Nachdem er jahrelang Musik für Modekampagnen und Ambient-Platten komponiert hat, kehrt der in LA lebende Künstler Hayes Bradley zurück in den Club. Seine neue Single „Total Call“, die jetzt über StrataSonic erschienen ist, markiert einen deutlichen kreativen Schritt hin zu schwereren, physischeren Rhythmen. Die ungestümen Breakbeats und verzerrten Basslines des Tracks treffen mit roher Intensität und geben den Ton für seine gerade erschienene vierte LP Audience an – ein Album voller emotionaler Kontraste, das dennoch kompromisslos auf den Dancefloor zielt.
Als langjähriger Fan der Tools von Native Instruments entwickelte Hayes einen Großteil dieses neuen Materials mit dem Kontakt Player – ausgehend von kostenlosen Libraries, die er bis zur Unkenntlichkeit verfremdete. In diesem Interview erklärt er den Workflow hinter „Total Call“, das Mindset, das ihn produktiv hält, und warum professionelle Releases keine teure Software brauchen, um lebendig zu werden.
Springe direkt zu den Abschnitten:
- Wie der Kontakt Player Teil von Hayes’ Workflow wurde
- Kostenlose Kontakt-Libraries für Bässe
- Sound-Design für „Total Call“ mit Kontakt
- Wie der neue Track Produzent*innen inspirieren kann
- Tipps für Einsteiger*innen mit Kontakt
Hayes zerdenkt die Dinge nicht, aber er kennt seine Tools in- und auswendig. Hier erfährst du, wie der Kontakt Player (kostenlos im Komplete Start-Bundle enthalten) das Low-End-Chaos von „Total Call“ geprägt hat und warum er findet, dass mehr Produzent*innen kostenlose Tools nutzen sollten, um ihre Ideen festzuhalten.
Hol dir den kostenlosen Kontakt Player
Wie wurde der Kontakt Player Teil deines Setups?
Es war tatsächlich eines der ersten Plug-ins, die ich überhaupt benutzt habe. Ich habe Musikproduktion am Columbia College in Chicago studiert, und mein damaliger Professor Jeff Derringer war Resident bei der Techno-Nacht der Smartbar. Für seine Sets nutzte er ein komplettes Live-Improvisations-Setup. Kontakt und Maschine waren seine bevorzugten Werkzeuge, um all die Sounds für seine Sets zu spielen und zu programmieren.

Mit Maschine zu lernen und in den Workflow einzusteigen – überhaupt mit Sachen von Native Instruments anzufangen –, hat mir enorm geholfen. Ich konnte mich online in Foren mit anderen Produzent*innen austauschen, die dieselben Programme nutzten. Sie halfen mir bei Blockaden und Problemen, die ich sonst mühsam alleine hätte lösen müssen. Die Native Instruments-Community ist einfach großartig.
Profi-Tipp von Hayes Bradley: Spiel den Track im Club, wenn du denkst, dass er fertig ist – dort spürst du ihn viel intensiver.
Gibt es bestimmte Kontakt Player-Libraries, zu denen du immer wieder zurückkehrst, wenn du an neuen Ideen arbeitest?
Vor allem liebe ich Bassynth. Es hat einfach unglaublich volle und knackig klingende Bass-Patches, die ich nach dem Grundsound gern noch durch andere Effekt-Plug-ins jage. Ich nutze es seit Jahren fast schon religiös für Bass-Sounds.
Der Bass-Sound They Live im Bassynth-Plug-in ist mein absoluter Favorit. Er lässt sich perfekt mit Drums kombinieren und extrem modulieren, ohne zu verzerren. Die Bass-Sounds in „Total Call“ gehen in alle Richtungen – damit war es super einfach, genau den Sound hinzubekommen, den ich im Kopf hatte.
Welche Rolle hat der Kontakt Player beim Sound-Design von „Total Call“ gespielt?
Ich habe ihn für all die glitchigen, abgedrehten Basslines in der zweiten Hälfte des Tracks eingesetzt. Die Resonanz des Bass-Sounds habe ich deutlich heruntergeregelt, damit er sich nahtlos mit den anderen Elementen des Tracks verbindet.

Das war einer der ersten Songs, die ich für das Album fertiggestellt habe. Es war eine echte Herausforderung, dafür zu sorgen, dass alles zusammenpasst und im Mix sitzt. Aber die Equalizer von Bassynth in Kontakt haben mir beim Mixdown im Grunde das Leben gerettet.
Der Mixdown war einer der schwierigsten, die ich je gemacht habe. Da überschnitten sich einfach so viele Spuren – sie sauber zu trennen und dann wieder zusammenzufügen, hat extrem viel Zeit gekostet. Aber ich habe dabei auch unglaublich viel gelernt.
Profi-Tipp von Hayes Bradley: Hol dir Feedback von Freund*innen, aber vertraue auf deine eigene Vision. Am Ende triffst du die Entscheidungen.
Was rätst du Produzent*innen, die zögern, ihre Musik zu veröffentlichen – besonders wenn sie ganz anders klingt als sonst?
Ich erlebe oft, dass befreundete Musiker*innen plötzlich von einem Genre begeistert sind, das sich völlig von ihrem gewohnten Stil unterscheidet. Meiner Meinung nach spielt das überhaupt keine Rolle. Mach einfach so viel Musik wie möglich! Es ist egal, wie es klingt, solange es dir gefällt. Und bitte: Veröffentliche es einfach und mach dir erst danach Gedanken über den Rest.

Profi-Tipp von Hayes Bradley: Dreh erst mal völlig durch und reduziere es dann. Ich mache Drum-Pattern am Anfang immer absichtlich zu kompliziert und lösche dann das raus, was matschig klingt, sobald die anderen Spuren dazukommen.
Welchen Rat gibst du jemandem, der nur mit dem Kontakt Player und einer DAW startet?
Nimm dir Zeit zum Herumprobieren, auch wenn alles noch völlig neu für dich ist. Finde darin deinen eigenen Sound. Die Möglichkeiten sind endlos – verbringe einfach so viel Zeit wie möglich damit, die ganz besonderen Facetten zu entdecken.
Versuche außerdem, einen Anbieter oder ein Programm zu finden, das über diesen einen Song hinaus eine riesige Auswahl an Möglichkeiten bietet. Alles an einem Ort zu haben, erleichtert das Ganze enorm – schon allein bei Seriennummern und der Verwaltung.
Ich habe während des Studiums mit Maschine angefangen und seitdem unglaublich viel von Native Instruments genutzt. Deshalb war ich schon immer ein großer Fan von allem, was von NI kommt. Aber unterm Strich gilt: Sorge einfach dafür, dass du immer etwas kreierst – und diese Musik auch veröffentlichst. Sonst existiert sie letztlich gar nicht.
Profi-Tipp von Hayes Bradley: Nimm. Immer. Alles. Auf.
Fazit
Hayes Bradley zeigt eindrucksvoll, wie viel Potenzial in rohen Ideen steckt, wenn man ihnen den nötigen Raum gibt. Sein Ansatz bei „Total Call“ basiert auf Intuition, Ausdauer und dem gezielten Einsatz des Kontakt Player, der die basslastigen Texturen und glitchigen Phrasen des Tracks entscheidend geprägt hat.

Produzieren muss nicht unnötig kompliziert sein: Hayes beweist, dass kostenlose Tools wie der Kontakt Player in Kombination mit kontinuierlicher Arbeit clubtaugliche Musik hervorbringen können, die eine unverwechselbare, persönliche Handschrift trägt.