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Avalon Kane erklärt, wie Playbox den Sound von Dissension prägte

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Für die aus Adelaide stammende Künstlerin Avalon Kane sind Emotion und Technik untrennbar miteinander verbunden – stattdessen nutzt sie Tools, die das eine überbrücken, um das andere an die Oberfläche zu holen. Ihre neue Single „The Only One Who Knows Me Is Me“ bildet den Auftakt zur LP Dissension, der zweiten Hälfte eines konzeptionellen Doppelalbums, das 2024 mit dem atmosphärisch-introspektiven Solace begann. Während dieses Album schwerelos und meditativ klang, ist Dissension ungeschliffen und aufgewühlt, geprägt von industrieller Percussion, stimmlichen Verfremdungen und unnachgiebig schabenden Synth-Texturen.

Kanes Songwriting-Ansatz veränderte sich bei diesem Projekt mit den Tools. Sie griff zu Playbox: einem experimentellen Kontakt-Instrument, das auf zufallsbasierter Akkordgenerierung und mehrschichtigem Sample-Triggering basiert – und zwar nicht, um typischen melodischen Techno oder Ambient-Electronica zu schreiben, sondern um Bauchgefühle in vollständige Kompositionen zu verwandeln, ganz ohne fundierte Harmonielehre. Das Ergebnis ist ein Album, das musikalisch gewagt und emotional unmittelbar wirkt.

In diesem Interview erzählt Kane, wie sie Playbox auf Dissension eingesetzt hat, was das Instrument sie über Struktur und Intuition gelehrt hat und wie es ihr half, aus Momenten des Unbehagens heraus zu schreiben, ohne die Kontrolle zu verlieren. Außerdem spricht sie darüber, wie Tools wie dieses autodidaktischen Komponist*innen helfen können, noch tiefer in emotionales Storytelling einzutauchen – ganz ohne Musiktheorie oder feste Konventionen.

Direkt zu den Abschnitten:

Ihr Ansatz klingt nicht nach verkopfter Theorie, sondern nach reinem Überlebenstrieb. Hier erzählt sie, wie sie vorgegangen ist.

Playbox entdecken

Kannst du uns beschreiben, wie eine typische Songwriting-Session mit Playbox bei dir aussieht?

Wenn ich in meinem Studio schreibe und aufnehme, nutze ich Logic Pro. Playbox war in den letzten Jahren bei jedem neuen Projekt und jeder neuen Idee mein Einstiegsinstrument: Es erspart viel Herumprobieren beim Finden passender Akkorde, sodass man sich viel mehr auf Sounds und Gefühl konzentrieren kann als auf die rein technische Seite.

Avalon Kane

Sobald Playbox in meiner Session geladen ist, scrolle ich von oben bis unten durch alle globalen Master-Sounds. Man kann sie filtern, aber ich höre mir am liebsten jeden einzelnen an: Auch wenn ich sie alle schon kenne, ist der Kontext jedes Mal neu – und in einem neuen Song können sie eine völlig neue Bedeutung annehmen. Bei einer typischen Session bleibt meist sofort einer hängen. Manchmal trifft ein Sound auch nur im Ansatz das, was ich suche. Das Schöne an Playbox ist, dass man so viel verändern kann: Wenn man auch nur einen Funken von dem hört, was einem gefällt, lässt sich darauf aufbauen, bis genau der gewünschte Sound entsteht.

In diesem Fall nehmen wir mein Lieblings-Preset unter den 322 Presets: Genesis. Dieser Sound ist nicht von dieser Welt. Vielen Dank an die Person, die ihn designt hat – ich werde ihn für immer lieben, haha! Die drei zentralen Bereiche, um die Sounds anzupassen, sind Chords, Samples und FX.

Meistens müssen diese Einstellungen beim Songwriting gar nicht verändert werden, aber wie die meisten Künstler*innen möchte man dem Ganzen natürlich seinen eigenen Stempel aufdrücken und einen unverwechselbaren Sound kreieren. Am liebsten experimentiere ich im Sample-Bereich. Ich kann wirklich stundenlang Parameter anpassen und Sounds durchstöbern, aber sobald mich einer packt, lege ich direkt los. Das Geniale an Playbox ist, dass man es nur mit acht Tasten zu tun hat. Als elektronische Künstlerin, die Beats und Melodien baut, sind acht Tasten beim Erstellen von Patterns und Akkordfolgen einfach so viel unkomplizierter.

Avalon Kane – neue Session

Die Akkordeinstellungen in Playbox sind ein echter Gamechanger für alle, die nicht klassisch nach Noten arbeiten. Ich kann zwar Noten lesen, aber es macht mir nicht wirklich Spaß. Ich verlasse mich lieber auf mein Gehör – und ich habe mich nie lange genug mit Theorie beschäftigt, um Akkordfolgen im Schlaf zu beherrschen. Deshalb ist Playbox mein persönlicher Geheimtipp. Die Akkordeinstellungen sind in Patterns gruppiert, die einfach funktionieren. Wenn ich schreibe, suche ich mir meinen Sound, passe die Sample- und FX-Einstellungen an und wechsle dann zur Akkord-Sektion. Dort improvisiere ich einfach über die verschiedenen Akkord-Patterns, bis der Sound steht. Es schreibt die Songs praktisch für dich – besonders wenn man bei einem Track mal feststeckt. So macht das Ganze wieder richtig Spaß!

Avalon Kane – Chord Builder

Sobald meine Auswahl steht, ist das Recording ganz einfach. Fürs Editing kannst du alle gewohnten Werkzeuge in Logic nutzen – ich packe auch gerne mal Arps auf die Sounds und nutze zusätzliche Filter von NI, um für etwas Abwechslung zu sorgen.

Profi-Tipp von Avalon Kane: Playbox ist das ultimative Tool zum Finden und Erstellen von Akkorden. Du kannst es nutzen, um dein Musikverständnis zu vertiefen, oder einfach darauf setzen, um das Erstellen von Akkorden zu vereinfachen und Tracks schneller fertigzustellen. Du kannst sogar alle vorgegebenen Akkorde löschen und deine eigenen hinterlegen, wenn du ein unkompliziertes Live-Setup mit acht Tasten suchst, ohne dir Akkordmuster merken zu müssen: Sobald alles geladen ist, übernimmt das Instrument die Arbeit – du drückst einfach eine Taste und der Akkord erklingt. Einmal einrichten, den Rest erledigt Playbox!

Versuchst du manchmal zu analysieren, was Playbox genau macht – also die Theorie dahinter zu verstehen –, oder bleibst du lieber rein im Gefühlsmodus?

Ich bin ein absoluter Gefühlsmensch. Musiktheorie ist einfach nicht mein Ding.

Wenn ich Theorie vermeiden und mich direkt aufs Gefühl einlassen kann, mache ich genau das. Deshalb ist Playbox für mich so ein wichtiges Tool: Ich muss mich nicht mit komplexer Technik auseinandersetzen oder mich in einer Welt bewegen, die mir fremd ist. Manche Musiker*innen – und ganz sicher viele Producer*innen – lieben es wohl, alles bis ins kleinste Detail zu zerlegen und jedes Rädchen zu verstehen. Die meisten Kreativen wollen jedoch einfach schnell das umsetzen, was sie im Kopf haben. Zu Beginn meiner Karriere habe ich oft versucht, Leuten im Studio zu erklären, was ich hören, machen und arrangieren wollte – aber das Ergebnis hat nie wirklich meiner Vision entsprochen, weil letztlich nur ich selbst genau weiß, was ich will.

Mir fehlte das technische Know-how, um mich in dieser Welt zurechtzufinden. Playbox hat mir unglaublich viel Selbstvertrauen gegeben. Ich weiß: Wenn ich mich damit beschäftige, komme ich genau zu den Ergebnissen, die ich mir vorstelle.

Profi-Tipp von Avalon Kane: Ein guter Trick ist, aus beliebigen Preset-Sounds in Playbox Bass-Beats zu bauen – nicht nur aus den Drum-Instrumenten. Genau so habe ich es bei „Acid Etch“ gemacht. Ich mag es, wenn Drums wie Soundeffekte wirken und etwas eigenwillig klingen. Pack einfach den Arp aus Logic auf die Soundeffekte und spiel mit den Mod-Einstellungen im FX-Bereich. Man weiß nie, was dabei herauskommt und im besten Sinne für ordentlich Wirbel sorgt!

Gibt es auf Dissension konkrete Momente, bei denen Playbox das harmonische Fundament bildet?

Sogar einige! An einen werde ich mich immer erinnern: Ich hatte den Text zu „Red“ geschrieben und tat mich unheimlich schwer mit dem Arrangement. Ich bin dafür sogar extra ins Studio gegangen und habe mit einem Producer daran gearbeitet, aber wir traten nur auf der Stelle. Je mehr ich es erzwingen wollte, desto schlechter wurde es. Ich hatte Playbox damals noch gar nicht lange, beschloss aber, eine Session in meinem Studio einzulegen, um den Song vielleicht doch noch zu knacken. Ich experimentierte etwa eine Stunde lang mit Samples und Akkorden – und plötzlich war es da. Ich hörte die Akkorde zu „Red“, und die Sache war geritzt. Aus irgendeinem Grund lief auch noch der Arp, und das hat das Ganze perfekt gemacht.

Für „Red“ habe ich sechs gelayerte Playbox-Presets verwendet. Sie klingen einfach magisch. Mein Favorit, Genesis, kam in vier Layern zum Einsatz. Ich habe ihn in jedem Layer anders abgemischt, um unterschiedliche Nuancen zu schaffen, die trotzdem wie aus einem Guss wirken. Dieser Sound ist einfach der Wahnsinn. Ich habe die Sounds und Instrumenten-Styles in den Akkord-Layern gewürfelt (über das kleine Würfel-Icon neben den Tools), um jeden Layer einzigartig zu machen. Für den grundlegenden Arp-Beat-Layer habe ich „Instant Pop“ verwendet. Das war sofort ein Volltreffer und der entscheidende Moment für das Intro des Tracks. Als ich diesen Sound hörte, wusste ich, dass er perfekt war – von da an lief der kreative Prozess wie von selbst. „Kinda Blu“ brachte noch einen verstimmten, geisterhaften Piano-Effekt rein, der dem Ganzen einen fast übernatürlichen Touch verlieh.

Genau wie die gesamte Stimmung von „Red“.

Profi-Tipp von Avalon Kane: Das Beste an Playbox ist: Sobald du deine Akkorde und Sounds gefunden hast, kannst du die Akkorde behalten und weiter an den Sounds schrauben, indem du die Samples und Effekte anpasst. „Acid Etch“ ist komplett mit Playbox entstanden, genau wie „Sever“ und „The Only One Who Knows Me Is Me“ auf meinem aktuellen Album Dissension.

Autodidaktisch zu arbeiten kann ganz unterschiedliche Formen annehmen. Viele Autodidakt*innen leben und atmen Musik, bringen eine enorme Arbeitsmoral mit und wollen unbedingt lernen. Sie tun alles, um ihre Vision zu verwirklichen. Vielleicht sind sie nicht immer im klassischen Sinne musikalisch ausgebildet, aber die Kreativität ist da – dieses instinktive Gespür für Sound.

Promo-Porträt der Musikproduzentin und Künstlerin Avalon Kane

Ich selbst habe mir den Umgang mit Synthesizern komplett selbst beigebracht, was sich später auch aufs Klavier übertragen hat. Allerdings hatte ich vom zehnten Lebensjahr bis ins Teenageralter Gitarrenunterricht und lernte, einfache Noten zu lesen. Mit Noten hatte ich immer zu kämpfen. Ich konnte es zwar, aber da war ständig dieser Druck, alles fehlerfrei zu spielen. Es hat mir nie wirklich Spaß gemacht, Songs von anderen nachzuspielen. Rückblickend verstehe ich jetzt, warum ich Songwriterin geworden bin und eigentlich nur meine eigene Musik spielen will. Das wurde mir klar, als ich später hobbymäßig wieder Unterricht nahm: Mein damaliger Lehrer hatte ein kleines Musikstudio – und daran hatte ich viel mehr Interesse!

Ehrlich gesagt hätte ich in der Highschool liebend gerne Musik als Hauptfach belegt. Aber man sagte mir, dass man in den höheren Klassen Noten perfekt vom Blatt spielen müsse und es kaum Raum für Improvisation gäbe. Nach der 9. Klasse schreckte mich das ab, weil ich mich nicht blamieren wollte. Stattdessen entschied ich mich für den Weg, der mir Spaß machte: Ich holte mir einen kleinen Synth und spielte zu Hause ganz nach Lust und Laune an eigenen Arrangements und Sounds herum. Niemand schrieb mir vor, was ich zu spielen hatte. Wenn ich Lust auf einen lauten, minutenlangen Drone-Sound auf voller Tonhöhe hatte, dann machte ich das einfach. Ich musste keine Angst haben durchzufallen, nur weil ich ein Stück nicht fehlerfrei spielen konnte.

Ich wünschte wirklich, es gäbe mehr Möglichkeiten, einfach drauflos zu experimentieren, statt in so einem starren Musiksystem festzustecken. Bei meiner Arbeit im Modedesign war es übrigens genauso: Ich konnte nicht gut zeichnen und wusste daher, dass man mich an keiner Modeschule annehmen würde. Es ist doch absurd, kreative Bereiche so einzuengen, dass unkonventionelles Denken von vornherein ausgebremst wird.

Heute verfolge ich beide Wege auf meine ganz eigene Art. Ich arbeite als Modestylistin für die alternative Underground-Szene – nach meinen eigenen Regeln. Und ich mache Avantgarde-Musik – als Autodidaktin an Klavier und Synthesizer – in dem Wissen, dass es auch für mich einen Platz unter all den talentierten Künstler*innen da draußen gibt.

Welches Mindset hilft dir, wenn du solche neuen Tools erkundest – besonders wenn es sich am Anfang überwältigend anfühlt?

Es braucht einfach Zeit, bis ein Tool so funktioniert, wie man es selbst braucht. Jemand oder ein ganzes Team hat dieses fantastische Instrument nach eigenen Vorstellungen entwickelt. Man kann es unmöglich so bauen, dass es auf Anhieb für alle perfekt passt. Wenn man jedes Tool mit dieser Haltung betrachtet, kann man sich darauf einlassen und seinen ganz eigenen Flow finden. Selbst bei Playbox entdecke ich immer wieder Neues – gerade dann, wenn ich denke, ich kenne schon fast alles! Genau das liebe ich daran.

Avalon Kane: Mindset

Als Künstler*innen wachsen und lernen wir ständig dazu. Was uns vor einem Jahr noch überfordert hat, erschließt sich uns plötzlich als etwas Brauchbares und Relevantes für unsere neuen Arbeiten. Genau deshalb lohnt es sich, immer wieder zu vertrauten Tools zurückzukehren und sie weiter zu erforschen, während man sich weiterentwickelt. Manchmal geht es auch einfach darum, ein Risiko einzugehen und ein Tool ganz anders einzusetzen als gedacht – oft verbirgt sich genau darin ein echter Schatz.

Profi-Tipp von Avalon Kane: Ein wichtiger Tipp, wenn du mehrere Layer eines Playbox-Presets nutzt: Schließe Playbox unbedingt, bevor du Spuren kopierst. Geöffnete Playbox-Instanzen können vorherige Spuren verändern. Ich hatte schon ein ziemliches Chaos, weil ich faul war und mich nicht an meine Routine gehalten habe: erst kopieren, schließen und auf der neuen Spur in Logic wieder öffnen, bevor man Parameter ändert, um denselben Sound zu variieren.

Und noch etwas: Wenn dir beim Würfeln in den Sound-Bereichen ein glücklicher Zufallstreffer gelingt, speichere ihn sofort ab! Es gibt Tausende Variablen – wenn ein Sound einmal weg ist, findet man ihn kaum wieder. Also: Sounds immer sichern!

Was war der größte kreative Durchbruch, den dir Playbox ermöglicht hat und den du sonst nie gehabt hättest?

Die Akkord-Pattern und die Möglichkeit, sie auf mein Klavier zu übertragen. Das klingt nach einer Kleinigkeit, die viele Künstler*innen als selbstverständlich ansehen würden – aber ich verlasse mich auf Playbox, um meine Musik weiterzubringen. Wenn ich ein Akkord-Pattern fertiggestellt habe, notiere ich mir jede einzelne Akkordlinie, die ich im Track verwendet habe. Danach kann ich sie zerlegen und separat Soloparts mit Lead-Keys erstellen. Du kannst auch deine eigenen Keys in die Chord Keys laden, was eine weitere wichtige Funktion im Playbox-Toolkit ist. Und dann geht es ans Klavier.

Avalon Kane – Six Layers

Ich versuche immer, eine reduzierte Klavierversion des Songs zu erstellen, einfach als Referenz für später oder für die Aufnahme. Playbox ermöglicht mir einen viel einfacheren Abgleich von Akkorden – ich spare mir so viel Zeit beim Herumprobieren an unnötigen Akkord-Pattern und kann mein Projekt einfach schnell und effizient voranbringen. Außerdem bin ich so viel glücklicher, wenn alles zusammenpasst. Das Tool hilft mir dabei, einen Track genau so aufzubauen, wie ich will, ohne mich durch Zeitverschwendung frustrieren zu lassen. Bei meiner Art zu schreiben und so, wie meine Songs klingen, ist Playbox das ultimative Tool, das mich nie im Stich lässt.

Vielen Dank für die Einladung! Playbox war für mich ein absoluter Gamechanger, und ich bin einfach so dankbar, dass es existiert!

Avalon Kane – Creative Block

Fazit

Ein großes Dankeschön an Avalon Kane für die Einblicke, wie Playbox während der Arbeit an Dissension zu einem kreativen Partner wurde. Das Instrument hat ihren gesamten Prozess geprägt. In einem von emotionalen Extremen getriebenen Projekt verließ sich Avalon auf Playbox – nicht für technische Perfektion, sondern für Ehrlichkeit. Und fand so einen Weg, das Chaos klar für sich sprechen zu lassen.

Während immer mehr Künstler*innen nach Wegen suchen, starre Strukturen zu umgehen und ihrer Intuition zu folgen, bleibt Playbox eines der seltenen Tools, die genau dafür geschaffen wurden.

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