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In der spektralen Welt von Oscillarys: Ein Deep Dive mit Ocean Swift Synthesis

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Ocean Swift featured

Beim Komponieren für Film und Medien verschwimmen die Grenzen zwischen organischen und synthetischen Klängen immer mehr. Als Vorreiter dieser Entwicklung gilt Ocean Swift Synthesis – ein Entwicklungsstudio, das Instrumente baut, die sich nicht einfach nur in den Mix einfügen, sondern wahrhaftig darin atmen. Ihr neuestes Instrument Oscillarys setzt neue Maßstäbe in der bewegungsbasierten Synthese: Mit der Power von Kontakt verwandelt es rohe Eurorack-Bleeps und Vintage-Vocal-Aufnahmen in dichte, sich ständig entwickelnde Texturen.

Wir haben uns mit Yaron Eshkar von Ocean Swift zusammengesetzt, um über ihre Methoden im Sound-Design zu sprechen, über die Bedeutung einer tiefen NKS2-Integration für Barrierefreiheit und darüber, warum sie ihren gesamten architektonischen Fokus voll und ganz auf das Native Instruments-Ökosystem verlagert haben.

Oscillarys entdecken

Oscillarys ist eine Synthese-Engine, die auf Bewegung ausgelegt ist. Als ihr die drei identischen Synth-Layer und dieses spezielle serielle Filter-Routing entwickelt habt: Wie habt ihr sichergestellt, dass das Instrument lebendig wirkt und nicht nur eine weitere Quelle für statische Sounds ist?

Vieles kommt schon direkt aus dem Ausgangsmaterial – viele Samples besitzen eine detaillierte Bewegung und ein sattes Stereobild, das bereits reichlich Dynamik liefert. Aber der entscheidende Punkt sind die umfangreichen Modulationsmöglichkeiten. Jeder Layer bietet tiefgehende interne wie externe Modulation – LFOs, Hüllkurven und polyphoner Aftertouch sind komplett mit an Bord. Doch vor allem die Zufallsoptionen pro Note für so viele zentrale Regler wie Filter-Cutoff oder Amp-Decay eröffnen eine völlig neue Spieldynamik.

Dazu kommen Optionen für rhythmisches Gating und Delay pro Layer – jede Ebene entwickelt sich also ganz individuell, während die Hauptfilter-Sektion durch ein gemeinsames Auslenken des Gesamtsounds wieder für eine stimmige Einheit sorgen kann. Und dann kommt der Cheat-Code: Das Ganze in der Master-Effektsektion durch Replika und Raum schicken.

Yaron modular

Die Library bietet ein gewaltiges Repertoire von über 1.500 Samples – von rohen Eurorack-Modulen bis hin zu klassischen, „mellotronartigen“ organischen Vocals. Kannst du uns beschreiben, wie ihr diese rohen analogen Quellen mit digitalen und organischen Elementen kombiniert habt, um diese spektrale Textur zu erzeugen?

Die Art und Weise, wie wir diese Loop-Oszillatoren bauen, ist die Grundlage für alles – und ein unglaublich kreativer Prozess, der extrem viel Spaß macht. Die Basis bildet das Loopen von Quellsounds zu spielbaren, langen, detaillierten und absolut nahtlosen Loops. Von da an ist im Grunde alles möglich.

Denn was ist heute überhaupt noch organisch und was synthetisch? Wenn wir uns eine Open-Source-Geige aus dem Netz holen und sie loopen, um die klangliche Essenz einzufangen, dazu einen kernigen analogen Eurorack-Oszillator samplen und eine vibrierende Okarina aus einem Vintage-Rompler der 90er-Jahre aufnehmen – all das dann als Layer in Absynth werfen, mit Cloud-Filtern bearbeiten, das Ganze resamplen, in einen Oszillator loopen und es schließlich den User*innen als Quellsound bereitstellen: Was ist es dann zu diesem Zeitpunkt?

Wir sind regelrecht besessen von diesem Inception-Prinzip: Nimm genau diese Reise, die ich gerade beschrieben habe – und jetzt, wo das Sample in Oscillarys liegt, können wir es mit zwei weiteren solcher Quellen schichten und … das wieder samplen, in einen Oszillator loopen und … es als Quellsound in einem Update für Oscillarys, in unseren Spectral-Oscillators-Sample-Packs oder in einem ganz anderen Projekt bereitstellen.

Oscillarys

Ihr habt eine tiefe NKS 2-Integration (Native Kontrol Standard) sowie detaillierte Hilfe-Tags für sehbehinderte und blinde Menschen umgesetzt. Warum war es Ocean Swift so wichtig, über ein Standard-Mapping hinauszugehen und dafür zu sorgen, dass jeder Drehregler und Fader für alle direkt ab Werk barrierefrei bedienbar ist?

Das Ganze begann, als ich noch bei Native Instruments im Kontakt-Team gearbeitet habe und wir die Aufgabe bekamen, die direkte Anbindung der Kontrol S-Series MK3-Keyboards an Kontakt zu integrieren. Rückblickend betrachtet ist das fast schon ironisch: Anfangs war ich gar nicht so begeistert von dieser Aufgabe. Doch genau dadurch habe ich unglaublich viel über NKS gelernt und hatte das Glück, an der Implementierung von NKS2 mitzuwirken. So habe ich das Potenzial schätzen und lieben gelernt.

Der zweite Auslöser für unser volles Engagement für NKS waren Gespräche mit Chris Ankin, der den KK-Access-Blog betreibt. Dadurch wurde uns erst richtig bewusst, wie bahnbrechend und stärkend NKS für blinde und sehbehinderte Menschen ist – und wie jedes noch so kleine Detail bei einer sauberen Implementierung Barrieren abbaut und echte Kreativität freisetzt.

Mit NKS2 wurden viele Hürden für wirklich durchdachte Mappings beseitigt, unter denen das ursprüngliche NKS noch litt, und die Implementierungsmethoden in Kontakt wurden deutlich verbessert. Man könnte sagen: Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, uns für genau diese Sache starkzumachen!

Ein echtes Highlight ist die User-Engine, mit der Produzent*innen ihr eigenes Audiomaterial per Drag-and-drop in eure Signalkette ziehen können. Was war die Inspiration dahinter, einen Flaggschiff-Synthesizer in eine High-End-Bearbeitungsumgebung für die eigene Sample-Sammlung zu verwandeln?

Ich erinnere mich an das Interview mit Ilan Eshkeri im Native Instruments-Blog, in dem er darüber spricht, wie er Kontakt als Front-End für seine eigenen Samples nutzt. Wenn User*innen eigene Samples laden können, stellen wir ihnen mit unseren Instrumenten gewissermaßen hochgradig vorkonfigurierte Kontakt-Engine-Oberflächen zur Verfügung – und wir hoffen, dass genau solche Workflows damit jede Menge Spaß machen.

Genauso wie wir es lieben, unsere eigene Sample-Sammlung in Engines wie Absynth zu laden und sie als Spielwiese fürs Sound-Design zu nutzen, wollten wir unseren User*innen genau dieses Erlebnis mit unseren eigenen Instrumenten ermöglichen. Es ist außerdem eine hervorragende Möglichkeit, Kontakt Player-Nutzer*innen einen Workflow zu bieten, mit dem sie eigene Samples in Kontakt verwenden können – was sonst meist der Kontakt-Vollversion vorbehalten ist.

Oscillarys effects page

Ocean Swift blickt auf eine lange Tradition außergewöhnlicher Synthesizer zurück. Während ältere Stand-alone-Plug-ins wie Polyphenom und Aeolian Meditation als architektonische Inspiration für Oscillarys dienten, seid ihr mittlerweile komplett ins Kontakt-Ökosystem gewechselt. Wie hat euch die Weiterentwicklung der Kontakt-Engine dabei geholfen, neue Maßstäbe im Cinematic Scoring zu setzen, die zu euren Anfängen noch undenkbar waren?

Das ist eine sehr gute Beobachtung. Als wir noch eigenständige VSTs gebaut haben, floss ein riesiger Teil unserer Energie in die Pflege „unter der Haube“: sicherstellen, dass das Plug-in in den verschiedenen DAWs sauber läuft, Installer verwalten und uns um Grundlegendes wie MIDI kümmern.

Der komplette Wechsel ins Kontakt-Ökosystem – besonders mit den neuesten Versionen – fühlte sich an, als würde eine gewaltige Last von unseren Schultern fallen. Wir können uns nun zu 100 % auf die klangliche Architektur konzentrieren. Die Entwicklung der Engine – vor allem Features wie die tiefgehende Wavetable-Unterstützung und Effekte der neuesten Generation wie Raum, das Monark-Filter, Kolor und andere – liefert uns ein erstklassiges Toolkit, dessen Eigenentwicklung Jahre gedauert hätte. Ganz zu schweigen von allen weiteren Vorzügen: die direkte Integration unserer Instrumente mit NKS-Hardware, standardmäßig integrierte Barrierefreiheit, moderne Preset-Browsing-Konzepte und die Zusammenarbeit mit dem fantastischen Partnerschafts-Team von NI.

Yaron modular setup

Bring deine eigenen Sounds in die Signalkette

Mit dem Fokus auf Barrierefreiheit und einer auf User*innen ausgerichteten Engine beweist Ocean Swift, dass komplexe Synthese keine geschlossene Blackbox sein muss. Ganz gleich, ob du deine eigenen Field-Recordings hineinziehst oder das riesige Archiv mit 1.500 Samples erkundest: Oscillarys liefert dir die perfekten Werkzeuge, um schnell zu neuen Ideen zu gelangen.

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