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Wie Adana Twins mit Guitar Rig Wärme und Bewegung formen

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Adana Twins

Die aktuelle Single der Adana Twins, „Keep On Coming“, entstand in Zusammenarbeit mit Ocean Flor und Sänger Jesse Trinidad und stößt klanglich in noch ausdrucksstärkere Gefilde vor. Erschienen auf ihrem eigenen Label TAU, beginnt der Track mit einer verletzlichen, cineastischen Stimmung und steigert sich langsam zu etwas Dringlichem, Euphorischem – so sehr, dass Pete Tong damit sein Coachella-Set eröffnete.

Eine der geheimen Zutaten, die alles zusammenhält: Guitar Rig.

Bekannt für Flexibilität und emotionales Tone-Shaping hilft Guitar Rig dem Hamburger Duo dabei, subtile Layer nach vorn zu bringen, bei Bedarf etwas Schmutz hinzuzufügen und ihren Basslines genau das Fundament zu geben, das den Track trägt.

In diesem Interview erzählen sie, wie sich ihr Einsatz von Guitar Rig im Lauf der Jahre verändert hat – von roher Verzerrung hin zu modellierten Emotionen. Außerdem erklären sie die Techniken hinter einigen ihrer Lieblings-Sounds auf „Keep On Coming“ und ihrem Remix von Josh Winks Klassiker „Higher State of Consciousness“.

Direkt zu den Abschnitten:

Hier steckt jede Menge Workflow-Gold drin. Und das Beste: Du kannst die Sounds der Adana Twins mit kostenlosen Guitar Rig-Presets selbst ausprobieren.

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Wenn ihr heute Guitar Rig öffnet: Was ist meist euer Ziel – Tone-Shaping, Bewegung oder Stimmung?

Wenn wir Guitar Rig im Studio öffnen, geht es uns in erster Linie darum, Emotionen zu wecken. Guitar Rig ist unser Tool der Wahl, um unseren Produktionen Seele einzuhauchen – besonders bei Basslines, die voll, satt und lebendig klingen und den Track tragen sollen. Wir nutzen es, um Wärme, Knackigkeit und Charakter reinzubringen.

Wir schicken zum Beispiel gern einen Synth-Bass durch einen Amp, um ihm diese dreckige, organische Tiefe zu geben, oder legen ein Tape Delay drauf, um ein nostalgisches, menschliches Feeling zu erzeugen. Tone-Shaping und Bewegung gehören natürlich dazu – Effekte wie Delays oder Panning bringen Leben rein –, aber all das dient dem größeren Ziel: emotionaler Wirkung.

Wir drehen nicht einfach nur an Reglern, sondern fragen uns: ‚Löst diese Bassline etwas aus? Trägt sie die Stimmung?‘ Die Vielseitigkeit von Guitar Rig ermöglicht es uns, genau diesen emotionalen Kern zu treffen – egal, ob wir an einem melancholischen Intro oder einem Peak-Time-Drop arbeiten. Vor allem, wenn unsere Tracks einen analogen Indie/Rock-Touch brauchen, ist es ein unglaublich nützliches Tool.

Tipp der Adana Twins: Dupliziere deine Bass-Spur oder erstelle eine Return-Spur für paralleles Processing. Behalte den Original-Bass in Mono, damit er sauber bleibt. Nutze Effekte wie Delays oder Modulation auf der zweiten „Stereo-Bass“-Spur und automatisiere sie, um dynamische Tiefe und Textur zu erzeugen.

Wie findet ihr die Balance zwischen subtiler Textur und Übertreibung – besonders bei emotionalen Tracks wie „Keep On Coming“?

Die Balance zwischen subtiler Textur und Over-Processing ist entscheidend, besonders bei gefühlvollen Tracks wie „Keep On Coming“, wo die Bassline und andere Elemente glänzen müssen, ohne erdrückt zu werden. Wir haben Guitar Rig hier eingesetzt, um das emotionale Gewicht der Bassline und anderer Layer zu verstärken – ganz gezielt und wohldosiert.

Wir jagen zum Beispiel eine Bassline durch einen Amp, um ihr ein warmes, leicht gesättigtes Feeling zu geben, halten aber den Gain niedrig und mischen das bearbeitete mit dem Dry-Signal. So behält der Bass seine Klarheit und seinen Punch. Das Ziel ist eine volle, lebendige Bassline, die das Herzstück des Tracks nicht überdeckt.

Bei „Keep On Coming“ haben wir außerdem das Reverb Delight von Guitar Rig verwendet, um einem Vocal-Chop subtile Tiefe zu verleihen. Wir sind große Fans von Automationen, um Tracks dynamisch zu halten: Parameter wie Delay-Feedback oder Filter-Cutoff werden moduliert, damit sich die Textur entwickelt, ohne den Mix zu überladen. Es geht darum, die Emotion zu unterstützen – nicht darum anzugeben.

Raum in Guitar Rig
Raum in Guitar Rig

Und ich habe außerdem den „8 Bit Raum“ auf den fetten House-Chords eingesetzt, um für extra Crunch zu sorgen.

Tipp der Adana Twins: Starte mit Presets und schraube dann daran. Die Preset-Library von Guitar Rig ist ein großartiger Ausgangspunkt. Wähle ein Preset, das zu deiner Stimmung passt, und passe dann einen Parameter an – zum Beispiel Reverb-Decay oder Distortion-Drive –, um es perfekt auf den emotionalen Kern deines Tracks abzustimmen. Probier einfach aus, was gut klingt.

Hat sich euer Einsatz von Guitar Rig seit euren ersten Tracks verändert, oder löst es immer noch dieselben zentralen Aufgaben für euch?

Unser Umgang mit Guitar Rig hat sich seit unseren frühen EPs weiterentwickelt, als wir noch mehr mit Samples gearbeitet haben. Damals haben wir es vor allem für rohe Verzerrung genutzt, um druckvolle, club-taugliche Sounds zu bauen.

Adana Twins
Adana Twins

Es ging vor allem darum, dass die Tracks richtig reinhauen: eine Tubescreamer- oder Big Muff-Emulation auf den Bass-Synth, um ihm Biss zu verpassen. Diese frühen Basslines waren zwar druckvoll, aber manchmal fehlte ihnen die emotionale Tiefe.

Heute – wie bei unserem jüngsten Release auf TAU – nutzen wir Guitar Rig, um gezielter Emotionen zu wecken und Basslines zu formen, die voll und lebendig klingen und die Seele des Tracks tragen. Wir greifen auch gern zu Lo-Fi-Komponenten und Modulationseffekten, um Texturen hinzuzufügen, die die Stimmung vertiefen.

Verzerrung in Guitar Rig einsetzen
Verzerrung in Guitar Rig einsetzen

Ich habe zum Beispiel das Preset „Vocal Dimension“ für ein paar Vocal-Loops genutzt. Zwar geht es immer noch darum, Charakter reinzubringen, aber heute steht das Schaffen emotionaler Layer im Vordergrund – die Brücke zwischen intimen Momenten und Club-Energie. Die erweiterten Möglichkeiten von Guitar Rig passen perfekt zu unserer Entwicklung hin zu tieferen, atmosphärischeren Produktionen.

Tipp der Adana Twins: Moduliere alles mit LFOs und Macros. Weise LFOs oder Macros praktisch jedem Parameter zu – wie Filter-Cutoff, Delay-Zeit oder Reverb-Mix –, um lebendige, sich entwickelnde Sounds zu kreieren. So bringst du Bewegung ins Spiel und sorgst dafür, dass deine Produktionen frisch und dynamisch bleiben.

Wenn ein Layer im Stereofeld „atmen“ soll: Wie hilft euch Guitar Rig dabei?

Wenn ein Layer im Stereofeld „atmen“ soll, ist Guitar Rig eines unserer wichtigsten Werkzeuge für Breite und Bewegung. Die Kombination aus Stereo-Effekten – Chorus, Phaser, Panning-Module, kreative Delays – macht aus einem statischen Sound etwas mit echtem Raumgefühl und Dynamik.

Psyche Delay in Guitar Rig
Psyche Delay in Guitar Rig

Wir nutzen zum Beispiel gern ein Vintage Chorus oder Psyche Delay, um einem Pad oder einer Vocal-Spur subtile Bewegung mitzugeben – so fügt es sich sauber in den Mix ein, ohne mit anderen Elementen zu kollidieren.

Choral in Guitar Rig
Choral in Guitar Rig

Eine Technik, die wir besonders bei Basslines oft anwenden: Wir erstellen eine zweite Spur rein für das Stereo-Processing. Auf diesem Duplikat nutzen wir Guitar Rig, um ein breites Stereofeld aufzubauen – mal mit Amp-Emulationen, mal mit Stereo-Modulation oder Mid/Side-Effekten. Das Ganze lässt sich dann unabhängig von der mono gehaltenen Haupt-Bassline steuern. So bleibt das Low-End fokussiert und druckvoll, während der bearbeitete Stereo-Layer den höheren Frequenzen Tiefe und Lebendigkeit verleiht.

Indem wir beide Spuren mischen, bekommen wir einen Bass-Sound, der im Club ordentlich schiebt und im Mix lebendig wirkt.

Ein perfektes Beispiel dafür war unser Remix von Josh Winks „Higher State of Consciousness“. Ich hatte mir extra zwei, drei analoge Gitarrenpedale gekauft, weil ich dachte, sie würden der Bassline den gewünschten Charakter verleihen. Nach einigem Experimentieren landete ich dann aber doch bei Guitar Rig – einfach weil es mir mehr Kontrolle und Flexibilität bot.

Das Ergebnis war so überzeugend, dass Josh selbst extrem angetan war – so sehr, dass er mich später nach der Bassline fragte, weil das Original aus den 90ern verloren gegangen war.

Dieser Moment hat gezeigt, wie mächtig Guitar Rig ist – nicht nur für kreatives Sound-Design, sondern auch für professionelle Ergebnisse, die selbst echte Legenden überzeugen.

Tipp der Adana Twins: Experimentieren! Schicke Vocals, Synths oder Drum-Loops durch die Amps und Effekte von Guitar Rig. Probier zum Beispiel mal den Fire Seeker-Amp auf einem Vocal-Chop aus – für einen texturierten, emotionalen Layer, der eine schwere Bassline perfekt ergänzt.

Wie unterstützt Guitar Rig die emotionale Stimmung von Tracks, die intim wirken und trotzdem club-tauglich sein sollen?

Guitar Rig spielt eine zentrale Rolle bei Tracks, die intim und zugleich club-tauglich klingen sollen – besonders für unsere satten Basslines und emotional aufgeladenen Elemente. Für Intimität nutzen wir oft Lo-Fi-Komponenten wie Noise Machine, um eine nostalgische, leicht unperfekte Textur zu erzeugen. Bei „Keep On Coming“ haben wir einen Bass-Synth mit niedrigem Gain durch den Tweed Delight-Amp geschickt, was ihm eine warme, greifbare Qualität verliehen hat – nahbar und einladend.

Citrus in Guitar Rig
Citrus in Guitar Rig

Diese feinen Unvollkommenheiten machen die Bassline menschlich und ziehen das Publikum förmlich in den Track hinein.

Damit der Track auch im Club zündet, bringen wir diese Basslines mit den Amps von Guitar Rig in kraftvolle, dynamische Bereiche. Der Bass Rage-Amp etwa sorgt für einen kernigen Punch, damit sich der Bass auf Club-Anlagen durchsetzt, ohne seine emotionale Tiefe zu verlieren. Außerdem nutzen wir Loop Machine Pro, um rhythmische Elemente oder Vocal-Loops live zu layern.

Durch das Zusammenspiel intimer Texturen mit treibenden, effektbeladenen Elementen – sorgfältig mit dem EQ in den Mix eingepasst – hilft uns Guitar Rig dabei, Basslines und Layer zu bauen, die persönlich wirken und zugleich auf der Tanzfläche funktionieren. Sie berühren und bringen die Leute in Bewegung.

Welchen Rat habt ihr für Producer*innen, die nach dieser warmen, nicht zu sterilen Textur suchen: Wie holt man das Beste aus Guitar Rig heraus?

Sieh es als Spielwiese und schicke einfach alles – Vocals, Synths, Drum-Loops, sogar Field-Recordings – durch die Amps und Effekte.

Adana Twins
Adana Twins

Experimentiere ungeniert mit unkonventionellen Signalketten – kombiniere etwa einen dreckigen Röhren-Amp mit einem leiernden Tape Delay oder einem Lo-Fi-Reverb auf Nicht-Gitarren-Spuren. Feine Sättigung und analoge Wärme holst du dir über Preamp und EQ-Einstellungen. Und hab keine Angst davor, Plug-ins bis an ihre Grenzen zu treiben, um glückliche Zufälle zu provozieren.

Der Schlüssel liegt darin, über traditionelle Gitarren-Sounds hinauszudenken und die Vielseitigkeit des Plug-ins deinen ganz eigenen Vibe formen zu lassen.

Fazit

Ein großes Dankeschön an die Adana Twins für diesen spannenden Einblick, wie Guitar Rig ihren Workflow bereichert. Auffällig ist vor allem, wie selbstverständlich das Plug-in bei ihnen integriert ist: Es ist ihr verlässliches Tool, wenn etwas wärmer, breiter oder lebendiger klingen soll. Ob subtiles Eiern auf einem Lo-Fi-Layer oder das Aufblühen im Stereofeld bei einem gedoppelten Bass – sie nutzen es, um Emotionen herauszuarbeiten, ohne den Mix zu vermatschen.

Viele suchen nach Wegen, ihren Tracks mehr Durchschlagskraft zu geben, ohne die Dynamik plattzuwalzen. Schmutz hinzuzufügen, ohne Tiefe zu verlieren. Guitar Rig scheint genau diesen Sweetspot zu treffen: grenzenloses Experimentieren ohne Abstriche beim Feinschliff.

Am Ende geht es weniger um bestimmte Reglerstellungen als um die richtige Haltung: Nutze die Werkzeuge, folge dem Gefühl – und lass das Processing im Hintergrund wirken, bis es wirklich nach vorn treten soll.

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