Lo-Fi hat in den letzten Jahren die Musikwelt im Sturm erobert. Seine entspannte, gechillte Atmosphäre macht das Genre zum perfekten Soundtrack fürs Lernen, Arbeiten oder Runterkommen nach einem stressigen Tag. Gleichzeitig hat es Bedroom-Producer*innen Millionen von Streams beschert. Wenn du Beats baust oder Musik produzierst, hast du bestimmt schon mal darüber nachgedacht, deine eigene Lo-Fi-Musik zu machen. Wenn du gerade erst anfängst, gibt es ein paar Grundlagen, die du parat haben solltest. Eine davon: ein solides Repertoire an Lo-Fi-Akkordfolgen, die du über entspannte Beats legen kannst. Schauen wir uns also an, wie man Lo-Fi-Akkordfolgen baut.
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- Was sind Lo-Fi-Akkordfolgen?
- Welche Tonart eignet sich am besten für Lo-Fi-Musik?
- Lo-Fi-Akkordfolgen für deine Musik
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Was sind Lo-Fi-Akkordfolgen?
Ein gewisses Grundwissen in Musiktheorie ist enorm hilfreich, wenn du eigene Songs schreibst. Ein unverzichtbarer Bestandteil davon ist die Harmonielehre – und genau hier kommen Akkorde ins Spiel.
Harmonie und Akkorde entstehen, wenn zwei oder mehr Töne gleichzeitig erklingen. Die einfachste Form von Akkorden sind sogenannte „Dreiklänge“. Um einen Dreiklang zu bilden, nimmst du einfach eine Tonleiter und schichtest jeden zweiten Ton aus dieser Tonleiter übereinander. Schauen wir uns das in der Praxis an, indem wir Dreiklänge aus der C-Dur-Tonleiter bilden.
Die Töne der C-Dur-Tonleiter sind C, D, E, F, G, A, B (und wieder C).

Ausgehend vom Grundton der Tonleiter können wir einen C-Dur-Akkord bilden, indem wir das C nehmen, einen Ton überspringen (D), das E nehmen, wieder einen Ton überspringen (F) und das G nehmen. So erhalten wir C, E und G – einen C-Dur-Akkord.
Nach diesem Prinzip können wir aus der Dur-Tonleiter sieben Dreiklänge bilden. Diese Akkorde bezeichnen wir mit römischen Zahlen:
- I: C-Dur
- ii: D-Moll
- iii: E-Moll
- IV: F-Dur
- V: G-Dur
- vi: A-Moll
- vii°: B vermindert

Die verwendeten römischen Zahlen sind beim Lesen von Akkorden wichtig, weil sie das Tongeschlecht bzw. die Beschaffenheit der Harmonie angeben. Ein Großbuchstabe steht für einen Dur-Dreiklang. Ein Kleinbuchstabe bedeutet, dass es sich um Moll handelt. Und das Gradzeichen (°) zeigt an, dass der Akkord vermindert ist.
Wie du siehst, gibt es Dreiklänge in drei grundlegenden Varianten: Dur, Moll und vermindert. Jeder dieser Akkordtypen hat einen ganz eigenen Charakter. Worte reichen kaum aus, um den Klang von Akkorden zu beschreiben. Es ist jedoch eine gute Idee, bestimmte Emotionen mit den Akkorden zu verknüpfen, die du in deinem Songwriting einsetzt.
Ein Dur-Dreiklang klingt fröhlich und hell:
Ein Moll-Dreiklang klingt traurig und dunkel:
Ein verminderter Dreiklang klingt unruhig und spannungsgeladen:
In Lo-Fi-Tracks kommen oft Septakkorde zum Einsatz. Sie ähneln Dreiklängen, haben aber einen zusätzlichen Ton oben drauf – eine sogenannte „Erweiterung“ (Extension). Erinnerst du dich, wie wir bei den Dreiklängen immer einen Ton genommen und den nächsten übersprungen haben? Nach genau demselben Prinzip kannst du deinen Akkorden eine Erweiterung hinzufügen. Dieser zusätzliche Ton ist die Septime, und sie verleiht Akkorden einen jazzigen Sound.

In Lo-Fi-Akkordfolgen gibt es verschiedene Arten von Septakkorden. Hören wir uns die an, die dir gleich noch begegnen werden – angefangen mit dem Major-7-Akkord (maj7). Er klingt so:
Der Moll-Septakkord (m7):
Und der Dominantseptakkord (einfach als „7“ bezeichnet):
Wir wollen an dieser Stelle nicht zu tief einsteigen, aber Erweiterungen können bis zur Tredezime (13) reichen. Wenn du mit Akkorderweiterungen experimentieren möchtest, füge deinen Akkorden einfach weitere leitereigene Töne hinzu. Komplexe Erweiterungen tragen oft maßgeblich zum typischen Charakter von Lo-Fi-Akkordfolgen bei.
Jetzt, wo du weißt, was Akkorde sind, ist das Konzept von Akkordfolgen schnell verstanden. Lo-Fi-Akkordfolgen sind – wie in jedem anderen Genre auch – eine Reihe von Akkorden, die in einer bestimmten Reihenfolge gut zusammenklingen.
Typisch für Lo-Fi-Akkordfolgen ist ihr oft stark zyklischer Charakter. Meist bestehen sie aus nur sehr wenigen Akkorden, die sich wiederholen. Genau diese minimalistische Wiederholung und Schlichtheit machen den entspannten Vibe des Genres aus.
Welche Tonart eignet sich am besten für Lo-Fi-Musik?
Welche Tonart für Lo-Fi am besten ist, hängt letztlich ganz von dir und deinem Geschmack ab. Experimentiere mit denselben Akkordfolgen in verschiedenen Tonarten, um herauszufinden, was dich am meisten anspricht und welche Emotionen du in deinen Tracks transportieren willst.
Es gibt keine Tonarten, die für bestimmte Musik von Natur aus besser oder schlechter geeignet sind. Du kannst Lo-Fi-Akkordfolgen also in jeder beliebigen Tonart spielen – keine klingt zwingend besser als eine andere.
Zur Erinnerung: In der Musik bezeichnet die „Tonart“ das tonale Zentrum eines Stücks. Sie entspricht in der Regel der ersten Stufe der Tonleiter. Wenn die Tonleiter also mit C beginnt, befinden wir uns in der Tonart C. Ist der erste Akkord der Tonleiter ein Dur-Akkord, sind wir in C-Dur.
Wenn wir uns von dieser ersten Stufe der Tonleiter und ihrem Akkord entfernen – der Grundtonart des Stücks –, bauen wir Spannung auf. Kehren wir zu dieser Stufe und diesem Akkord zurück, lösen wir die Spannung auf.
Eine Besonderheit typischer Lo-Fi-Akkordfolgen ist, dass sie harmonische Spannungen oft ganz bewusst nicht vollständig auflösen. Das bedeutet, dass die Akkordfolgen nie wirklich an einem endgültigen Ruhepunkt (normalerweise dem I-Akkord) ankommen. Diese fehlende Auflösung erzeugt ein Gefühl des Schwebens, statt unangenehm zu wirken – was bei unaufgelösten Harmonien sonst schnell passieren kann, also Vorsicht.
Lo-Fi-Akkordfolgen für deine Musik
Nachdem die Theorie geklärt ist, schauen wir uns einige beliebte Lo-Fi-Akkordfolgen an, mit denen du direkt ins Produzieren eigener Lo-Fi-Tracks einsteigen kannst.
Unten findest du die grundlegenden Varianten dieser Akkorde. Wir empfehlen dir jedoch, mit Erweiterungen wie Septimen zu experimentieren. Sobald du dich mit Septakkorden und den musiktheoretischen Grundlagen sicher fühlst, probiere auch Nonen und Undezimen in deinen Lo-Fi-Akkordfolgen aus.
Alle folgenden Beispiele stehen in der Tonart C-Dur bzw. A-Moll.
1. Imaj7 – vim7: Cmaj7 – Am7
Diese Folge zeigt perfekt, dass bei Lo-Fi-Musik weniger oft mehr ist. Mit nur zwei Akkorden erzeugt die VI-i-Verbindung eine herrlich entspannte, kreisende und beruhigende Stimmung.
Hör dir diese Akkordfolge in „On My Way“ von Noji an. In dieser Version wird der vi-Akkord um eine None (9) erweitert, was für harmonische Vielschichtigkeit und klangliche Tiefe sorgt:
2. ivm7-im7-ivm7-im7-III : Dm7 – Am7 – Dm7 – Am7 – C-Dur
In dieser Akkordfolge hören wir eine weitere Zwei-Akkord-Wiederholung – allerdings mit einem „Durchgangsakkord“ auf der III. Stufe. Dieser Akkord ist für die Progression nicht zwingend notwendig, fungiert aber als elegantes Bindeglied zwischen i und iv.
Du kannst diese Bewegung in „Wanderlust“ von Midnight Hour hören:
3. I-iii-vi-V: C-Dur – E-Moll – A-Moll – G-Dur
Dies ist eine beliebte Akkordfolge in den verschiedensten Genres, einschließlich Pop. Mit passenden Akkorderweiterungen verleihst du ihr im Handumdrehen ein entspanntes Lo-Fi-Feeling.
Hazue zeigt im Track „Organic“, wie man dieser bekannten Akkordfolge einen echten Lo-Fi-Charakter verleiht.
4. IVmaj7-iiim7-vim7: Fmaj7 – Em7 – Am7
Fällt dir an dieser Folge etwas Ungewöhnliches auf? Der I-Akkord (C-Dur) fehlt komplett. Er würde die Progression eigentlich auflösen und ihr einen Abschluss geben. Ohne ihn entsteht eine Akkordfolge, die scheinbar ewig so weiterlaufen könnte.
Hör dir diese kreisende, unaufgelöste Akkordfolge in „Botanical“ von Sutton an:
5. im7-VI-V7 : Am7 – F-Dur – E7
Diese letzte Akkordfolge zeichnet sich durch eine absteigende Bewegung zu einem Dominantseptakkord aus, der förmlich nach Auflösung verlangt. Da die Folge jedoch einfach von vorn beginnt, entsteht auch hier ein endloser Loop.
Du kannst diese Folge in „escapism“ von swiftly hören.
Nutze diese Lo-Fi-Akkordfolgen für deine Tracks
Wenn du als Producer*in oder Beatmaker*in entspannte, chillige Musik machen möchtest, solltest du dich nicht scheuen, die oben besprochenen typischen Lo-Fi-Akkordfolgen zu nutzen. Diese harmonischen Sequenzen sind aus gutem Grund so beliebt – und niemand hat Exklusivrechte daran. Probier sie also ruhig in deinen eigenen Kompositionen aus und starte noch heute deine Lo-Fi-Reise.