Vielleicht erinnerst du dich noch daran, als Lofi Girl das Internet eroberte. Es war ein echter Meilenstein der Popkultur. In Zeiten, die sich chaotisch anfühlten, brauchten wir genau diese Musik, um etwas herunterzufahren.
Was auch immer Lofi Girl so faszinierend machte: Es war Teil einer Bewegung, die Lo-Fi-HipHop zu einem der legendärsten und entspanntesten Genres für Beatmaker*innen gemacht hat. Staubige Texturen, sanfte Vibes und ein nostalgisches Gefühl sind die Grundelemente, die Lo-Fi-HipHop ausmachen. Mit einem Sound, der gleichzeitig beruhigend und roh klingt, funktioniert das Genre perfekt als Hintergrundmusik – fast wie eine Antwort des 21. Jahrhunderts auf die Ambient-Musik des 20. Jahrhunderts.
In diesem Guide zeigen wir dir Schritt für Schritt, wie du mit Tools aus dem 360 Plus-Abo einen Lo-Fi-HipHop-Beat baust. Am Ende klingt das Ganze so:
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Was zeichnet Lo-Fi-HipHop aus?
Lo-Fi-HipHop hat seinen Namen vom Begriff „Low Fidelity“, was für eine geringe klangliche Wiedergabetreue steht. Das Genre zelebriert gezielt Unvollkommenheiten, wie sie früher durch fehlerhaftes oder abgenutztes Equipment entstanden. Vielleicht ist die Lo-Fi-Bewegung eine direkte Reaktion auf ein digitales Zeitalter, in dem jeder Sound im Handumdrehen „perfektioniert“ werden kann.
Aus diesem Grund setzt das Genre stark auf verstimmte Samples, Vinyl-Knistern, eiernde Tape-Sounds und entspannte Drum-Grooves. Im Gegensatz zu hochglanzpoliertem HipHop strebt Lo-Fi nicht nach klanglicher Perfektion. Es lebt vielmehr von Textur, Wärme und einer Prise Nostalgie. Oft finden sich im Genre jazzige Akkordfolgen, einfache Drum-Pattern und melodische Loops, die eher an entspannte Hintergrundatmosphäre als an Club-Hymnen erinnern.
Dir wird außerdem auffallen, dass Lo-Fi-Beats meist bei 60–90 BPM liegen – mit reichlich Platz zwischen den Drums, der Raum für einen minimalistischen Groove lässt. Effekte wie Reverb, Delay, Chorus und Bitcrushing kommen großzügig zum Einsatz, um den Nostalgiefaktor noch weiter zu verstärken.
Lo-Fi ist ein Subgenre des Instrumental-HipHop und kommt meist ganz ohne Vocals aus – abgesehen von vereinzelten, hallgetränkten Samples.
Wie ist Lo-Fi-HipHop aufgebaut?
Vom Aufbau her ist Lo-Fi-HipHop simpel und repetitiv – und genau darum geht es. Die Musik soll nahtlos loopen und einen Vibe transportieren, statt eine komplexe Songstruktur aufzubauen. Ein typischer Lo-Fi-HipHop-Beat besteht oft aus einem Intro, einem Hauptloop, der sich mit der Zeit dezent aufbaut, und gelegentlich einem Breakdown, in dem Elemente aussetzen, bevor es zurück zum Hauptgroove geht. Feste Regeln gibt es aber nicht – Lo-Fi definiert sich eher über eine Klangpalette als über ein starres Arrangement.
Die meisten Lo-Fi-Tracks sind kurz – oft nur etwa 1 bis 3 Minuten lang. Dabei konzentrieren sich Producer*innen meist darauf, dass jeder Abschnitt homogen und in sich stimmig wirkt, anstatt auf einen dramatischen Höhepunkt hinzuarbeiten.
Der Grund für den schlichten Aufbau von Lo-Fi-Tracks liegt wohl darin, dass sie meist im Kontext von Mixen gehört werden. Zwar sind auch einzelne Tracks beliebt, doch Playlists und Compilations beherrschen die Szene – wie etwa die extrem populären Streams von Lofi Girl:
So baust du Lo-Fi-HipHop-Beats
Schauen wir uns an, wie du mit ausgewählten Tools aus dem 360 Plus-Abo einen Lo-Fi-HipHop-Beat baust. In diesem Tutorial nutzen wir Instrumente wie Kontakt und Battery sowie Effekte, um unserem Beat das typische Lo-Fi-Feeling zu verleihen.
1. Tempo festlegen
Wie bereits erwähnt, liegt Lo-Fi meist zwischen 60 und 90 BPM. Für diesen Beat wählen wir 65 BPM – perfekt für einen ultralässigen Vibe am ruhigeren Ende des Spektrums.
2. Sample oder Akkordfolge finden
Viele Lo-Fi-HipHop-Beats beginnen mit einem Sample, oft von alten Jazz-Platten. Da das Klären der Sample-Rechte kompliziert sein kann, kannst du – statt Plattenkisten zu durchwühlen – deine eigenen Rhythmus-Sektionen und Akkordfolgen einspielen.
Für diesen Track nutzen wir den Loop VI – i – V7, in der Tonart a-Moll also F-Dur – a-Moll – E7. Wir haben außerdem ein paar Tensions (Zusatztöne) ergänzt, damit die Akkordfolge etwas souliger und jazziger klingt. Der Trick dabei: Halte es minimalistisch und stimmungsvoll – bei Lo-Fi zählt die Atmosphäre, nicht die Komplexität. Natürlich kannst du auch jede andere Akkordfolge verwenden.

Wir spielen das Ganze auf Electric Keys: Phoenix ein, um diesen unverzichtbaren, weichen Sound zu bekommen.
Sobald die Akkorde stehen, verpassen wir ihnen mit Bite etwas dezente Bitcrushing-Textur. Für Downsampling und Sättigung wählen wir hier das Preset „Muffled Grey“.

So klingt unser Akkord-Loop:
3. Entspannten Drum-Groove bauen
Als Nächstes bauen wir unseren Drum-Loop. Lo-Fi-Drums klingen meist gedämpft: mit weichen Kicks, knackigen Snares und swingenden Hi-Hats, die nicht zu höhenreich sind.
Für unsere Drums verwenden wir Battery 4 und laden ein paar staubige Kits aus der Factory Selection. Wir haben uns für eine weiche, bauchige Kick, eine lockere Snare und akustisch klingende Hi-Hats entschieden, die grooven, ohne zu starr auf dem Raster zu sitzen.
Hier ist das grundlegende Pattern:

So klingt das Pattern:
Klingt schon ziemlich gut – aber lass uns den Drums noch mehr authentischen Lo-Fi-Charakter verleihen.
Zunächst laden wir iZotope Vinyl direkt auf die Spur – mit folgenden Einstellungen:

Als Nächstes filtern wir das Signal etwas. Mit einem Tiefpassfilter mit sanfter Flanke ab 3,12 kHz nehmen wir dem Kit die scharfen Höhen. Mit einem steilen Hochpassfilter bei 20 Hz entfernen wir außerdem das tieffrequente Sub-Rumpeln von Vinyl.
Damit klingt das Kit jetzt so:
4. Melodische Elemente hinzufügen
Nachdem Akkorde und Drums stehen, wird es Zeit für Melodien. Wir legen eine einfache, repetitive Phrase darüber, die die Akkorde ergänzt. Die Melodie spielen wir mit dem Preset „Funhouse“ in Lo-fi Glow ein.
Bei Lo-Fi dreht sich alles ums Feeling – quantisiere also bloß nicht alles millimetergenau. Gerade die leicht unperfekten Momente, die etwas neben dem Beat liegen, machen den Reiz aus.
Dazu setzen wir noch eine Gegenmelodie auf, die die Lücken der Hauptmelodie füllt. Dafür nutzen wir das Preset „Dirty Output“ in Stacks.
Um alles miteinander zu verschmelzen und räumlicher zu machen, schicken wir beide Spuren in ein Raum-Reverb und ein Replika-Delay.
5. Beat arrangieren
Wie schon gesagt, brauchen Lo-Fi-Beats keine komplizierten Arrangements. Führe einfach ein Element nach dem anderen über 4- oder 8-Takt-Phrasen ein, nimm Spuren heraus, wenn es zu eintönig wird, und bringe sie wieder zurück, wenn es sich richtig anfühlt.
Ein bisschen „Ear Candy“ hier und da – etwa ein Reverse-Crash zum Einleiten eines neuen Abschnitts – schadet nie.
So sieht dieses denkbar einfache Arrangement aus:

Und was noch viel wichtiger ist – so klingt es:
Dieses Arrangement ist natürlich keineswegs in Stein gemeißelt. Experimentiere nach Lust und Laune mit deinen eigenen Patterns und Stilen. Beim Arrangieren setzt dir nur deine eigene Kreativität Grenzen.
Vielleicht fragst du dich jetzt: „Und was ist mit dem Bass?“ Bei diesem Track verlassen wir uns auf den warmen Klang der Keys und der Kick, um den tieffrequenten Bereich abzudecken.
Viele Lo-Fi-HipHop-Tracks kommen ganz ohne eigenständigen Bass aus. Wenn du doch einen einbauen möchtest, spiele einfach die Grundtöne der jeweiligen Akkorde mit einem sanften, warmen Sub-Bass-Patch.
Leg los mit deinen eigenen Lo-Fi-HipHop-Beats
Wenn du Lo-Fi-HipHop produzierst, sollte das richtige Feeling immer vor Perfektion stehen. In diesem Genre wird Unvollkommenheit zum Charakter – und jedes Element trägt dazu bei, ein Gefühl von Wärme, Nostalgie und Ruhe zu erzeugen. Mit den Tools aus 360 Plus hast du alles an der Hand, um tief in diesen Style einzutauchen.
Probiere dich an deinen ersten eigenen Lo-Fi-HipHop-Beats aus und teste das Musikproduktions-Abo 360 Plus kostenlos. Hab keine Angst davor, deinen Tracks Raum zum Atmen zu lassen: Manchmal ist weniger einfach mehr – und genau darin liegt beim Lo-Fi die Magie.