In den Produktionen von Niki Sadeki trafen Präzision und Emotionen schon immer aufeinander – und ihr neuestes Release Fading Sun auf Manual Music bringt diese Balance perfekt auf den Punkt.
Der Titeltrack verbindet ihre vielschichtige Produktion mit den Vocals von Rubina, während Morning Star mit subtilem melodischem Drive noch tiefer in Progressive-Gefilde vordringt. Passend zum Release erklärt Niki, wie Battery zum Herzstück ihres Drum-Programmings wurde – von maßgeschneiderten Kits bis hin zu Resampling-Tricks, die ihren Workflow flexibel und inspirierend halten.
Direkt zu den Abschnitten:
- Warum Niki bei neuen Tracks auf Templates verzichtet
- Wie eigene Battery-Kits ihren Workflow beschleunigen
- Techniken, um alten Kits neues Leben einzuhauchen
- Die subtilen Drum-Details, die ihren Sound prägen
- Wie sich ihr Drum-Sound im Laufe der Zeit entwickelt hat
- Das Kit, das zu ihrem kreativen Anker wurde
Schauen wir uns im Detail an, warum Niki Sadeki im Studio jedes Mal bei null anfängt, um mit ihren Ideen voll in Verbindung zu bleiben.
Außerdem stellt Niki weiter unten einige ihrer einzigartigen Battery-Samples in einem kostenlosen Kit zur Verfügung.
Hol dir Nikis kostenlose Battery-Samples
Wenn du einen neuen Track beginnst: Startest du normalerweise mit einem Template oder baust du jedes Mal alles neu auf?

Ich fange fast immer von vorn an. Für mich liegt ein Teil der Magie beim Musikmachen darin, mich von der Stimmung, den Emotionen oder der Inspiration genau dieses Moments leiten zu lassen.
Templates verleiten mich manchmal dazu, in alte Muster oder vorgegebene Strukturen zu verfallen. Ich lasse mir aber gern Raum für Experimente – selbst wenn der Weg dadurch etwas ineffizienter wird. Wenn ich bei null anfange, bleibe ich voll bei den Sounds, die ich auswähle, und beobachte, wie sie miteinander interagieren. So verliere ich nie den Faden zu der Geschichte, die ich mit der Musik erzählen möchte.
Trotzdem habe ich in Ableton ein paar gespeicherte Channel-Strip-Presets und Lieblings-Effektketten parat, auf die ich zurückgreife, wenn es schnell gehen muss oder ich im Flow bleiben will. Sie sind aber eher wie Bausteine, kein fester Ausgangspunkt. Genau diese Balance zwischen Struktur und Spontanität sorgt dafür, dass sich für mich alles fundiert und gleichzeitig lebendig anfühlt.
Profi-Tipp von Niki Sadeki: Mappe Battery-Parameter wie Sample-Pitch oder Filter-Cutoff über ein Instrument-Rack auf die Macro-Regler von Ableton. So behältst du die volle Hands-on-Kontrolle, um deine Kits in Echtzeit zu formen – egal ob bei einer Live-Performance oder beim Feinschliff im Mix.
Speicherst du manchmal Drum-Kits und Packs in Battery ab, um deinen Workflow in späteren Sessions und Tracks zu beschleunigen?

Auf jeden Fall.
Ich habe mir im Laufe der Zeit einige eigene Kits in Battery gebaut, die mir als persönliche Standard-Paletten dienen – besonders wenn Deadlines drücken oder ich eine Idee schnell festhalten will, bevor sie verfliegt. Diese Kits entstehen oft aus früheren Sessions und bestehen aus sorgfältig ausgewählten Samples, die in meinen Mixen bereits gut funktionieren und sich in meiner Klangwelt absolut stimmig anfühlen.
Trotzdem versuche ich, mich nicht zu lange auf dieselben Kits zu verlassen. Ich speichere verschiedene Varianten mit unterschiedlichem Processing oder Layering ab: Selbst wenn der Kern vertraut ist, klingt er in jeder Session wieder frisch. Mit Battery bleibt man super organisiert und hat gleichzeitig die nötige Flexibilität, um neue Richtungen einzuschlagen, sobald die Inspiration kickt.
Profi-Tipp von Niki Sadeki: Kombiniere die Kits in Battery mit den Saturation- oder Distortion-Effekten deiner DAW, um klangliche Kontraste zu erzeugen. Nutze Parallel-Processing, um die Dynamik zu erhalten und gleichzeitig kontrolliert etwas Grit oder Stereobreite hinzuzufügen.
Was ist deine bewährte Methode, um einem vertrauten Kit oder Sample-Pack in Battery, das du schon unzählige Male genutzt hast, wieder neues Leben einzuhauchen?

Einer meiner Lieblingstricks ist es, Sounds in einen neuen Kontext zu setzen, indem ich sie mit Field-Recordings oder analogen Texturen layere – irgendetwas mit Charakter oder Ecken und Kanten. Oft resample ich das Ausgangssignal von Battery, zerlege es in Ableton neu und setze Saturation, Granular-Processing oder zeitbasierte Effekte ein, um völlig neue rhythmische Elemente zu kreieren. Manchmal genügt es schon, die Tonhöhe oder Hüllkurve eines einzelnen Hits zu verändern, um die Energie eines Grooves komplett umzukrempeln.
Eine andere Methode besteht darin, vertraute Samples anderen MIDI-Noten oder Triggern zuzuweisen – quasi die Kit-Struktur selbst zu remixen. Diese feine Veränderung zwingt mich dazu, mit einem frischen Blick an Rhythmen heranzugehen, und führt oft zu Grooves, auf die ich sonst nie gekommen wäre. Es sind genau diese kleinen Brüche mit Gewohnheiten, die meinen Workflow kreativ halten.
Profi-Tipp von Niki Sadeki: Wenn du mit Ableton arbeitest, nutze den Groove Pool, um deine Battery-Sequenzen zu humanisieren. Ziehe einfach ein Groove-Template auf den MIDI-Clip, der dein Battery-Kit triggert. Das sorgt sofort für Swing, feinste Timing-Verschiebungen und mehr Lebendigkeit in deinen Beats.
Gibt es einen roten Faden in deinen Battery-Kits, der Hörer*innen vielleicht gar nicht auffällt, für dich aber eine Art Handschrift darstellt?

Ja, definitiv.
Ich liebe Kontraste und emotionale Tiefe in Rhythmen, und das zeigt sich oft darin, wie ich druckvolle Low-End-Elemente mit feinen Höhen-Details ausbalanciere. Ich tendiere stark zu organischer, texturierter Percussion – staubige Rimshots, Vinyl-Knistern oder sanft bearbeitete Foley-Sounds –, die ich oft über ansonsten saubere digitale Hits layere. Dadurch entsteht eine Art Wechselspiel zwischen Rauheit und Klarheit, das inzwischen fest zu meinem Sound gehört.
Ein weiteres subtiles Markenzeichen sind Ghost-Notes oder hauchzarte rhythmische Verzierungen. Sie sitzen oft ganz dezent im Mix, bringen aber Bewegung und Emotionen ins Spiel, ohne sich sofort in den Vordergrund zu drängen. Ich sehe sie fast wie Pinselstriche in einem Gemälde – intime Details, die man beim bewussten Hinhören entdeckt.

Profi-Tipp von Niki Sadeki: Speichere deine bearbeiteten Battery-Kits direkt in deiner DAW ab. So kannst du nicht nur das Kit abrufen, sondern auch alle Effektketten, Macros oder Sidechain-Routings, die du darum herum aufgebaut hast.
Wenn du auf deine älteren Tracks zurückblickst: Was fällt dir an den Drums im Vergleich zu heute auf?
Wenn ich mir meine älteren Produktionen anhöre, steckt da jede Menge Intuition drin, aber auch noch viel Luft nach oben beim Drum-Programming. Damals ging es mir vor allem darum, ein bestimmtes Gefühl zu transportieren, weniger um die technische Finesse – also wie die Drums im Mix sitzen oder mit dem Groove harmonieren.
Diese Unbeschwertheit hatte ihren ganz eigenen Charme, aber heute forme ich Rhythmen viel gezielter.
Mit der Zeit habe ich ein besseres Gespür für Raum und Spannung in Drum-Arrangements entwickelt – dafür, wie Stille, Decay oder bewusste Zurückhaltung einen Rhythmus noch packender machen. Außerdem höre ich heute viel genauer auf die emotionale Färbung perkussiver Elemente, nicht nur auf ihren reinen Sound. Dieser Perspektivwechsel hat maßgeblich verändert, wie ich rhythmische Ideen in meiner aktuellen Musik aufbaue und zerlege.
Profi-Tipp von Niki Sadeki: Resample deine Battery-Drum-Pattern direkt in der DAW, indem du sie auf eine Audio-Spur routest und ein paar Takte live aufnimmst. Schneide dieses Audio anschließend auf einer neuen MIDI-Spur (z. B. im Drum Rack) in Slices. So entstehen frische, überraschende Pattern, ohne dass du deine Session verlassen musst.
Gibt es ein bestimmtes Battery-Kit oder -Preset, das in mehr Tracks von dir gelandet ist als jedes andere?

Es gibt ein eigenes Kit, das ich vor ein paar Jahren von Grund auf gebaut habe und zu dem ich immer wieder zurückkehre. Es basiert auf einer knackigen, holzigen Kick, warmen analogen Claps und ein paar handverlesenen Texturen, die ich auf einer Reise aufgenommen habe – etwa Sand, der über Steine gestrichen wird, oder das Klicken eines Feuerzeugs. Ich habe es so oft umgeformt und neu bearbeitet, dass es dem Original kaum noch ähnelt, aber das Grundgefühl ist geblieben. Es fühlt sich persönlich an, wie ein kleiner klanglicher Fingerabdruck.
Obwohl ich es liebe, neue Kits und Presets zu erkunden, strahlt genau dieses eine beruhigende Beständigkeit aus, auf die ich mich verlassen kann. Wenn ich mich in einer Session verrenne oder von den vielen Optionen erschlagen werde, bringt mich dieses Kit wieder auf den Punkt. Es ist wie ein kreativer Anker, der mir hilft, den Fokus wiederzufinden und mit klarem Kopf weiterzumachen.
Profi-Tipp von Niki Sadeki: Wenn du in Ableton Live einen Track anfängst, lade Battery doch mal auf eine leere MIDI-Spur und kombiniere es mit einem einfachen Drum-Rack-Kanal, rein für Texturen oder Layering. Mit diesem Setup bleibt dein Workflow flexibel und deine Drum-Sounds klingen von Anfang an vielseitig.
Fazit
Der Einblick in ihren Workflow zeigt, wie viel Feingefühl und Absicht hinter Nikis Ansatz stecken. Vom Start bei null statt vorgefertigter Templates bis hin zum ständigen Weiterentwickeln ihrer Lieblings-Kits in Battery: Jede Entscheidung zielt darauf ab, ganz nah an der Energie des jeweiligen Tracks zu bleiben.
Genau diese Haltung verleiht ihrer Musik ihre unverwechselbare Identität und hält ihren Workflow so wandlungsfähig, dass er sowohl Raum für Experimente als auch für straffe Deadlines bietet.
Mit dem Release von Fading Sun auf Manual Music wird deutlich, dass Nikis Gabe, detailverliebtes Programming mit einem instinktiven Gespür für Rhythmus zu verschmelzen, stetig wächst. Ihre Einblicke in Battery zeigen praxisnah, wie Tools zur natürlichen Verlängerung der eigenen künstlerischen Stimme werden können.
Ein großes Dankeschön an Niki, dass sie sich die Zeit genommen hat, ihren Prozess zu erklären und zu zeigen, wie sie ihren Sound immer weiter vorantreibt.