Nur wenige Produzent*innen lassen die Grenzen zwischen Musiker*in und elektronischem Act so verschwimmen wie Father Funk. Sein neues Album Funk The System fängt das Chaos und die Farbigkeit einer Live-Performance in einem basslastigen elektronischen Rahmen ein. Jeder Track sprüht vor echter Musikalität, gespeist aus jahrelanger Erfahrung als Bassist, Gitarrist und Schlagzeuger.
Es ist laut, kompromisslos und unverkennbar menschlich.
Für Father Funk sind Sound-Design und Performance untrennbar miteinander verbunden.
Er baut jeden Track von Grund auf so auf, als würde er eine alte Schallplatte samplen – mit Tools, die sich organisch anfühlen und direkt reagieren. Scarbee® Bass spielt dabei eine entscheidende Rolle und ermöglicht es ihm, die Nuancen eines echten Instruments in die Energie eines Drops zu übertragen.
Funk The System markiert einen Wendepunkt für den in Großbritannien geborenen und in Vancouver lebenden Produzenten. Nach einem Jahrzehnt genreübergreifender Kollaborationen und Festival-Hymnen bringt dieses Projekt seine kreative Unabhängigkeit in voller Blüte auf den Punkt.
Spring direkt zu den Abschnitten:
- Gespielte Sounds als gesampelte Basis nutzen
- Realismus durch detailliertes MIDI-Phrasieren programmieren
- Wärme und Definition im Low-End ausbalancieren
- MIDI-Feel für Bewegung und Druck einsetzen
- Charakter durch Artikulation und Klangfarbe erzeugen
- Den Groove durch MIDI-Programming und Swing verstärken
Das Album balanciert rohe Funk-Attitüde mit druckvollem Low-End aus – getragen von der Präzision und Spielbarkeit von Scarbee Jay-Bass von Native Instruments, einem von Hunderten erstklassigen Kontakt-Instrumenten.
Als du angefangen hast, Funk The System zu schreiben: Wie oft entstand die erste Idee am Bass, und welche Rolle spielten Kontakt-Instrumente in diesen frühen Sessions?
Ein Großteil dieses Albums begann eher mit Konzepten als mit konkreten Ideen. Ein gutes Beispiel ist „Jazzercise“ – eine Fusion aus Jazz und Dubstep. Bei einem solchen Konzept fange ich oft mit den „Live“-Elementen wie Gitarren, Keys und Drums an. Meine Musik war früher größtenteils samplebasiert, daher ist mein Ziel in diesen frühen Sessions, ein Fundament zu bauen, das klingt, als wäre es von einer alten Schallplatte gesampelt worden. Anschließend zerlege ich das Ganze (entweder über Stems oder durch Resampling) und baue daraus den restlichen Song auf.

Die Scarbee-Bässe in Kontakt gehören bei solchen Sessions definitiv zu meinen absoluten Go-to-Tools. Ich liebe einfach, wie warm und rund sie klingen.
Meistens setze ich Scarbee Jay-Bass als Teil eines Drops ein. Ich bearbeite ihn mit verschiedenen Arten von Distortion, gefolgt von einem OTT, damit er extrem aggressiv und präsent wird. So kann ich ihn als Teil einer Phrase neben den anderen Bässen im Drop einsetzen, ohne dass er im Mix untergeht.
Scarbee Jay-Bass reagiert sehr dynamisch und natürlich. Wie formst du das Phrasieren im Plug-in, damit der Part gespielt und nicht programmiert wirkt?
Genau so bringt man solche Plug-ins dazu, „echt“ zu klingen. Man kann den Sound ungemein formen, indem man einfach an den MIDI-Noten feilt – Notenlänge, Velocity usw. Da ich selbst Bass spiele, hilft mir das natürlich enorm, weil ich genau weiß, wie das Instrument funktioniert und wie ein Part in echt gespielt werden würde.

Ghost-Notes sind extrem wichtig. Das sind sehr kurze, oft geshuffelte, synkopierte Noten zwischen den dominanteren Noten einer Phrase. Wenn du die Velocity bei Scarbee Jay-Bass weit genug herunterdrehst, klingen deine Ghost-Notes weniger nach echten Tönen, sondern eher wie abgedämpfte, perkussive Hits.

Genauso würde es klingen, wenn du einen echten Bass spielst. Es hilft außerdem, der Note direkt nach einer Ghost-Note die volle oder fast die volle Velocity zu geben.
Schon allein die Länge einzelner Noten kann einen gewaltigen Unterschied machen.
Klar: Wenn du einen echten Bass spielst, klingt nicht jede Note komplett legato – deshalb lohnt es sich, hier zu experimentieren. Ich finde es genial, dass ein Hammer-on-Effekt entsteht, sobald du eine MIDI-Note in die nächste hinein verlängerst.
Profi-Tipp von Father Funk: Lass MIDI die Arbeit machen. Nutze Ghost-Notes, Velocity und variierende Notenlängen, um interessante, lebendige Pattern zu erzeugen.
Viele Tracks auf dem Album haben ein fettes Low-End, das trotzdem klar bleibt. Wie hilft dir Kontakt dabei, in dichten Arrangements Druck und Definition zu bewahren?
Scarbee Jay-Bass hat ein fantastisches Low-End – das ist ein wesentlicher Grund dafür, warum ich ihn so liebe. Wie gesagt bin ich Bassist und könnte viele der Bassspuren in meinen Songs problemlos selbst einspielen, wenn ich wollte. Meistens greife ich aber lieber zu den Scarbee-Bässen in Kontakt, weil es damit viel einfacher ist, einen grundsoliden, konsistenten Sound hinzubekommen – vor allem im Low-End.

Der Einsatz von Kompression und teils recht extremem EQing hilft enorm dabei, genau die Frequenzen herauszuarbeiten, von denen ich mehr brauche. Ich würde allerdings sagen, dass ein Großteil meines Processings eher darauf abzielt, die Höhen als das Low-End nach vorn zu bringen – denn genau die gehen bei Scarbee Jay-Bass in den aggressiveren Musikstilen, die ich produziere, gerne mal verloren.

Oft layere ich Scarbee Jay-Bass mit einem separaten Sub-Bass, aber das hängt ganz vom gespielten Part ab. Wenn es eher ein Slap-Bass-Part ist, macht es definitiv mehr Sinn, den Sub direkt aus dem Plug-in herauszuholen, weil man diesen perkussiven Punch („Pop“) spüren will. Wenn es ein schlichterer Fingerstyle-Part ist, funktioniert ein separat darunter gelegter Sub-Bass hervorragend.
Wenn du einer Bassline extra viel Bewegung oder Attitüde verleihen willst: Welche Regler in Kontakt nutzt du zuerst, um den Ausdruck zu pushen?
Ehrlich gesagt fasse ich die Regler kaum an.
Den gesamten Sound-Charakter hole ich aus dem MIDI-Programming (Notenlänge, Velocity etc.) und aus der Nachbearbeitung. Meistens wähle ich einfach nur zwischen dem Hals- und dem Steg-Pickup, je nachdem, welchen Sound ich erreichen will.

Wenn ich extra viel Attitüde brauche, versuche ich mich definitiv an einem Slap-Bass-Part mit vielen Noten auf voller Velocity, etlichen Hammer-ons und weiten Oktavsprüngen. Dem Ganzen verpasse ich dann ordentlich Distortion, damit es noch aggressiver klingt.
Profi-Tipp von Father Funk: Setze auf Distortion, um den Sound des Plug-ins aufs nächste Level zu heben.
Viele Basslines auf dem Album sprühen vor Charakter. Wie stellst du Klangfarbe, Schmutz oder Akzente in Kontakt ein, um diese Persönlichkeit in den Vordergrund zu rücken?
Wie gesagt kommt extrem viel davon aus dem MIDI-Programming, das sehr stark von meiner genreübergreifenden Erfahrung am Bass geprägt ist.
Kontakt-Instrumente reagieren extrem sensibel auf feine Nuancen bei Velocity und Notenlänge. So lässt sich einer Phrase – und sogar einzelnen Noten – ganz leicht Persönlichkeit einhauchen.
Selbst ein und dasselbe MIDI-Pattern triggert jedes Mal minimal anders. Deshalb resample ich Phrasen oft mehrmals, bis ich genau die Artikulationen habe, die ich suche. Manchmal compe ich dabei auch ein paar verschiedene „Takes“ zusammen.
Was würdest du Produzent*innen raten, die ihren Basslines mehr musikalische Kontur verleihen und Groove sowie Artikulation stärken wollen?
Ich wiederhole mich hier zwar, aber unglaublich viel hängt einfach am MIDI-Programming. Ich finde, es lohnt sich absolut, etwas Zeit ins Experimentieren zu stecken, um das Beste aus dem Instrument herauszuholen. Das klingt vielleicht zeitaufwendig, aber sobald man versteht, was funktioniert und wie das Plug-in reagiert, geht es super schnell und unkompliziert, etwas realistisch Klingendes zu bauen.
Swing hilft ungemein dabei, Tracks groovig und lebendig zu machen. Gerade im Funk wird man kaum Bassist*innen finden, die ohne Swing und Groove spielen. Mein Go-to ist der Notator 16D Swing in Ableton.
Profi-Tipp von Father Funk: Resamplen! So stellst du sicher, dass deine Pattern genau so triggern, wie du es willst. Außerdem kannst du die Ausklingphasen der Sounds bereinigen, um alles noch tighter zu machen.

Fazit
Funk The System ist mehr als nur ein stilistisches Statement.
Es erinnert daran, dass digitale Musik sich lebendig anfühlen kann, wenn sie aus den Instinkten einer Live-Performance entspringt. Für Father Funk schlagen die Bässe in Kontakt genau diese Brücke: Sie verbinden handwerkliche Musikalität mit der Flexibilität moderner Musikproduktion. Jedes Detail – von Ghost-Notes bis hin zu Hammer-on-Slides – verdeutlicht, dass Bewegung und Emotion ebenso sehr aus dem Anschlag wie aus dem Sound selbst entstehen.
Diese Balance prägt seine künstlerische Entwicklung. Indem er präzise MIDI-Kontrolle mit den Unvollkommenheiten menschlichen Timings und Phrasierens verbindet, findet er neue Wege, elektronische Musik wieder persönlich klingen zu lassen. Kontakt ist fester Bestandteil dieser Identität – ein Tool, das seinem Low-End nicht nur Druck, sondern echten Charakter verleiht.
In einer Szene, die oft auf vorgefertigten Loops und glattgebügelten Presets basiert, beweist Father Funk, dass echter Groove immer noch aus Absicht und Gefühl entsteht. Funk The System ist das Werk von jemandem, der nie aufgehört hat, wie ein Musiker zu denken. Das Ergebnis ist laut, unerschrocken und voller Leben.