Die in der Schweiz geborene und in London lebende Produzentin und Live-Künstlerin Sensu meldet sich mit Pure Motion zurück, einer Sechs-Track-EP auf Headroom Records. Das Release spiegelt ihren intuitiven Ansatz beim Produzieren wider: eine Mischung aus UK Garage, Breakbeat, Bass und Ambient-Texturen, die zu einem rohen, emotionalen und direkten Sound verschmelzen.
Entstanden in Sessions zwischen Kopfhörern, Club-Soundsystemen und ruhigen Stunden in ihrem Londoner Studio, markiert Pure Motion ein neues Kapitel in Sensus Entwicklung. Der Sound wirkt persönlich und ist doch für den Dancefloor gemacht – eine Balance aus der introspektiven Klarheit ihrer früheren Arbeiten und der Energie moderner Bassmusik. Jeder Track bewegt sich zwischen Präzision und Intuition und trägt ihre vertraute Mischung aus Wärme und Wucht in sich.
In diesem Interview erzählt Sensu, wie Massive zum Mittelpunkt ihres Workflows wurde und ihr dabei half, das tragende Low-End der EP zu formen – und gleichzeitig Raum für Emotion und Flow zu lassen.
Direkt zu den Abschnitten:
- Bass als emotionales Fundament
- Die Balance zwischen Intimität und Club-Energie
- Startpunkte für Bässe in Massive
- Warum Massive noch immer Sensus Workflow prägt
- Neue Ansätze für Basslines
- Bass-Design einfach und persönlich halten
Entdecke den originalen Massive und erfahre, warum dieser Wavetable-Synthesizer zu einem echten Klassiker geworden ist.
Pure Motion wurde als kreativer Neustart für dich beschrieben. Welche Rolle spielte Bass dabei, dieses Gefühl für Instinkt und Ehrlichkeit zu finden?

Bass ist für meine Herangehensweise an Musik immer wichtiger geworden. Es ist das Element, das einen Track trägt und die Kraft hat, Menschen emotional zu bewegen – besonders im Live-Kontext.
Als ich vor etwa 14 Jahren anfing, HipHop-Beats zu produzieren, fiel mir der Umgang mit Bass echt schwer – vor allem herauszufinden, wie er im Mix richtig sitzt. Mit der Zeit habe ich ihn lieben gelernt und verstanden, wie entscheidend er für die Energie eines Songs ist. In den letzten Jahren tendiere ich eher zu dunkleren Basstönen. Sie können die Richtung eines Tracks komplett verändern.
Das hat den kreativen Prozess hinter Pure Motion definitiv geprägt.
Gehst du an Bass anders heran, wenn du intimere Stücke schreibst, als wenn du auf maximale Club-Wirkung abzielst?

Absolut. Es hängt immer vom jeweiligen Song ab. Wenn ich an etwas Emotionalerem arbeite, wie „Take U Back“, ist der Bass meist weicher und texturierter – etwas, das den Track subtil trägt. Bei tanzbareren, treibenderen Sachen brauchen die Tonfolge und das Sound-Design eine ganz andere Energie.
Ich folge einfach dem, wohin der Song will.
Was ist dein Ausgangspunkt, wenn du Bass-Patches in Massive baust? Gibt es bestimmte Oszillator- oder Filtereinstellungen, auf die du immer wieder zurückgreifst?

Ehrlich gesagt gibt es da draußen schon so viele großartige Presets.
Ich fange meist mit einem davon an, passe Parameter wie den Filter-Cutoff an und nutze dann Automationen, um Bewegung und Tiefe reinzubringen. Es geht weniger um eine feste Formel als vielmehr darum, den Sound so zu formen, dass er mit dem Track atmet.
Massive gibt es schon seit vielen Jahren, und trotzdem schwören unzählige Produzent*innen darauf. Was macht ihn in deinem Workflow im Vergleich zu neueren Synths weiterhin unverzichtbar?

Ich liebe einfach seinen Klangcharakter. Die Bässe sind so fett – das begeistert mich total. Vor allem bei Reese-Bässen erreiche ich mit anderen Synths einfach nicht dieselbe Textur.
Massive hat einfach etwas, das auf den Punkt trifft.
Glaubst du, dass „Wanna See U Again“ eine neue Richtung dafür vorgibt, wie du Basslines künftig angehen wirst?
Nicht unbedingt. Für genau diesen Track hat es sich einfach perfekt angefühlt – sowohl emotional als auch von der Energie her. Ich liebe es zu experimentieren und Neues auszuprobieren. Je nach Vibe zukünftiger Tracks könnte ein ähnlicher Bass-Stil also durchaus wieder auftauchen.
Vielleicht hört man in kommenden Releases Anklänge an „Wanna See U Again“ oder „Rain“, aber so etwas passiert meist ganz organisch. Ich plane das nicht im Voraus.
Glaubst du, dass Produzent*innen das Bass-Design heutzutage oft unnötig verkomplizieren?

Eigentlich nicht. Ich habe zum Beispiel viel von Künstler*innen wie Lawrence Hart gelernt. Wenn ich seine neueren Sachen höre, bin ich fasziniert davon, wie voll und lebendig seine Bass-Sounds klingen.
Das möchte ich definitiv weiter erkunden und verfeinern. Trotzdem finde ich es wichtig, die Dinge nicht zu zerdenken. Am Ende muss sich das Gesamtgefühl einfach richtig anfühlen.
Darauf kommt es meiner Meinung nach wirklich an.
Fazit
Sensus Herangehensweise an Bässe spiegelt genau den intuitiven Geist wider, der Pure Motion auszeichnet.
Mit Massive verbindet sie Textur und Tonalität und nutzt seine Wärme, um lebendige Basslines zu erschaffen. Jeder Sound wirkt wohlüberlegt und präzise auf das emotionale Gewicht ihrer Tracks abgestimmt – ohne den treibenden Punch zu verlieren.
Mit diesem Projekt beweist Sensu eindrucksvoll, wie viel Tiefe in der Einfachheit liegen kann. In ihrem Arbeitsprozess dreht sich alles um Vertrauen: Vertrauen in den eigenen Instinkt, in den Sound und in das Gespür dafür, wann Musik atmen muss. Diese Ehrlichkeit spiegelt sich in einer Platte wider, die unmittelbar und zeitlos zugleich wirkt – tief in Emotionen verwurzelt und doch wie geschaffen für den Dancefloor.
Ein großes Dankeschön an Sensu für die Einblicke in ihre Arbeitsweise und Philosophie. Pure Motion ist ab sofort auf Headroom Records erhältlich.