertelnoten-Kicks, gefolgt von zwei punktierten Achtelnoten-Kicks und schließlich einer Achtelnote. Du kannst dieses Kick-Pattern in DJ Frostys Jersey-Club-Hymne „Ride That Wave“ hören.

Viele Jersey-Club-Tracks sind Reworks bekannter Songs aus verwandten Genres wie R&B, HipHop und House.

In jüngerer Zeit hat Jersey Club auch Einzug in Mainstream-Genres wie Trap und Drill gehalten.

Jersey Club ist tief in der Dance-Kultur verwurzelt – Dance Battles sind ein zentrales Element der Szene. Tänzer*innen zeigen ihre Skills zu den rhythmischen Pattern der Musik, was den visuellen Reiz des Genres maßgeblich prägt.

An der Ostküste der USA hat sich eine treue Fangemeinde um das Genre gebildet. Jersey Club entwickelt sich ständig weiter, nimmt Einflüsse aus unterschiedlichsten Genres auf und behält dabei stets seinen unverwechselbaren Charakter.

Was bedeutet Jersey Club?

Jersey Club ist ein regionaler Stil US-amerikanischer Dance Music, der in Newark, New Jersey, entstand. Er ist eine temporeiche Mischung aus House und HipHop mit treibenden Kick-Drums und eingängigen Vocal-Samples. Ursprünglich ein Underground-Stil, der von Größen wie DJ Tameil (Brick Bandits) geprägt wurde, dient das Genre heute auch bekannten Trap- und Drill-Künstler*innen als Inspiration.

So produzierst du Jersey Club

1. Einen Drum-Beat erstellen

Stelle als Erstes das Projekttempo in deiner DAW auf 142 BPM ein.

Projekttempo einstellen
Projekttempo einstellen

Erstelle eine MIDI-Spur mit Kontakt oder dem Kontakt Player. Öffne die Rudiments-Library per Klick und lade das Emaci Kit (110 BPM) per Doppelklick.

Das Emaci Kit
Das Emaci Kit

Setze die C#1-Kick-Drum auf die 1., 5., 9., 12. und 15. Sechzehntelnote. Für alle diese Noten – und, falls nicht anders angegeben, auch für alle weiteren in diesem Tutorial – verwenden wir einen Velocity-Wert von 100.

Das Kick-Pattern für Jersey Club
Das Kick-Pattern für Jersey Club

Der verwendete Kick-Drum-Sound erinnert stark an eine 808 und hat sehr viel Low-End. Da wir in diesem Projekt einen separat gepitchten 808-Bass verwenden, nehmen wir der Kick etwas Bassanteil, um Platz zu schaffen. Stelle den Cutoff-Parameter des Kits auf 16,6 %. Dadurch wird das Signal des Kits mit einem Hochpassfilter bearbeitet, der Sound wird etwas schlanker und macht Platz für einen wuchtigen 808-Bass.

Die Kick filtern
Die Kick filtern

Weitere Drum-Sounds legen wir auf separaten Spuren an – das erleichtert später das Arrangement. Regle zuerst die Lautstärke der MIDI-Spur auf -6 dB herunter, um mehr Headroom für weitere Mix-Elemente zu schaffen.

Spurlautstärke anpassen
Spurlautstärke anpassen

Dupliziere die MIDI-Region, sodass sie über vier Takte läuft.

MIDI duplizieren
MIDI duplizieren

Dupliziere nun die Kick-Spur und ersetze das MIDI auf der neuen Spur durch dieses Pattern: Spiele E1-Snares auf der 9. und 12. Sechzehntelnote des ersten und dritten Takts sowie auf der 9., 11. und 12. Sechzehntelnote des zweiten und vierten Takts. Die Noten auf der 11. Sechzehntel bekommen einen Velocity-Wert von 84, damit sie etwas leiser sind.

Snare hinzufügen
Snare hinzufügen

Dupliziere die Spur noch einmal und ersetze das MIDI diesmal durch geschlossene C2-Hi-Hats auf dem zweiten und vierten Beat jedes Takts.

Hi-Hat hinzufügen
Hi-Hat hinzufügen

Dupliziere die Spur ein weiteres Mal und setze diesmal nur ein D#2-Crash-Becken auf den ersten Beat des ersten Takts.

Crash-Becken hinzufügen
Crash-Becken hinzufügen

Damit steht ein solides rhythmisches Fundament, auf dem wir den Rest unseres Tracks aufbauen können.

2. Eine Bassline bauen

Viele Jersey-Club-Tracks nutzen für das Low-End lediglich eine 808-Kick auf einer festen Tonhöhe, während andere mit gepitchter 808 eine melodische Bassline spielen. In diesem Tutorial verwenden wir einen gepitchten 808-Sound, um eine Bassline zu bauen.

Dupliziere zunächst die MIDI-Pattern von Kick, Snare und Hi-Hat, sodass eine achttaktige Sequenz entsteht.

Eine achttaktige Sequenz erstellen
Eine achttaktige Sequenz erstellen

Erstelle nun eine neue MIDI-Spur und lade Massive X darauf. Öffne den Preset-Browser des Instruments, wähle den Bass-Tag aus und lade das Preset „Essential Eight“ per Doppelklick.

Das Preset Essential Eight
Das Preset Essential Eight

Stelle diese Spur auf -8,5 dB ein, um sie mit den anderen Elementen abzustimmen.

Das Preset Essential Eight einpegeln
Das Preset Essential Eight einpegeln

Übernimm das hier gezeigte Bassline-Pattern: Es nutzt denselben Rhythmus wie das Kick-Drum-Pattern, spielt aber auf F2. In Takt 5 wechselt die Tonhöhe auf G#2 und in Takt 6 auf G2.

Die Bassline
Die Bassline

3. Einen Lead-Synth hinzufügen

Ergänzen wir die Bassline um eine einfache Lead-Melodie. Erstelle eine weitere MIDI-Spur mit Massive X, wähle diesmal den Tag „Synth Pad“ aus und lade das Preset „Beta Breath“ per Doppelklick.

Das Preset Beta Breath
Das Preset Beta Breath

Dieses Preset hat einen markanten Vocal-Charakter, klingt aber recht schwammig und hat viel Reverb. Drehe im Bereich „Amp Envelope“ die Regler für A (Attack) und R (Release) ganz herunter.

Das Preset Beta Breath straffer machen
Das Preset Beta Breath straffer machen

Wähle nun im Effektbereich von Massive X den Y Verb-Effekt aus und stelle den Mix-Parameter auf 20 % ein.

Den Reverb-Anteil reduzieren
Den Reverb-Anteil reduzieren

So erhalten wir einen deutlich präziseren Sound, der sich viel besser für eine Lead-Line eignet.

Stelle diese Spur auf -8,7 dB ein.

Das Preset Beta Breath einpegeln
Das Preset Beta Breath einpegeln

Kopiere nun die hier gezeigte Lead-Melodie: Sie folgt dem Rhythmus der Kick-Drum – abzüglich der letzten Note jedes Takts – und spielt auf F3 und F4.

MIDI der Lead-Line
MIDI der Lead-Line

4. Ear-Candy einstreuen

Wir haben jetzt die Hauptelemente unseres Tracks beisammen – fügen wir noch ein paar Ear-Candy-Sounds hinzu, die für ein noch spannenderes Arrangement sorgen.

Erstelle eine neue MIDI-Spur und lade diesmal Komplete Kontrol. Klicke auf den One-shots-Button.

Der One-shots-Button
Der One-shots-Button

Gib ins Textsuchfeld „voc gardens“ ein. Mach einen Doppelklick auf das One-Shot „Voc Gardens“, um es zu laden.

Das Voc Gardens-One-Shot
Das Voc Gardens-One-Shot

Stell diese Spur auf -5 dB ein.

Lautstärke des Voc Gardens-One-Shots anpassen
Lautstärke des Voc Gardens-One-Shots anpassen

Kopiere das zweitaktige Pattern, das wir hier verwendet haben, und loope es über acht Takte. Dieses Pattern besteht im ersten Takt aus C3-Noten auf der dritten und siebten Sechzehntelnote und im zweiten Takt auf der dritten, vierten und siebten Sechzehntelnote. Die vierte Sechzehntel im zweiten Takt hat eine Velocity von 68, wodurch sie etwas leiser abgespielt wird.

Sequenzieren des Voc Gardens-One-Shots
Sequenzieren des Voc Gardens-One-Shots

Füge eine weitere Massive X-Spur hinzu, wähle diesmal den Tag „Sound Effects“ aus und lade das Preset „Counting Comets“.

Das Preset Counting Comets
Das Preset Counting Comets

Stell diese Spur auf -8,5 dB ein.

Lautstärke des Presets Counting Comets anpassen
Lautstärke des Presets Counting Comets anpassen

Sequenziere die Spur so, dass im letzten Takt ein F2 gespielt wird.

Sequenzieren des Presets Counting Comets
Sequenzieren des Presets Counting Comets

Füge eine letzte Massive X-Spur hinzu, wähle diesmal den Tag „Multitrack“ aus und mach einen Doppelklick auf das Preset „Mystic Vision“, um es zu laden.

Das Preset Mystic Visions
Das Preset Mystic Visions

Stell diese Spur auf -11,5 dB ein.

Lautstärke des Presets Mystic Visions anpassen
Lautstärke des Presets Mystic Visions anpassen

Sequenziere dieses Preset so, dass es vier Takte lang F3 spielt, gefolgt von vier Takten F2.

Sequenzieren des Presets Mystic Visions
Sequenzieren des Presets Mystic Visions

Jetzt haben wir alle Elemente beisammen, die wir für unseren Jersey-Club-Track brauchen – machen wir uns an das Arrangement.

5. Bau dein Arrangement

Hier ist das Arrangement, das wir für dieses Projekt verwendet haben – es ist ganz unkompliziert aufgebaut.

Das Arrangement
Das Arrangement

Damit es spannend bleibt, kommen alle acht Takte neue Elemente hinzu. In Takt 41 setzen die Vocal- und Lead-Spuren aus, um für Abwechslung zu sorgen. In Takt 49 kommen sie anstelle der Sequenz-Spur wieder zurück, und danach werden alle acht Takte Elemente herausgenommen, um den Track langsam ausklingen zu lassen.

6. Mastere deinen Track

Lege iZotope Ozone auf die Master-Spur und klicke auf den Button „Assistant View“.

Die Assistant View
Die Assistant View

Ozone fordert dich auf, die lauteste Stelle des Tracks abzuspielen. Starte die Wiedergabe ab Takt 33, und das Plug-in erstellt eine maßgeschneiderte Mastering-Kette für dein Projekt. Ändere das Target auf „EDM“ – so erhältst du ein bassbetonteres Ergebnis, das perfekt zu einem Jersey-Club-Track passt.

Ozone Master Assistant
Ozone Master Assistant

So klingt der gemasterte Jersey-Club-Track.

Produziere deine eigenen Jersey-Club-Tracks

In diesem Tutorial hast du gesehen, wie du von Grund auf deinen eigenen Jersey-Club-Track produzierst. Wenn du deine Skills weiter vertiefst und das Potenzial dieses Genres erkundest, vergiss nie den Dancefloor: Bei Jersey Club geht es vor allem darum, die Crowd in Bewegung zu bringen und zum Beat grooven zu lassen. Du willst noch mehr erfahren? Dann schau dir Behind the beats – top tips for producing drums und 7 Drum-Pattern, die alle Producer*innen kennen sollten an.

Hol dir Rudiments

Passende Produkte